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1.Einleitung
Die Sprache ist ein wichtiger Bestandteil jeder Kultur. Sie ermöglicht die Kommunikation mit den Angehörigen eines bestimmten Kulturkreises. Nur wer sie beherrscht kann kommunizieren. Daher ist es im Zusammenhang mit dem Sprachunterricht an Universitäten von Bedeutung, die Grundprinzipien einer fremden Sprache zu erlernen. Diese wissenschaftliche Arbeit befaßt sich daher mit dem Sprachlernen an akademischen Hochschulen. Allerdings soll dabei nicht nur der reine Erwerb der Sprache Beachtung finden sondern auch die Aneignung interkultureller Kompetenz mithilfe des Sprachunterrichts. Es ist zu untersuchen, inwiefern die Möglichkeit besteht innerhalb des Erlernens einer fremden Sprache auch interkulturell kompetent zu werden. Die zentrale Frage dabei ist, ob dies generell möglich ist und in welchem Maße.
Zu Beginn der Hausarbeit werden einige grundlegende theoretische Aspekte angesprochen. Es soll beispielsweise erläutert werden, was interkulturelle Kompetenz ist, wie sie sich äußert und wie man sich ihrer aneignen kann. Weiterhin wird der für die Arbeit als Basis verwendete Kulturbegriff näher erklärt. Nur mithilfe der Darstellung dieser Begriffe kann ein völliges Verständnis der Intentionen dieser wissenschaftlichen Studie gewährleistet werden. Im weiteren Verlauf wird das Sprachlernen näher untersucht. Dabei soll zu Beginn eine Erklärung dazu erfolgen, was dieser Begriff umfaßt. Dem folgt die Darstellung des Sprachunterrichts in der Theorie. Es soll näher betrachtet werden, welche theoretischen Grundlagen zu diesem Thema existieren und wie sich deren Auffassungen zur Gestaltung des Sprachlernens äußern. Dazu gehört der Aufbau des Sprachunterrichts, aber auch der mögliche Erwerb interkultureller Kompetenz als Teilbereich. Des Weiteren soll das Sprachlernen in der Praxis erforscht werden. Von Bedeutung ist dabei, wie der Unterricht in der Durchführung aufgebaut ist und auch hier soll die Form des Erlangens interkultureller Kompetenz untersucht werden, d.h. ist es möglich durch die Teilnahme an einem Sprachkurs interkulturell kompetent zu werden bzw. bis zu welchem Grad ist dies denkbar.
Der Schwerpunkt dieses Kapitels soll dabei auf den Vergleich zwischen der Theorie und der Praxis des Spracherwerbs liegen. Es werden sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede erwähnt werden, wobei an dieser Stelle vorweggenommen werden muss, dass viele Theorien zumindest zu einem Teil undurchführbar wirken, da sie sich oft - im Zusammenhang mit dem Erwerb interkultureller Kompetenz - nicht nur auf das Sprachlernen sondern auch auf anderer Formen der Kompetenzerlangung beziehen.
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Das Thema ist von besonderem Interesse, da eine Vielzahl von Literatur zur Problematik des Sprachlernens existiert. Jedoch behandeln jene Werke meist den theoretischen Aspekt des Themenbereiches; die Praxis wird oftmals außer Acht gelassen, obwohl sie eine augenscheinliche Wichtigkeit besitzt. Eine Verbindung zwischen dem Sprachunterricht und dem Erlangen interkultureller Kompetenz lässt sich auch in einigen Quellen finden, muss allerdings - wie schon erwähnt - oft von anderen Formen des Kompetenzerwerbes selektiert werden.
Das Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es daher auf offensichtliche Lücken in der Theorie und der Praxis des Sprachlernens aufmerksam zu machen und eventuelle Anreize für eine Verbesserung der Durchführung im Bereich des Sprachunterrichts zu geben.
