1. „Zeitschriftendesign“ als Untersuchungsgegenstand
D as Thema „Zeitschriftendesign“ fristet in der Journalistik eher ein Randdasein. Entsprechend wenig Literatur findet sich in Archiven und Bibliotheken, obwohl in Deutschland die Zeitschriften eine verkaufte Auflage von 145.864.038 Exemplaren 1 aufweisen (Zeitungen: 30.457.587 2 ) und Typografie, Dramaturgie und Design von entscheidender Bedeutung für die Akzeptanz von Zeitschriften sind. Speziell dem Thema „Yellow Press“ wurde in Büchern und Aufsätzen bisher ebenfalls wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Und das, obwohl die wöchentlichen Frauenzeitschriften mit einer verkauften Auflage von 13.927.191 Heften 3 fast zehn Prozent des deutschen Zeitschriftenmarktes für sich beanspruchen.
Diese Arbeit verknüpft beide „Randthemen“ und beschäftigt sich mit dem Layout der „Yellow Press“. Am Beispiel der unterhaltenden Frauenzeitschrift NEUE POST soll die Frage geklärt werden, ob die Gestaltung des vermeintlichen Schmuddelkinds „Yellow Press“ auch nur Schmuddel entspricht.
Der erste Teil der Arbeit bestimmt den Begriff „Yellow Press“ in seinem historischen Kontext. Anschließend wird auf Selbstverständnis, Leserschafts- und Inhaltsstruktur sowie die aktuelle Marktposition der NEUEN POST eingegangen. Auf dieser Grundlage analysiert die Arbeit ausführlich den Heftaufbau, wichtige Seitentypen, Titelseiten aus verschiedenen Jahrzehnten und wesentliche Aspekte der Mikro- und Makrotypografie. Um die Analyseergebnisse anschaulicher zu machen, befinden sich im Anhang Statistiken, Beispielseiten und ein Interview mit dem Chefredakteur der NEUEN POST. Als Grundlage für die Arbeit dienten vor allem die Ausgaben 12/2000 (16.3.2000), 13/2000 (23.3.2000), 14/2000 (30.3.2000) und 15/2000 (6.4.2000). Die Hausarbeit wurde nach den Regeln der alten Rechtschreibung verfaßt.
2. Zur Bestimmung des Begriffs „Yellow Press“
D er Ursprung des Begriffs „Yellow Press“ reicht in das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. In New York City/ USA gründete Joseph Pulitzer die SUNDAY WORLD. Inhalte der Zeitung waren Nachrichten, Prominentenklatsch, Lebenshilfe, Sport und Comics. Pulitzer setzte als erster politische Karikaturen ein, zum Beispiel die gelb kolorierte Figur „Yellow Kid“. Konkurrenz erwuchs Pulitzer durch das SUNDAY JOUR- NAL, daseine ähnliche Comicfigur entwickelte. Zwischen den Blättern entbrannte ein erbitterter Konkurrenzkampf („Yellow Journalism“). Die Zeitungen bedienten sich immer neuen technischen Möglichkeiten (Farbrotationsdruck, 1892), und ihre Konkurrenz prägte den Stil der weltweiten Massenpresse. Im Kampf um Auflagen schürten sie während des Spanisch-Amerikanischen Krieges um Kuba (1898) die Kriegslüsternheit. 4
Während „Yellow Press“ in den USA das Synonym für die Boulevardpresse mit ihrer Mischung aus Sex and Crime ist, versteht man darunter in Deutschland die „Herz-Schmerz-Blätter“, die sogenannte Regenbogenpresse mit Beiträgen über Adel, Film-und Fernsehstars sowie Servicethemen. Wie dieses unterschiedliche Begriffsverständnis zustande kam, ist nicht geklärt. Zumindest herrschte in den Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland ein starkes Bedürfnis nach unpolitischer Unterhal-
1 vgl.IVW 2/2000
2 vgl. ebd.
3 vgl. ebd.
