Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Rezeptionsgeschichte 3
2.1 Zeitgenössische Rezeption 3
2.2 Hellenismus. 4
2.3 Attizismus. 4
2.4 Die Zeit nach der Jahrhundertwende. 5
2.5 Humanismus. 6
2.6 17. Jahrhundert 7
2.7 18. Jahrhundert 7
2.8 19. Jahrhundert 10
2.9 20. Jahrhundert 11
3. Fazit. 14
4. Literaturverzeichnis. 15
2
1. Einleitung
Demosthenes - anders als Homer oder Cicero gehört dieser Redner und Politiker weniger zu den klassischen Autoren, die man in den heutigen Gymnasien im Geschichts- oder Lateinunterricht kennenlernt, obwohl er durch sein rednerisches Können und seine mutige Politik durchaus interessant wäre. Doch das war nicht immer so, denn im Laufe der Geschichte war das Bild, das man von Demosthenes hatte, sehr unterschiedlich. Inwiefern es sich während der Jahrhunderte veränderte und wodurch es beeinflusst wurde, möchte ich nun in meiner Arbeit darstellen.
2. Rezeptionsgeschichte
2.1 Zeitgenössische Rezeption
Zu seinen Lebzeiten wurde Demosthenes bei weitem nicht in dem Maße gerühmt und geachtet, wie dies später der Fall war. Aufgrund seiner für Athen so verheerenden Politikder verlorenen Schlacht von Chaironeia - waren die meisten seiner Zeitgenossen ihm gegenüber sehr negativ eingestellt. Sein rednerisches Talent jedoch stand immer außer Frage und wurde mit nahezu allgemeiner Übereinstimmung hoch geschätzt. 1 So lässt sich aus überlieferten Aussagen aus Demosthenes’ Lebzeiten erschließen, dass man ihm mit einer „Mischung von verborgener Anerkennung, offener Herabsetzung und kühler Zurückhaltung“ 2 gegenüberstand. Aeschines zum Beispiel - sein wohl größter Widersacherbezeichnete ihn in seiner dritten Rede „ungeachtet der sonstigen Angriffe und Verleumdungen“ 3 als gefährlichen Redner („δεινοσ λεγειν“ 4 ) und auch Demades - ein weiterer Gegner des Demosthenes - vergleicht die „katastrophalen Folgen der demosthenischen Redefähigkeit mit denen der Schönheit Helenas“ 5 . Daran zeigt sich also, dass Demosthenes selbst bei seinen persönlichen und politischen Feinden ein geachteter Redner war.
1 Vgl. Anastassiou, Anargyros A.: Zur antiken Wertschätzung der Beredsamkeit des Demosthenes. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Hohen Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Kiel 1966 S. 3.
2 Anastassiou S. 55.
3 Anastassiou S.56.
4 Aisch. Kata Ktesiphontos. 174.
5 Anastassiou S.57.
3
Doch dieses Lob für die rhetorische Kraft gründet sich wohl mehr auf ihren lebendigen Vortrag vor einem Publikum, als auf die kritische Betrachtung des Stils der niedergeschriebenen Reden. 6
2.2 Hellenismus
Im Hellenismus geriet Demosthenes anfangs nahezu in Vergessenheit, da zu dieser Zeit die Rhetorik für die Jugenderziehung gegenüber der Philosophie an Wichtigkeit verlor. 7 Aus dem Frühhellenismus liegen keinerlei Überlieferungen von Gelehrten vor, aus der Katalogisierung des Kallimachos ist lediglich bekannt, dass Demosthenes’ Nachlass in die alexandrinische Bibliothek aufgenommen wurde. 8
Erst Mitte des zweiten Jahrhunderts vor Christus wählte man im ständigen Streit der Rhetorik und der Philosophie um die Vorherrschaft im Unterricht der jungen Männer Demosthenes als Zugpferd der Ersteren und setzte sich damit auch durch. 9
2.3 Attizismus
Im Attizismus - der Epoche der Suche nach dem reinen Griechisch - schenkte man dem demosthenischen Werk wieder mehr Beachtung. Ein großer Demosthenes-Kritiker des Attizismus war M. Tullius Cicero, der den griechischen Redner als den „schlechthin vollkommenen unter den attischen Rednern“ 10 bezeichnete: „nam plane quidem perfectum et cui nihil admodum desit Demosthenem facile dixeris“ 11 . Und auch in seinem Orator, dem Entwurf des idealen Redners, greift Cicero auf Demosthenes zurück, da er bei diesem die drei genera dicendi nahezu in Perfektion angewendet sieht: „multae sunt eius [sc. Demosthenes] totae orationes subtiles, ut contra Leptinem; multae totae graves, ut quaedam Philippicae; multae variae, ut contra Aeschinem falsae legationis, ut contra eundem pro causa Ctesiphonis” 12 . Gerade in der Kranzrede also, kommt Demosthenes dem Ideal des Cicero - dem souveränen, der Situation angepassten Gebrauch der drei Stilebenen - sehr nahe, da er den genus subtile nutzt um einzuleiten, den genus medium um den Hörer zu erfreuen und den
6 vgl. Anastassiou S.65.