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2. Theoretische Grundlagen
Im Folgenden werden Begriffe, die wichtig für ein vollkommenes Verständnis der Intentionen des Hausarbeit sind, näher erklärt. Zu Beginn wird erläutert, was unter interkulturellem Lernen als Vorraussetzung für den Erwerb interkultureller Kompetenz zu verstehen ist. Danach wird der Kulturbegriff, der dieser wissenschaftlichen Arbeit zugrunde liegt diskutiert. Da das Sprachlernen immer mit dem Kennenlernen einer weitgehend unbekannten Kultur verbunden ist, ist es von Bedeutung zu erst einmal eine Definition des Begriffes zu erarbeiten.
2.1. Interkulturelles Lernen
Unter dem Begriff „Interkulturelles Lernen“ werden im Allgemeinen Veränderungsprozesse verstanden, die - zumindest zu einem gewissen Teil - sowohl die Aneignung einer fremden Kultur als auch eine Neubestimmung der eigenen Kultur umfassen. Dies kann sich auf unterschiedliche Aspekte beziehen und in verschiedener Form ausgedrückt werden, beispielsweise mittels dem Erwerb von Wissen über interkulturelle Sachverhalte und neuer sozialer Fähigkeiten, das Erlernen einer Fremdsprache etc. (vgl. Weidemann 2007, 494). Es findet eine psychische Veränderung aufgrund des Erlebens von kultureller Differenz und dem folgend ein veränderter, vielleicht sogar komplett neuer Umgang mit ihr statt. Gründe dafür können sowohl innere, persönliche Wandlungen durch Einstellungen und Erfahrungen als auch der Umgang mit bisher unbekannten Lebenssituationen sein. Als Ziel des interkulturellen Lernens wird häufig die Aneignung interkultureller Kompetenz genannt. In diesem Zusammenhang soll an dieser Stelle kurz näher auf den Kompetenzbegriff eingegangen werden. Die Kompetenz dient allgemein der Vermeidung von Kommunikationsproblemen. Für ein Gelingen in der Praxis müssen Menschen verschiedene Übersetzungsleistungen verrichten, d.h. sie müssen in verschiedenen Handlungsfeldern, Sprachen und kulturellen Lebensformen immer wieder übersetzen und interpretieren. Dabei wird generell situationsabhängig gehandelt. Weiterhin basiert die Kompetenz einer Person auf komplex strukturierten, wissensorientierten individuellen Fähigkeiten. Allerdings ist die interkulturelle Kompetenz nicht direkt beobachtbar und muss daher über einen längeren Zeitraum und in verschiedenen Situationen untersucht werden, lässt sich jedoch an einigen spezifischen Eigenschaften festmachen. Persönlichkeitsmerkmale für interkulturell kompetentes Handeln sind daher beispielsweise Kontaktfreudigkeit, Optimismus, Offenheit,
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Toleranz, Lernfähigkeit, Rollenflexibilität (zur näheren Beschäftigung siehe: Straub 2007 1 , 44).
Daneben spielt auch die Beherrschung der Sprache der jeweiligen Kultur, die man untersucht bzw. in der man sich befindet eine Rolle, da dies die Grundbasis für eine gelingende Kommunikation und das Vermeiden von Konflikten fördert. Allerdings darf nicht zu viel Wert auf diesen einen Aspekt gelegt werden, wie auch Straub unterstreicht: „Selten wird interkulturelle Kompetenz einfach als Fremdsprachenkompetenz aufgefasst. […] Meistens ist der Begriff sehr viel weiter gefasst.“ (ebd., 41) Verschiedene Lernprozesse - darunter auch das Sprachlernen - können zu einer Aneignung von ethnozentrischen und ethnorelativen Sichtweisen führen, die weitgehend zum Erlangen interkultureller Kompetenz beitragen können. Die drei Stufen der ethnozentrischen Position erstrecken sich von der Verleumdung kultureller Unterschiede über eine Abwehr von ihnen bis hin zu deren Verkleinerung. Im zweiten ethnorelativen Stadium. In dem eigentlich erst ein interkulturelles Lernen in Gang gesetzt wird, muss erst einmal erlernt werden, kulturelle Unterschiede zu akzeptieren, bevor danach die Stufe der Adaption und schließlich die der Integration erreicht werden kann. In Bezug auf das interkulturelle Lernen und das Sprachlernen ist sowohl das Stadium der Adaption als auch das der Integration irrelevant, da keine zufrieden stellenden Vorraussetzungen geschaffen werden können (vgl. Auernheimer 2003, 125) - diese können nur bei einem Aufenthalt in dem jeweiligen anderen Kulturkreis, der untersucht wird, erfüllt werden.
