I Inhaltsverzeichnis
I INHALTSVERZEICHNIS
I Inhaltsverzeichnis III
II Abbildungsverzeichnis V
III Tabellenverzeichnis V
1 Einleitung 1
1.1 Thematische Zielsetzung und Problemstellung 2
1.2 Arbeitsansatz 3
2 Empirische Erhebung bei Mittelständlern 5
2.1 Die Befragung als Erhebungsinstrument 5
2.2 Die Online-Umfrage. 6
2.3 Grundgesamtheit und Stichprobe 7
2.4 Vorgehensweise. 8
2.5 Aufbau des Fragebogens 8
3 Mittelstand 10
3.1 Definition Mittelstand 10
3.2 Bedeutung für die deutsche Wirtschaft 13
3.3 Produzierendes Gewerbe 14
3.4 Probleme der Unternehmensfinanzierung im Mittelstand. 15
3.4.1 Gründe. 15
3.4.2 Exkurs: Basel II 17
3.4.3 Auswirkungen auf mittelständische Firmen 19
4 Die internationale Finanzkrise 21
4.1 Zur Begrifflichkeit. 21
4.2 Auslöser der Finanzkrise 21
4.3 Von der Subprime- Krise zur internationalen Finanzkrise. 23
4.4 Die Krise in Deutschland. 26
5 Auswertung der empirischen Erhebung 28
5.1 Rücklaufquote. 29
5.2 Eigenschaften der teilnehmenden Unternehmen 29
5.3 Informationsstand zu alternativen Finanzierungsformen 33
5.4 Welche Finanzierungsformen werden von Mittelständlern genutzt? 36
5.5 Managementkennzahlen 39
5.5.1 Eigenkapitalquote und Finanzlage 39
5.5.2 Liquidität, Ertragslage und Working Capital. 41
5.6 Finanzierungsanlässe und Kapitalbedarf 43
III
I Inhaltsverzeichnis
5.7 Finanzierung in der Krise 45
5.8 Geschäftslage der mittelständischen Unternehmen in Deutschland. 48
5.9 Zusammenfassung der Umfrageergebnisse. 50
6 Risiken, Handlungsbedarfe und Optionen für Mittelständler in
Deutschland während der Krise. 52
6.1 Liquiditätsmanagement 52
6.2 Alternative Finanzierungsformen und Kapitalbeschaffung. 53
6.2.1 Factoring 54
6.2.2 Leasing 55
6.2.3 Mezzanine- Finanzierung 56
6.3 Eigenkapitalquote und Eigenkapitalausstattung. 57
6.4 Working Capital Management 58
6.5 Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen. 59
7 Fazit und Ausblick 62
IV Literaturverzeichnis 64
V Anhang X
IV
II Abbildungsverzeichnis
II ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1 Das Drei-Säulen-Konzept nach Basel II
Abbildung 2 Aufteilung der befragten Unternehmen in Rechtsformen
Abbildung 3 Informationsstand mittelständischer Unternehmen zu alternativen
Finanzierungsformen
Abbildung 4 Finanzierung von mittelständischen Unternehmen
Abbildung 5 Einschätzung zu alternativen Finanzierungsformen differenziert nach
Rechtsform
Abbildung 6 Eigenkapitalquote der mittelständischen Firmen
Abbildung 7 Working Capital Management bei Mittelständlern
Abbildung 8 Der erste Ansprechpartner bei Kapitalbedarf
Abbildung 9 Schwierigkeitsgrad der Finanzmittelbeschaffung in Zeiten der Krise
Abbildung 10 Umstellung der Finanzierung in Krisenzeiten
Abbildung 11 Derzeitige Beurteilung der Geschäftslage bei Mittelständlern.
