1. Einleitung
Mitte des 19. Jahrhunderts flammte eine Bewegung auf, deren Forderungen und Ziele bis zum heutigen Tag von großen Teilen der walisischen, schottischen und nordirischen Bevölkerung unterstützt werden. Sie zeigt die Tendenz zur Rückbesinnung auf die eigene nationale Identität und, damit verbunden, eine teilweise Abkehr von Großbritannien bzw. dem Vereinigten Königreich, auf.
Eine ähnliche Entwicklung kann man bei der Betrachtung der Geschichte des Britischen Empires beobachten. Die Rückbesinnung auf die eigene nationale Identität der verschiedenen Kolonien begann mit einzelnen Aufständen, führte zur Errichtung von Dominions und dem British Commonwealth of Nations und mündete schließlich im Commonwealth of Nations, dessen Etablierung aufgrund der stetig zunehmenden Unabhängigkeitsforderungen undkämpfe unabdingbar war.
Diese wissenschaftliche Arbeit thematisiert den Vergleich beider Entwicklungen. Um dies besser darstellen zu können, werden erst einmal die Entstehung des Vereinigten Königreiches und die Geschichte des britischen Kolonialreiches näher erklärt. Im Anschluss soll die Wiederbelebung der nationalen Identitäten in den einzelnen Staaten der UK anhand der Home Rule- und Devolution-Bewegung beschrieben werden. Schließlich wird auf den direkten, historisch fundierten Vergleich der beiden Entwicklungen eingegangen. Im ersten Teil soll gezeigt werden, wie Wales, Schottland und Irland, auf ihre jeweils eigene Weise, in den Staatenbund von Großbritannien bzw. des Vereinigten Königreiches eingegliedert wurden. Dabei werden nicht nur historische Fakten genannt, sondern auch gezeigt, inwiefern englische Eigenschaften übernommen wurden und eigene nationale Aspekte in den Hintergrund traten.
Das zweite Kapitel wird nicht nur eine rein geschichtliche Entwicklung des Empires beinhalten, sondern den Fokus auf Kanada und dessen Devolution-Bewegung, mit Hinblick auf dessen nationale Identität, legen. Weiterhin sollen auch andere Kolonien und Dominions und die Etablierung des Commonwealth of Nations berücksichtigt werden. Die Devolution-Bewegung im Vereinigten Königreich ist Thema des dritten Kapitels. Es sollen sowohl die Anfänge - die Home-Rule-Bewegung - als auch die Träger und Ziele dieser Formierung dargestellt werden. Des Weiteren werden die wieder aufkommenden nationalen Identitäten in Wales, Schottland und Irland - wobei auch der irische Unabhängigkeitskampf
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und die Teilung des Landes eine Rolle spielen werden - näher untersucht und mit der Devolution-Bewegung in Verbindung gebracht.
Abschließend soll im letzten Kapitel der bereits genannte direkte Vergleich zwischen den Entwicklungen innerhalb des Britischen Empires und der seit dem 19. Jahrhundert aufkommenden nationalen Identität in allen Teilen des Vereinigten Königreiches unternommen werden. Dabei soll besonders auf die Ziele, Umsetzung und Ergebnisse der Kolonien bzw. der einzelnen Nationen der UK eingegangen werden. Darauf folgt die nähere Betrachtung der Beispiele Kanada und Schottland, um die genannten Vergleichsaspekte zu bekräftigen.
Die Auseinandersetzung mit den Parallelen zwischen der Geschichte des Britischen Empires und der Home Rule- bzw. Devolution-Bewegung im Vereinigten Königreich ist sehr interessant, da sich bislang noch kein Autor mit genau dieser Problematik beschäftigt hat; es gibt kein Dokument, das einen direkten Zusammenhang beider Themenbereiche beschreibt. Jedoch existiert eine Vielzahl von Literatur über das Britische Empire. Es gibt Gesamtüberblicke und Einzeldarstellungen zu verschiedenen Kolonien und Thematiken. Ähnlich ist es bei der Betrachtung der Literatur zu den einzelnen Nationen des Vereinigten Königreiches. Zu jedem Staat existieren Untersuchungen der Geschichte, die in den meisten Fällen auch die wiedererwachende nationale Identität ab Mitte des 19. Jahrhunderts beinhalten. Weiterhin zeigt die verwendete Literatur gut, wie sich die Beziehungen der Staaten untereinander - besonders die zwischen England und den anderen Nationen der UKim Laufe der Vergangenheit immer wieder änderten.
