I. Vorwort
Die Gewerkschaften in der Bundesrepublik blicken auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück. Durch Arbeitgebervereinigungen sollte das Mitspracherecht für den Betrieb und die Mitarbeiter verbessert werden. Dabei gab und gibt es unterschiedlichste Varianten von Gewerkschaften, die sich in Verbänden für Berufe, Berufsgruppen oder politischen Vereinigungen organisieren. Als Verhandlungspartner der Arbeitgeber schließen Gewerkschaften Verträge über die Interessen der Arbeitnehmer ab. Hierbei gilt es den schmalen Grat zu wahren und den Arbeitnehmern eine möglichst gute Position zu verschaffen, aber auch dem Wohle der Firma, oder der Berufssparte nicht zu schaden.
In dieser Ausarbeitung möchte ich mich mit dem Wandel der Gewerkschaften beschäftigen. Von einer Vereinigung, die sich um die Belange der Arbeitnehmer kümmert, bis zu einer Institution in der Bundesrepublik Deutschland, die aufgrund der globalen Entwicklung ihre Ziele und Interessen neu überdenken muss. Hierbei werde ich zunächst auf die Geschichte der Gewerkschaften bis heute eingehen und den Problemen, denen eine Gewerkschaft heute gegenüberstehen kann. Schließlich werde ich mich mit den didaktischen Umsetzungsmöglichkeiten für dieses Thema im Unterricht auseinandersetzen.
I
Inhaltsverzeichnis
Vorwort - I -
Inhaltsverzeichnis - II -
Abbildungsverzeichnis - III -
1. Die Geschichte der Gewerkschaften
1.1. Die Entstehung erster Arbeitervereinigungen im 19. Jahrhundert - 01 -
1.2. Der Untergang der freien Gewerkschaften während der NS-Zeit - 02 -
1.3. Die Entwicklung der Gewerkschaften in Deutschland ab 1945 - 02 -
1.4. Die Rolle der Gewerkschaften in der Bundesrepublik Deutschland - 03 -
1.5. Probleme der Gewerkschaften - 04 -
1.6. Neue Aufgaben durch die Globalisierung? - 04 -
2. Didaktische Umsetzungsmöglichkeiten für den Wirtschaftsunterricht - 05 -
2.1. Grundlegendes zur Bildinterpretation - 06 -
2.2. Interpretationsmöglichkeiten - 08 -
2.3. Fazit - 12 -
Literaturangaben - 14 -
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Cone of experience - 10 -
Abbildung 2: Bilder eines Streiks - 14 -
Abbildung 3: „So viele fleißige Hände, die uns die Arbeit abnehmen “ - 15 -
Abbildung 4: „Einen gerechten Teil vom Kuchen, sonst gibt es Bröseln “ - 16 -
III
1. Die Geschichte der Gewerkschaften
1.1. Die Entstehung erster Arbeitervereinigungen im 19. Jahrhundert
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte in Deutschland die Industrialisierung ein. Viele Bauern konnten im Zuge der Bauernbefreiung von 1807 den Aufkauf ihres Hofes nicht verhindern, so dass viele Arbeitskräfte dem landwirtschaftlichen oder industriellen Sektor zur Verfügung standen. Waren es 1849 noch 56% der Arbeiter, die in der Landwirtschaft tätig waren, so nahm deren Zahl bis 1871 auf 49,3% ab. Die Arbeiterschaft in den Bereichen Industrie und Verkehr, sowie Dienstleistungen und sonstige Bereiche, nahmen stattdessen zu 1 . Neue Erfindungen, wie, unter anderem, 1784 in Ratingen die erste mechanische Baumwollspinnerei und 1785 die erste Dampfmaschine in Hettstedt veränderten die Gewerbestruktur. 2 Die Lohnzahlungen waren bis 1855 aber noch so gering, dass ein arbeitendes Mitglied in einer Familie für den Erwerb des Unterhalts nicht ausreichte, Frauen und Kinder arbeiteten meist mit. Die Arbeitszeit lag häufig bei 90 Stunden, wobei mehrfach auch am Sonntag gearbeitet werden musste. 3 Soziale Wandlungen setzten, im Gegensatz zum industriellen Fortschritt, erst später ein. Da viele Arbeiter in Armut lebten, versuchten sie durch Mehrarbeit oder Aufstände, zum Beispiel der in seiner Zeit im besonderen Maße öffentliches Aufsehen erregende Weberaufstand von 1844, ihre Situation zu ändern. Reformen von Seiten des Staates, beispielsweise das Verbot der Kinderarbeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts, oder die Schaffung eines Sozialversicherungssystems durch Bismarck, sollten bessere soziale Bedingungen schaffen, allerdings hatten die Arbeiter kein Mitbestimmungsrecht innerhalb der Firmen.