1
tung. Erste dementsprechende Blätter waren FRAU IM SPIEGEL (1946), HEIM UND WELT (1948), NEUE POST (1948), FRAU MIT HERZ (1948) und DAS NEUE BLATT (1950). 5 Die deutschstämmige Soraya Esfandiari wurde 1951 nach der Heirat mit dem persischen Schah Reza Pahlewi zum Medienstar. Hof- und Sonderberichterstatter verfaßten jede Woche Geschichten im Stil von Fortsetzungsromanen („Soraya-Presse“). Einen kritischen Bericht im STERN (1958) über die politische Lage in Persien nahm Schah Pahlewi zum Anlaß, sich bei der Bundesregierung über die anhaltende Berichterstattung über seine mittlerweile geschiedene Frau zu protestieren. Das Auswärtige Amt erarbeitete einen Gesetzentwurf, der vorsah, jede Äußerung zu bestrafen, die das Privat-oder Familienleben eines ausländischen Staatsoberhauptes oder einer seiner Angehörigen betrifft und geeignet ist, die auswärtigen Beziehungen der BRD zu stören („Lex Soraya“). Der Entwurf wurde jedoch nie umgesetzt. 6 „Yellow Press“ will vor allem Entspannung und Ablenkung vom Alltag (Arbeit, Haushalt, Kindererziehung) bieten. Sie liefert Gesprächsstoff, damit die vielen Leserinnen „mitreden können“, und Lebenshilfe. Schicksalsschläge, die andere Personen und insbesondere Prominente treffen, sollen die Probleme der Leserinnen relativieren. 7 Die Blätter bedienen die nahezu ungebrochene Faszination am Adel, der in Deutsch-land vor mehr als 80 Jahren entmachtet wurde. Neben bürgerlicher Neugier, Realitätsflucht und der „Befriedigung allzu unmenschlicher Klatschsucht“ vermutet DER SPIEGEL noch einen weiteren Grund für die Sehnsucht nach dem Adel: „In einer Ära allgemeinen Werteverfalls, in der schon zur Mittagszeit gepiercte und tätowierte Kleinbürger hemmungslos im Talk-TV über Erektions-, Vergaser- oder Balkonpflanzen-Probleme schwatzen, präsentieren sich einer verunsicherten bürgerlichen Mittelschicht die festgezimmerten Normen einer scheinbar von allen Zeitläuften letztlich unberührten Aristokratie als ungemein verlockend und tröstlich.“ 8
3. NEUE POST - Fakten, Namen, Zahlen
D ie NEUE POST wird vom Heinrich-Bauer-Verlag mit Sitz in Hamburg herausgegeben. Das Blatt erscheint wöchentlich jeweils am Donnerstag 9 und zählt zum Segment der „unterhaltenden Frauenzeitschriften“ 10 . Frauen stellen 75,5 Prozent der Leserschaft, 70,3 Prozent aller Leser sind 50 Jahre und älter. 50,7 Prozent der Leser beziehen Rente. 11 Die Zeitschrift setzt auf „emotionale Ansprache, umsetzbare Mode-und Kosmetik-Tipps und (...) seriöse Beratung zu Alltagsproblemen. (...) Dabei ist es das oberste Gebot der Redaktion, nicht nur praktische Beratung in jeder Form anzubieten, sondern die Leserinnen und Leser auch immer gut zu unterhalten und dauerhaft interessant zu informieren. Aktuelle Berichte über die Gesellschaft sowie die Prominenz aus Film, Show, Fernsehen und Sport spielen dabei selbstverständlich eine wichtige Rolle. Die Leserinnen erfahren mehr über den prominenten Menschen, sein Leben neben Glanz und Glamour. Aber auch Leute von nebenan, ihre Schwierigkeiten und Probleme, tragische Geschehnisse wie besonders glückliche Momente gehören zum redaktionellen Repertoire.“ 12 Das redaktionelle Themenspektrum umfaßt
4 vgl. journalist 10/96, S. 15 f.
5 vgl. ebd., S. 16 ff.
6 vgl. Bilder, die lügen, S. 78 f.
