Die Dreyfus-Affäre und der Antisemitismus 2
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Frankreich im Vorfeld der Dreyfus-Affäre 3
3. Die Dreyfus-Affäre Ein Überblick 4
4. Die Dreyfus-Affäre und der Antisemitismus 7
4.1. Unterschiedliche Formen des Antisemitismus 7
4.2. Spuren des Antisemitismus in der Dreyfus-Affäre 10
4.3. Die Rolle des Antisemitismus aus Sicht der Dreyfus-Anhänger 13
5. Rehabilitierung des Hauptmanns Alfred Dreyfus 14
6. Fazit 15
7. Literatur- und Abbildungsverzeichnis 17
Literaturverzeichnis 17
Abbildungsverzeichnis 17
Die Dreyfus-Affäre und der Antisemitismus Seite 3
1. Einleitung
In dieser Arbeit soll die Alfred-Dreyfus-Affäre in Bezug auf den Antisemitismus, der der Affäre zugrunde liegt, untersucht werden. Dabei soll der Blick besonders auf die Momente gerichtet werden, in denen der Antisemitismus den Verlauf der Affäre beeinflußt oder gar steuert.
Hierzu soll zunächst ein Blick auf die Situation in Frankreich im unmittelbaren Vorfeld der Affäre geworfen werden. Anschließend werden die wesentlichen Stationen der Affäre zusammengefaßt werden. In einem zweiten Schritt wird ein Überblick über die Entwicklung des Antisemitismus in Frankreich im Allgemein gegeben und schließlich die Dreyfus-Affäre daraufhin geprüft, in welchem Rahmen der Antisemitismus in Frankreich den Gang der Dinge beeinflußt hat. Hierbei wird auch untersucht, welche antisemitischen Mechanismen gewirkt haben und in welchem Verhältnis sie zu sonstigen Motiven standen, die der Generalstab für sein Handeln im Rahmen der Dreyfus-Affäre hatte.
In einer Schlußbetrachtung wird noch ein Blick darauf geworfen, welche Auswirkungen die Dreyfus-Affäre weitere Entwicklung hatte.
2. Frankreich im Vorfeld der Dreyfus-Affäre
Frankreich war schon im Vorfeld der Dreyfus-Affäre von mehreren Krisen geprägt. Da war die Niederlage von 1870, als dessen Folge das Elsaß und weite Teile Lothringens von Deutschland annektiert wurden sowie hohe Zahlungen an Deutschland geleistet werden mußten (vgl. Zimmermann 2005: S. 34).
Die Monarchisten hatten nach den ersten Wahlen eine große Mehrheit errungen. Aber weil sie nicht nur mit den Folgen des verlorenen Krieges zu kämpfen hatten, sondern auch unter sich zerstritten waren, welche monarchische Linie den Thron besteigen sollte, kam es nicht zu einem Sturz der Republik (vgl. ebd.).
In den 1880er Jahren festigte sich die Republik. Die regierenden Koalitionsregierungen bemühten sich darum, die Verwaltung mit repbublikfreundlichem Personal zu besetzen. Die Armee rekrutierte sich jedoch weiterhin selbst, und so kam die Modernisierung in der Armee nur langsam voran, denn sie wurde von den alten, meist aristokratischen Eliten bestimmt, die sich nicht für die Republik interessierten (vgl. Duclert 1994: S. 10f). Demokratisierung und Modernisierung setzten sich in der Armee nur langsam und zumeist gegen den Willen der Militärführung durch (vgl. ebd. S. 11).
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Verschiedene Skandale erschütterten das Frankreich im Vorfeld der Dreyfus-Affäre. Der Zusammenbruch der Bank Union générale und der spätere Panama-Skandal kosteten vielen Kleinsparern ihre Ersparnisse. Die Bank Union générale war von einem ehemaligen Angestellten der Familie Rothschlid gegründet worden und in den Panama-Skandal waren auch jüdische Geschäftsleute verwickelt. Beide Vorfälle boten Antisemiten in Frankreich Stich-worte für ihre judenfeindlichen Agitationen (vgl. Benbassa 2005: S. 22). In diesem Klima veröffentliche Edouard Drumont sein Buch »La France juive« (»Das verjudete Frankreich«) und gründete 1892 seine eigene antisemitische Zeitung »La Libre Parole« (»Das freie Wort«) (vgl. ebd. S. 23).
Die gesellschaftlichen Veränderungen ließen auch andere Institutionen nicht unberührt. Die katholische Kirche in Frankreich sah sich durch die Republik in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung bedroht. Allerdings rief Papst Leo XIII. die französischen Katholiken auf, »sich mit der Republik auszusöhnen, um ihren Einfluß geltend zu machen« (Duclert 1994: S. 9). Insgesamt blieb die Zeit jedoch geprägt von einem tiefen Mißtrauen gegenüber Deutschland und der Sorge vor einem weiteren Krieg, weswegen die Sektion für Statistik im Kriegsministerium nicht nur die Funktion der Spionageabwehr hatte, sondern selbst auch Spionage gegen Deutschland und dessen Verbündeten Italien betrieb (vgl. ebd. S. 11). Die Sektion für Statistik unterstand General Gonse, stellvertretender Chef im Großen Generalstab und wurde von Oberst Sandherr geleitet, dessen direkter Mitarbeiter Major Henry war (vgl. ebd. S. 12). Dies war auch die Konstellation in der Sektion, als die Dreyfus-Affäre ihren Anfang nahm.
