I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis. IV
Symbolverzeichnis. VI
1 Einleitung. 1
2 Das dynamische Modell. 2
2.1 Modelleigenschaften 2
2.2 Die Modellgleichungen. 3
2.3 Modellanalyse 5
2.4 Graphische Darstellung. 9
3 Auswirkungen disinflationärer Geldpolitik 10
3.1 Einleitung. 10
3.2 Anpassungsprozesse in der Antizipationsphase. 12
3.3 Anpassungsprozesse in der Implementierungsphase 18
3.4 Langfristige Resultate 19
4 Schlussfolgerungen 22
5 Anhang 24
5.1 Ermittlungen der Zustandsgleichungen 24
5.1.1 Zustandsgleichung der nicht- prädeterminierten Variablen. 24
5.1.2 Zustandsgleichung der prädeterminierten Variablen: 27
5.2 Zur Sattelpunktstabilität des Modells: 30
5.3 Ermittlungen der Zeitpfade der Zustandsvariablen. 32
5.3.1 Berechnung des ersten Eigenvektors 32
5.3.2 Berechnung des zweiten Eigenvektors 33
5.3.3 Berechnung der Zeitpfade der Zustandsvariablen 35
5.4 Das Phasendiagramm des linearen sattelpunktstabilen Systems 52
II
5.4.1 Kurve der stationären Werte des realen Wechselkurses ..................52 5.4.2 Kurve der stationären Werte der realen Geldmenge........................52 5.4.3 Die instabilen Pfade des Systems ....................................................53 5.4.4 Der sattelstabile Pfad der Zustandsvariablen ...................................54 5.5 Auswirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen...................................55 5.5.1 Langfristige Auswirkungen .............................................................55
5.6 Simulationsergebnisse...............................................................................60 5.6.1 Einleitung.........................................................................................60 5.6.2 Die Modellgleichungen unter diskreter Zeitmessung ......................60 5.6.3 Parameterkalibrierung......................................................................61 5.6.4 Übersetzung des Modellrahmens in DYNARE: Unantizipierte Senkung der nominalen Geldmengenwachstumsrate .....................62 5.6.5 Übersetzung des Modellrahmens in DYNARE: Antizipierte Senkung der nominalen Geldmengenwachstumsrate .....................64 5.6.6 Übersetzung des Modellrahmens in DYNARE: Graphische
5.6.7 Graphische Simulationsergebnisse: Senkung der nominalen Geldmengenwachstumsrate ............................................................67 5.6.8 Übersetzung des Modellrahmens in DYNARE: Unantizipierte
5.6.9 Übersetzung des Modellrahmens in DYNARE: Antizipierte
III
5.6.10 Übersetzung des Modellrahmens in DYNARE: Graphische
5.6.11 Graphische Simulationsergebnisse: Verschärfung der
Wettbewerbsintensität im Geschäftsbankensektor..........................73 5.6.12 Übersetzung des Modellrahmens in DYNARE: Unantizipierte Erhöhung des indirekten Steuersatzes.............................................74 5.6.13 Übersetzung des Modellrahmens in DYNARE: Antizipierte Erhöhung des indirekten Steuersatzes.............................................76 5.6.14 Übersetzung des Modellrahmens in DYNARE: Graphische Vergleichsdatei für die Erhöhung des indirekten Steuersatzes .......78 5.6.15 Graphische Simulationsergebnisse: Erhöhung des indirekten
Steuersatzes .....................................................................................79
6 Literaturverzeichnis .....................................................................................80
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Das Phasendiagramm des Systems............................................9
Abbildung 2: Phasendiagramm kurz- und langfristiger Effekte antizipier-
ter deflationärer Wirtschaftspolitik...............................................................10
Abbildung 3: Diagramm kurz- und langfristiger Effekte einer antizipierten Reduktion der Geldmengenwachstumsrate auf die Determinanten der
internationalen Wettbewerbsfähigkeit...........................................................11
Abbildung 4: Diagramm kurz- und langfristiger Effekte einer antizipierten Erhöhung des indirekte Durchschnittsteuersatzes oder der Wettbewerbsintensität im Geschäftsbankensektor auf die Determinanten der internatio-
