Einleitung 3
Ein Nationalfeiertag für das Deutsche Kaiserreich 4
Protestantische Bestrebungen: 5
Konnotation des Sedanstages: 6
Durchf ührung der Sedansfeiern im Reich: 7
Konflikte : 8
Gesellschaft im Kaiserreich. 9
Das Bürgertum, die Reichseinheit und die Revolution: 9
Entwicklung der Sozialdemokratie. 11
Programm der Sozialdemokratie 15
Der Sedanstag und die Sozialdemokratie 16
Ergebnis : 21
Bibliographie : 22
I. Monographien: 22
II. Aufsätze: 22
a) Zeitschriften: 22
b) Sammelbände: 22
III. Sonstiges: 23
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Einleitung
„In Deutschland wird seitdem regelmäßig alljährlich der Sedanstag (2. Sept.)als Nationalfesttag gefeiert, da kein anderes Ereignis des großen Krieges so allgemeinen Jubel hervorrief, wie die Kunde von der Gefangennahme Napoleons III.“ Brockhaus` Conversationslexikon, 14. Band, 13. Auflage, Leipzig 1886.
Der Sedanstag sollte im Kaiserreich als Symbol für die neugewonnene Reichseinheit dienen. Diese Reichseinheit wurde mit dem deutschen Sieg über Frankreich verknüpft. Ein Sieg, der von allen Deutschen gegen den Despoten Napoleon III. errungen wurde. Ein Sieg, der zu einem Krieg mit der sich neugegründeten Republik Frankreich führte. Deutschland jubelte in allen seinen Teilen über die Gefangensetzung Napoleons, dem wohl kaum jemand etwas Gutes zuschreiben wollte. Doch der Kampf gegen die junge Republik trieb die ersten Keile in das bald schon wieder bröckelnde deutsche Nationalgefühl.
Nach dem Ende des großen Krieges gegen Frankreich wird die Reichseinheit ausgerufen und Wilhelm I. am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal zu Versailles zum Kaiser proklamiert. Die Einheit des Reiches war der Traum vieler Deutscher, hierfür machte man sich stark und hierein legten die bürgerlichen Politiker ihre Energie. So kam es, daß viele der liberal eingestellten Politiker sich dem preußisch dominierten Kaiserreich eingliederten und ihre Vorstellungen von bürgerlicher Partizipation zugunsten eines starken Staates aufgaben oder zumindest stark einschränkten. Die sozialdemokratische Bewegung hingegen wich von ihren Vorstellung nicht ab, da sie sich nur schwerlich mit den Strukturen des Kaiserreiches in Einklang bringen ließen. Ihre Kritik galt nicht nur der Dominanz Preußens, sondern auch der schwachen Ausprägung des Parlamentarismus, bzw. der geringen Einflußmöglichkeiten der Bevölkerung auf die Landespolitik.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Problematik der Sozialdemokratie im Kaiserreich näher zu beleuchten. Anhand des Sedanstages, der als Sinnbild für die Grundwerte des Deutschen Reiches nach 1871 gelten kann, kann dies auf prägnante Art durchgeführt werden.
Die vorliegende Arbeit will sich zunächst mit den Grundstrukturen der Sozialdemokratie im deutschen Kaiserreich ab 1871 befassen und erläutern, warum der Sedanstag als Kristallisationspunkt der Kritik am Kaiserreich gesehen werden kann.
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Dafür soll zuerst ein Überblick über die Entstehung der sozialistischen Bewegung gegeben werden, in dem auf die grundlegenden Forderungen dieser eingegangen wird. Dem soll eine knappe Darstellung der Entwicklung des Sedanstages vorangestellt sein. Den Sedanstag als Beispiel zu nehmen scheint aus mehreren Gründen sinnvoll. Besonders herausragend ist jedoch, daß wir hier einen Feiertag haben, der von der gesamten deutschen Nation begangen werden sollte. Doch tatsächlich hat sich in seiner Geschichte gezeigt, daß immer nur Teile der Nation ihn getragen haben oder tragen konnten. Diejenigen Gruppen, die sich ihm verweigert haben, wurden in der Konsequenz zu Reichsfeinden erklärt. Sowohl die Katholiken, die während des Kulturkampfes sich gegen den protestantisch dominierten Tag stellten, als auch die Sozialdemokraten, hatten einen schweren Stand im Kaiserreich.