Abbildung 12 Einschätzung der Unternehmen zur Geschäftslage in den folgenden
zw ölf Monaten
Abbildung 13 Die Erhöhung der Eigenkapitalquote
Abbildung 14 Zusammenfassung der Optionen und Handlungsbedarfe
Abbildung 15 Gap-Analyse
III TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1 Definition Mittelstand nach IfM und EU
U
V
1 Einleitung
1 Einleitung
Im Lauf der Geschichte gab es immer wieder Krisen in der globalen Wirtschaft. So zum Bespiel ist zu Beginn dieses Jahrhunderts um die Jahrtausendwende die „dotcom“-Blase in der IT-Industrie geplatzt. Seitdem hat die Wirtschaft auf der ganzen Welt eine starke Konjunkturphase erlebt. Länder wie die USA, viele Staaten der EU und Entwicklungsländer beziehungsweise Schwellenländer auf dem asiatischen Kontinent und Lateinamerika waren der „Antrieb für einen der stärksten Bullenmärkte seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges“. 1
In der Bundesrepublik Deutschland verbesserte sich die gesamtwirtschaftliche Situation vor allem im Jahr 2006. Dies ist zum Beispiel an der geringsten Arbeitslosenquote seit dem Jahre 1992 zu sehen. 2
Des Weiteren erreichte der Deutsche Aktienindex am 13. Juli 2007 mit 8151 Punkten seinen historischen Handelshöchststand. 3
Dieser Höchststand war gleichzeitig auch der Höhepunkt des wirtschaftlichen Aufschwungs. Ab der zweiten Hälfte des gleichen Jahres schwand die gute Stimmung aber wieder, da die Krise auf den internationalen Finanzmärkten einsetzte. Diese brach genau zur Zeit der Rekordnotierungen aus.
Ihre Wurzeln hatte diese globale Krise in der Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten und dem Verlangen nach immer höheren Renditen sowie der in Phasen eines Wirtschaftsaufschwungs typischen Sorglosigkeit von Anlegern und Investoren auf dem gesamten Globus. Auch wenn vorher neue Sicherheitsmechanismen für die Finanzwelt installiert wurden, zum Beispiel der „Basel II- Akkord“ für Banken und Unternehmen, wurde dieser verbesserte Anlagegrundsatz nicht beachtet, nach dem ein Investor, der eine höhere Rendite verlangt, auch immer ein höheres Risiko eingehen muss. Sehr schmerzhaft für viele Unternehmen beweist die aktuelle Kapitalmarktkrise die enge Verknüpfung des globalen Finanzmarktes. Die negativen Auswirkungen auf dem Hypothekenmarkt in den USA haben in sehr kurzer Zeit eine immer größer werdende Anzahl an europäischen Kreditinstituten an den Rand einer Insolvenz getrieben.
1 Bloss (ersch 2008, S. 5f)
2 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2009)
3 Vgl. OnVista Media GmbH (2009)
1
1 Einleitung
Wie schon bei vorherigen Rezessionen und Krisen hat auch die derzeitige Kapitalmarktkrise gezeigt, dass angeblich kompetente Investoren falsche Einschätzungen über das Ausmaß der Verfehlungen machen können. In einer in der Öffentlichkeit und Wirtschaft mehrfach vertretenen Meinung bezeichnete der Bundesbank-Chef, Axel Weber, die Einbrüche an den Aktienmärkten als „gesunde Korrektur“ und die betroffenen Geschäftsfelder als „abgeschirmt“. 4 Ebenso wiederholte der Finanzminister Peer Steinbrück anfangs mehrmals, es gebe „keinen Grund zur Nervosität über die Realwirtschaft“. 5
Doch Mitte des Jahres 2008 titelten die ersten Fachzeitschriften in Deutschland: „Die ersten Bänder stehen still“. 6 Die Finanzkrise hatte die deutsche Wirtschaft erreicht. Aufgrund der turbulenten und tief greifenden nationalen und internationalen Veränderungen steht seitdem auch der „industrielle Mittelstand in Deutschland täglich neu vor massiven unternehmerischen Herausforderungen“. 7
1.1 Thematische Zielsetzung und Problemstellung
Seit Beginn der internationalen Finanzkrise gibt es jeden Tag ein weiteres Unternehmen, das Liquiditätsprobleme hat, Insolvenz anmeldet oder seinen Kapitalbedarf nicht decken kann.
In der Vergangenheit haben Turbulenzen an den Finanzmärkten stets Auswirkungen in der Realwirtschaft gezeigt. Die Unternehmen weltweit waren aber bilanziell selten so gut aufgestellt wie in der Gegenwart. Wie aber steht es in dieser Krise um den Mit-telstand, der als eigentlicher Antriebsmotor für die deutsche Wirtschaft bezeichnet wird? Welche Auswirkungen hat die aktuelle Kapitalmarktkrise auf Mittelständler in Deutschland? Hierzu herrscht noch große Unsicherheit in der deutschen Wirtschaft. 8 Diese beiden Kernfragen sollen nun mit einer empirischen Umfrage bei Mittelständlern in Deutschland, die den Hauptteil dieser Arbeit bilden, erörtert und analysiert werden. Es wird auf die derzeitige Finanzierungssituation im deutschen Mittelstand eingegangen, und Kennzahlen, die für ein mittelständisches Unternehmen in der Bundesrepublik
4 Schuermann (2007)
5 Doll (2007)
6 Augstein (2008)
7 Kessler-Thönes (2008)
8 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung (2008, S. 6)
2
1 Einleitung
Deutschland im tagtäglichen operativen Geschäft von Bedeutung sind, werden analysiert.