Neben diesem Konzept interkulturellen Lernens geht Auernheimer weiterhin näher auf ein Stufenmodell für interkulturelle Trainings von Leenen/ Grosch ein und nennt dabei folgende Stadien:
„1. Erkenntnis der generellen Kulturgebundenheit 2. Identifikation fremdkultureller Muster, Dezentrierung
3. Identifikation eigener Kulturstandards, Einsicht in Auswirkungen auf die Kommunikation 4. erweitertes Deutungswissen über bestimmte Fremdkulturen 5. Verständnis und Respekt für fremdkulturelle Muster 6. Erweiterung der eigenen kulturellen Optionen (normative Flexibilität etc.) 7. Aufbau interkultureller Beziehungen, konstruktiver Umgang mit interkulturellen Konflikten“ (ebd., 125).
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Durch Anwendung der beiden genannten Modelle können Erfolge erzielt werden, allerdings können auch Lernwiderstände zum Vorschein kommen, d.h. wer nicht bereit ist, sich auf neue Erfahrungen und einen inneren Wandel einzulassen bzw. weder das Misstrauen noch die Unsicherheit abzulegen bereit ist, wird kaum von einem interkulturellen Training profitieren und eine interkulturelle Kompetenz nicht erlangen können.
2.2. Kulturbegriff
Um überhaupt erst richtig verstehen zu können, was interkulturelles Lernen und interkulturelle Kompetenz bedeutet, muss zu erst einmal der zugrunde liegende Kulturbegriff näher erläutert werden.
Er setzt sowohl eine soziale Praxis als auch Wissensbestände voraus, die die Welt der Menschen zu einer sinn- und bedeutungsorientierten Wirklichkeit werden lassen, in der orientiertes Handeln möglich wird, aber auch eine Notwendigkeit zugesprochen bekommt. Kulturen bestehen immer aus einer variable Mehrzahl von Personen, die die gleichen Auffassungen und Deutungs- sowie Orientierungssysteme besitzen. Dadurch wird einerseits ein Zusammengehörigkeitsgefühl geschaffen und andererseits dient dies weiterhin der Abgrenzung von anderen Kulturen. Demnach handelt es sich sowohl um symbolisch vermittelte Lebensformen als auch Selbst- und Weltdeutung und der Stereotypisierung. Allerdings können Kulturen nicht als feste Konstrukte betrachtet werden. Da sie aus der Geschichte, der Gegenwart und dem Zukünftigen konstituiert werden, zeigt dies ihren sich stetig verändernden Charakter. Des Weiteren wird eine Kultur nicht nur den Aspekt der Zeit sondern auch durch innere und äußere Einflüsse konstituiert. Straub betont die Wichtigkeit der Veränderlichkeit des durch die Kultur geprägten Handelns und Wissens infolge des praktischen Handelns wie folgt:
„Das Sprechen und Handeln folgt in hohem Maße einer (kulturellen) ‚Logik der Praxis’ […], deren stets (nur partiell mögliche) Explikationen just dieses praktische Wissen, seinen spezifisch impliziten Modus, verändert. Genau dies ist so wichtig für jede Theorie und Praxis interkulturellen Lernens […] und das damit womöglich verbundene Ziel ‚interkultureller Kompetenz’ […].“ (Straub 2007 2 , 16)
Außerdem wird Kultur als ein komplexes Gewebe aufeinander bezogener Praxisfelder beschrieben, was Interpretationen zulässt und sie sogar fordert. Daher kann auch von Kulturen als Interpretationskonstrukten gesprochen werden. Demnach nimmt auch das subjektive
Arbeit zitieren:
B.A. Constanze Roscher, 2008, Interkulturelles Sprachlernen an akademischen Hochschulen, München, GRIN Verlag GmbH
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