Ein Nationalfeiertag für das Deutsche Kaiserreich
Mit der Gründung des Deutschen Reiches bedurfte es der Schaffung eines Festtag zum „Dank für den Sieg über Frankreich und die nationale Einigung durch die Gründung des Kaiserreiches“. 1 Zumindest war diese Ansicht besonders im Bürgertum stark vertreten. So kam es, daß verschiedene Forderungen laut wurden. Besonders auf Seiten der protestantischen Bevölkerungsgruppe trat man mit eigenen Wünschen in die Öffentlichkeit. Federführend waren hier unter anderen der Pastor Friedrich von Bodelschwingh, dem ein christlich motiviertes Volksfest vorschwebte, sowie der Strafrechtler Franz von Holtzendorff, einer der Gründer des liberalen Protestantenvereins. 2 Holtzendorff propagierte im Februar 1871 einen Festtag, der auf national-protestantischer Ideologie fußen sollte und dessen Ziele sein sollten, über den christlichen Glauben der Zersplitterung von Gesellschaft und Staat entgegen zu wirken. Daß dieses Auseinanderfallen der Gesellschaftsteile für ihn nicht von irgendwoher kam, sondern konkrete Auslöser hatte, verdeutlicht ein Zitat Holtzendorffs aus dieser Debatte „Kein Gesetz und keine Parlamentsdebatte vermag den Radikalen und Sozialisten sowie den Jesuiten und Ultramontanen soviel zu schaden, wie ein Volksfest, an dem jährlich daran erinnert wird, wer die Begründer und wer die Feinde des deutschen Reiches im
1 Fritz Schellack, Sedan- und Kaisergeburtstagsfeste, in: Dieter Düding u.a. (Hrsg.), Öffentlich Festkultur, Reinbek 1988, Seite 278.
2 Schellack, in Düding: Sedan- und Kaisergeburtstagsfeste, Seite 279.
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Jahre 1870 gewesen sind.“ 3 Das noch zu schaffende Nationalfest sollte die Nation einen gegen die äußeren Feinde und ein Bewußtsein schaffen gegen die inneren Feinde. Im Frühjahr 1871 wurden weitere Schritte von Seiten des Protestantenvereins unternommen, um ein Volksfest zu etablieren. Man sendete eine Adresse mit 88 Unterschriften verschiedener prominenter Bürger an den Kaiser, doch die gewünschte Reaktion blieb aus. Wilhelm I. antwortete am 04. April, er halte eine obrigkeitliche Anordnung für ein solches Fest für nicht angemessen, sondern er wolle aus dem Volke kommende Aktivitäten. Wilhelm I. lehnte also einen festgeschriebenen Nationalfeiertag, wie es der Sedanstag hätte sein sollen, ab. Feierlichkeiten, die ohne eine staatliche “Verpflichtung“ durchgeführt würden, hieß er hingegen gut, ähnlich den Gedenkfeiern an die Völkerschlacht von Leipzig. 4
Einen Nationalfeiertag zu etablieren, also die Nation feiern zu wollen, bedeutete auch „genau festlegen zu müssen, woraus die Nation eigentlich besteht, welche Eigenschaften, Merkmale und Qualitäten es sind, auf die positiv reflektiert werden soll.“ 5 Und an dieser Stelle machte es sich schließlich bemerkbar, daß die Etablierung eines Nationalfeiertages von den Protestanten vorangetrieben wurde.
Protestantische Bestrebungen:
Anders als man vielleicht vermuten könnte, wurde bis Mitte des Jahres 1871 der 02. September nicht als konkreter Vorschlag für den Nationalfeiertag angesprochen. Erst auf der Versammlung des Rheinisch-Westfälischen Provinzialausschusses für die Innere Mission in Bonn, am 27. Juni 1871, änderte sich dies. 6 Hier trug Bodelschwingh seine Vorstellungen von einem Friedensfest zum Wohle der Nation vor. Sein Folgeredner, Pastor Schürmann aus Capellen, schlug daraufhin den 02. September vor. Um eine Öffentlichkeit zu erreichen, wurden die auf der Versammlung diskutierten Vorschläge wenige Wochen später, am 19. Juli, per Flugblatt in einer Auflage von 3000 Stück im Land verteilt. 7 Hierin war unter anderem auch der geplante Ablauf des Festes enthalten.