7 vgl. Yellows/ CC Consumer Combination, „Stichwort „Unterhaltung und Information“
8 DER SPIEGEL 16/1998, S. 76
9 vgl. Impressen
10 vgl. Yellows/ CC Consumer Combination, Stichwort „Das Segment im Überblick“
11 vgl. Yellows/ Objektinformationen, S. 8
12 vgl. ebd., S. 3
2
Prominente/Adel/Künstler (36,1 Prozent aller Seiten), Romane/Rätsel/Humor (15,5), Kochen/Essen/Trinken (8,2), Gesundheit/Medizin/Fitneß (5,9), Urlaub/Reisen (4,1), Wohnung/Haus/Garten (3,9), Mode (3,3), Kosmetik (2,1) und „sensible Unterhaltung“ (2,6). 13
Im ersten Quartal 2000 erreichte die NEUE POST eine Auflage von 1.283.547 verkauften Exemplaren, im zweiten Quartal waren es 1.263.034 Stück. Damit setzte sich der Negativtrend der letzten Jahre fort. Im ersten Quartal 1979 wurde die NEUE POST noch mehr als zwei Millionen Mal pro Woche verkauft. Ein Grund für den Auflagenrückgang ist der harte Konkurrenzkampf auf dem Markt der wöchentlichen Frauenzeitschriften. Gab es Anfang 1979 noch zwölf Titel, waren es im ersten Quartal dieses Jahres bereits 28. Die Gesamtauflage stieg jedoch nicht parallel dazu an. Dennoch ist die NEUE POST nach wie vor Marktführer im Bereich der unterhaltenden Frauenzeitschriften. Nur BILD DER FRAU erreicht eine höhere Auflage. 14 Diese Zeitschrift ist aufgrund einer anderen inhaltlichen Schwerpunktsetzung - noch mehr Service, weniger Berichte über Adel und andere Prominente - nicht zu den reinen „Yellow-Press“-Titeln zu zählen. Als Chefredakteur der NEUEN POST fungiert Norbert Schubert. Er zeichnet sich gleichzeitig für die Bauer-Blätter „Auf einen Blick“, „TV Klar“ und „TV 14“ verantwortlich. 15 Die Redaktion umfaßt 24 festangestellte Redakteure und neun Layouter. 16 Korrespondenten gibt es in Paris/Frankreich, Barking Essex/Großbritannien, Marina di Pietrasanta/Italien und Corona del Mar/USA. Der Heftpreis beträgt 2,50 Mark. 17 Das Heftformat mißt 230 Millimeter in der Breite und 290 mm in der Höhe, der Satzspiegel 208 mm in der Breite und 278 mm in der Höhe. 18 Die Zeitschrift wird im Rotationstiefdruck und mit Rückendrahtheftung hergestellt. 19 1966 war die NEUE POST der erste „Yellow-Press“-Titel, der das Produktionsverfahren von Hochdruck und lose zusammengetragenen Bögen im Zeitungsformat auf Vierfarbdruck und fest geheftete Seiten im Illustriertenformat umstellte. 20 Eine ganzseitige Anzeige im 4-C-Druck kostet heute 26.980 Mark, in Schwarzweiß 17.504 Mark. 21 Der 1.000-Kontakt-Preis für eine vierfarbige ganzseitige Anzeige liegt bei 9,83 Mark (gesamt), 13,03 Mark (Frauen) und 21,02 Mark (verkaufte Auflage). Die NEUE POST ist mit DAS NEUE BLATT auch als Kombination belegbar. 22
4. Die Gestaltung der NEUEN POST
D ie NEUE POST als unterhaltende Frauenzeitschrift wendet sich an eine stark eingegrenzte Zielgruppe. Es handelt sich um Frauen der Altersgruppe ab 40 Jah-
13 vgl.Yellows/ CC Consumer Combination, Stichwort „Das redaktionelle Themenspektrum“