Auch zeigt die Arbeit, wie Mittelständler über verschiedene alternative Finanzierungs-formen für ihr Unternehmen informiert sind und was sie von diesen halten. Von großer Bedeutung ist für diese Arbeit zudem die Frage, für welche Anlässe die Unternehmen in der Vergangenheit und in der Zukunft Kapital gebraucht haben und brauchen werden sowie die Einstellung bezüglich der Notwendigkeit einer Umstellung der Finanzierung im Unternehmen in Zeiten der Krise.
Im Anschluss daan erörtert die Arbeit, ob die vorhandenen Finanzierungsstrukturen länger bestehen können, da die Vergangenheit gezeigt hat, dass eine veränderte Kreditvergabepolitik der Banken besonders mittelständische Unternehmen trifft. Im Rahmen dieser Entwicklung sind mittelständische Unternehmen insbesondere in Krisenzeiten gezwungen, ihren Finanzierungsbedarf mit anderen Finanzierungsformen als den bisher vorherrschenden zu stillen 9 , um möglichen Risiken zu entgehen. Als Optionen entwickelten sich in den letzten Jahren einige Finanzierungsformen heraus, die sich als geeignete Finanzierungsalternativen zum klassischen Bankkredit erwiesen. Einige dieser Finanzierungsformen werden im Rahmen dieser Arbeit vorgestellt.
Der letzte Teil dieser Ausführungen stellt Handlungsempfehlungen für mittelständische Unternehmen vor, damit diese ihren Kapitalbedarf decken können und ihre Finanzlage sowie die Ertragslage während der aktuell herrschenden Kapitalmarktkrise stärken können.
1.2 Arbeitsansatz
Die vorliegende Arbeit unterteilt sich in sieben Kapitel, von denen die ersten vier Kapitel die theoretischen Grundlagen darstellen. Die anderen drei Kapitel widmen sich der eigentlichen Auswertung und Befunddarstellung. Im Fokus der Bearbeitung der Thematik und Zielsetzung dieser Arbeit befindet sich, wie in Abschnitt 1.1 angedeutet, die empirische Erhebung bei deutschen mittelständischen Unternehmen. Kapitel 2 - nach der in Kapitel 1 erfolgenden Einleitung von Thematik, Zielsetzung und Arbeitsansatz - erläutert die Vorgehensweise bei der empirischen Umfrage, gibt Aufschluss darüber, welche Mittelständler in der Stichprobe befragt wurden und wie der
9 vgl. Helmel; Breitkreuz; Harwarth und Philipp (2006)
3
1 Einleitung
Fragebogen aufgebaut ist. Mitunter gibt es verschiedene Auffassungen darüber, welche Unternehmen dem deutschen Mittelstand angehören. Aus diesem Grund werden der Begriff Mittelstand und der Begriff des produzierenden Gewerbes, das den Fokus in der Untersuchung bildet, in Kapitel 3 definiert und das Problem der Unternehmensfinanzierung dargestellt. Einen Exkurs zum Thema Basel II leistet dieses Kapitel ebenfalls. Auf dieser Definition aufbauend beschreibt Kapitel 4 die internationale Finanzkrise. Hierzu analysiert die Arbeit den Auslöser der Finanzkrise, stellt den Verlauf der Subprime- Krise zur aktuellen Kapitalmarktkrise dar und beschreibt die Krise in Deutschland. Anschließend befassen sich diese Ausführungen mit der Auswertung der empirischen Erhebung. Es sollen die Eigenschaften der befragten Unternehmen dargestellt und die Finanzlage sowie sämtliche Kennzahlen analysiert werden. Nach der umfassenden Auswertung und Analyse im Hauptteil werden dann für die ent-standenen Risiken Handlungsbedarf und Optionen hinsichtlich einer Verbesserung der Kennzahlen und Finanzierung für die analysierten Unternehmen herausgearbeitet. Aufbauend auf den Kapiteln 1-6 werden am Ende von Kapitel sechs entsprechende Handlungsempfehlungen getroffen.