nalen Wettbewerbsfähigkeit............................................................................12
Abbildung 5: Realzinsentwicklung in der Zeit..............................................16
Abbildung 6: Outputentwicklung in der Zeit................................................17
Abbildung 7: Langfristige Effekte antizipierter deflationärer Wirtschafts-
politik.................................................................................................................19
Abbildung 8: Anstoß- und persistenzdämpfende Wirkung einer angekündigten Reduktion der nominalen
Geldmengenwachstumsrate.............................................................................67
Abbildung 9: Anstoß- und persistenzdämpfende Wirkung einer angekündigten Verschärfung des Wettbewerbs im
Geschäftsbankensektor....................................................................................73
V
Abbildung 10: Anstoß- und persistenzdämpfende Wirkung einer angekündigten Erhöhung des durchschnittlichen indirekten
Steuersatzes.......................................................................................................79
VI
Symbolverzeichnis
α φ λ κ δ γ Alle Variablen sind logarithmiert, ausgenommen ' , , r r d ,θ und : , , , , , r
y = Reales inländisches Volkseinkommen y = Inländisches Kapazitätsoutputniveau r = Nominaler Zinssatz auf inländische außermonetäre Bestände r = Nominaler Zinssatz auf inländische monetäre Bestände
d
θ = Durchschnittlicher indirekter Steuersatz θ & & + − p ) ( = Inländischer realer Zinssatz r
θ & = Wachstum des indirekten Durchschnittssteuersatzes in Prozentpunkten p = Inländisches Güterpreisniveau zu Faktorkosten p & = Inflationsrate m = Inländische nominale Geldmenge w = Nominaler Lohnsatz w & = Lohnwachstumsrate = Verbraucherpreisindex p
CPI
= Verbraucherpreisbezogene Inflationsrate p &
CPI
e = Nominaler Wechselkurs in Preisnotierung e & = Nominale Abwertungsrate E = Erwartungsoperator − + ≡ ' = Realer Wechselkurs (Reales Austauschverhältnis) p p e c − ≡ = Faktorpreisbezogene reale Geldmenge p m l
p’= Ausländisches Güterpreisniveau zu Faktorkosten r = Ausländischer Nominalzins auf ausländische außermonetäre Bestände '
γ = Realzinselastizität der privaten Nettoinvestitionsnachfrage δ = Realwechselkurselastizität des realen Außenbeitrags κ = Einkommenselastizität der realen Geldnachfrage λ = Zinssemielastizität der realen Geldnachfrage α = Grad der Geschlossenheit des Inlandes gegenüber dem Ausland φ = Nominallohnsensibilität auf reale Outputdifferenzen
1
1 Einleitung
Nahezu alle europäischen Zentralbanken sind regierungsunabhängig und dem Primärziel der Geldwertstabilität verpflichtet. Dies schaffe die Rahmenbedingungen für das Sekundärziel eines nicht-inflationären Wirtschafts- und Beschäftigungswachstums. Zum Jahresanfang trug der Preisauftrieb in Großbritannien zur Verfehlung des Primärziels bei, mit ungewissen Auswirkungen auf die dortige Konjunktur 1 . Während der Einzelhandelspreisindex sich der Teuerungsrate von 5 Prozent nähert, hat der Verbraucherpreisindex die Grenze von 3 Prozent im März dieses Jahres überschritten 2 . Die britische Notenbank strebt ein Wachstum des Verbraucherpreisindizes von 2 Prozent an. Bei Verfehlung des Ziels um mehr als ein Prozent, muss der derzeitige Notenbankchef dies gegenüber der britischen Regierung schriftlich begründen. Die Unnachgiebigkeit der Inflation, steigende Inflationserwartungen und die Furcht vor einer Lohn-Preis-Spirale hat die Bank of England beunruhigt und diese veranlasst, den Leitzins seit August 2005 in drei Schritten von 4,75 auf 5,25 Prozent anzuheben 3 . Dies ist das höchste Zinsniveau seit 2001, wobei die Märkte eine weitere Erhöhung um 25 Prozentpunkte bis spätestens Juni erwarten. Die Wirkung dieser Maßnahme auf die britische Konjunktur ist völlig offen. Vor diesem Hinter-grund stellt sich die Frage, welche alternativen geldpolitischen Instrumente gibt es, um die Geldwertstabilität zu verwirklichen. Zur Analyse dieser Fragestellungen wird exemplarisch in dieser Arbeit ein dynamisches Inflationsmodell für eine kleine offene Volkswirtschaft betrachtet. Zunächst wird unter Kapitel 2 das dynamische Inflationsmodell erläutert.