14 alle IVW-Daten unter www.pz-online.de
15 vgl. Impressen
16 Die Zahlen basieren auf einer Auskunft von Chefredakteur Norbert Schubert nach dem Interview mit dem Autor.
17 vgl. Impressen
18 vgl. Zimpel 12/1999, S. 7
19 vgl. Media Daten April 2000, S. 176
20 vgl. journalist 10/1996, S. 16
21 vgl. Media Daten April 2000, S. 176
22 vgl. Yellows/ Objektinformationen, S. 15
3
ren. 23 Die Vermittlung der redaktionellen Inhalte - Servicethemen, Schicksalsberichte und aktuelle Geschichten aus dem Showbusineß - wird grafisch-typografisch unterstützt. Das Layout besitzt also für die Leser-Blatt-Bindung eine bedeutende Rolle. „Optik und Inhalte müssen immer wieder auf die Entwicklung der Zeit gebracht werden“, sagt Chefredakteur Norbert Schubert. 24 „Das Layout muß schnell erfaßbar sein. Es muß klar sein, aber gleichzeitig auch emotional.“ 25 Offenbar kommt das Layout gut beim Publikum an, denn die Zeitschrift weist einen hohen Anteil an Kernleserinnen auf. Von zwölf Ausgaben lesen 46 Prozent mindestens zehn Hefte, ein Viertel fünf bis neun und die übrigen ein bis vier Ausgaben. 26
Da sich die NEUE POST im „bunten“ Show- und Gesellschaftsbereich positioniert, ist Farbe ein wichtiges Gestaltungsmittel. Neben vierfarbigen Fotos gibt es bunte Überschriften, Rahmen und Linien sowie farbig unterlegte Beiträge und Überschriften. Es läßt sich ein opulenter, fast schon übertriebener Umgang mit Farbe feststellen. Chefredakteur Norbert Schubert: „Mit Schwarzweiß kann man Menschen verschrecken.“ 27 Der starke Farbeinsatz soll auch vom tristen Leben vieler Leserinnen (Hausfrauen, Rentnerinnen) ablenken. „Lesen ist ausruhen, Ablenkung und ,Kurzurlaub vom Alltag‘“ heißt es dazu in einer Imagebroschüre. 28 Auffallend ist die verstärkte Verwendung von Signalfarben. Laut Schubert nutzt die NEUE POST bewußt die Farbpsychologie. So werde Blau gern zu Adelsgeschichten gestellt. Gelb als fröhliche Farbe eigne sich dagegen nicht zur Illustration eines Schicksalsberichtes. Rot sei aufgrund seiner Signalwirkung gut für Aufmacherbeiträge. 29 „Insgesamt sollte das Heft möglichst farbabgestimmt sein“, sagt Norbert Schubert. „Es darf nicht zu wild werden, die Farbabstimmung muß dem Leser harmonisch vorkommen. Er soll sich zu Hause fühlen und sagen: ,Das ist ein schönes Heft‘“. 30
Im den Servicerubriken ist die Farbgebung dezenter als im Unterhaltungsbereich. Die gelten als „Säulen der Seriosität“ 31 , denn auf den ersten drei Plätzen der bevorzugten Themen der NEUE-POST-Leserinnen rangieren „Körper- und Schönheitstips“, „Ge-sundheitstips“ sowie „Medizin und Gesundheit“. 32 Der Charakter des Layouts soll hier Diskretion und Glaubwürdigkeit symbolisieren. Nicht plakative Unterhaltung, sondern Information mit Nutzwert steht im Vordergrund. Grafisch-typografische Spielereien werden vermieden, denn sie könnten der Leser-Blatt-Bindung schaden und sich negativ auf die Verkaufszahlen auswirken. „In unserem Ratgeberteil darf es keine Verwechslungsgefahr geben, jeder Teil muß sofort erkannt und ohne Probleme gelesen werden können“, sagt der Chefredakteur. 33
Unterschiede zwischen Unterhaltungs- und Ratgeberteil sind auch beim Einsatz der Typografie zu entdecken. In den Servicerubriken wechseln Schriftgrößen, -arten undfarben seltener als bei Berichten über das Showbusineß. Grund für diese Tatsache ist der funktionale Charakter der Schrift. Sie wird generell mit dem Charakter des Themas und der Farbgebung abgestimmt. Zwar gehören laut Norbert Schubert alle Schriften zu einer großen Familie, sie werden aber je nach Thema mit verschiedenen
23 vgl. Yellows/ Objektinformationen, S. 3
24 Anhang: Interview mit Norbert Schubert, S. I 1
25 ebd., S. I 2
26 vgl. Yellows/ CC Consumer Combination, Abschnitt „Die Leserinnen: Kernleseranteile“
27 Anhang: Interview mit Norbert Schubert, S. I 3
28 Yellows/ CC Consumer Combination, Abschnitt „Die Bedeutung für die Leserinnen“
29 vgl. Anhang: Interview mit Norbert Schubert, S. I 4
30 ebd., S. I 4
31 ZEIT-MAGAZIN, 18.5.1999, S. 31
32 vgl. Yellows/ CC Consumer Combination, Abschnitt „Die Leserinnen“
33 Anhang: Interview mit Norbert Schubert, S. I 4
4
Schnitten versehen: „Beim Tod würde ich eher eine nachrichtliche Schrift wählen und bei einer Hochzeit eine geschwungene Schrift. Bei einem Schicksal würde ich immer eine nachrichtlich aussehende Zeile wählen, bei einer Tiergeschichte eine runde Schrift. Für den Serviceteil gelten schnelle Lesbarkeit und schnelle Erfaßbarkeit.“ 34 Auffallend ist, daß man in der NEUEN POST häufiger als in Zeitschriften anderer Gattungen Anzeigen vorfindet, die ganz oder teilweise schwarzweiß gedruckt sind. Es läßt sich vermuten, daß die Werbung im Gegensatz zu den farbigen Beiträgen stehen soll, um stärker aufzufallen. Chefredakteur Schubert verneint das und nennt vielmehr begrenzte finanzielle Budgets der Anzeigenkunden als Grund. 35 Die Zahl der schwarzweißen Anzeigen hat sich trotzdem verringert. Gab es im Jahr 1994 noch bis zu 14,1 Seiten (Nr. 19/1994) mit Anzeigen im 2-C-Druck, waren es in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2000 noch maximal 6,9 (Nr. 14/2000). 36 Aufgrund der Tendenz zu mehr Farbe könnte man annehmen, daß Werbekunden ihre Anzeigen bewußt auf das redaktionelle Umfeld abstimmen, damit manche Leserin zum Beispiel eine mit Fotos, Grafiken und Infotexten versehene Schmerzmittel-Anzeige für einen Gesundheitstip hält. 37 Überhaupt orientieren sich die Anzeigen ganz stark an den Themen „Schönheit“ und „Gesundheit“. Beworben werden fast ausschließlich Kosmetika und Medikamente.
