Nach der Wiedereinführung der Monarchie (1800-1848 und 1852-1870) wurde Marianne vorwiegend mit anderen Symbolen, wie der Lilienblume und dem Gesetzbuch, abgebildet. Dies änderte sich während der Zweiten Republik (1848-1852) und zu Beginn der Dritten Republik (1870-1890). Zu dieser Zeit stritten die radikalen und die gemäßigten Republikaner darüber, welche Kopfbedeckung Marianne tragen solle. Die einen waren für die phrygische Mütze und die anderen lehnte jegliche Kopfbedeckung ab. Es wurde letztendlich beschlossen, dass die als Göttin dargestellte Republik die Mütze der Freiheit tragen soll. Hervorzuheben ist weiterhin, dass Marianne zwar allgemeingültig als französische Nationalheldin angesehen wurde (und wird), aber nicht alle Franzosen sie als diese annahmen. Die Katholiken beispielsweise betrachteten nach wie vor Jeanne D’Arc als ihre große Volksheldin, während sich die Gegner der Republik spöttisch über Marianne äußerten. Daher wurde sie oft als „leichtes Mädchen“ oder „Bettelweib“ bezeichnet. Auffällig ist außerdem, dass nur die eifrigen, aber ungebildeten, Republikaner (Arbeiter und vor allem Bauern) den Namen Marianne für die Bezeichnung der Republik benutzten, da er für sie einfacher auszusprechen war als das eigentliche Wort. Die Republikaner der Belle epoque und der Dritten Republik dagegen gebrauchten den Republikbegriff um ihre Eloquenz zu verdeutlichen, hatten jedoch keine Einwände gegen die Verwendung des Decknamens Marianne.
Die Germania hingegen fungierte lange Zeit als Assoziation für die Verwirklichung der Wünsche vieler Deutscher. So wurde in ihrem Namen zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Napoleonischen Fremdherrschaft der Kampf angesagt. Zu dieser Zeit entstand beispielsweise Heinrich von Kleists Ode „Germania an ihre Kinder“, welche die Deutschen gegen Napoleon mobilisieren sollte, mit dem Hintergrund endlich einen deutschen Nationalstaat schaffen zu können. Bis 1848/49 sollte Germania stellvertretend alle Deutschen in eine Kulturnation mit eigener Sprache einbeziehen bzw. diese wiedererwecken. Nach der Reichsgründung 1871 wurde die Germania oft als Walküre mit einem Brustpanzer und mit einem nach unten gerichteten, lorbeerumgrenzten Schwert - als Zeichen des Friedens - gezeigt. Diese Form der Darstellung macht eine Anlehnung an die Nibelungensage deutlich. Otto von Bismarck lehnte jedoch den Germaniakult entschieden ab, da er sie, vermutlich, weil es sich um eine eher kriegerische Frauenfigur (was dem damaligen Bild der sittsamen Hausfrau widersprach) handelte, unpassend als Vertreterin Deutschlands fand.
Germania kann als - politisch gesehen - jüngere Schwester der Marianne betrachtet werden, da die Franzosen, vor allen mit der Revolution von 1790 (und auch mit der von 1830), einen einschneidenden Umsturz bewirkten, welcher daraufhin auch in Deutschland vollzogen
Arbeit zitieren:
B.A. Constanze Roscher, 2006, Marianne und Germania, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Vitalität der französischen Regionalsprachen im Spiegel der Sprach...
Romanistik - Französisch - Linguistik
Hausarbeit, 34 Seiten
Fontanes Darstellung der Lebensformen des Bürgertums. Aufgezeigt an au...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 23 Seiten
Constanze Roscher hat den Text Marianne und Germania veröffentlicht
Constanze Roscher hat einen neuen Text hochgeladen
Germania Illustrata: Essays on Early Modern Germany Presented to Geral...
Andrew Fix, Susan C. Karant-Nunn
Monumenta Germaniae Historica. Hilfsmittel 21. Clavis Canonum
Selected Canon Law Collections...
Linda Fowler-Magerl
0 Kommentare