Im Rahmen eines Fazits und eines Ausblicks werden die Ergebnisse der Arbeit abschließend zusammengefasst, und es soll ein Blick auf die mögliche weitere Entwicklung der dargestellten Thematik geworfen werden.
4
2 Empirische Erhebung bei Mittelständlern
2 Empirische Erhebung bei Mittelständlern
2.1 Die Befragung als Erhebungsinstrument
Die Wahl des Erhebungsinstrumentes ist bei einer empirischen Umfrage wesentlich von den Forschungszielen abhängig. Die Bewertung der verfügbaren Erhebungsinstrumente kann zunächst anhand von Kriterien vorgenommen werden, die sich auf die Qualität der Daten beziehen. 10 Als solche sind „die Objektivität bei der Durchführung, Auswertung und Interpretation der Erhebung, die Zuverlässigkeit der Erhebung und die Gültigkeit der Messungen zu nennen“: 11 Neben diesen Kriterien können auch die Zeitdauer und die Kosten der Durchführung bzw. die Praktikabilität des Einsatzes, die Repräsentanz, die Flexibilität des Erhebungsinstrumentes sowie die Zugriffssicherheit zum In-formationsspeicher zur Beurteilung einer Erhebungsmethode bewertet werden. 12 Folglich sind die als Erhebungsinstrumente in Betracht zu ziehenden Verfahren das Experiment, die Beobachtung und die Inhalts- bzw. Dokumentenanalyse. Das Experiment und die Beobachtung als Erhebungsinstrument sind für diese Studie von vornherein ausgeschlossen, da mit diesen beiden Methoden die in Abschnitt 1.1 genannten Ziele dieser Ausführungen nicht zu erfüllen wären. Die Anforderung an die Untersuchung, reale Unternehmensdaten zu gewinnen, setzen voraus, dass „von der Durchführung der Untersuchung in einer kontrollierten Forschungsumgebung abgesehen wird“. 13
Mit der Inhalts- bzw. Dokumentenanalyse steht eine weitere Datenerhebungstechnik zur Wahl, die vielfach für ähnliche Fragestellungen gewählt wird. 14 Auch diese Methode kommt für die Erhebung bei mittelständischen Unternehmen nicht infrage, da sie das vorher erwähnte Kriterium der Zugriffssicherheit nicht erfüllt. Für die Erhebungsmethode der Befragung als primäre Quelle für diese Arbeit spricht vor allem die Möglichkeit, dass alle für die Studie interessanten Daten beschafft werden können. Allerdings müssen möglicherweise einzelne Abstriche bei der Datenqualität gemacht werden aufgrund der Tatsache, dass eine Befragung eine Verzerrung durch das Bewusstsein des Befragten in Kauf nimmt.
10 Vgl. Geiseler (1999, S. 117)
11 Heidenreich (1993, S. 354-357)
12 Vgl. Böhler (2004, S. 87-89)
13 Bortz; Döring und Bortz-Döring (2006, S. 61-64)
14 Vgl. Geiseler (1999, S. 118)
5
2 Empirische Erhebung bei Mittelständlern
„Bei einer Befragung kann die Datenerhebung sowohl in schriftlicher als auch in mündlicher Form durchgeführt werden“. 15 Eine mündliche Befragung beugt zwar Verständnisproblemen der Befragten vor, und es kann eine hohe Zuverlässigkeit der Befragungsergebnisse gewährleistet werden, jedoch ist diese sehr zeitintensiv. Die mündliche Erhebung für die vorliegende Studie ist unter Berücksichtigung des kurzen Bearbeitungszeitraumes von drei Monaten nicht durchführbar.
Folglich basiert die Umfrage auf einer schriftlichen Erhebung. Die Vorteile der schriftlichen Befragung liegen vor allem in der „Wirtschaftlichkeit der Durchführung der Erhebung und in der anonymen Erscheinungsform, die dem Antwortgebenden ein hohes Maß an Freiheit zur Beantwortung des Fragebogens einräumt“. 16 Allerdings kann es bei der schriftlichen Erhebung gleichzeitig vorkommen, dass die Datendichte „dünner“ ist als bei einer mündlichen Befragung, da teilnehmende Personen Fragen, die sie nicht direkt verstehen oder bei denen eine gewisse Hemmschwelle besteht, auslassen können. Auch wenn bei einer schriftlichen Erhebung mit einer geringen Rücklaufquote gerechnet werden muss, ist diese Erhebungsmethode Grundlage für diese Untersuchungen bei mittelständischen Unternehmen.