3 zitiert nach Schellack, Seite 279.
4 Frank Becker, 2. September 1870/ 18. Januar 1871: Selbstbestätigung einer labilen Nation? in: Eckart Conze/ Thomas Nicklas (Hrsg.), Tage deutscher Geschichte, Stuttgart 2004, Seite 156-176; hier: Seite
166.
5 Frank Becker, 2. September 1870/ 18. Januar 1871: Selbstbestätigung einer labilen Nation? in: Eckart Conze/ Thomas Nicklas (Hrsg.), Tage deutscher Geschichte, Stuttgart 2004, Seite 156-176hier: Seite 156.
6 Fritz Schellack, Sedan- und Kaisergeburtstagsfeste, Seite 280. 7 ebenda, Seite 180.
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Man orientierte sich an den Ideen von Ernst Moritz Arndt und den Leipziger Völkerschlachtfeiern. Bereits hier wurde die Ausrichtung gegen Frankreich betont. 8 „Die Feier sollte aus zwei Teilen bestehen; einer Vorfeier am Vorabend des 02. September und der Hauptfeier am Sedanstag. Patriotische Lieder, Freudenfeuer und Glockengeläut sollten den 02. September ankündigen. Der Festtag selbst habe mit dem Umzug der Veteranen, ihrer Offiziere, der Ortsobrigkeit durch die geschmückten Straßen und ihren Einzug in die Kirche zu beginnen. Der Festgottesdienst sollte durch Lobgesänge, Dankesgebete und Predigten, die an die große Vergangenheit erinnerten, die entsprechende Würde erhalten. Nach dem Mittagsmahl im Familienkreise stellte man sich die Fortsetzung des Festprogramms im Freien vor, Musik sollte volkstümliche Weisen spielen und die Festreden gehalten werden. Nach den Hochs auf tapfere Männer und Helden, dem Absingen alter und neuer vaterländischer Lieder sei dann die Zeit für die Volksbelustigung gekommen.“ 9 Bodelschwingh wollte, daß das Fest einherginge mit der Besinnung auf die Eigenschaften der deutschen Nation, was für ihn vor allem religiöse Momente, aber auch Ehre, Fleiß und Treue bedeutete. 10
Konnotation des Sedanstages:
Was aber zeichnete den 02. September in der Wahrnehmung der Zeitgenossen aus, um als Nationalfeiertag dienen zu können? Als der deutsche Sieg über die französischen Truppen und die Gefangensetzung Napoleons bekannt wurde, waren die Straßen in Deutschland voll von jubelnden Menschen. Die Bevölkerung feierte der Sieg der vereinten deutschen Truppen über den Feind. Die deutsche Armee umfaßte aufgrund der allgemeinen Wehrpflicht Männer aus allen Bevölkerungsschichten. In der III. deutschen Armee, die maßgeblich am Sieg von Sedan beteiligt war, fanden sich unter preußischer Führung Kontingente verschiedener deutscher Einzelstaaten. 11 Der 02. September spiegelt durch seinen allgemeinen Jubel und die alle ergreifende Begeisterung eine geeinte Nation wieder und den gemeinsamen Kampfesgeist und Mut der Deutschen. In
8 ebenda, Seite 281.
9 ebenda, Seite 281.
10 Frank Becker, 2. September 1870/ 18. Januar 1871: Selbstbestätigung einer labilen Nation? in: Eckart Conze/ Thomas Nicklas (Hrsg.), Tage deutscher Geschichte, Stuttgart 2004, Seite 156-176; hier: Seite
166.
11 Frank Becker, 2. September 1870/ 18. Januar 1871: Selbstbestätigung einer labilen Nation? Seite 158.
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Arbeit zitieren:
Meike Pfefferkorn, 2004, Der Tag von Sedan im deutschen Kaiserreich , München, GRIN Verlag GmbH
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