1. Einleitung
Auffallend in den USA ist die hohe Kriminalitätsrate. Sie umfaßt alle Bereiche, wie Raub, Mord, Vergewaltigungen, aber auch Wirtschaftskriminalität (white collar crime). So wurden 2001 in den USA 5,6 Morde pro 100000 Einwohner verübt, 1 in der BRD dagegen “nur” 0,7 pro 100000 Einwohner. 2 Diese Zahlen werden nur von Staaten übertroffen, die politisch oder ökonomisch instabil sind, wie in Südamerika oder in ehemaligen Ostblockstaaten. Schlechter schneiden in den Mordstatistiken nur Länder wie Rußland mit 30,3 Morden pro 100000 ab. 3 Thematisiert wird dies in der öffentlichen Diskussion immer wieder, z. B. zur Zeit aktuell durch den Film „Bowling for Columbine“ von Michael Moore. Denkt man über das Thema nach, weckt dies zahlreiche Assoziationen, von klassischen Figuren wie Al Capone bis hin zu dem aktuellen Szenario rivalisierender Gangs in Großstädten. Darüber hinaus gibt es in den Vereinigten Staaten Formen von Gewaltkriminalität, wie sie hierzulande zum Glück nicht sehr
verbreitet sind oder gar nicht vorkommen, z. B. Amokläufer, deren Massaker weit über die nationalen Grenzen der USA für Entsetzen sorgen. Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit sind Sniper, die ganze Regionen in Angst und Schrecken versetzen. Auch hier zeichnet sich eine Spezifik der USA ab.
Die Lösung dieses Problems wird heftig diskutiert. Eine einheitliche Lösung ist aber nicht vorhanden. So wird darüber gestritten, ob das Reglementieren von Schußwaffen Abhilfe schaffen würde. In Deutschland wurde das Waffenrecht nach einem Amoklauf verschärft. Konservative Politiker in den USA dagegen loben das zero tolerance - Konzept, wie es in New York seit einiger Zeit praktiziert wird, das auch in Deutschland heftig diskutiert wird.
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Vgl. United Nations, Demographic Yearbook 1994, New York 1996; In: Alvarez, Ales; Bachman, Ronet, Murder American Style, Belmont 2003, S.48.
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Auch die Repression in den Vereinigten Staaten fällt deutlich stärker aus, viele in den USA praktizierte Konzepte wie zero tolerance werden hierzulande nur von Law and Order - Fanatikern gefordert. Die Wiedereinführung der Todesstrafe wird ebenfalls nur von Rechtsradikalen ernsthaft in Erwägung gezogen.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, einen Vergleich zwischen der Gewaltkriminalität in den USA mit Deutschland anhand von Tötungsdelikten herzustellen. Dabei soll herausgearbeitet werden, ob die Gewalt in den USA regionale Schwerpunkte hat. Da Stadtgesellschaften als besonders gewalttätig gelten, soll auch hier ein Schwerpunkt darauf gelegt werden.
Obwohl das Thema eigentlich Gewalt als Ganzes sein soll, lege ich hier einen Schwerpunkt auf Tötungsdelikte. Obwohl sie von der Thematik eigentlich dazu gehören, werde ich auf Gewaltformen wie Vandalismus, Sexualstraftaten, Körperverletzungen, Raub, Drohung mit Gewalt usw. nicht eingehen. Dies werde ich machen, weil ich das Dunkelfeld bei Tötungsdelikten am geringsten einstufe. Auch den Bereich von staatlicher Gewalt werde ich vernachlässigen, z. B. Polizeigewalt oder militärische Gewalt anderen Ländern gegenüber.
Im Zusammenhang mit der stärker ausgeprägten Repression ist auch die staatliche Gewalt in den USA stärker vertreten als in anderen westlichen Staaten. So werden in diesem Zusammenhang auch viele Fälle von eklatanter Polizeibrutalität bekannt.
Als Datengrundlage dient der Uniform Crime Report (UCR) für die USA und die Kriminalitätsstatistik des Bundeskriminalamtes. Weil die USA von state zu state unterschiedliche Kriterien haben, nach denen eingestuft wird, was als Mord gilt, liefert der UCR eine eigene Definition von Mord. Der UCR definiert Mord als die vorsätzliche Tötung eines Menschen durch einen anderen. 4 Als Vergleich habe ich aus der polizeilichen Kriminalitätsstatistik des Bundeskriminalamtes die Zahlen für Mord und Totschlag als
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Vgl. Alvarez, Ales; Bachman, Ronet, Murder American Style, Belmont 2003, S. 17.