2.2 Die Online-Umfrage
Um der kurzen Bearbeitungszeit für diese Arbeit nachzukommen, wurde die schriftliche Erhebung in Form einer Online-Umfrage mit dem Online-Tool „Survey Monkey“ durchgeführt. 17
„Eine Online-Umfrage ist eine internetbasierte Befragungs-Methode in der empirischen Sozial-, Markt- und Meinungsforschung. Im Gegensatz zu einem gedruckten Fragebogen wird ein Online-Fragebogen im Internet-Browser ausgefüllt“. 18 Gerade „Survey Monkey“ eignet sich hervorragend für eine Online-Erhebung, da der Fragebogen online individuell erstellt und angepasst werden kann. Nach Erstellung wird der Bogen auf einem Web-Server hinterlegt, entweder als statisches HTML oder innerhalb einer Befragungssoftware, die auf dem Server läuft.
Um den Fragebogen auszufüllen, generiert das Online-Tool einen Link, der beliebig in eine E-Mail eingefügt werden kann. Darüber hinaus verfügt „Survey Monkey“ über eine
15 Lienert; Raatz und Lienert-Raatz (1998, S. 88-93)
16 Atteslander und Kneubühler (1997, S. 44)
17 Vgl. Survey Monkey (2009)
18 Dillman (2000, S. 45)
6
2 Empirische Erhebung bei Mittelständlern
Reihe weiterer Verwaltungsfunktionen wie das Online-Reporting. Diese Funktion erzeugt und verwaltet Projektstatistiken. Dem Projektleiter oder dem Auftraggeber können diese über das Internet zur Verfügung gestellt werden. „In der Regel lassen sich jederzeit anschauliche Zwischenreports mit den wichtigsten Ergebnissen erzeugen“. 19 Wesentliche Vorteile einer Online-Umfrage sind, dass sie sich wesentlich schneller realisieren lassen und deutlich schneller durchführbar sind als eine „face-to-face“- Befragung. Gerade bei größeren Stichproben, wie es in dieser Umfrage der Fall ist, sind die Ergebnisse von Online-Umfragen schneller verfügbar.
Ebenso sind Online-Umfragen sehr kostengünstig, weil das Ausdrucken der Fragebögen auf Papier entfällt. Auch können mögliche Fehler bei der Online-Erfassung auf dem Server von Beginn an ausgeschlossen werden.
Da der Fragebogen, wie später in Abschnitt 2.5 dargestellt wird, sensible Daten wie die Eigenkapitalquote abfragt, ist Anonymität unumgänglich. Diese ist bei „Survey Monkey“ gewährleistet, und zudem kann der Befragte selbst entscheiden, wann er die Zeit für das Interview erübrigen kann.
2.3 Grundgesamtheit und Stichprobe
„Die Grundgesamtheit bezeichnet in der empirischen Forschung die Menge aller potentiellen Untersuchungsobjekte für eine bestimmte Fragestellung“. 20 In dieser empirischen Studie soll das gesamte produzierende, mittelständische Gewerbe in Deutsch-land die Grundgesamtheit sein (siehe hierzu Abschnitt 3.3). Aus der festgelegten Grundgesamtheit wurde eine Stichprobe von insgesamt 1103 mittelständischen Unternehmen gewonnen. Es ist aber eine wirklich zufallsgesteuerte Stichprobenauswahl im „World Wide Web“ schwer.
„Da kein Verzeichnis aller E-Mail-Adressen existiert und ein Unternehmen mehrere E-Mail-Adressen besitzen kann, ist eine komplett zufallsgesteuerte Auswahl von produzierenden Mittelständlern unmöglich“. 21
Für eine Annäherung einer Zufallsstichprobe bei Internet- basierten Untersuchungen wird auf eine aktive Auswahl der Probanden zurückgegriffen. Das heißt, es wird versucht, Personen durch ein möglichst aussagekräftig formuliertes Anschreiben in einer
19 Thielsch (2008)
20 Schnell, Hill und Esser (2008)
21 Thielsch (2008)
7
2 Empirische Erhebung bei Mittelständlern
E-Mail zu einer Teilnahme zu bewegen. Dies ist auch bei der hier durchgeführten Untersuchung der Fall.
Um alle E-Mail-Adressen zu verwalten, wurde ein speziell für die Umfrage konzipierter E-Mail-Verteiler zusammengestellt. Hierzu diente das Online-Verzeichnis „Wer-Liefert-Was?“. 22 Auf dieser Internetseite können Hersteller aus verschiedenen Industriezweigen des produzierenden Gewerbes gefiltert werden. Anschließend ist es möglich, per „Copy-and-Paste“ E-Mail-Adressen für eine Weiterverwendung zu entnehmen.