Durch die Rekonstruktion der Geschichte beider Entwicklungen wird es möglich, einen Zusammenhang zu erkennen und zu verdeutlichen. Dies ist die Intention dieser wissenschaftlichen Arbeit.
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2. Die Geschichte des Vereinigten Königreichs
Der Grundstein für die Schaffung eines vereinigten Königreiches wurde bereits im 12. Jahrhundert mit der beginnenden englischen Eroberung der angrenzenden Territorien gelegt. Innerhalb sechs Jahrhunderte konnten Englands Herrscher ihre Macht über die gesamte Insel ausbreiten und Schottland und Wales in den 1707 geschaffenen Staatenbund eingliedern. Knapp ein Jahrhundert später, im Jahr 1801, wurde auch die nahe gelegene Insel Irland, die sich seit den 1580er Jahren zur ersten englischen Kolonie entwickelte, nach von blutigen Kämpfen um die Unabhängigkeit gezeichneten Jahrhunderten, in eine von England geschaffene Förderation eingebunden und dass „United Kingdom of Great Britain and Ireland“ etablierte sich.
Im Folgenden soll nun näher beschrieben werden, wie die Engländer sowohl in Wales und Schottland als auch Irland ihre Vormachtstellung errichten und festigen konnten.
2.1. Die Eroberung von Wales
Bereits vor der englischen Eroberung von Wales hatte der englische König schon einen, wenn auch noch geringen, Einfluss auf einige walisische Fürsten im Süden des Landes, das in zahlreiche kleine Fürstentümer zersplittert war. Die nördlichen Gebiete konnten dagegen bis 1277 weitgehend ihre Unabhängigkeit bewahren. Erst in diesem Jahr gelang es dem englischen König Eduard I., den mächtigsten walisischen Fürst Llewelyn II. zu unterwerfen. Auf die darauf folgende Anglisierungspolitik reagierten die Waliser in den Jahren 1282/ 83 mit einer Widerstandsbewegung, die zur vollkommenen Eingliederung des Landes in das englische Herrschaftssystem und zur Aufteilung in Grafschaften führte. 1 Schon zu dieser Zeit etablierten sich politische Institutionen, die auf der Autorität des englischen Königs und der so genannten Marcher Lords - Oberherren über walisische Gebiete, die die englische Macht durch Burgenbau und Auferlegung von Feudalabgaben sicherten 2 - basierten. Bis ins 16. Jahrhundert stellte Wales ein Sicherheitsproblem für die englischen Dynastien dar, insbesondere wegen der zahlreichen Auseinandersetzungen im Inneren des Landes. Während König Heinrich IV. die Waliser von hohen Ämtern fernhielt, sie stattdessen an Engländer vergab und ihnen eine eigene Versammlung verbot, war Heinrich VII. abhängig von der Unterstützung der walisischen Bevölkerung. Erst unter Heinrich VIII. konnte die englische