Die Arbeiterbewegungen in den 1860er Jahren ließen nicht nur Gewerkschaften entstehen, sondern auch politische Parteien, wie die Sozialdemokratische Partei, mit deren Zielen sich viele Gewerkschafter verbunden sahen. Dies führte zu Problemen mit der Reichsregierung, die die Gründung der Partei als Bedrohung ansah und als Folge davon zum Verbot von Gewerkschaften.
1 Vergleiche hierzu: John Breuilly; Liberalismus oder Sozialdemokratie? Ein Vergleich der britischen und
deutschen politischen Arbeiterbewegung zwischen 1850 und 1875, aus: Europäische Arbeiterbewegungen
im 19. Jahrhundert, Jürgen Kocka [Hrsg.]; Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1983, S. 137.
2 Vergleiche Toni Pierenkemper; Gewerbe und Industrie im 19. und 20. Jahrhundert; R. Oldenbourg
Verlag; München; 1994; S. 195.
3 vgl. ebenda S. 196
- 1 -
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland Arbeitnehmerverbände, jedoch erst 1871 eine Gewerbe- und Koalitionsfreiheit (Gewerbeordnung). Bis 1914 stiegen die Löhne höher an als in den europäischen Nachbarländern, die tägliche Arbeitszeit hingegen nahm ab, was aber mehr der steigenden Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft zuzuschreiben ist, als dem Handeln von Arbeitervereinigungen. Die Gewerkschaften waren bis dahin „außerbetriebliche Interessenvertretungen.“ 4 Überwiegend einzelne vertragliche Abmachungen regelten die Löhne und Arbeitsbedingungen.
1.2. Der Untergang der freien Gewerkschaften während der NS-Zeit Von 1933 bis 1945 wurden die Gewerkschaften im Deutschen Reich durch die
Nationalsozialisten verboten. Stattdessen entstand die Deutsche Arbeitsfront, eine Vereinigung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. „Die staatliche Reglementierung trat an die Stelle kollektiver Selbstbestimmung.“ 5 Gewerkschaftler, die nicht fliehen oder untertauchen konnten, wurden verhaftet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die Gewerkschaften wieder rechtlich ihrer Tätigkeit nachgehen.
1.3. Die Entwicklung der Gewerkschaften in Deutschland ab 1945
Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielten die Gewerkschaften als Verhandlungspartner der Wirtschaft neue Verantwortungsbereiche. Es galt nicht nur die zerstörten Städte und Industrieanlagen wieder aufzubauen, sondern auch die Vertriebenen aus den Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reichs in den Wirtschaftsprozess mit einzubinden. Die Alliierten Besatzungsmächte gestatteten zunächst nur den Gewerkschaften sich neu zu gründen. 1945 entstand in Hamburg die Deutsche Angestelltengewerkschaft. Es folgten weitere Fachgewerkschaftsgründungen und 1949 die Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Waren diese Gewerkschaften noch auf die jeweiligen Besatzungszonen eingeteilt und agierten nur dort, kam es 1955 zur Gründung der Christlichen Gewerkschaftsbewegung Deutschland. Zunächst konnten sich die Gewerkschaften auf Ost- und Westseite noch austauschen, doch spätestens mit Beginn des Kalten Krieges brach diese Verbindung ab.
4 Aufgaben und Stellung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Organisationen in der Bundesrepublik
Deutschland; Walter-Raymond-Stiftung [Hrsg.]; Westdeutscher Verlag, Köln und Opladen, 1966, S. 15.
5 Ebenda, S. 24.
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Arbeit zitieren:
Silke Peters, 2009, Gewerkschaften, München, GRIN Verlag GmbH
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