Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1 Einleitung 3
2 Politische Öffentlichkeit 5
2.1 Beobachtung der Gesellschaft durch Politik 5
2.2 Beobachtung der Medien als rationales Handeln 6
2.3 Personalisierung des Politischen: Westerwelles Auftritt bei „Big Brother“ 8
2.4 Symbolwert von Fernsehpolitik 10
2.5 Tendenzen politischer Öffentlichkeit 11
3 Unterhaltungsöffentlichkeit 13
3.1 Definition des Begriffs Unterhaltungsöffentlichkeit 13
Bezogen auf das Medium Fernsehen lässt sich feststellen, dass die Laufzeit neuer TV-Formate
immer kürzer wird. 3.2 Eine Form der Unterhaltung(söffentlichkeit): Die Talkshow 16
3.3 Massenmedien als Ersatz für die Wirklichkeit? 18
4 Fazit 20
5 Literaturverzeichnis 22
Aufs ätze in Sammelbänden: 22
Monographien : 23
Graue Literatur: 23
Internet: 23
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1 Einleitung
Es herrscht ein babylonisches Sprachengewirr darüber, was der Begriff Öffentlichkeit eigentlich bedeutet:
Öffentlichkeit bedeutet hier Offenheit, dort Wähler, Klienten oder Kunden, […] „die Presse“, Publizität oder Leser / Hörer / Zuschauer, und gelegentlich ist sogar von einer Weltöffentlichkeit die Rede […] (Westerbarkey 1999: 148).
Als Orientierungshilfe möchte ich daher zu Beginn meiner Arbeit eine kurze Funktionsbestimmung von Öffentlichkeit vornehmen. Neidhardt (1994) bezeichnet moderne Öffentlichkeit als ein
„relativ frei zugängliches Kommunikationsfeld, in dem ‚Sprecher‘ versuchen, über die Vermittlung von ‚Kommunikateuren‘ bei einem ‚Publikum‘ Aufmerksamkeit und Zustimmung für bestimmte Themen und Meinungen zu finden. Politische und ökonomische Interessen der Öffentlichkeitsakteure strukturieren diese Kommunikation ebenso wie die Unterhaltungs- und Orientierungsbedürfnisse eines Publikums, das in marktwirtschaftlich verfassten Demokratien als Elektorat und Kundschaft strategische Bedeutung besitzt“ (Neidhardt 1994 : 7).
Öffentlichkeit ermöglicht in erster Linie die Selbstbeobachtung der Gesellschaft. Dabei ist der
„freie Zugang zu Kommunikation […] eine Voraussetzung der Entstehung von Öffentlichkeit. Insofern ist die Entstehung einer allgemeinen Öffentlichkeit unmittelbar verbunden mit der Entstehung der modernen, funktional differenzierten Gesellschaft“ (Gerhards 1994: 84).
Niklas Luhmann, ein führender Systemtheoretiker, definiert Gesellschaft als eine funktional differenzierte Gesellschaft, die funktionale Teilsysteme besitzt. Diese Teilsysteme sind relativ autonom (so besitzen sie z.B. systemeigene Kriterien für die Selektion von Informationen) und über die Funktionsbestimmung hinaus sind sie durch einen inneren Sinnzusammenhang, der als Leitorientierung dient, gekennzeichnet (z.B. Politik). Hervorzuheben ist, dass Öffentlichkeit die angesprochene Funktion der Selbstbeobachtung der Gesellschaft für alle Teilsysteme (Politik, Sport, usw. erfüllt.
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Neben den bisher dargestellten Kriterien darf ein weiterer Aspekt nicht außer acht gelassen werden: Das, was nicht privat ist, ist öffentlich. Der private Bereich wird hierbei als Handlungssphäre definiert, in der Personen ihren Zielen nachgehen können, ohne sich kollektiven Entscheidungen zu beugen(vgl. Peters 1994: 43). Ein Wandel der Öffentlichkeit geht auch mit dem Wandel des Privaten einher. Insofern liefert diese Untersuchung nicht nur Erkenntnisse über den Öffentlichkeitswandel sondern auch über den Wandel der „Nicht-Öffentlichkeit“ (Westerbarkey 1999: 152).
Anhand von politischer Öffentlichkeit (Kapitel 2) und Unterhaltungsöffentlichkeit (Kapitel 3) sollen Aspekte des Öffentlichkeitswandels in der Erlebnisgesellschaft dargestellt werden. Die zentrale These dieser Arbeit lautet: Politische Öffentlichkeit ist nicht klar von Unterhaltungsöffentlichkeit abzugrenzen. Es soll aufgezeigt werden, dass politische Öffentlichkeit mehr und mehr fremde Codes (z.B. Symbolisierungstendenzen, Darstellungspolitik) übernimmt.