1 Der Preisauftrieb wird begründet mit steigenden Preisen heimischer Energie, ansteigenden
Lebensmittel- und Rohstoffimportpreisen und einem wachsenden Druck auf die
Produktionskapazitäten. Vgl. Bank of England (2007a), S. 31-32.
2 Vgl. Bank of England (2007b), S. 9.
3 Vgl. Bank of England (2007c), S. 3.
2
Anhand dieser Spezifikation werden dann in Kapitel 3 die intertemporalen Auswirkungen einer glaubwürdig angekündigten Reduktion der Geldmengenwachstumsrate sowie einer glaubwürdig angekündigten Erhöhung des durchschnittlichen indirekten Steuersatzes 4 analysiert. Zudem wird eine angekündigte Verbesserung des Wettbewerbs im Geschäftsbankensektor betrachtet. Alle Maßnahmen dienen der Inflationsbekämpfung. Im Kapitel 4 werden die genannten Maßnahmen mit der häufiger praktizierten Erhöhung des Leitzinssatzes qualitativ verglichen.
2 Das dynamische Modell
2.1 Modelleigenschaften
Der in dieser Arbeit betrachtete Modellrahmen geht auf der Grundvariante des monetären Wechselkursmodells von Dornbusch 5 zurück. Hierbei handelt es sich um ein sattelpunktstabiles dynamisches Inflationsmodell einer kleinen offenen Volkswirtschaft mit rationalen Wechselkurserwartungen und verzögerter Preisanpassung. Wesentliches Merkmal sind die unterschiedlichen Anpassungsgeschwindigkeiten der Zustandsvariablen. Die prädeterminierte Variable ist durch Rigidität und Stetigkeit in ihrem Anpassungsprozess gekennzeichnet, während die nicht prädeterminierte Variable unmittelbare und diskontinuierliche Reaktionen auf exogene Störungen erfahren kann 6 . Die Dynamik des Modells lässt sich durch ein lineares Differentialgleichungssystem in diesen Variablen beschreiben 7 .
4 Dies geschieht per Annahme steueraufkommensneutral z.B. durch Senkung des
durchschnittlichen direkten Steuersatzes, so dass keine Konsumeffekte auftreten.
5 Vgl. Dornbusch (1976), S. 1161-1165.
6 Vgl. Coenen (1995), S. 431.
7 Vgl. Coenen (1993), S. 1-2.
3
2.2 Die Modellgleichungen 8
δ θ γ
&
− + + + − =
) ' ( )) ( ( -
p p e p r y
&
(1)
m
(2)
r
(3) = e e E & & (4)
( )( ) α α + − + = ) ' 1 e p p p (5) CPI
φ − + = ) ( y y p w & & (6) CPI
= w p (7) & & α φ λ κ δ γ > 0 , , , , , (8)
Alle Variablen sind logarithmiert, ausgenommen ' , , r undθ . r r d
Es gilt folgende Notation: y = reales inländisches Volkseinkommen, y = inländisches Kapazitätsoutputniveau, r = nominaler Zinssatz auf inländische außermonetäre Bestände, d r = nominaler Zinssatz auf inländische monetäre
θ & Bestände, θ = durchschnittlicher indirekter Steuersatz, & + − p ) ( = r
inländischer realer Zinssatz, p = inländisches Güterpreisniveau zu
Faktorkosten, m = inländische nominale Geldmenge, w = nominaler Lohnsatz, CPI = Verbraucherpreisindex, e = nominaler Wechselkurs in p − + ' Preisnotierung, E = Erwartungsoperator, = realer Wechselkurs p p e
(Reales Austauschverhältnis), p’ = ausländisches Güterpreisniveau zu Faktorkosten, ' r = ausländischer nominaler Zinssatz auf ausländische außermonetäre Bestände. Ein Punkt über einer Variablen bedeutet ihre Ableitung nach der Zeit, also die prozentuale Änderungsrate dieser Variablen. Die Konstanten γ ,δ ,κ , φ und α stellten positive Elastizitäten dar, während λ
eine positive Zinssemielastizität repräsentiert.