4.2. Die Heftstruktur unter inhaltlichem und gestalterischem Aspekt
D ie NEUE POST wird von einem Großteil der Leserinnen Seite um Seite rezipiert. 38,3 Prozent lesen und blättern in allen oder fast allen Seiten, 24,7 Prozent in etwa drei Vierteln der Seiten, und 18,8 Prozent beschäftigen sich mit etwa der Hälfte eines Heftes. 38 Diese Zahlen lassen auf eine ansprechende, also übersichtliche Heftstruktur schließen. Jedoch macht die Dramaturgie auf den ersten Blick einen wirren Eindruck. Es gibt sehr viele Rubriken, die sich zum Teil sehr ähneln. Beiträge über Lieb und Leid von Adel und Stars wechseln sich ab mit Kreuzworträtseln, Schicksals-und Reiseberichten, Horoskop, Rezepten, Lebensberatung, Romanen sowie Haushalts-, Garten-, Mode und Gesundheitstips. Aber gerade dieses scheinbare Durchein-ander ist Prinzip. Rubriken und Inhalte sind sortiert nach Freud und Leid, Emotionen sollen nicht so widersprüchlich wie im Leben durcheinanderpurzeln. Chefredakteur Norbert Schubert: „Da wir uns vom Titel her im Show- und Gesellschaftsbereich positionieren, ist das Entrée darauf abgestimmt. Der Leser bekommt auf den ersten Seiten den Unterhaltungsteil aus Show und Adel. Und in einem Spannungsspiel zwischen Unterhaltung, Schicksal und Ratgeber wird die Struktur des Heftes weiter aufgebaut.“ 39
Ein Wellenprofil ist in der NEUEN POST nur schwer auszumachen. Im Prinzip ist das Heft sehr gleichförmig. Auf 64 Seiten sollen laut Schubert möglichst viele Informationen und Servicestoff untergebracht werden. 40 Aufgrund der dadurch entstehenden Kleinteiligkeit gibt es kaum längere Lesestrecken im Sinne von Magazinen wie DER SPIEGEL oder STERN, Artikel sind in der NEUEN POST nie länger als zwei Seiten. Nur zu
34 Anhang: Interview mit Norbert Schubert, S. I 4
35 vgl. ebd., S. I 3
36 vgl. www.pz-online.de
37 vgl. NEUE POST 13/2000, S. 19
38 vgl. Yellows/ Objektinformationen, S. 7
39 Anhang: Interview mit Norbert Schubert, S. I 2
40 vgl. ebd., S. I 2 f.