2.4 Vorgehensweise
Mithilfe von „Survey Monkey“ wurde der entsprechende Fragebogen 23 entworfen. Nach Fertigstellung konnte ein Link automatisch erstellt werden, um ihn zum Beispiel in ein Anschreiben an die Probanden einzufügen. Lediglich diesen Link muss die angeschriebene Person im Unternehmen anklicken, um direkt zur Umfrage zu gelangen. Hierauf aufbauend wurde das aussagekräftige Anschreiben an die Unternehmen formuliert (s. Anhang 2), und der Umfragelink wurde in die E-Mail eingefügt. Wie oben beschrieben, half dann der kostenlose Online-Anbieter „Wer-Liefert-Was?“, 1103 E-Mail-Adressen von verschiedenen Mittelständlern im produzierenden Gewerbe unabhängig von Rechtsform, Umsatz, Hauptsitz oder Mitarbeiterzahl zusammenzustellen. An diesen Pool an Adressen wurde anschließend via E-Mail die Umfrage inklusive Link verschickt. Wie dem Anschreiben zu entnehmen ist, war der Teilnahmeschluss am 15.02.2009. Insgesamt hatten alle Unternehmen ca. drei Wochen Zeit, um an der Umfrage teilzunehmen.
Während dieser drei Wochen wurden zusätzlich zwei Erinnerungen zur Teilnahme verschickt, um so eventuell eine höhere Rücklaufquote zu erreichen.
2.5 Aufbau des Fragebogens
Der mit „Survey Monkey“ erstellte Fragebogen (vgl. Anhang 1) umfasst drei verschiedene Teile mit insgesamt 17 Fragen. Der erste Teil, Fragen eins bis vier, widmen sich der Anzahl der Beschäftigten, dem Bundesland, in dem sich der Hauptsitz des Unternehmens befindet, der Rechtsform und der Umsatzgröße der Unternehmung. Bei allen Fragen sind hier Antwortmöglichkeiten vorgegeben, in der sich der Befragte als Repräsentant des mittelständischen Unternehmens einordnen muss. Diese allgemeinen An-
22 Vgl.Wer-Liefert-Was? (2009)
23 Siehe Anhang 1
8
2 Empirische Erhebung bei Mittelständlern
gaben sollen später bei der Auswertung dazu dienen, verschiedene Rückschlüsse auf Unternehmensgröße, Rechtsform und gegebenenfalls den Hauptsitz geben. Teil zwei des Fragebogens stellt acht Fragen zur Finanzierung der Unternehmung. Frage fünf erfragt, über welche der angegebenen Finanzierungsform der Befragte auf einer Skala von sehr gut informiert bis gar nicht informiert ist. Die nächste Frage zielt auf die Finanzierungsformen ab, die im Unternehmen hauptsächlich/teilweise/nie verwendet werden.
Bevor in Frage acht die Eigenkapitalquote des Unternehmens in Erfahrung gebracht werden soll, dient Frage sieben als Kontrollfrage und erfragt die generelle Einstellung des Probanden gegenüber alternativen Finanzierungsformen. Die Fragen neun und zehn betrachten verschiedene Management- Kennzahlen wie Liquidität oder Working Capital. Die beiden letzten Fragen in Teil zwei des Fragebogens sollen darüber Aufschluss geben, für welche Anlässe neues Kapital in der Vergangenheit und in der Zukunft benötigt wurde/wird und wer der erste Ansprechpartner bei neuem Kapitalbedarf ist.
Teil drei des Fragebogens stellt Fragen zur aktuellen Kapitalmarktkrise. Bevor der Pro-band einschätzen soll, wie die derzeitige Geschäftslage des Unternehmens ist, soll er schätzen, ob es schwieriger oder einfacher geworden ist, an neue Finanzmittel zu kommen. Zudem soll der Befragte antworten, ob und wie er in Hinblick auf die Auswirkungen der aktuellen Kapitalmarktkrise die Finanzierung des Unternehmens umgestellt hat.