3. Die Dreyfus-Affäre ± Ein Überblick
Am 15. Oktober 1894 wurde der Hauptmann der Artillerie Alfred Dreyfus unter der Beschuldigung des Landesverrates festgenommen. Er sollte dem deutschen Militärattaché Max von Schwartzkoppen geheime Informationen über Waffen und Truppenbewegungen zugespielt haben. Die konkreten Vorwürfe wurden Dreyfus zunächst jedoch vorenthalten, und auch seine Familie wußte zunächst nicht, warum er verhaftet wurde.
Der Auslöser der Verhaftung war ein Begleitbrief, den eine Putzfrau, die sich in der deutschen Botschaft durch Spionage für Frankreich einen Nebenverdienst verschaffte, im Papierkorb Schwartzkoppens gefunden hatte und der unter dem Namen »Bordereau« bekannt wurde (vgl. Zimmermann 2005: S. 36). Nachdem Major Henry den zerrissenen Brief zusammengesetzt hatte, benachrichtigte er sofort seine Vorgesetzten, die die Ermittlungen in Gang setzten (vgl.
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Duclert 1994: S. 26). Die Analyse der Handschriften durch unterschiedliche Experten führte zu unterschiedlichen Ergebnissen (vgl. Dickler 1966: S. 14f). Weil aber inzwischen insbesondere durch die Zeitung »La Libre Parole« des Judenhassers Edouard Drumont die Verhaftung 'UH\IXVµ gefordert wurde und die weitere Presse allgemein Druck auf den Generalstab ausübte, reichte die vermeintliche Ähnlichkeit der Handschriften aus und Alfred Dreyfus wurde vor ein Kriegsgericht gestellt (vgl. Berger 2005: S. 56 und Zimmermann 2005: S. 36). Dort wurde er unter Ausschluß der Öffentlichkeit zu lebenslanger Verbannung und zur Degradierung verurteilt (vgl. Berger 2005: S. 56).
Alfred Dreyfus indes beteuerte stets seine Unschuld, hatte jedoch anfangs nur seine Familie auf seiner Seite sowie seinen Anwalt Demange, der nach Einsicht in die Akten die dünne Beweislage sofort erkannte (vgl. Dickler 1966: S. 18).
Einige Monate QDFKGHU9HUEDQQXQJ'UH\IXVµ fand in der Sektion für Statistik ein wichtiger Personalwechsel statt: Colonel Sandherr schied wegen Krankheit aus und der Major Georges Picquart wurde Chef des Nachrichtenbüros (vgl. Duclert 1994: S. 36). Picquart hatte den Fall Dreyfus für den Generalstab verfolgt und war von dessen Schuld überzeugt. In seiner Funktion als Chef des Nachrichtenbüros geriet ihm ein zerrissener Behördenbrief, ein »petit bleu« in die Hände, den die französische Spionin ebenfalls aus dem Papierkorb Schwartzkoppens eingesammelt hatte. Dieser Brief war an einen Offizier namens Esterházy adressiert (vgl. ebd.). Picquart meldete den Fund seinen Vorgesetzten und diese gingen, wie er, davon aus, daß es einen zweiten Spion gab. Picquart wurde mit den Ermittlungen zu Esterházy beauftragt, der ein ausgesprochen unsolides Leben führte und dabei ständig in Geldnot war (vgl. Zimmermann 2005: S. 38).
Während seiner Ermittlungen fand Picquart heraus, daß die Handschrift des Major Esterházy identisch war mit der auf dem Bordereau, wegen dem Alfred Dreyfus verurteilt wurde. Er teilte diese Erkenntnis seinen Vorgesetzten mit und empfahl die schnelle Bereinigung des Justizirrtums (vgl. Duclert 1994: S. 37). Daran waren seine Vorgesetzten jedoch nicht interessiert: Sie bedrängten Picquart, nichts über seine Entdeckung zu sagen. Als dieser sich weigerte, wurde er nach Tunis versetzt. Während eines Urlaubs vertraute Picquart seine Erkenntnisse als Testament seinem Anwalt Leblois an und wies ihn an, das Testament im Falle seines Todes dem Präsidenten der Republik zu übergeben (vgl. ebd.: S. 43) Leblois wandte sich an den Senator Auguste Scheurer-.HVWQHU GHU VHLQHUVHLWV DQ 'UH\IXVµ 8QVFKXOG JODXEW XQG LQ dieser Sache eigene Untersuchungen angestellt hatte (vgl. ebd.: S. 44). Inzwischen hatte eine Zeitung ein Faksimile des Bordereaus veröffentlicht. Alfred DreyIXVµ Bruder Mathieu fertigte Kopien an und verteilte diese. Der Börsenmakler de Castro bekam
Arbeit zitieren:
Udo Ehrich, 2009, Welche Rolle spielte der Antisemitismus in der Dreyfus-Affäre von 1894?, München, GRIN Verlag GmbH
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