5
besonderen Anlässen bietet das Blatt längere Lesestrecken, zum Beispiel acht Sonderseiten anläßlich des 100. Geburtstags von Queen Mum. 41 Nur durch Zusammenfassen sich ähnelnder Rubriken und Beiträge sind strukturelle Schwerpunkte erkennbar. Anhand der Ausgabe 15/2000 soll das hier dargestellt werden: 42 Zwischen Seite zwei und neun gibt es viele viertel- bis ganzseitige Berichte über Stars und Adel - verteilt auf die Rubriken „Aktuell“, „Menschen im Blickpunkt“ und „Leute im Gespräch“. Zusammengefaßt ergibt das die erste große Welle (= acht Seiten). Der folgen nun Ratgeber und Unterhaltung im Wechsel („Das große Bargeld-Rätsel“, „Aktuelle Reportage“, „Bunte Seiten“, „Erinnerungen“, „Aktuell“, „Wissenswertes für die ganze Familie“, „Das Wochen-Horoskop“, „Wer ist das?“, „So sparen Sie Geld“, „Aktuelle Reportage“, „Welt der Tiere“, „Blumen und Pflanzen“, „Der große abgeschlossene Roman“). Jetzt schließt eine längere zusammenhängende Ratgeberstrecke an. Faßt man die Rubriken „Kosmetik - Rund um die Schönheit“, „Lebensberatung - Leser fragen“, „Rezepte zum Sammeln“ und „Elisabeth Reimer“ (Seite 28 bis 37) zusammen, erkennt man eine zweite große Welle mit wiederum fast acht Seiten. Weiterem Kurzstoff („Der abgeschlossene Krimi“, „Raten Sie mit“, „Serie“, „Sachen zum Lachen“) schließt sich mit vier Seiten „Gesundheitsmagazin“ (Seite 42 bis 45) die letzte große Welle an. Bis zum Schluß gibt es dann wieder Service und Unterhaltung im Wechsel („Verbrechen in unserer Zeit“, „NEUE POST Treffpunkt“, „Urlaubsmagazin“, „Aktuelle Serie“, „Die schöne Handarbeit“, „Aktuelle Mode“, „Leser berichten wahre Geschichten“, „Buch-Kino-Video-Tipps“, „Ihr gutes Recht“, „Jochen Kern Report“, „Aktuell“, „NEUE POST-Leser erzählen - Ihre Geschichte“, „Prominententreff“, „Spaß muss sein!“, „Das große Preisrätsel“). Die auf diese Weise analysierten Wellen - Neues von Prominenten, Service (Kosmetik, Lebensberatung, Küche und Haushalt) sowie Ge-sundheitstips - entsprechen in ihrer Gewichtung weitestgehend auch den Lieblingsthemen der Leserinnen. 43
Zum Verhältnis Unterhaltung - Ratgeber gibt es verschiedene Angaben. Laut Chefredakteur Schubert besteht ein Heft zu einem Fünftel aus Berichten über Adel und Showstars und zu vier Fünfteln aus Ratgeber. 44 Eine Imagebroschüre führt einen Anteil von 36,1 beziehungsweise 45,6 Prozent an. 45 Die Analyse von Heft 15/2000 ergab 33 bzw. 67 Prozent. 46
Der Umfang eines Heftes beträgt in der Regel 64 Seiten, seit den letzten Monaten häufiger auch 72 Seiten. Während es im gesamten Jahr 1996 nur eine Ausgabe (Nr. 44/1996) mit 72 Seiten gab, waren im ersten Halbjahr 2000 gleich neun Hefte (Nr. 5, 10, 14, 16, 17, 18, 19, 21 und 24/2000) so umfangreich. 47 Laut Norbert Schubert hängt das mit einem Aufschwung im Anzeigengeschäft zusammen. Die Wirtschaft habe erkannt, daß auch bei älteren Lesern starke Konsumbereitschaft herrsche. 48 Tatsächlich erzielte die NEUE POST im ersten und zweiten Quartal 2000 mit durchschnittlich 14,1 Anzeigenseiten je Heft einen neuen Spitzenwert. Die Gesamtwerte der
41 vgl. NEUE POST 29/2000, S. 33 ff.
42 vgl. ebd. 15/2000
43 vgl. Yellows/ CC Consumer Combination, Abschnitt „Die Leserinnen“
44 vgl. Anhang: Interview mit Norbert Schubert, S. I 1
45 vgl. Yellows/ CC Consumer Combination, Abschnitt „Das redaktionelle Themenspektrum“ (Die restlichen 18,3 Prozent sind Anzeigenseiten. Läßt man die Werbung aus der Berechnung weg, erhält man einen Anteil von 44,2 Prozent Showberichten und 55,8 Prozent Ratgeber.)
46 vgl. NEUE POST 15/2000
47 vgl. www.pz-online.de
48 vgl. Anhang: Interview mit Norbert Schubert, S. I 3
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Arbeit zitieren:
Christian Adler, 2000, Das Schmuddelkind Yellow Press und seine Gestaltung: Auch nur Schmuddel? - Zur Gestaltung der "Neuen Post", München, GRIN Verlag GmbH
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