1 Vgl. Maurer, Michael: Geschichte Englands, S. 52.
2 Vgl. Sturm, Roland, S. 53.
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Vorherrschaft in Wales gefestigt werden. Da er selbst aus Wales stammte, war es ihm möglich, seine traditionelle Bindung an das Land dafür zu nutzen, sich mit dem walisischen Adel zu arrangieren, besonders, indem er ihre Positionen bei Hof ausweitete, um sowohl die Aufgaben der Marcher Lords als auch Wales Stellung eines Fürstentums abzuschaffen. 3 Mit den Acts of Union von 1536 bis 1543 gliederte er Wales schließlich an das englische Staatsgebiet an, führte englische Verwaltungsstrukturen ein und teilte das Land in Grafschaften. Als Konsequenz der Acts of Unions kann die vermehrte Adaption englischer Eigenschaften, wie der Sprache und einiger kultureller Charakteristiken, bezeichnet werden. Beispielsweise kann man die Entwicklung im Bereich der Sprache anhand näherer Betrachtungen der walisischen Literatur nachvollziehen. Einige Autoren, wie der Waliser Sir Edward Stradling, der eine Ausbildung in Oxford genossen hatte, schrieben ihre Werke in Englisch, jedoch wurden auch Kopien in walisischer Sprache veröffentlicht. 4 Im 16. bis 18. Jahrhundert wurde ein Großteil der öffentlichen Dokumente in Englisch verfasst, während die gesprochene Sprache nach wie vor Walisisch war; Versuche, wie die Bibel in englischer Sprache zu verbreiten, scheiterten an mangelnden Kenntnissen der breiten Bevölkerung, da nur der niedrige Adel („gentry“ 5 ) Ausbildungen außerhalb von Wales, beispielsweise in Cambridge und Oxford genießen konnte.
Des Weiteren waren seit den Acts of Union auch Welsh Members of Parliament im englischen Parlament vertreten. Jede Grafschaft wurde durch einen Ritter und jede Gemeinde durch einen Bürger repräsentiert. Sie wurden unter denselben Bedingungen wie die englischen Mitglieder des Parlaments gewählt, jedoch war ihr Einfluss bis in die 1570er Jahre eher gering. Durch die Einbindung Wales ins englische Herrschaftssystem verlor das Land seine politische und administrative Identität fast vollständig, während die Anglisierung stetig voranschritt.
2.2. Schottlands Integration in das Vereinigte Königreich
Bevor Eduard I. 1296 den schottischen König absetzte und selbst den Thron bestieg, wurde der englische König über mehre Jahrzehnte von den schottischen Herrschern als Oberlehnsherr über einzelne Territorien geachtet. Allerdings sollte die Unabhängigkeit Schottlands gegenüber England gewahrt bleiben. Infolge des Übergriffes durch Eduard I. kam es zu mehreren Kriegen zwischen den beiden Nationen, die 1314 mit dem definitiven Sieg der
3 Vgl. Sturm, Roland, S. 54.
4 Siehe dazu: Jones, Gareth Elwyn, S. 45.
5 Näheres dazu: Ebenda, S. 46-48.
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Schotten bei Bannockburn endeten. 6 Auch in den folgenden Jahrhunderten konnte die Souveränität des Landes gesichert werden.
Erst 1603, als dem schottische König Jakob VI. auch die englische Regentschaft übertragen wurde, kam es zur Einbindung Schottlands in das Vereinigte Königreich. Die Union of Crowns hatte jedoch zu diesem Zeitpunkt noch keinen großen Effekt auf beide Nationen; sowohl die Parlamente und Gesetzgebungen als auch die Kirchen blieben getrennt. Die Gründe dafür sieht Mackie in der Stellung der Schotten als unbeliebte Ausländer in den Augen der Engländer und dem tiefen Verlangen Jakobs, König von England zu werden, um damit die Politik Schottlands dem Begehren nach der Herrschaft über die britischen Insel unterwerfen zu können. 7
Dies änderte sich erst 1707 mit der Union of Parliaments, die als entscheidender Schritt zur Einbindung Schottlands in das Vereinigte Königreich von Großbritannien bezeichnet werden kann. Sowohl das englische als auch das schottische Parlament, das nach der Entmachtung der Stuart-Dynastie als politische Stimme des Landes fungierte, stimmten der Union zu. Schottland wurde somit als nördliches Territorium Großbritanniens zu North Britain. Die Union of Parliaments sah einerseits die Auflösung des schottischen Parlaments vor, andererseits behielt Schottland sein eigenes Rechts- und Bildungssystem sowie seine Staatskirche. Neben einem vereinten Parlament in Westminster sah die Vereinigung die Einführung einer gemeinsamen Flagge, dem Union Jack, zusammengesetzt aus dem schottischen Andreaskreuz und dem englischen Georgskreuz, und einheitlicher Maße Gewichte und Münzen vor. 8 Alle Privilegien des englischen Adels wurden gleichermaßen den schottischen Vertretern dieses Standes zugesprochen. Weiterhin sollten 45 schottische Abgeordnete in das gemeinsame Unterhaus und 16 Vertreter der Nation in das Oberhaus entsendet werden.
