Universität Leipzig Institut für Politikwissenschaft Bereich: Internationale Beziehungen Teilgebiet: Geschichte des Ost-West-Konfliktes
Seminar
Genese des Kalten Krieges Sommersemester 1998
Hausarbeit
Die Berlin-Krisen 1948 und 1961
Christian Adler
Journalistik (Diplom, Politikwissenschaft als ergänzendes Hauptfach) 2. Studiensemester 2. Fachsemester
1. Die Berlin-Krisen 1948 und 1961 4
1.1 Einleitung. 4
1.2 Die Berlin-Krise 1948. 4
1.2.1 Der Zeitraum vor dem Beginn der Berlin-Blockade 4
1. 2. 1. 1. Die auslösenden Ereignisse: Londoner Außenministerkonferenz und Marshall-Plan. 4
1. 2. 1. 2. Die “Frankfurter Charta und die erste Phase der Londoner Sechsmächtekonferenz: Wege
zur Bildung einer westdeutschen Regierung. 5
1. 2. 1. 3. Die Situation nach der ersten Londoner Konferenz: Die Verschärfung der Krise 6
1. 2. 1. 4. Die konziliante Diplomatie der UdSSR und die zweite Phase der Londoner Konferenz. 8
1. 2. 1. 5. Die Währungsreform in den westlichen alliierten Zonen und der Beginn der Blockade 9
1.2.2 Die Situation nach dem Beginn der Berliner Blockade. 11
1. 2. 2. 1. Positionen und Antworten in Ost und West - Das Scheitern diplomatischer Schritte. 11
1. 2. 2. 2. Sondierungsverhandlungen als Versuch zur Lösung des Konfliktes. 12
1. 2. 2. 3. Die Bedrohung der Luftbrücke und die eskalierende Situation in Berlin. 13
1. 2. 2. 4. Das Ende der ersten Berlin-Krise. 14
1.2.3 Die Leistung der “Rosinenbomber 15
1.3 Die Berlin-Krise 1961. 16
1.3.1 Die Situation vor dem Bau der Berliner Mauer 16
1. 3. 1. 1. Ereignisse im Anfangsstadium der Krise: Das erste sowjetische Ultimatum, die Genfer
Au ßenministerkonferenz und das sowjetisch-amerikanische Gipfeltreffen 16
1. 3. 1. 2. Der Zeitraum zwischen Mai 1960 und August 1961: Der Schlagabtausch zwischen Ost und
West und die Überlegungen zum Eindämmen der Republikflucht 17
1.3.2 Der Mauerbau und der militärische Höhepunkt der Krise 22
1. 3. 2. 1. Der Bau der Berliner Mauer. 22
1. 3. 2. 2. Reaktionen in Ost und West. 23
1. 3. 2. 3. Der militärische Höhepunkt der Krise und die Mauer aus Sicht von DDR und BRD. 23
1.4 Schlußbetrachtung 25
2. Literatur- und Quellenverzeichnis 27
1. Die Berlin-Krisen 1948 und 1961
1.1 Einleitung
Berlin markierte in den Beziehungen zwischen Ost und West nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine bedeutende Reibungsstelle. Die Stadt kann mit einem Dreh- und Angelpunkt verglichen werden, an dem die Interessen der USA und der BRD mit denen der UdSSR und der DDR aufeinanderprallten. Das führte zu zwei Krisen, welche ausschlaggebend für die Interpretation der Genese des Kalten Krieges sind. Die Entwicklung der ersten Berlin-Krise ist im Zeitraum zwischen 1947 und 1948, der zweiten zwischen 1958 und 1961 zu betrachten. Ausgehend von der Londoner Außenministerkonferenz und dem Marshall-Plan läßt sich die erste Berlin-Blockade anhand von technischen Faktoren wie den Sperrungen im Personen-und Güterverkehr, wirtschaftlichen Komponenten wie der Währungsreform und politischen Einflüssen wie der drohenden Teilung Deutschlands erklären. Die zweite Berlin-Krise soll unter Einbezug von ökonomischen Problemen wie der massiven Republikflucht sowie militärischen und ideologischen Faktoren einer näheren Betrachtung unterzogen werden.