8 Das Modell ist eine Kombination der Versionen von Buiter und Miller (1981), S. 147 sowie
von Buiter und Miller (1982), S. 87, mit Eigenschaften der Spezifikation von Wohltmann
(2006), S. 135. Die LM-Gleichung (2) wird zusätzlich mit dem Verbraucherpreisindex
erweitert, während die Güternachfrage in (1) keine Einkommensabhängigkeit aufweist.
4
Das Gütermarkt-Gleichgewicht wird durch Gleichung (1) in Form der IS-Kurve repräsentiert. Die Güternachfrage hängt über die private Nettoinvestitionsnachfrage negativ vom nominalen Zinssatz ab. Hierbei wird der nominale Zinssatz durch die Berücksichtigung der Inflationsrate in Bezug auf das Marktpreisniveau in den realen Zinssatz übergeführt. Zudem besteht unter Erfüllung der Marshall-Lerner-Bedingung eine positive Abhängigkeit der Nettoexporte vom realen Wechselkurs.
Das Geldmarkt-Gleichgewicht wird durch Gleichung (2) in Form einer LM-Kurve beschrieben. Demnach stimmt im Gleichgewicht die kaufkraftsbezogene reale Geldmenge mit der realen Geldnachfrage überein. Letztere hängt positiv ab vom realen Einkommen, positiv vom durchschnittlichen indirekten Steuersatz und negativ von der Rendite inländischer Wertpapieranlagen, welche um die Rendite nominaler Geldbestände bereinigt wird. Diese Differenz der inländischen nominalen Zinssätze stellt somit den Opportunitätskostensatz der Kassenhaltung dar. Die Verwendung zweier nominaler Zinssätze begründet sich mit der Interpretation der nominalen Geldmenge als weit aufgefasstes Aggregat, welches Bankeinlagen und umlaufende Noten und Münzen enthält. Das Gleichgewicht auf dem vollkommenen internationalen Kapitalmarkt wird durch Gleichung (3) in Form der ungedeckten Zinsparität wiedergegeben, welche perfekte Substituierbarkeit in- und ausländischer Wertpapiere unterstellt. Für die nominale Abwertungsrate als weitere Renditekomponente ausländischer Bonds werden rationale Erwartungen in Bezug auf den Wechselkurs unterstellt. Siehe hierzu Gleichung (4). Das bedeutet, dass die erwartete Wechselkurswanderung ständig an die Differenz zwischen dem langfristig erwarteten Wechselkurs und dem aktuellen Wechselkurs angepasst wird. Ferner ist die Annahme rationaler Erwartungen aufgrund des deterministischen Modells gleichwertig zu perfekter Voraussicht.
Gleichung (5) besagt, dass der inländische Verbraucherpreisindex ein gewichteter Durchschnitt vom inländischen Preisniveau zu Faktorkosten und dem ausländischen Güterpreisniveau ist, wobei letzteres in Inlandswährung ausge- ( α − den Grad der Offenheit der heimischen drückt wird. Hierbei bezeichnet ) 1
Volkswirtschaft gegenüber der restlichen Welt.
5
Um die nominale Lohnänderungsrate zu beschreiben, wird ein erweiterter Phillips-Kurven-Ansatz zugrunde gelegt. Siehe hierzu Gleichung (6). Die Lohnwachstumsrate ist einerseits positiv von der verbraucherpreisbezogenen Inflationsrate abhängig, andererseits führen Abweichungen des realen Outputs über dem Vollbeschäftigungsoutput zu einem inflatorischen Druck auf die nominale Lohnsteigerungsrate. Hierbei misst der Parameter φ die Sensibilität
des nominalen Lohnsatzes auf den Auslastungsgrad der heimischen Produktion. Das Güterpreisniveau zu Faktorkosten wird gemäß der Zuschlagshypothese als konstanter Aufschlag auf den nominalen Lohnsatz festgelegt. Siehe hierzu Gleichung (7). Hier reagiert also das Güterpreisniveau zu Faktorkosten gleichgerichtet proportional auf Änderungen des nominalen Lohnsatzes, es liegt also eine Vollindexierung des Nominallohnssatzes vor.
