Universit ät Augsburg WS 1998/99
Phil. Fakultät I
-Pädagogik-
Seminar 04204: Aspekte des Methodischen in der Erziehung
Referat : Arrangieren als Erziehungsmethode
am 15.01.1999
Referent : Thomas Ziegler
Inhaltsübersicht: Seite:
1 Grundformen pädagogischen
Handelns.
2
2 Arrangieren in der Familie. 3
2.1 Spracherziehung. 3
2.1.1 Kinder hören zu. 4
2.1.2 Kinder sprechen selbst. 4
2.2 Soziale Interaktionen. 5
2.3 Anregung bei den Schularbeiten. 6
2.4 Gestaltung der häuslichen Umwelt. 6
2.4.1 Mal- und Bastelgerät. 7
2.4.2 Spielzeug. 7
2.4.3 Häusliche Pflichten und Möglichkeiten. 8
2.4.4 Medien. 8
2.5 Ausweitung des Erlebnishorizontes. 9
3 Grundsätze für die Praxis. 10
Literaturverzeichnis. 11
1
1 Grundformen pädagogischen Handelns
Der Göttinger Pädagoge Hermann Giesecke arbeitete in seinem Buch „Pädagogik als Beruf“ (1997) diejenigen Formen pädagogischen Handelns heraus, die allen pädagogischen Tätigkeiten zu Grunde liegen. Es gelang ihm, die große Menge pädagogischer Handlungsmöglichkeiten auf fünf Grundformen zu reduzieren. Er unterscheidet dabei Unterrichten, Informieren, Beraten, Arrangieren und Animieren. Die grundlegenden Unterschiede dieser Begriffe werde ich nun kurz erklären, bevor ich mich ausführlicher mit einer Sonderform des Arrangierens beschäftige: dem Arrangieren von Lernsituationen innerhalb der Familie.
Gieseckes erste Handlungsform, das Unterrichten, ist uns allen aus der Schule bekannt. Sie tritt aber auch in vielen weiteren Bereichen des täglichen Lebens auf, auch in solchen, die sich selbst nicht als pädagogisch verstehen, z.B. in der Politik. Bei der Handlungsform des Unterrichtens geht es stets darum, „... relativ komplexe Sachzusammenhänge in einem längeren Argumentationsprozeß anderen zu erklären.“ (Giesecke, 1997, S. 79). Prinzipiell kann also jede Person, die über geeignetes Wissen verfügt, andere unterrichten. Das Charakteristische hierbei ist, dass sich Unterricht nicht an aktuellen Erfahrungen orientiert. Vielmehr ist es das Ziel, auf zukünftige Lebenssituationen vorzubereiten, Wissen über Dinge zu vermitteln, die der Unterrichtete selbst gar nicht kennengelernt hat. Im Gegensatz hierzu ist Informieren immer auf aktuelle Situationen bezogen. „Wer informiert, weiß etwas, was der andere nicht weiß, aber für sein Verhalten benötigt.“ (Giesecke, 1997, S. 84). Informationen bedürfen keiner komplizierten Interpretation. Sie erklären Sachverhalte präzise und dienen dazu, den Informationssuchenden von aktuellen Verhaltensunsicherheiten zu befreien.
Eine weitere Handlungsform ist die Beratung. Um überhaupt von Beratung sprechen zu können, müssen folgende Kriterien erfüllt sein: Zunächst einmal setzt der Ratsuchende selbst das Lernziel der Beratung. Er hat also ein Problem, das er zu seiner Zufriedenheit lösen möchte. Des Weiteren muss es dem Ratsuchenden freistehen, den Rat anzunehmen oder ihn zu verwerfen. Dies setzt voraus, dass mehrere Handlungsvarianten zur Auswahl stehen. Beratung ist eine individuelle Handlungsform und bedarf deshalb größter Diskretion. Bei der Handlungsform des Arrangierens geht es darum, Lernsituationen herzustellen. Hierbei können die Lernziele sowohl sehr präzise als auch ziemlich allgemein sein. Oft glauben Pädagogen, sie müssten stets ein konkretes Ziel vor Augen haben, das sie dann auf verschiedenste Weise zu erreichen suchen. Häufig vergisst man jedoch, dass bereits das Arrangieren von Lernsituationen, z.B. das Einrichten eines Kinderzimmers, eine wichtige pädagogische Handlungsform ist. Man unterbreitet „nur“ ein Angebot, das beliebig genutzt werden kann.