1. 2. 1. 1. Die auslösenden Ereignisse: Londoner Außenministerkonferenz und Marshall-Plan
Die gescheiterte Londoner Außenministerkonferenz am 15. Dezember 1947 war ein Wendepunkt in der Nachkriegsgeschichte Europas. Die Sowjetunion schob die Schuld am Scheitern der Konferenz den westlichen Alliierten zu. Sie übte Kritik am Umfang der Reparationszahlungen der USA und an der für den 31. Januar 1948 geplanten Bildung einer provisorischen Regierung auf Basis des Föderalismus. Forderungen nach unbeschränktem Güteraustausch und Freizügigkeit zwischen allen vier Besatzungszonen blockte die sowjetische Seite ebenfalls ab. Diese Maßnahme läge im Interesse von Außenhandelsfirmen, biete ab keine Grundlage, den deutschen Staat wieder zu errichten. “Die Viermächte-Verhandlungen im Dezember 1947 in London und im Frühjahr 1948 dienten “(...) nur noch
4
als Alibi im künftigen Prozeß über die Schuld an der Teilung Deutschlands”. 1 Die Fronten verhärteten sich damit. Am 18. Dezember sprachen sich US-Außenminister George Catlett Marshall, der Militärgouverneur der US-amerikanischen Zone, Lucius Clay, und der britische Außenminister Ernest Bevin für eine Währungsreform in der Bizone und möglichst auch in der französischen Zone aus, sofern die Sowjetunion eine Reform für alle vier Zonen ablehnen sollte. Der Marshall-Plan aus dem Jahr 1948 beinhaltete Ansätze für eine Bindung der amerikanisch-britischen Bizone und der französischen Zone an die westlichen Alliierten und bildete somit eine Grundlage für die Spaltung Deutschlands. Die sowjetische Besatzungszone wurde nicht in das Hilfsprogramm des Planes aufgenommen, welcher den Grundstein für den westdeutschen Wohlstand legte.
1. 2. 1. 2. Die “Frankfurter Charta” und die erste Phase der Londoner Sechsmächtekonferenz: Wege zur Bildung einer westdeutschen Regierung
Seit Jahresbeginn 1948 gingen die Westalliierten und die sowjetische Führung jeweils einen eigenen Weg auf wirtschaftlichem Gebiet. Die in der ersten Januarwoche ausgearbeitete “Frankfurter Charta”, die am 15. Februar teilweise und am 1. April vollständig in Kraft trat, beinhaltete Kompetenzerweiterungen des deutschen Wirtschaftsrates, eine Art Vorläufer einer westdeutschen Regierung. Wasilij Danilowitsch Sokolowskij, Oberkommandierender der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland, befahl daraufhin, eine deutsche Wirtschaftskommission einzusetzen, welche die deutsche Mitwirkung bei
Wirtschaftsbeschlüssen in der sowjetischen Zone kontrollieren sollte. Die USA und Großbritannien mußten nunmehr einsehen, daß Maßnahmen zur Stärkung ihrer Bizone gleichzeitig eine Gefahr für die Beziehungen zur UdSSR in Berlin darstellen würden. Andererseits hätte das Tolerieren einer Beschwichtigungspolitik des sowjetischen Diktators Josef Wissarionowitsch Stalin die bestehenden unzufriedenen Verhältnisse in der Verwaltung der Bizone verhärtet. 2
Zahlreiche Streiks und Demonstrationen im Ruhrgebiet und in Bayern gegen niedrige Lebensmittelrationen stellten die direkte Militärherrschaft in Frage. Die Londoner Sechsmächtekonferenz vom 23. Februar bis 7. März ist als wichtige Voraussetzung für die
1 Kleßmann (1991), S. 186
2 vgl. Adomeit (1983), S. 99
5
Bildung einer westdeutschen Regierung anzusehen. Sie wurde zum Anlaß für das Auseinanderbrechen des Alliierten Kontrollrates und für den ersten Höhepunkt des Kalten Krieges, die Berliner Blockade. 3 Die USA, Großbritannien, Frankreich und die Benelux-Staaten einigten sich dabei auf die Einführung eines föderalistischen Regierungssystemes in Deutschland und eine internationale Kontrolle für das Ruhrgebiet. Französische Zone sowie Bizone zeigten Annäherung, wollten fortan enger wirtschaftlich kooperieren. Die Sowjetunion warf den westlichen Alliierten die Verletzung des Potsdamer Abkommens vor und erklärte die Londoner Konferenz für ungültig. Die Konferenz sei Wegweiser für die Teilung Deutschlands. Parallel zur Londoner Konferenz trafen sich in Prag der Außenminister von Polen, der Tschechoslowakei und Jugoslawiens. Sie forderten die Einhaltung der Grundsätze der Viermächtekontrolle über ganz Deutschland und versuchten offenbar, Frankreich zu beeinflussen. 4 Letzteres hegte vor Beschluß des Grundsatzabkommens noch Bedenken gegen eine deutsche Staatsgründung, die aber auch im Nachhinein nicht ausgeräumt waren.
