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Inhaltsverzeichnis
Einleitung. S.3
1. Der Schauplatz. S.3
2. Die Hauptperson. S.5
3. Das Kastenwesen. S.7
4. Das Bild der Gesellschaft in Coolie. S.9
4.1 Das Bild der indischen Bevölkerung. S.9
4.2 Das Bild der englischen Bevölkerung. S.12
5. Gesellschaftskritik in Coolie. S.15
5.1 Die Ausbeutung der Arbeiter. S.15
5.2 Der Gegensatz zwischen Arm und Reich und die Rolle der Gewerkschaften.
5.3 Parallelen zwischen dem Arbeiterelend und dem Leben eines Tieres. S.17
5.4 Das Elend durch Armut im Vergleich zur Unberührbarkeit. S.18
5.5 Marxistische Aspekte. S.19
5.6 Coolie - ein Fall von Propaganda? S.21
6. Postkolonialer Kritikansatz. S.22
6.1 Sprache. S.22
6.2 Otherness. S.23
6.3 Hybridity. S.23
7. Kurze Zusammenfassung 24
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Einleitung
Das Kastenwesen in Indien existiert seit etwa 3000 Jahren und hat die indische Gesellschaft bis heute entscheidend geprägt. Einst wollten die Brahmanen, die hinduistischen Priester, mit Hilfe dieses rigiden Systems ihren Machtanspruch zu festigen. Als negative Konsequenzen entstand die „fünfte“ Kaste der Unberührbaren, eine vollständig entrechtete und unterdrückte Bevölkerungsschicht, die aber circa ein Viertel der gesamten indischen Bevölkerung ausmacht. Sie sind die Ärmsten der indischen Gesellschaft, zumeist völlig ungebildet und im Alltag etlichen Schikanen ausgesetzt. Sie dürfen keine Schuhe tragen und müssen in Gaststätten am Boden Platz nehmen, Brahmanen vermeiden sogar den Kontakt mit den Schatten der Unberührbaren. Für manchen Europäer mag diese System ungerecht, grausam, ja geradezu menschenverachtend wirken, doch bei genauerer Betrachtung kann man auch im bei uns anerkannten und kaum hinterfragten Kapitalismus Tendenzen zur Ausbeutung bestimmter Gesellschaftsgruppen erkennen.
In seinem Werk Coolie 1 beschreibt der Autor Mulk Raj Anand das harte Leben eines Tagelöhners, das mehr von der entstehenden indischen Marktwirtschaft als vom ständig an Bedeutung verlierenden Kastenwesen geprägt ist. Er präsentiert ein vielseitiges, facettenreiches Bild Indiens, anhand dessen er die negativen Auswirkungen von dem mehrere Jahrhunderte andauernden Kolonialherrschaft aufzeigt.