9
3 Mittelstand
3 Mittelstand
Die mittelständische Wirtschaft wird nicht selten als „Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft“ 24 bezeichnet und ist in Deutschland nicht nur in der Wirtschaftswelt, sondern auch im alltäglichen Sprachgebrauch ein fester Bestandteil. Viele Menschen wissen jedoch nicht genau, welche Unternehmen zum Mittelstand gezählt werden oder was diese Firmen kennzeichnet. Deshalb soll dieses Kapitel eine genaue Definition zum Thema „Mittelstand in Deutschland“ erarbeiten. Gezeigt wird, was und wer der Mit-telstand ist, welche Eigenschaften er und welche Bedeutung er für die deutsche Wirtschaft hat. Des Weiteren stellt das Kapitel Probleme hinsichtlich der Finanzierung, die sich für die Firmen ergeben, heraus und zeigt, wie der Mittelstand speziell auf die Veränderungen von Basel II reagierte.
3.1 Definition Mittelstand
Definitionen für den Begriff Mittelstand „fallen so variantenreich aus, wie der Mit-telstand selbst gegliedert ist“. 25 Verschiedene Menschen und Gruppen meinen etwas anderes, wenn sie von mittelständischen Unternehmen sprechen. Je nach Umständen fällt eine Definition aus diesem Grund anders aus. Oft wird deshalb nach quantitativen und qualitativen Merkmalen unterschieden.
Um mittelständische Unternehmen nach den quantitativen Merkmalen zu definieren, wurde von der EU- Kommission eine Empfehlung zur Definition von kleinen und mittleren Unternehmen herausgegeben, in der zwischen großen, mittleren, kleinen und Kleinstunternehmen unterschieden wird. Betrachtet werden nach dieser Empfehlung die Kennzahlen Mitarbeiterzahl, Jahresumsatz und Jahresbilanzsumme. Demnach ist ein Unternehmen dem Mittelstand zuzuordnen, wenn es „weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigt und bis zu 50 Mio. € umsetzt oder als Alternative eine Bilanzsumme von bis zu 43 Mio. € aufweist“. 26
„Die in Deutschland am häufigsten gebrauchte Definition der kleineren und mittleren Unternehmen stammt vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn“ 27 und weicht nur geringfügig von der Definition der EU ab. Die Einteilung des Institutes in Bonn wird in
24 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2009)
25 Kirchmair (2001)
26 Europäische Kommission (2005, S. 14-16)
27 Schackmann-Fallis und Simmert (2007, S. 16)
10
3 Mittelstand
Deutschland bevorzugt benutzt, weil sie an verschiedene Besonderheiten deutscher Unternehmen angeglichen ist.
Nach dem Institut für Mittelstandsforschung in Bonn gibt es nur „kleine, mittlere und große Unternehmen und nur die Mitarbeiterzahl und der Jahresumsatz sind als Kennzahlen relevant“. 28 Demzufolge ist ein Unternehmen dem Mittelstand zuzuordnen, wenn es weniger als 500 Beschäftigte hat und einen Umsatz bis zu 50 Mio. € erzielt. 29
Tabelle 1 Definition Mittelstand nach IfM und EU 30
Die Begriffe Mittelstand und kleine und mittlere Unternehmen werden häufig synonym verwendet. Zwar sind in der Praxis viele kleine und mittlere Unternehmen auch mittelständische Unternehmen, gleichwohl sind beide Begriffe anhand von Größenkriterien wie Umsatz, Bilanzsumme oder Anzahl der Beschäftigten unterschiedlich definiert. Zusammenfassend für eine quantitative Definition ist festzuhalten, dass in Deutschland grundsätzlich bei Umsätzen bis etwa 50 Mio. Euro, einer Bilanzsumme von ebenfalls bis 50 Mio. Euro und Mitarbeiterzahlen bis 500 Personen von einem typisch mittelständischen Unternehmen gesprochen werden kann. 31
28 Helmel et al. (2006, S. 3)
29 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn (2003, S. 21)
30 In Anlehnung an Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2007)
31 Vgl. KfW Bankengruppe (2008)
11
3 Mittelstand
Anders als bei den quantitativen Merkmalen sind bei den qualitativen Merkmalen andere Faktoren für die Zuordnung zum Mittelstand entscheidend. Hier unterliegen die Unternehmen keinen Größengrenzen. Sie sind vielmehr durch die „Einheit von Eigentum und Leitung geprägt“. 32 Dies bedeutet, dass der Eigentümer oder ein Mitglied seiner Familie das Unternehmen leitet. Es wird daher auch von Familienunternehmen gesprochen. Da sowohl Management als auch Eigentümerentscheidungen in der gleichen Hand liegen, können diese Unternehmen sehr flexibel reagieren.