Für die Schotten hatte diese Vereinigung positive Konsequenzen, die anhand von Aufstiegschancen in leitenden Positionen innerhalb des Britischen Kolonialreiches und der sich im Allgemeinen verbessernden ökonomischen Situation im Land aufgezeigt werden können.
Jedoch kann vermutet werden, dass sich die Schotten über die wirklichen Folgen der Union of Parliaments nicht bewusst waren. In vielen Köpfen blieb der Mythos über die Freiwilligkeit
6 Vgl. Maurer, Michael: Geschichte Englands, S. 53.
7 Siehe dazu: Mackie, J. D., S. 174.
8 Siehe dazu: Maurer, Michael: Geschichte Englands, S. 244.
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des Zusammenschlusses, wie Roland Sturm dies beschreibt 9 , vorhanden; demnach könne der Unions-Vertrag nach Bedarf verändert und sogar aufgelöst werden.
2.3. Irland und die Anfänge der Beziehung zu Großbritannien
Englands Interesse an Irland entwickelte sich bereits im 12. Jahrhundert. Für Heinrich II., der 1171 nach Irland übersetzte, war es zwar noch nicht von bedeutender Wichtigkeit, allerdings versuchte er die Herrschaft der irischen Könige einzuschränken und verlieh der Insel die Stellung einer Lordschaft. 10 Diese wurde im 13. Jahrhundert größtenteils in Shires und Counties eingeteilt. Schon zu dieser Zeit übernahm das irische Parlament die Magna Carta Libertatum. Als Heinrich VII. 1485 den englischen Thron bestieg, war er gleichsam der mächtigste Mann in Irland, jedoch zeugt das 15. Jahrhundert in Irland von zahlreichen Auflehnungen gegen die englische Krone. Auch sein Nachfolger Heinrich VIII. hatte mit Verschwörungen seitens der Iren zu kämpfen; als sich Verhandlungen mit Frankreich anbahnten, wurde der englische König zum Eingreifen gezwungen. Mit zahlreichen Feldzügen, Belagerungen und Hinrichtungen wollte er, nach Meinung von Maurer 11 , ein Exempel statuieren und die irische Bevölkerung mit Grausamkeiten abschrecken, allerdings schürte Heinrich VIII. damit auch den Hass der Iren. 1541 erklärte er sich sogar zum König von Irland, um zu verdeutlichen, dass er alle irischen Fürsten entmachtet hatte. Im gleichen Jahr erließ er ein System zur Unterwerfung und Belehnung der Insel. Es beinhaltete die Übernahme englischer Eigenschaften, wie Kleidung und Sprache. Des Weiteren wurde das Common Prayer Book Anfang der 1550er Jahre in Irland verbreitet, das wegen seiner eindeutig protestantischen Ausrichtung kaum Beachtung fand. All diese Aspekte von Heinrichs Irlandpolitik bauten auf strategischen Gründen auf; zum einem sollte sich keine andere Autorität in Irland etablieren können - dies zielte besonders auf die Einschränkung der sich ausbreitenden spanischen Weltmacht ab - andererseits wurde der Nutzen der Insel als Handelsstützpunkt abgewogen, um englische Waren in die ganze Welt verschiffen zu können. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam es zu einer unkontrollierten Einwanderung von Schotten in Ulster. Zu dieser Zeit wurde eine solche Migration nicht gern gesehen, wohingegen sie während der Stuart-Dynastie gefördert wurde. Besonders nach der schottischenglischen Union of Crowns 1603 kam es vermehrt zur Ansiedelung von Schotten im irischen