2.3 Modellanalyse
Die Modellgleichungen lassen sich durch geeignete Rechenschritte in einem interdependenten, linearen Differentialgleichungssystem mit konstanten Koeffizienten und zwei endogenen Zustandsvariablen überführen 9 . Letztere definieren die Änderung der korrespondierenden Variablen in der Zeit. Anhand des folgenden deterministischen, zweidimensionalen Systems kann somit die Modelldynamik vollständig erfasst werden:
9 Siehe hierzu den Anhang, S. 23-27.
6
= Mit als reale Geldmenge und, p m l
a
11
b
11
= d
1
π =
1
als exogene Parameter. Hierbei enthält die erste Zustandsgleichung den realen Wechselkurs c als nicht prädeterminierte Zustandsvariable. Sein zugehöriger Zeitpfad ist durch eine rechtsseitig, aber nicht linksseitig stetige Funktion in der Zeit charakterisiert, und weist an den stellen der Unstetigkeit diskrete Sprungstellen 10 . Ökonomisch lässt sich dies durch die kurzfristige Preisniveauträgheit und der unmittelbaren Reaktion des nominalen Wechselkurses auf neue Informationen erklären. Begründet wird letzteres damit, dass ausländische Währung ein auf effizienten Finanzmärkten gehandeltes Aktivum ist und der Preis von Auslandswährung nach dem finanzmarkttheoretischen Ansatz durch Arbitrage und Spekulation der Anleger bestimmt wird.
Die zweite Zustandsgleichung endogenisiert die reale Geldmenge als prädeterminierte Variable. Ihr Zeitpfad wird durch eine stetige Funktion in der Zeit beschrieben, so dass diese keine diskreten Änderungen in der Zeit erfährt. Ökonomisch betrachtet ist der Preisanpassungsprozess infolge einer exogenen Störung rigide, so dass bei konstanter nominaler Geldmenge der reale Geldmengenanpassungsprozess ebenfalls verzögert erfolgt.
10 Vgl. Coenen (1995), S. 431.
7
Das lineare Differentialgleichungssystem (9) ist sattelpunktstabil, d.h. es existiert lediglich eine spezielle Lösung des Systems die gegen ein stationäres Gleichgewicht strebt. Das stationäre Gleichgewicht wird als Sattelpunkt und der zu diesem führende Pfad als Sattelpfad bezeichnet 11 . Diese Eigenschaft des dynamischen Modells ist nur dann gewährleistet, wenn die Systemmatrix A einen strikt positiven und einen strikt negativen Eigenwert besitzt und der positive Eigenwert der nicht prädeterminierten Variablen sowie der negative Eigenwert der prädeterminierten Variablen zugeordnet ist. Da die Existenz einer negativen Systemdeterminante über einen negativen Eigenwert eine hinreichende und notwendige Bedingung für die Stabilität des Modells ist, liegt Sattelpfadstabilität vor wenn gilt 12 ,
φγ α > − − (10) . 0 ) 1 (
Bei unverändertem realem Wechselkurs, ist Gleichung (10) bei expansiv gerichteten realen Störungen mit einer Einkommensexpansion verbunden 13 . Die Implementierung wirtschaftspolitischer Maßnahmen führt dazu, dass die Zu- = standsvariablen von ihren ursprünglichen Gleichgewichtswerten 0 ,l in 0 c t
0
abweichen und sich entlang ihrer Lösungszeitpfade dem neuen stationären nähern. Die Lösungszeitpfade lauten 14 : Gleichgewicht 1 ,l c
1
c
(11)
l
t < < für (Antizipationsphase) und, 0 T
11 Vgl. Coenen (1993), S. 2.
12 Vgl. Wohltmann (2006), S. 139.
13 Vgl. Wohltmann (2006), S. 140.
14 Zur Ermittlung siehe Anhang, S. 32-47.
c
(12)
l
t > für (Implementierungsphase). T
Für den Outputverlauf ergibt sich folgender Lösungszeitpfad:
(13) y
t < < t > . für und 0 T T
Es ergeben sich somit in Abhängigkeit des betrachteten Zeithorizonts unterschiedliche Auswirkungen wirtschaftpolitischer Maßnahmen. = Setzt man in (12) für den Fall einer sofort implementierten Maßnahme 0 T
ergeben sich wiederum andere Lösungszeitpfade 15 :
c
(14)
l
(15) y
15 Siehe Anhang, S. 45.
9
2.4 Graphische Darstellung 16
Der Anpassungsprozess der Zustandsvariablen an ihre stationären Gleichgewichtswerte kann mittels eines Phasendiagramms analysiert werden. Das c/l- Phasendiagrammdes Systems lässt sich auf Grundlage einiger Berechnungen wie folgt darstellen 17 :
Abbildung 1: Das Phasendiagramm des Systems.