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Vergleich herangezogen, weil dies der Definition des FBI am ähnlichsten erschien.
Methodenkritisch sollte dazu angemerkt werden, daß in diesen Zahlen Ungenauigkeiten enthalten sein können, da im UCR Morde als Morde vermerkt sind, die von der Polizei als Mord eingestuft wurden. Es ist aber denkbar, daß diese Morde später nicht als Morde von der Justiz bestätigt wurden. Auf der anderen Seite gibt es Meldungen, daß Morde dadurch nicht entdeckt werden, weil Ärzte einen natürlichen Tod bescheinigen und Anzeichen für einen Mord übersehen. 5
2. Der internationale Vergleich
Hier sollen die Morde innerhalb der USA mit denen der BRD verglichen werden. Dabei sollen Besonderheiten innerhalb der USA herausgearbeitet werden, gibt es etwas in den USA oder in der BRD, das es in dem anderen Land nicht gibt?
Besonders auffällig ist die häufige Verwendung von Schußwaffen innerhalb der USA bei Tötungsdelikten, während ein deutlich kleinerer Teil von Tötungen in der BRD durch Schußwaffen verübt wurde. So wurde innerhalb der BRD nur bei ca. 11,3 % aller Morde eine Schußwaffe benutzt, in den USA dagegen fielen über 60% aller Mordopfer einer Schußwaffe zum Opfer. 6 Gründe dafür liegen vermutlich in der Verfügbarkeit von Waffen. Die Tatdurchführung mit einer Schußwaffe scheitert vermutlich oft schon an der Beschaffung der Waffe.
In der BRD kam es auch häufig zum Einsatz von Schußwaffen, aber zum geringsten Teil bei Tötungsdelikten. Schußwaffen wurde hier zu einem Drittel für Sachbeschädigungen verwendet, weitere 30% aller Fälle, in denen Schußwaffen eingesetzt wurden, waren Körperverletzungen. 11% aller Morde aber wurden mit Schußwaffen
6 Vgl. UCR 2001, Table 2.9.
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begangen. 7 Das sind weniger Fälle, als man vom Alltagsverständnis vermuten würde. Vermutlich stufen viele das Risiko geringer ein, mit einer Waffe auf ein Verkehrsschild zu schießen und die Waffe nur für diese „geplante“ Tat mit sich zu führen, als immer eine Waffe zu tragen, um sich vor Mitgliedern rivalisierender Gangs zu schützen. Der Besitz einer Schußwaffe ist in der BRD nicht so problemlos wie in den USA.
Wenn man dazu noch bedenkt, daß es sich bei einem erheblichen Anteil der Morde ohnehin um Affekttaten handelt, leuchtet es ein, daß dabei die Waffen verwendet werden, die immer „griffbereit“ sind. In der BRD gibt es sehr wenige Personen, die immer eine Schußwaffe tragen. Wenn man bei dem unrechtmäßigen Tragen einer Waffe in der Öffentlichkeit erwischt wird, riskiert man eine Haftstrafe. Also liegt es auf der Hand, warum sie meisten Taten in der BRD durch andere Waffen begangen werden. Vor diesem Hintergrund ist eine Beschränkung von Schußwaffen zu begrüßen. Ein Streit hätte mit einer Schußwaffe möglicherweise schlimmere Auswirkungen als ohne.
Die Tatverdächtigen sind sowohl innerhalb der USA als auch in der BRD überwiegend männliche Erwachsene. Der UCR sieht die größte Zahl der Täter bei den 20 - bis 24 - jährigen Männern. In der polizeilichen Kriminalitätsstatistik des Bundeskriminalamtes dagegen ist die Täterseite nicht so gut aufgeschlüsselt. Hier begnügt man sich mit der Aussage, daß 80% der Verdächtigen 21 Jahre und älter sind. 8
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Vgl. Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2001, Tabelle 14.
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Arbeit zitieren:
Martin Gloger, 2003, Gewalt in den USA, München, GRIN Verlag GmbH
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