9 Vgl. Sturm, Roland, S. 56.
10 Siehe dazu: Maurer, Michael: Geschichte Irlands, S. 38.
11 Vgl. Ebenda, S. 76.
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Ulster. 12 Etwa ein halbes Jahrhundert später wurde mit der Umsiedlung der katholischen Bevölkerung in den Westen bzw. Süden und der Ansiedelung von königstreuen Protestanten im Nord-Osten der Insel begonnen. Weit verbreitet war die Ansicht, dass eine vollständige Loyalität Irlands gegenüber der englischen Autorität nur durch die Kolonisierung der Insel gesichert werden könnte.
Die Migration nach Irland brachte zahlreiche Probleme mit sich. Wohl am nachdrücklichsten ist dabei der bezeichnende Unterschied zwischen britisch-protestantisch und irisch-katholisch, der zur Ausgrenzung der katholischen und gälischen Minderheit führte und ständige Unruhen und Instabilität entwickelte. Weiterhin versuchte die englische Krone die Iren durch erdrückende Gesetze stark einzuschränken.
Im Jahre 1691 wurden die Penal Laws mit der Anordnung eines Eides eingeführt, der auf die Unterdrückung des katholischen Glaubens abzielte; die Verehrung der Jungfrau Maria und anderer Heiliger wurde als abergläubisch betitelt. Bereits zu dieser Zeit beschloss man, die Parlamente in Westminster und in Dublin von Katholiken zu säubern, allerdings waren die Gesetze von 1704 noch diskriminierender für die katholischen Iren. Sie beinhalteten beispielsweise das Verbot, Personen unter 21 Jahren außer Landes zu schicken, was wahrscheinlich zur Verhinderung einer weiteren Ausbildung der Katholiken auf dem europäischen Kontinent führen sollte. 13 Jedoch schienen die Penal Laws im Allgemeinen eher uneffizient zu sein; während politische Einschränkungen und jene, die sich auf eine Vielzahl von einflussreichen Berufen bezogen, bis 1829 ausgeführt wurden, verloren die Unterdrückungen des katholischen Glaubens bereits in den 1770er Jahren ihren Einfluss. 14 Einerseits konnten diese Gesetze die Katholiken nicht davon abhalten, in Handel und Industrie mitzuwirken, andererseits führten die Beschränkungen des Landbesitzes für katholische Iren dazu, dass Ende des 18. Jahrhunderts nur noch wenige von ihnen Land besaßen oder einflussreiche Landbesitzer zur anglikanischen Kirche übertraten. Seit dem 18. Jahrhundert nahm Irland den Status einer englischen Kolonie ein und diente der Krone als Lieferant für billige Nahrungsmittel, wohingegen das eigene Land vernachlässigt wurde. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass neben den englischen Gesetzen zur Regulation des Handels, Irland auch vom Aufbau des britischen Empires, durch seine Lebensmittelexporte, profitierte.
Mit dem Act of Union im Jahre 1801 wurde die englisch-irische Union gegründet und die Insel wurde an den englischen Herrschaftsbereich angegliedert. Im Zuge dessen kam es zur
