Prototypensemantik
Christine Lindengrün
Einleitung
Grundlagen
Kategorien, allgemein
Prototypen und prototypische Kategorien
Prototypensemantik vs. klassisch-strukturalistische Semantik
Methodik
Prototypen und Kontext
Eigenschaften von Prototypen
Anwendungsgebiete der Prototypentheorie
Lexikalische Semantik und Lexikographie
Semanische Makrostrukturen
Phonologie, Morphologie, Syntax, Textlinguistik
Probleme und offene Fragen in der Prototypensemantik
Grenzen von Kategorien
Kategorien ohne Prototyp
Darstellung prototypischer Strukturen
Grundsatzfrage: Ist Prototypizität überhaupt ein linguistisches Phänomen?
Zusammenfassung
Literatur
Einleitung
Die Prototypensemantik spielt seit der Mitte der 70er Jahre eine Rolle in der Linguistik.
Die zugrundeliegende Prototypentheorie entstammt der kognitiven Psychologie und beruht auf der Beobachtung, dass die Vertreter einer Kategorie eine hierarchische Ordnung aufweisen, was ihre Typizität für diese Kategorie betrifft. Diese Ordnung ist interindividuell relativ stabil: Auf die Aufforderung, eine Wiesenblume zu nennen, antworten 60 von 100 Leuten mit "Gänseblümchen".
Im Rahmen der kognitiven Wende erfolgte auch in der Linguistik eine Abkehr vom Behaviorismus und eine Konzentration auf die mentalen Vorgänge bei der Produktion und Rezeption von Sprache. Im Bereich der lexikalischen Semantik galt nun das Interesse den mentalen Vorgängen bei der Erfassung und Kategorisierung von Bedeutungen. So wurde die Prototypentheorie von der Linguistik aufgegriffen. Sie schien geeignet, alle bis dahin in der lexikalischen Semantik auftretenden Probleme lösen zu können.
Inwieweit sich diese Hoffnungen erfüllt haben, bzw. welche Fragen bis heute offen geblieben sind, soll in vorliegender Arbeit dargestellt werden.
Nach einer grundlegenden Begriffsklärung wird zunächst gezeigt, wie Kategorien in der Prototypensemantik sich vom klassisch-strukturalistischen Kategoriebegriff unterscheiden. Danach werden die Möglichkeiten der empirischen Ermittlung prototypischer Kategorien vorgestellt. Eigene Kapitel behandeln die Kontextabhängigkeit und die allgemeinen Eigenschaften von Prototypen. Anwendungsgebiete der Prototypentheorie werden vorgestellt. Der Großteil der Arbeit ist jedoch den Streitfragen in der Prototypensemantik gewidmet, mit denen sich die neuere Literatur beschäftigt.
Grundlagen
Kategorien, allgemein
Wir definieren Kategorie als die Betrachtung von zwei oder mehr unterscheidbaren Einheiten, als wären sie dasselbe. Mit anderen Worten: Kategorien werden geschaffen, indem man verschiedenen Dingen den gleichen Namen gibt. Unter Dingen versteht man hier Entitäten, also Objekte, Personen, Aktionen oder Eigenschaften.
Jedes Wort außer Eigennamen bezieht sich auf mehr als einen möglichen Referenten. Daher bezeichnet eigentlich jedes Wort (außer Eigennamen) eine Kategorie, weil es auf mehrere Entitäten angewendet werden kann. "Vogel" bezeichnet eine Kategorie, genausowie das Wort "Spatz", weil es eben viele Spatzen gibt. Die Kategorie "Spatz" ist der Kategorie "Vogel" untergeordnet, wird von ihr eingeschlossen.
Man unterscheidet natürliche und semantische Kategorien. Erstere beruhen auf perzeptuell wahrnehmbaren Eigenschaften, wie ähnlicher Gestalt (Beispiele: Vögel, Blumen, Sessel). Semantische Kategorien basieren auf gemeinsamen Eigenschaften, die nicht perzeptuell wahrnehmbar sind, also auf funktionalen oder anderen propositionalen Merkmalen (Beispiele: Obst, Verbrechen, Fahrzeuge).
Prototypen und prototypische Kategorien
[...]
Arbeit zitieren:
Christine Lindengrün, 2002, Prototypensemantik, München, GRIN Verlag GmbH
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