1. 2. 1. 3. Die Situation nach der ersten Londoner Konferenz: Die Verschärfung der Krise
Auf militärischem Gebiet kristallisierten sich in Europa zwei Fronten immer stärker heraus. Die Teilnehmer der Londoner Konferenz schlossen sich am 17. März zur Westeuropäischen Union zusammen. Die sechs Mächte garantierten sich damit die gegenseitige Unterstützung im Falle eines bewaffneten Angriffes in Europa. Die UdSSR, welche diese Union als Hauptgefahr ansah, ging nur einen Tag später einen solchen Vertrag mit Bulgarien ein. Damit füllte sie wiederum eine Lücke im “Eisernen Vorhang”. Denn Abkommen mit Jugoslawien, Polen, der Tschechoslowakei, Rumänien und Ungarn bestanden schon.
Die Sowjetunion fühlte sich von den Londoner Teilnehmern übergangen, reagierte mit Trotz. Am 20. März verließ ihre Delegation den Kontrollrat, nachdem die Westmächte der Forderung nicht nachkamen, sich für die entstandene Eigendynamik in ihren Zonen zu rechtfertigen. Der Kontrollmechanismus in Deutschland war ab sofort geschwächt, und die Sitzungen der Koordinierungsfunktion des Kontrollrates wurden nie mehr aufgenommen. Die UdSSR versuchte, die zerstrittene Situation auszunutzen und ihren Einfluß auf ganz Berlin
3 vgl. Kleßmann (1991), S. 186
4 vgl. Adomeit (1983), S. 100 f.
6
auszudehnen. 5 Die kommunistische Presse verbreitete Meldungen über Spione, Saboteure oder Kriminelle aus dem Westen oder hungrige Menschen aus der Bizone, welche angeblich die Versorgung im Osten gefährdeten. Diese Nachrichten dienten als Rechtfertigung für verstärkte Grenzkontrollen Meldungen über Bewegungen sowjetischer Truppen in der Sowjetischen Militäradministration Deutschlands (SMAD) sollten einen Nervenkrieg anheizen.
Für den Zugang nach Berlin fehlte den westlichen Alliierten eine tragfähige Rechtsgrundlage. Die Sowjetunion nutzte das aus und setzte ihr Gegenüber mit Einschränkungen im Straßen-und Eisenbahnverkehr von und nach Berlin unter Druck. Sokolowskij provozierte damit auch die Gefahr direkter politischer Konfrontationen. Ende März begann die SMAD, von Militär-und Zivilangestellten der westlichen Alliierten und deren Angehörigen, die mit dem Auto oder Zug durch die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) reisen wollten, die Ausweispapiere zu verlangen, um nachzuweisen, daß sie zu Dienststellen der Westalliierten in Deutschland gehören. Für den Transit der Bahnfracht in die Westzone Deutschlands war nunmehr eine Sondergenehmigung nötig. Die Amerikaner und Briten hielten sich nicht an die Bestimmungen. Das nutzte die UdSSR, um die Lebensfähigkeit Westberlins zunehmend zu untergraben. Sie stoppte Züge, leitete sie auf Nebengleise, fertigte sie gar nicht ab oder stoppte Kähne im Binnenschiffsverkehr. Die Alliierten richteten daraufhin eine Luftbrücke für Personen und für Exportgüter aus Westberlin ein. Ab 31. März simulierten sowjetische Jagdflugzeuge im Luftkorridor zwischen Berlin und den drei Westzonen Angriffe auf US-Flugzeuge. Am 5. April kollidierte ein britisches Passagierflugzeug mit einem Jagdflieger. Beim Absturz beider Maschinen über der SBZ kamen alle Insassen ums Leben. Der Protest der westlichen Alliierten wirkte wie ein Bumerang. Sokolowskij bezeichnete den Vorwurf der Mutwilligkeit des Absturzes als Verleumdung. 6
Zahlreiche Maßnahmen von sowjetischer Seite führten Berlin zunehmend in den Krisenzustand. So schleuse der Westen nach Berichten der kommunistischen Presse ehemalige Gestapo-Mitglieder in die Polizei ein. Diese und ähnliche Meldungen waren Grundlage, um die Wiederherstellung der Ordnung in Berlin zu fordern. Um Ruhe und Sicherheit zu gewährleisten, wurde Post nicht zugestellt oder Industrieausrüstung von in
5 vgl. ebd., S. 104
6 vgl. Adomeit (1983), S. 110
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Christian Adler, 1998, Die Berlin-Krisen 1948 und 1961, München, GRIN Verlag GmbH
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