12 Siehe dazu: Sturm, Roland, S. 57 .
13 Näheres dazu: Maurer, Michael: Geschichte Irlands, S. 141 - 142.
14 Coohill, Joseph, S. 27.
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Gründung des United Kingdom of Great Britain and Ireland. Die Zustimmung der katholischen Bevölkerung erlangte man durch Zugeständnisse, wie den Erhalt voller staatsbürgerlichen Rechte und des passiven Wahlrechts. In der Umsetzung sah es jedoch so aus, dass das irische Parlament mit dem britischen vereint wurde und die Katholiken das versprochene passive Wahlrecht nicht erhielten. Weiterhin stellten sie im Parlament - im Vergleich zu den schottischen und englischen Ministern - eine Minderheit dar. Außerdem beinhaltete die Union die Vereinigung der irischen und der englischen Kirche zur United Church of England and Ireland und die Angliederung Irlands zum Wirtschaftsgebiet Großbritanniens. 15
Während Roland Sturm die Inkorporierung Irlands ausschließlich negativ betrachtet 16 , indem er von der gewaltsamen Eroberung der Insel und der dem Act of Unions folgenden politischen und sozialen Machtlosigkeit der katholischen Bevölkerung spricht, die die Kluft zwischen Iren und Briten vergrößerte, beschreibt Michael Maurer sie als nicht gänzlich verwerflichen Prozess 17 , da die Unionsgesetze nicht vollständig der Unterdrückung Irlands dienten, sondern, dem Wortlaut nach zu urteilen, eine Einbindung der Insel in alle Geschäfte Großbritanniens zum Ziel haben sollten.
15 Näheres dazu: Maurer, Michael: Geschichte Irlands, S. 189.
16 Siehe: Sturm, Roland, S.56 - 58
17 Vgl.: Maurer, Michael: Geschichte Irlands, S. 190.
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3. Die Geschichte des Britischen Empires
Im 16. bzw. 17. Jahrhundert löste England Spanien und die Niederlande als führende Großmächte auf den Weltmeeren ab, obwohl dessen Interesse an Kolonien später als bei anderen europäischen Staaten erwachte. Dies war die Voraussetzung für die Etablierung des weltweit größten Kolonialreiches der Geschichte. Armitage meint sogar, dass man die eigentlichen Ursprünge des Empires bereits im 12. Jahrhundert finden kann 18 ; somit wäre die englische Eroberung von Wales, Schottland und Irland, als Garant für die Stabilität des eigenen Staatsterritoriums, ein weiterer begünstigender Faktor.
Die Ereignisse innerhalb des Britischen Empires können in drei Epochen unterteilt werden, wobei wichtige historische Ereignisse Wendepunkte markierten und jeweils eine neue Ära der britischen Kolonialgeschichte einleiteten. Als erste Epoche wird allgemein die Etablierung des Empires bis zur amerikanischen Unabhängigkeit bezeichnet, während der zweite Zeitabschnitt die Phase der Stabilisierung des Empires darstellt, die die Eroberung von Territorien auf allen fünf Kontinenten und die Festigung der kolonialen Macht bedeutet. Als drittes Zeitalter wird generell die Wandlung bzw. der Übergang von Britischen Empire zum Commonwealth of Nations bezeichnet.
Im Folgenden soll, mit Hinblick auf diese Epocheneinteilung, nun dargestellt werden, welche Faktoren den Aufbau des Britischen Empires begünstigten, in welchem Maße ein Austausch zwischen den Kulturen bzw. eine Florierung der englischen Werte, Moral und Erziehung stattfand und welche Aspekte den Untergang des Kolonialreiches beeinflussten.
3.1. Die Entstehungsgeschichte
Es ist schwer, die genauen Anfänge des Britischen Kolonialreiches zu fixieren, allerdings kam dem Begriff „empire“ im 16. und 17. Jahrhundert noch nicht die gleiche Bedeutung zu, die er im Jahr 1800 erhielt 19 . Nach Osterhammel definierte man ihn zu Beginn des 19. Jahrhunderts als „ein zentral und zumeist autoritär regiertes multiethnisches Gemeinwesen, das überwiegend durch militärische Eroberungen entstand und in dem eine Asymmetrie zwischen Mutterland (‚Metropole’) und abhängigen Peripherien (meist ‚Kolonien’) auch nach langer Zeit nicht verschwand.“ 20
18 Vgl. Armitage, David, S. 6-7.
19 Vgl. Osterhammel, Jürgen: S. 75.
20 Ebenda, S. 75-76.
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B.A. Constanze Roscher, 2007, Devolution im British Empire und in United Kingdom, München, GRIN Verlag GmbH
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