1. Der Schauplatz
Der zentrale Charakter des Romans ist der Waise Munoo. An seinem Beispiel zeigt Anand die Härten auf, denen sozial schlecht gestellte Menschen am Ende der Kolonialzeit in Indien ausgesetzt waren. Die Schauplätze variiert er episodenweise, ebenso wie die Figuren. Munoo reist von den Bergen über eine Kleinstadt nach Bombay, wodurch Anand ein sehr vielfältiges Bild der indischen Gesellschaft präsentieren kann. Während Munoo an den ersten Schauplätzen in relativ geordneten Verhältnissen lebt, zeigt Anand in Bombay das gesamte Ausmaß des menschlichen Elends, dass in den Großstädten entstanden ist. Beachtenswert ist die Differenz zwischen dem, wie sich Munoo urbanes Leben vorstellt und der harten Realität, die sich ihm in Bombay offenbart. Aus Erzählungen von anderen Arbeitern weiß er, dass es dort
1 Seitenangaben für Zitate und Verweise aus dem Primärtext stehen anschließend in Klammern
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ein Leichtes ist, Arbeit zu finden und dass man monatlich zwischen 15 und 30 Rupien verdienen kann.(S.163) Als er ankommt und feststellt, dass die Kulis selbst in Bombay auf den Strassen schlafen(S.179), ahnt er, dass sich eher die Aussage des Elefantenführers bestätigen wird: „The bigger a city is, the more cruel it is to the sons of Adam.“(S.177) In Bombay wird Munoo Zeuge eines Elends, dass er sich in Sham Nagar oder in Daulatpur noch nicht hätte vorstellen können:
The bodies of numberless coolies lay strewn in tattered garbs. Some were curled up in knots, others lay face downwards on folded arms, others were flat on their chests, pillowing their heads on their bundles or boxes others crouche dinto corners talking, others still huddled together at the doorsteps of closed shops, or lay on the boards in a sleep which looked like death, but that it was broken by deep sighs. (S.188)
Die Strassen Bombays sind mit Tagelöhnern, die in ihrem Elend dahinvegetieren, überfüllt. Die Lebensumstände der Arbeiter mit festem Wohnsitz sind jedoch nicht sehr viel besser: sie leben in kleinen, dunklen Hütten unter erbärmlichen hygienischen Umständen. Ratan muss sich sieben Latrinen mit 200 Arbeitern teilen, solange er die Reinigungskraft nicht besticht.(S.227) Im Vergleich dazu kann man sogar der kargen Umgebung in der Stahlfabrik positive Seiten abgewinnen.
All the other coolies filed past as if they lived and ate and slept and had their being here, because they had got used to the look of the mill, or because they measured it against the background of hovels in which they lived, and realy liked to come away to the comparative luxury of the huge building. (S.210)
In Bombay präsentiert Anand die Lebensumstände der sozialen Unterschicht drastischer als in den vorhergehenden Kapiteln. Hier ist die Arbeit genauso hart wie anderswo, jedoch sind die Tagelöhner zu einem Leben in der Gosse gezwungen. Sie nächtigen in Scharen auf den Trottoirs und müssen täglich um ihr Auskommen kämpfen. Noch dazu sehen sie Autos und Motorräder in den Strassen und Luxusgüter in den Auslagen der Geschäfte, welche sie sich niemals leisten können. Bombay ist das
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land of cruel contrasts, where the hybrid pomp of the rich mingled with the smell of sizzling grease in black frying-pans; Bombay, land of luxury and lazzaroni, where all the pretences of decency enden in dirt and drudgery, where the lies of the benevolent patrons were shown up in the sores an deformities of the poor. (S.270)
Hier leben arm und reich, Ausgebeutete und Ausbeuter direkt nebeneinander; die Folgen dieses einseitigen Verhältnisses möchte ich jedoch an spätere Stelle darstellen.
2. Die Hauptperson
