Inhaltsverzeichnis
1. Die Bedeutung der deutsch-türkischen Bevölkerung in Deutschland. 3
1.1. Gegenstand und Ziel der Untersuchungen von Inken Keim 3
1.2. Zusammenhang zwischen kommunikativem Stil und sozialer Kategorisierung bei
Inken Keim 4
1.3. Soziale Kategorien nach Sacks 5
1.4. Der Prozess der sozialen Kategorisierung. 5
1.5. Kurze Charakterisierung der von Inken Keim beobachteten Gruppe und
Hintergrundinformationen zum Gespräch. 6
1.6. Die Verarbeitung des Vorfalls in zwei Phasen. 7
1.6.1. Das Enaktieren zweier typischer Reaktionsweisen auf den Vorfall 7
1.6.2. Herstellung des Sinnbildes „nirgendwo hingehören“ 9
1.7. Konstitutive Elemente und sozialspezifische Merkmale des
Kategorisierungsprozesses 11
1.8. Die Aktualität der Untersuchungen von Inken Keim. 11
2. Literatur. 13
3. Anhang 14
2
1. Die Bedeutung der deutsch-türkischen Bevölkerung in
Deutschland
Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lebten gegen Ende des Jahres 2005 etwa 1 764 318 1 türkische Staatsbürger in der Bundesrepublik Deutschland. Damit bildet die türkischstämmige Bevölkerung in Bezug auf ihre Anzahl einen bedeutsamen Faktor für eine langfristige Entwicklung von Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität in Deutschland. Doch trotz der Bemühungen einiger Politiker, das immer noch angespannte Verhältnis zwischen Deutschen und Türken zu verbessern, ist es bislang nicht geglückt, die ethnische Kluft zwischen den beiden Bevölkerungsanteilen vollkommen zu schließen. Diese Spannung verursachen in alltäglichen Situationen immer wieder Konflikte, die die Bildung der Selbstdefinition und somit der sozialen Kategorisierung stark beeinflussen. Die Untersuchungen von Inken Keim, die sie in ihrem Text „Sozial-kulturelle Selbstdefinition und sozialer Stil. Junge Deutsch-Türkinnen im Gespräch.“ beschreibt, und die Grundlage des folgenden Textes bilden, gehören zu einem ethnografisch-soziolinguistischen Projekt, dessen Ziel es ist, die Herausbildung und Verbreitung von kommunikativen Stilen in Gruppen jugendlicher Migranten in Mannheim zu untersuchen.
1.1. Gegenstand und Ziel der Untersuchungen von Inken Keim
In einigen deutschen Großstadtmilieus entwickeln sich bestimmte Formen des Türkischen und hier vor allem die Sprache der türkischen Jugendlichen zum Prestigewesen der jugendlichen Sprachformen. Diese Formen den „Türkischdeutschen“ 2 werden vor allem durch die Jugendkultur in Deutschland verbreitert und gelangen dadurch zu gewisser Bedeutung vor allem im Bereich der Jugendgruppen. Dies geschieht meist in alltäglichen Kontaktsituationen zwischen deutschen Bevölkerungsmitgliedern und Migranten, wobei die dabei gemachten Erfahrungen zu Schlüsselsituationen für die Herausbildung kommunikativer Stile und Selbstdefinitionen werden. Die erfahrene Ab- oder Ausgrenzung und die Verarbeitung solcher Situationen bilden die Grundlage für die Herausbildung von Subkulturen 3 , über die dann bestimmte Bilder der Selbst- und Fremddefinition entwickelt werden.
1 http://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrken_in_Deutschland#Zahl_der_t.C3.BCrkischen_Staatsb.C3. BCrger_in_der_BRD (Stand 24. Februar 2007)
2 Vgl. Keim, Inken; Sozial-kulturelle Selbstdefinition und sozialer Stil. Junge Deutsch-Türkinnen im Gespräch. S. 233
3 Vgl. Keim, Inken; Sozial-kulturelle Selbstdefinition und sozialer Stil. S. 234
3
Die von Inken Keim durchgeführte Untersuchung hat das Ziel, die Herausbildung und Verbreitung von kommunikativen Stilen in jugendlichen Migrantengruppen in Mannheim zu untersuchen. Um eine möglichst große Bandbreite der jugendlichen Milieus zu erfassen, wurden für das Projekt einerseits Jugendgruppen gewählt, die dem städtischen Milieu entstammen, andererseits Jugendgruppen aus dem Milieu der Universitäten, die stärker auf die jeweilige Berufskarriere orientiert sind.
Bei der im Folgenden behandelten Jugendgruppe handelt es sich um eine Gruppe von Migrantinnen aus einem Ausländerstadtteil der Mannheimer Innenstadt. Es werden Ausschnitte eines Gruppengespräches vorgestellt, in dem die jungen Frauen auf die negativen Äußerungen von Außen reagieren und im Gespräch an ihrem Selbstbild arbeiten. Ziel der Untersuchung dieses Gespräches ist es, die während des Gespräches vorgenommenen Selbst-und Fremddefinitionen der Gruppenmitglieder mit gesprächsanalytischen Mittel zu rekonstruieren 4 und dabei die verwendeten sprachlichen Mittel so hervorzuheben, dass sie als repräsentativ für den kommunikativen Stil dieser Migrantengruppe angesehen werden können.