Neben einer Definition von politischer Öffentlichkeit (2.1), wird veranschaulicht, inwiefern die Beobachtung der Medien für die kollektiven Akteure und das Publikum des politischen Systems ein rationales Handeln darstellt (2.2). Anschließend wird auf die Personalisierung des Politischen am Beispiel des öffentlichkeitswirksamen Auftrittes von Guido Westerwelle (FDP) im „Big Brother“-Haus (2.3) und den Symbolwert von Fernsehpolitik (2.4) eingegangen. Ferner möchte ich einige Tendenzen der politischen Öffentlichkeit aufzeigen (2.5). Außerdem wird der Versuch unternommen, eine Definition für den Begriff Unterhaltungsöffentlichkeit zu finden (3.1), da die einschlägige Fachliteratur meines Wissens nach keine Hinweise dazu liefert. Anschließend wird das Unterhaltungsformat Talkshow vorgestellt (3.2). Zum Schluss soll diskutiert werden, inwiefern die Massenmedien, vor allem das Fernsehen, Realität vermitteln und dabei erlebte Wirklichkeit verdrängen (3.3). Im letzten Kapitel möchte ich beide Öffentlichkeitsformen miteinander vergleichen (4). Dabei soll auch die zentrale These der Arbeit aufgegriffen werden.
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2 Politische Öffentlichkeit
2.1 Beobachtung der Gesellschaft durch Politik
Wie eingangs schon beschrieben, ermöglicht Öffentlichkeit die Selbstbeobachtung der Gesellschaft. Diese Funktion erfüllt Öffentlichkeit für alle gesellschaftlichen Teilsysteme. Allerdings gebrauchen diese Teilsysteme in unterschiedlichem Maße die Öffentlichkeit bzw. die Massenmedien zur Beobachtung der Gesellschaft. Zudem wird in recht unterschiedlichem Maße in den Massenmedien über und aus den Teilsystemen berichtet. Während beispielsweise über Wissenschaft und Recht wenig berichtet wird, stehen Sport und Politik hingegen im Mittelpunkt der Berichterstattung (vgl. Gerhards 1995: 97). Gerhards weist darauf hin, dass
„die Bedeutung von Öffentlichkeit für die einzelnen Teilsysteme […] mit dem Grad der Abhängigkeit der Leistungsrollen von der Zustimmung durch ein breites Publikum [variiert]. In den Bereichen, in denen dies der Fall ist, ist es für die Leistungsrollen 1 und das Publikum der jeweiligen Teilsysteme rational, sich über die Öffentlichkeit zu beobachten und die eigenen Handlungen an diesen Beobachtungen auszurichten. (Gerhards 1995: 97)“.
Sarcinelli (1994) beschreibt politische Öffentlichkeit als einen Gesamtprozess
‚in dem Politik hergestellt und dargestellt, politische Entscheidungen durchgesetzt und begründet werden‘ (zitiert nach: Hoffmann / Sarcinelli 1999: 736). Des weiteren schlussfolgert Sarcinelli an anderer Stelle, dass
„Politik, demokratische Politik zumal, […] öffentlicher Darstellung, Begründung und Rechtfertigung [bedarf]. Sie braucht Legitimation durch Kommunikation, weil die verfassungspolitische Grundentscheidung für Volkssouveränität und für freie Kommunikation im demokratischen Verfassungsstaat zwingend miteinander verschränkt sind“ (Sarcinelli 1994: 31).
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Bei der Betrachtung des politischen Systems wird deutlich, dass
1. die Akteure des politischen Systems sich selbst und die anderen Akteure des politischen Systems über das Mediensystem beobachten, insofern in den Medien darüber berichtet wird; 2. die Akteure wissen, dass sie von dem Publikum beobachtet werden und in der Folge oder antizipatorisch auf diese Beobachtungen hin handeln (vgl. Gerhards 1995: 97). Nach dieser kurzen Einführung zur politischen Öffentlichkeit soll im folgenden Abschnitt näher erläutert werden, warum Akteure das Mediensystem zur Beobachtung des politischen Systems benutzen und welche Auswirkungen dies auf ihr eigenes Handeln hat.
2.2 Beobachtung der Medien als rationales Handeln
Warum ist es für Akteure des politischen Systems rational, die Medien zu beobachten? An dieser Stelle möchte ich auf die Rational-Choice-Theorie verweisen. Ich beziehe mich dabei auf die von Esser dargelegten Charakteristika bei der Handlungswahl (vgl. Vorlesungsmitschrift „Soziologische Theorien“ Falck 2000): Der Akteur evaluiert seine Handlungsalternativen, wägt Kosten und Nutzen ab und selektiert dann die Handlungsalternative nach dem Motto „Wähle die Handlung, die den maximalen Nutzen bringt!“
Dieses „Muster“ kann auch bei den Akteuren des politischen Systems beobachtet werden. So beschreibt Gerhards das Handeln der politischen Akteure als Handeln, welches der Nutzenmaximierung entspricht (vgl. Gerhards 1995: 97 f.):
Ein Ziel der Wähler (des Publikums) ist es, die Regierungspositionen mit ihren Favoriten zu besetzen. Als problematisch erweisen sich jedoch die Tatsachen, dass die Wahlentscheidung mit einer hohen Unsicherheit verbunden ist und der Wähler nicht die genauen Entscheidungen der Regierung oder die Alternativangebote der Opposition etc. kennt. Die selbständige Beschaffung von unmittelbaren Informationen über Programme der Parteien usw. kostet viel Zeit und Geld, die Bereitschaft dazu ist jedoch gering. Somit handelt das Publikum rational, indem es die Informationskosten durch Beobachtung der politischen Öffentlichkeit über die Massenmedien senkt. Dieses rationale Handeln bringt einen geringen finanziellen und zeitlichen Aufwand mit sich.
1 Mit Leistungsrollen werden hier Parteien und die Regierung bezeichnet.
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Arbeit zitieren:
2001, Aspekte des Öffentlichkeitswandels in der Erlebnisgesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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