Munoo ist die einzige Person, deren Schicksal der Leser von Anfang an bis zum Ende mitverfolgen kann. Als Helden des Romans kann man ihn aber nicht bezeichnen, da er keinen großen Einfluss auf den Fortgang der Handlung hat und auch keine bemerkenswerten Entwicklungen in seinen Gedankengängen zeigt. Er wirkt geistig beschränkt, eindimensional und statisch. Der Autor verzichtet auf eine detaillierte Beschreibung von Munoo, besonders eine Darstellung seiner Gedankengänge fehlt zumeist. George bezeichnet die knappe Charakterisierung der Hauptfigur sogar als „less serious mistake“ und wirft Anand vor, er würde die anderen Charaktere in unausgewogenem Umfang beschreiben. 2 Um dies zu verdeutlichen, führt er die äußerst ausführliche Beschreibung von Mrs Mainwaring als Beispiel an, von der der Leser eine Vielzahl von Details erfährt, die für die Handlung von keiner Bedeutung sind. Cowasjee betrachtet diese finale Episode jedoch nicht als Schwachpunkt des Romans, sondern sie diene dem Zweck, „to retrieve his hero from the horrors of Bombay and to allow him to regain some of his identity before he coughs his lungs out pulling rickshaw for his mistress.“ 3 Im Gegensatz dazu sieht Mutahi im letzten Kapitel eine dramatischere Situation: „Her committment to everything European, [...] demonstrates the alienating effects of the new order.“ 4 Seiner Ansicht nach stellt Anand durch Mrs Mainwarings Vorgeschichte den häufigen Wunsch der indischen Bevölkerung, durch Heirat in die Gesellschaft der Europäer aufzusteigen, dar. Die Verehrung des westlichen Wertesystems führt zur Dehumanisierung der Inder und zum Verlust ihrer Kultur.l Ich denke, dass der Autor Munoos Person nur in Umrissen beschreibt, um dem Leser kein
2 George S.62
3 Cowasjee S.80
4 Mutahi S.33
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allzu individuelles Bild von ihm einzuprägen. Munoo „embodies the degradation of a group that is born in a society that dares not give it a chance at self-realisation“ 5 , er steht somit nicht nur für sich, sondern für die gesamte ausgebeutete indische Unterschicht. Dem Leser soll nicht das Einzelschicksal eines Kulis, sondern das Elend in einem Teil der Gesellschaft aufgezeigt werden. Da man nur sehr wenige persönliche Informationen über Munoo erhält, treffen die gegeben Eigenschaften wohl auf eine Vielzahl der indischen Tagelöhner zu, folglich wird sein Schicksal von unzähligen Menschen geteilt.
Das Geschen wird aus Munoos Blickwinkel in Form eines stream of consciousness präsentiert. Das heißt, Anand beschreibt „the unbroken flow of perceptions, thoughts, and feelings in the waking mind“ 6 von Munoo. Dieser ist zwar die zentrale Figur, überraschenderweise steht er aber nur sehr selten im Mittelpunkt des Geschehens. Man kann sagen, dass die Fokalisierung 7 auf Munoo liegt, doch sein begrenzter Wissenshorizont und seine infantile Sicht auf die Dinge machen eine zusätzliche, unpersönliche Erzählerfigur notwendig. Mit Hilfe von Hintergrundinformationen vereinfacht er es dem Leser, sich an den verschiedenen Schauplätzen, die ja in aller Komplexität dargestellt werden, zurechtzufinden. Eine objektive Beschreibung von Personen wäre sonst kaum möglich, da Munoo noch stark vom Respekt oder Verehrung gegenüber älteren oder besser gestellten Menschen beeinflusst wird. Somit ist Munoo das Zentrum der Wahrnehmung 8 , aus dessen Blickwinkel ein unpersönlicher Erzähler die Handlung umschreibt. Berry bezeichnet Munoo als „center of consciousness“ 9 , quasi als Beobachter, durch dessen Augen der Leser die Geschehnisse sieht, der jedoch kaum Kommentare oder Wertungen von sich gibt. So bietet sich eine unabhängige und objektive Sichtweise. Man wird an die Hauptfigur gebunden und verfolgt das Geschehen in deren Umfeld, gleichzeitig hat man einen allwissenden Erzähler an der Seite, der ihm umfassende Informationen zur Verfügung stellt und die Gegebenheiten detailliert darstellt. Munoo erfüllt den Zweck eines Spions, durch den man Einblick in die unterschiedlichsten Bereiche der indischen Gesellschaft erhält. An dieser übt Anand Kritik, indem er zeigt, wie sich ihre ärmsten Mitglieder im Alltag behaupten müssen. Munoo dient als Exempel, anhand dessen der Leser das Unrecht und die Ausbeutung,
5 Mutahi S.20
6 Abrams S.202
7 Vgl. Genette S.235
8 Vgl. Genette S.235
9 Berry S.87
Arbeit zitieren:
Mathias Holzer, 2003, Das Bild der indischen Gesellschaft im Kolonialzeitalter in Anand s Coolie, München, GRIN Verlag GmbH
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