Die letzte Grundform pädagogischen Handelns ist das Animieren. Es handelt sich hierbei „... um den Versuch, andere dazu zu bewegen, in einer gegebenen Situation mögliche Lernchancen auch zu nutzen.“ (Giesecke, 1997, S. 102). Man will sie dazu bringen, sich auf etwas einzulassen, das sie ohne diesen Ansporn wahrscheinlich nicht tun würden, weil sie Angst davor, oder einfach nur kein Interesse haben. Animieren wird oft zusammen mit Arrangieren verwendet: Zuerst wird eine Situation arrangiert, in der man dann später zu etwas animiert.
Diese fünf Grundformen pädagogischen Handelns findet man ebenfalls in der Erziehung von Kindern. Auch hier hat man die Möglichkeit, Kinder zu unterrichten (z.B. in der Schule), sie zu informieren und beraten, wenn sie Fragen oder Probleme haben, man kann Kinder dazu animieren bestimmte Handlungen auszuführen und man kann versuchen, Lernsituationen zu arrangieren, in denen die Kinder selbst ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten erproben, erfahren und erweitern können. Die letzte Möglichkeit werde ich im Folgenden ausführlich darstellen.
2
2 Arrangieren in der Familie
Die Handlungsform des Arrangierens ist sehr vielfältig. Deshalb unterscheidet Giesecke in Hinsicht auf die Zielsetzung vier Formen des Arrangierens:
- soziale Bedingungen erstellen, die ein Zusammenleben und pädagogische Tätigkeiten ermöglichen (z.B. Untergliedern einer Menge in überschaubare Kleingruppen)
- Arrangieren als eine Methode, ein bestimmtes Ziel zu erreichen (z.B. Aufteilung der Sitzmöglichkeiten in kleine Gruppen um dadurch Gruppenarbeit zu ermöglichen)
- Eine Situation oder die Lebensumwelt von Menschen wird arrangiert, die Lernziele überlässt man jedoch den anderen (auf einer Freizeit stehen z.B. verschiedene Spiel-und Bastelgeräte zur Verfügung; was man macht, bleibt jedem selbst überlassen)
- Arrangieren um gewünschte Emotionen zu wecken (z.B. professionelles
Verkaufsgespräch). Hierbei besteht jedoch die Gefahr des Missbrauchs durch Manipulation der Emotionen!
Ich werde mich auf die dritte Möglichkeit konzentrieren, da sie meiner Meinung nach im Bereich der Kindererziehung große Erfolge erzielen kann. Die Lebensumwelt ist für Kinder von größter Bedeutung, da sie ihr permanent ausgesetzt sind. Von ihr hängt es ab, wie sich Kinder entwickeln, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sie erlernen und ausbauen können und folglich auch, wie ihr späteres Leben aussehen wird. Im Bereich der Umweltgestaltung gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Entweder hält man negative Einflüsse von Kindern fern, oder man setzt sie positiven, fördernden Situationen aus. Durch eine ständige Behütung der Kinder vor gefährlichen und negativen Situationen läuft man jedoch Gefahr, die Kinder zu stark von der Realität abzuschirmen. Konsequenz hiervon wäre, dass die Kinder später von der Gesellschaft überfordert sind und nicht zurecht kommen. Deshalb halte ich es für sinnvoller, Kinder möglichst realen Situationen auszusetzen, in denen sie sich selbst, ihre körperlichen Fähigkeiten, verschiedene Verhaltensweisen und
Problemlösungsstrategien kennenlernen und dadurch nicht nur adäquat auf ihr künftiges Leben vorbereitet werden, sondern auch lernen, dass und wie sie mit neuen Problemen umgehen können.