7 Vgl. Anastassiou S.82.
8 Vgl. Anastassiou S. 82-83.
9 Drerup, Engelbert: Demosthenes im Urteile des Altertums. Studien zur Geschichte und Kultur des Altertums XII. Band. 1./2. Heft. Würzburg 1923. S.248.
10 Anastassiou S.44.
11 Cic. Brut. 35.
12 Cic. Or. 111.
4
genus grave um ihn mitzureißen. 13 So verwundert es nicht, dass Cicero sich in seinen Philippica an Demosthenes orientiert, sei es im Aufbau der Reden, der Wahl der Motive oder den rhetorischen Mitteln (sowohl Cicero als auch Demosthenes identifizieren sich mit dem Auditorium, um dessen Sympathie zu erhalten). 14
Neben Cicero war auch Dionysios von Halikarnassos um die Zeitenwende ein Kritiker des Demosthenes, der dem griechischen Redner und Politiker des vierten Jahrhunderts vor Christus die ideale Mitte zwischen dem niederen Stil des Lysias und dem hohen Stil des Thukydides 15 zusprach. So „ahmt [Demosthenes] […] weder eine einzelne Stilart noch einen Schriftsteller nach, sondern wendet vielmehr nach den Umständen das Besten von allen an“. 16 Durch die Vermischung der drei Stilebenen, die laut Dionysios nur zusammen die vollkommene Sprache schaffen, verkörpert Demosthenes für ihn (anders als für Cicero) den idealen Redner und Prosaiker. 17
2.4 Die Zeit nach der Jahrhundertwende
Nach der Jahrhundertwende steigerte sich die Verehrung des demosthenischen Stils soweit, dass in der zweiten Sophistik, vom zweiten Jahrhundert nach Christus an, „dem ρητωρ κατ εξοχην gegenüber alle anderen Redner der klassischen Zeit mehr und mehr in der Schatten treten“ 18 . So entwickelte sich das Demosthenes-Bild von einer vergleichenden Betrachtung mit anderen attischen Rednern bei Dionysios von Halikarnassos (s. o.) zu einer Art Vergötterung des demosthenischen Kanons bei Aristeides und auch im dritten Jahrhundert nach Christus wurde der klassische Redner von Aspines zur Erläuterung rhetorischer Techniken herangezogen und zum Gegenstand monographischer Kommentare gemacht 19 . Zudem war Demosthenes auch häufig Teil enkomiastischer Werke - so zum Beispiel bei Lukian oder dem „zweiten Philostratos“ 20 .
Und auch hinsichtlich der handschriftlichen Überlieferung wurde Demosthenes eine vorrangige Stellung eingeräumt, denn wir besitzen heute noch drei fast vollständige und fünf zu
13 Vgl. Wooten, Cecil W.: Cicero’s Philippics and their Demosthenic model. Chapel Hill 1983. S. 49.
14 Vgl. Wooten S. 53-54.
15 Vgl. Dionys. Hal. Demosthenes. 9-13.
16 Anastassiou S.8.
17 Anastassiou S.9.
18 Drerup S. 144-145.
19 vgl. Drerup S. 146-147.
20 vgl. Drerup S.152-164.
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Arbeit zitieren:
Stephanie Krauss, 2009, Die Rezeptionsgeschichte des Demosthenes, München, GRIN Verlag GmbH
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