Tatsächlich ist eine exakte Zuordnung schwierig, da „Grenzfälle wie das Vorhandensein zusätzlicher angestellter Mitgeschäftsführer oder Fremdmanager möglich sind“. 33 Entscheidend ist, dass der Eigentümer die strategischen Entscheidungen in der Hand behält. Dies ist der Fall, wenn er oder seine Familie die Kontrolle über das Unternehmen haben.
Diese qualitative Definition kann auch Unternehmen nach der quantitativen Definition einschließen.
In der vorliegenden Arbeit können allerdings die analysierten und vorgestellten Risiken, Optionen und Handlungsbedarfe nicht für alle Unternehmen generell zweckmäßig oder problemlos angewendet werden. Als Kleinst- oder inzwischen auch oft als Mikro-Unternehmen bezeichnete Betriebe mit unter zehn Mitarbeitern und Umsätzen bis zu einer Million Euro erreichen eine Deckung ihres überschaubaren Finanzbedarfs nach wie vor in der Regel über persönliche Einlagen der Einzelunternehmer bzw. der Gesellschafter sowie über klassische Formen von Fremdkapital vonseiten der Hausbank.
Deshalb lässt sich die Gruppe der Unternehmen des Mittelstands, auf die in dieser Studie ein Hauptaugenmerk gerichtet ist, wie in der Folge dargestellt weiter eingrenzen.
In erster Linie sollen sich die Untersuchungen auf Mittelständler stützen, die jährliche Umsätze zwischen 5 Mio. und über 100 Mio. Euro erzielen sowie zwischen 20 und über 250 Mitarbeiter beschäftigen.
32 Kirchmair (2001, S. 170)
33 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2007, S. 6)
12
3 Mittelstand
3.2 Bedeutung für die deutsche Wirtschaft
Die zentrale Bedeutung des Mittelstandes für die deutsche Wirtschaft wird immer wieder betont. Obwohl sich der Großteil der öffentlichen Aufmerksamkeit in der Wirtschaft auf eine Handvoll international agierender Konzerne richtet, bildet nach wie vor die Vielzahl der kleinen und mittelgroßen Betriebe seit vielen Jahren das eigentliche Fundament der deutschen Wirtschaft. „Die deutsche Wirtschaft ist mittelständisch geprägt“. 34
Es ist anzumerken, dass nur ein geringer Prozentsatz der gesamten deutschen Wirtschaft zu den in der Öffentlichkeit und in den Medien hauptsächlich erscheinenden und häufig diskutierten Großunternehmen, die Tausende von Mitarbeitern beschäftigen und Umsätze in Milliardenhöhe erzielen, zählt.
Zu Unrecht verschwindet die für die Struktur der deutschen Wirtschaftslandschaft typisch hohe Anzahl kleinerer bis mittlerer Unternehmungen oft im Schatten der großen, dominierenden Marktteilnehmer, zu denen gerade einmal 0,3 Prozent aller national vertretenen Unternehmen zählen. Folglich fallen „mehr als 99 von 100 Unternehmen in Deutschland unter die Kategorie der kleinen bis mittelgroßen Betriebe“. 35 Diese setzt sich aus fast allen Bereichen der Wirtschaft zusammen und erweist sich daher als äußerst heterogen. 36
Die Bedeutung der kleinen und mittelgroßen Unternehmen für die Gesamtwirtschaft wird durch weitere Fakten verdeutlicht. Kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland machen 99,7 Prozent aller umsatzsteuerpflichtigen Betriebe aus, erzielen 41,2 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Umsatzvolumens, tätigen 46,4 Prozent aller Brutto-Investitionen, beschäftigen 70,2 Prozent aller Arbeitnehmer und stellen 81,9 Prozent aller Ausbildungsplätze zur Verfügung. 37
Deshalb sind mittelständische Unternehmen für die Stabilität der wirtschaftlichen Entwicklung, gerade auch in Zeiten der derzeitigen Finanzkrise, und für die Verfassung des Arbeitsmarktes von immenser Bedeutung. Als Konsequenz ist es für die gesamtwirtschaftliche Situation zwingend erforderlich, dass dieser Gruppe „als Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ gegenwärtig und in der Zukunft eine gute Basis zur Verfügung ge-
34 Schackmann-Fallis& Simmert (2007, S. 16)
35 Wichmann (2002)
36 Vgl. Rödl und Zinser (2000)
37 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2007)
13
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Tobias Maday, 2009, Auswirkungen der Kapitalmarktkrise auf Mittelständler in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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