Bevor man innerhalb der Familie bestimmte Lernsituationen arrangiert, muss man sich jedoch Gedanken machen, welche Grobziele man bei seinen Kindern erreichen will. Über welche Schritte das Kind dann die gewünschten Ziele erreicht, ist von ihm selbst abhängig. Die Eltern arrangieren „nur“ verschiedene Lernsituationen, die das Kind frei nutzen kann. Mögliche Erziehungsziele sind Selbständigkeit, gesunde körperliche, psychische und kognitive Entwicklung, angemessene Kommunikationsfähigkeit, soziale Fähigkeiten, gute Schulleistungen, usw..
Diese Liste ließe sich noch lange weiter führen. Letztendlich hängt es aber von den Erwartungen der Eltern und der Gesellschaft ab, welche Erziehungsziele angestrebt werden. In welchen familiären Bereichen hat man als Elternteil die Möglichkeit die Umwelt zu arrangieren um bestimmte Erziehungsziele zu erreichen? Wie wirken sich die Gestaltungsmöglichkeiten auf die Entwicklung des Kindes aus? Clemens Trudewind nennt in seinem Buch „Häusliche Umwelt und Motiventwicklung“ (1975) mehrere Dimensionen, in denen die Familie auf ihre Kinder einwirken kann. In Anlehnung an diese Aufteilung werde ich im Einzelnen auf die Bereiche der Spracherziehung (2.1), der sozialen Interaktion (2.2), der Schularbeiten (2.3), der häuslichen Umwelt (2.4) und auf den Erlebnishorizont der Kinder (2.5) eingehen.
3
Arbeit zitieren:
Dipl. Päd. (Univ.) Thomas Ziegler, 1999, Arrangieren als Erziehungsmethode, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zwischen Inklusion und Exklusion - Aufgaben und Funktion Sozialer Arbe...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 21 Seiten
Mädchen und Gewalt - Erscheinungsformen, Gegner und Anlässe
Diplomarbeit, 134 Seiten
Geschlechterdifferenzen in der Aggression und im aggressiven Verhalten
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 17 Seiten
Demenz – Ein Krankheitsbild als Herausforderung für die sozialpädagogi...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 86 Seiten
Theorien und Modelle zur Animation und Animationsdidaktik im Vergleich
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Seminararbeit, 22 Seiten
Koedukation in der Schule - Das Für und Wider des gemeinschaftlichen U...
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Josef Derbolavs „Pädagogische Anthropologie“
Theorie der individuellen Selb...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Seminararbeit, 12 Seiten
Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen einzelner Seminarteilnehmer
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit, 24 Seiten
Kompetenzen in der ambulanten Drogenberatung - Beratungsansätze bei Me...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Erarbeitung sozialer Umgangsformen mit Fünftklässlern unter dem Motto:...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Examensarbeit, 22 Seiten
Flow-Erleben bei Kindern. Die Polarisation der Aufmerksamkeit als Erzi...
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Konfrontative Pädagogik - Standortbestimmung, Methodik, Modelle, Ziele...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Anfangssituationen in Seminaren der Erwachsenenbildung
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit, 17 Seiten
Pro und Kontra Koedukation - ein Weg zu mehr Gleichberechtigung
Seminararbeit, 21 Seiten
Thomas Ziegler hat den Text Arrangieren als Erziehungsmethode veröffentlicht
Thomas Ziegler hat einen neuen Text hochgeladen
Arrangieren und Produzieren. Mit CD
Instrumentenkunde, Satztechnik...
Markus Fritsch, Peter Kellert, Andreas Lonardoni
Geometrische Grundbegriffe/Geometrische Grundformen. 5./6. Klasse. Sch...
Heiner Juen, Christa Juen-Kretschmer
0 Kommentare