Quelle: In Anlehnung an Wohltmann (2006), S. 142.
l & = = Hierbei definieren die Geraden und 0 die jeweils voneinander unab- 0 c &
hängigen stationären Werte für c und l. Das simultane stationäre Gleichgewicht c, ist dann durch den Schnittpunkt beider Geraden bestimmt. Unter den l
unendlich vielen Phasenkurven existiert lediglich eine Kurve SS , entlang der die Variablen des Systems gegen das stationäre Gleichgewicht streben. Alle übrigen Kurven divergieren entlang 0 I und beschreiben instabile spezielle
Lösungen des dynamischen Systems.
16 Die graphische Darstellung lehnt sich an Coenen (1993), S. 8-10.
17 Siehe hierzu den Anhang, S. 47-50.
10
3 Auswirkungen disinflationärer Geldpolitik
3.1 Einleitung
Auf Grundlage des hier vorgestellten Modells werden die Implikationen angekündigter, deflationärer Maßnahmen außerhalb einer restriktiven Zinspolitik seitens einer Notenbank analysiert. Die Analyse wird in Form eines dynamischen Anpassungsprozesses zum neuen langfristigen Gleichgewicht durchgeführt, wobei letzteres auf seine Veränderung durch die Maßnahmen ebenfalls untersucht wird. Da alle Maßnahmen zu einem identischen langfristigen Gleichgewicht führen, werden diese zusammengefasst analysiert 18 . Hierbei werden Unterschiede im Anpassungsprozess herausgearbeitet. Das hier vorgestellte Instrumentarium umfasst eine Reduktion der Geldmengenwachstumsrate, eine Erhöhung des indirekten Durchschnittssteuersatzes und eine Verstärkung der Wettbewerbsintensität innerhalb des Geschäftsbankensektors. Alle Maßnahmen lösen insgesamt qualitativ identische, intertemporale Anpassungsprozesse des realen Wechselkurses und der realen Geldmenge aus. Diese lassen sich mittels des oben vorgestellten Phasendiagramms untersuchen:
Abbildung 2: Phasendiagramm kurz- und langfristiger Effekte antizipierter
disinflationärer Wirtschaftspolitik.
Quelle: In Anlehnung an Buiter und Miller (1982), S. 104.
18 Die Vorgehensweise entspricht weitgehend der Methodik von Buiter und Miller (1981), S.
152-162 und Buiter und Miller (1982), S. 89-92.
11
Um zusätzlich die Auswirkungen der wirtschaftspolitischen Maßnahmen auf die Bestimmungsgrößen des realen Wechselkurses sichtbar zu machen, wird auf die Abbildungen 3 und 4 zurückgegriffen. Die Zeitpfade bis zum Implementierungszeitpunkt der nominalen Geldmenge, des nominalen Wechselkurses und des Güterpreisniveaus zu Faktorkosten können bei angemessener Wahl ihrer Einheiten durch eine einzige Gerade AA beschrieben werden. Nach der Implementierung folgt aus der Reduktion der nominalen Geldmengenwachstumsrate in Abbildung 3 ein gesunkener Pfad der nominalen Geldmenge, während dieser bei den anderen Maßnahmen gemäß Abbildung 4 unverändert bleibt 19 .
Abbildung 3: Diagramm kurz- und langfristiger Effekte einer antizipierten Reduktion der
Geldmengenwachstumsraten auf die Determinanten der internationalen Wettbewerbs-fähigkeit.
Quelle: In Anlehnung an Buiter und Miller (1981), S. 169.
Es stellt sich aus weiter unten erläuterten Gründen heraus, das alle Maßnahmen zu einem Anstieg der langfristigen realen Geldmenge führen, so dass das lang- e = fristige Güterpreisniveau, welches durch die Gerade beschrieben wird, p
zwangsläufig unterhalb des langfristigen nominalen Geldmengenniveaus liegen muss.
19 Vgl. hierzu Buiter und Miller (1981), S. 169.
Arbeit zitieren:
Sebastian Sienknecht, 2007, Ein dynamisches Inflationsmodell für die kleine offene Volkswirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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