1.2. Zusammenhang zwischen kommunikativem Stil und sozialer
Kategorisierung bei Inken Keim
Inken Keim bezieht den Stil einer Person in ihren Untersuchungen vor allem auf ihre Kultur und ihre soziale Identität, weshalb sie im vorliegenden Text den Ausdruck „sozialer Stil“ 5 verwendet. Aus diesem Stilverständnis ergibt sich eine Auswahl an Ausdrucksformen für die Mitglieder einer sozialen Gruppe, die sie aus den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen ziehen. Diese charakterisieren ihre soziale und kulturelle Zugehörigkeit und bilden damit ein wesentliches Unterscheidungskriterium. Stile sind demzufolge also „Verhaltenmodelle, die das Ergebnis der Auseinandersetzung mit spezifischen Lebensvoraussetzungen und Lebensbedingungen sind.“ 6 Deshalb beschäftigt sich Inken Keim vor allem mit der Ausprägung eines Systems sozialer Kategorien für die Selbst- und Fremddefinition, die im Kategorisierungsprozess verwendet werden. Dabei bezieht sie sich vor allem auf die gesprächsanalytischen Arbeiten von Sacks, Schenkein und Gumperz und auf Arbeiten aus dem Mannheimer Projekt „Kommunikation in der Stadt“ und der Bielefelder Forschungsgruppe „Nationale Selbst-und Fremdbilder im Gespräch“
4 Ebenso, S. 235
5 Ebenso, S. 235
6 Ebenso, S. 235
4
(Drescher/Dausendschön, Hausendorf). 7 Grundlegende Annahme dabei ist, dass die soziale Identität (also Alter, Geschlecht, Status etc.) nicht objektiv gegeben ist, sondern in Gesprächen herausgebildet oder durch Handlungen hervorgebracht wird, die dann von Außenstehenden beurteilt oder überarbeitet werden.
Gesellschaftsmitglieder, oder wie in diesem Fall Gruppenmitglieder kategorisieren sich demnach unter Benutzung eines Systems von Kategorien, die in ihrer sozialen Welt für die Selbst- und Fremddefinition zu Verfügung stehen, wobei sich die Kategorien meist auf Alter, soziale Hierarchie oder ähnliches beziehen.
1.3. Soziale Kategorien nach Sacks 8
Laut Sacks, an den sich Inken Keims Verständnis von sozialen Kategorien anlehnt, werden bestimmte soziale Kategorien von Gesellschaftsmitgliedern als zusammenhängend betrachtet, wobei diese Kategorien in Relation zueinander stehen und so genannte Kollektionen bilden. Die Definitionskriterien für Kategorien bilden kategoriegebundene Eigenschaften und Handlungsweisen, wie zum Beispiel die Eigenschaft der dunklen Hautfarbe bei Afroamerikanern oder das Sprayen von Graffitis bei angehörigen der „Sprayer-Szene“. Dabei ist die inhaltliche Füllung der Kategorien ebenso sozial und kulturell gebunden, wie die Festlegung der Relationen zwischen verschiedenen Kategorien.
Nach Sacks gibt es eine begrenzte Anzahl von so genannten „Basiskategorien“, denen die meisten Gesellschaftsmitglieder zugeordnet werden können, wobei diese meist in einem zweiwertigen Klassifikationsmuster (zum Beispiel „Frau“ und „Mann“ oder „Deutscher“ und „Ausländer“) in Erscheinung treten. Zudem sind Kategorisierungen immer von der Perspektive der jeweiligen Person abhängig. Eine Person kann sich oder andere also verschiedenen Kategorien zuordnen, wobei die inhaltliche Füllung der Kategorien ständiger Überarbeitung unterworfen ist. Die Art der Perspektivierung basiert dabei zumeist auf den zugrunde liegenden sozialen Verhältnissen und Konstellationen der beteiligten Personen.
1.4. Der Prozess der sozialen Kategorisierung
Der Prozess der sozialen Kategorisierung besteht laut Inken Keim aus der Art und Weise, wie Gesprächspartner sich und andere vor dem Hintergrund ihres sozialen Wissens typisieren,
7 Keim, Inken; Sozial-kulturelle Selbstdefinition und sozialer Stil. S. 236
8 Sacks, Harvey (1972): On the analyzability of stories by children. UND Sacks, Harvey (2000): Lectures on conversation
5
Arbeit zitieren:
Nina Schuster, 2007, Soziale Selbstdefinition und sozialer Stil am Beispiel junger Deutsch-Türkinnen, München, GRIN Verlag GmbH
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