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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Verhältnis von dramatischem Text und Inszenierung 5
2.1 Umgang mit dem dramatischen Text in der Inszenierung der Salzburger Festspiele 5
2.2 Umgang mit dem dramatischen Text in der Inszenierung der Schaubühne Berlin 6
2.3 Analyse und Vergleich der Umsetzungen der beiden Inszenierungen 7
3 Verhältnis von Bühnenraum und inszeniertem Raum 8
3.1 Beschreibung des Bühnenraums der Inszenierung der Salzburger Festspiele 8
3.2 Beschreibung des Bühnenraums der Inszenierung der Schaubühne Berlin 8
3.3 Analyse und Vergleich der inszenierten Räume der beiden Inszenierungen 9
4 Verhältnis von Darsteller und Rolle 10
4.1 Analyse des Verhältnisses in der Inszenierung der Salzburger Festspiele 10
4.2 Analyse des Verhältnisses in der Inszenierung der Schaubühne Berlin 11
4.3 Deutung und Vergleich des Verhältnisses in beiden Inszenierungen 13
5 Schlussfolgerungen 15
Bibliografie 16
1 Einleitung
Shakespeares Ein Sommernachtsraum [A Midsummer Night’s Dream] ist seit über 150 Jahren ein häufig auf deutschen Bühnen inszeniertes Stück. Es handelt vor allem von verworrenen Liebesbeziehungen zwischen vier jungen Menschen, aber auch von der konflikthaften Liebesbeziehung zwischen Oberon und Titania, der Hochzeit Theseus’ und Hippolytas sowie fünf Handwerkern, die zu diesem Anlass ein Theaterstück vorbereiten. Hermia soll Demetrius heiraten, flieht aber mit ihrem Geliebten Lysander in den Wald. Demetrius verfolgt die beiden und Helena, die wiederum in Demetrius verliebt ist, folgt ihm. Oberon, der Elfenkönig, der im Wald haust, wurde von seiner Frau, Titania mit einem indischen Pagen betrogen und schickt seinen Diener Puck zum Holen von Blütenstaub, der einen Schlafenden verzaubert und bewirkt, dass dieser sich in die erste Person verliebt, die er nach dem Erwachen erblickt. Als er von den Konflikten zwischen den jungen Leuten hört, beschließt er, nicht nur Titania mit dem Blütenstaub zu bestäuben, sondern beauftragt Puck, auch Demetrius zu verzaubern. Doch Puck bestäubt fälschlicherweise Lysander, der sich nun in Helena verliebt. Der Waldgeist bemerkt seinen Fehler und bestäubt ebenfalls Demetrius, der sich auch noch in Helena verliebt. Während Hermia alleine zurückbleibt, beginnt ein Zweikampf um Helena zwischen den beiden jungen Männern. Zur gleichen Zeit proben die Handwerker ihr Stück. Puck verleiht einem von ihnen, Zettel, einen Eselskopf und sorgt dafür, dass sich Titania in das Ungetüm verliebt. Gegen Morgen schlafen alle ein und Oberon, zusammen mit Puck, hebt alle Zauber auf. Oberon und Titania versöhnen sich, Hermia und Lysander sowie Helena und Demetrius finden zueinander. Gemeinsam mit Theseus und Hippolyta feiern sie eine dreifache Hochzeit, anlässlich welcher die Handwerker ihr Stück aufführen.
Ein Sommernachtstraum wurde um 1595/96 in England veröffentlicht und uraufgeführt; die deutsche Premiere fand im Jahr 1843 am Königlichen Schauspielhaus in Berlin statt 1 . So lang seine Aufführungsgeschichte zurückführt, so vielfältig sind auch heute noch die Sommernachtstraum Inszenierungen in zeitgenössischen deutschen Theatern. Diese Arbeit setzt zwei Aufführungen der letzten Jahre in Vergleich zueinander, jeweils mit dem Schwerpunkt einer Beispielsszene, die zwar auf der Textebene demselben Moment (Akt II, Szene 2, Anfang bis Abgang Puck) entsprechen, in der Umsetzung jedoch ganz eigene Wege einschlagen. Die erste Inszenierung ist von Christian Weise aus dem Jahr 2007 bei den Salzburger Festspielen 2 ; die zweite Inszenierung ist von Thomas Ostermeier und Constanza
1 Siems, Marion (Hrsg.): Reclams neuer Schauspielführer. Stuttgart: Reclam 2005, S. 74.
2 DVD der Inszenierung: „Ein Sommernachtstraum“. Salzburger Festspiele, Landestheater, Salzburg 2007.
Regie: Christian Weise; 69 Min. 10 Sek. – 75 Min. 55 Sek.
4 Macras aus dem Jahr 2006 an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin 3 . Die beiden Szenen werden in Bezug auf die jeweils gesamte Inszenierung anhand von drei Verhältnissen miteinander verglichen: dramatischer Text und Inszenierung, Bühnenraum und inszenierter Raum sowie insbesondere Darsteller und Rolle, auf welchem Verhältnis der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt.
Die Inszenierung von Ein Sommernachtstraum, die auf den Salzburger Festspielen zur Aufführung kam, ist eine Umsetzung des Stücks, die unter großem Einfluss des dramatischen Textes steht. Die Bild- und Textebene dieser Inszenierung stehen jedoch in Kontrast zueinander, denn in der Ausschmückung des Textes hat die Moderne Einzug gefunden, Kostüme, Requisiten und Gestik der Darsteller sind zeitgenössisch. Das Bühnenbild ist schlicht gehalten, aber auch hier kommen in vielen Szenen eindeutig zeitgenössische Versatzstücke zum Einsatz. Neben den Schauspielern spielen in dieser Inszenierung auch Puppenspieler und Tänzer Hauptrollen.
Die Schaubühnen-Inszenierung von Ein Sommernachtstraum ist, wie bereits im Titel angemerkt wird, lediglich frei nach William Shakespeares Stück. Das gesamte Szenario erinnert vielmehr an eine Party unter Freunden in einem Privathaus, die Rollen wurden nicht eindeutig zugewiesen, Originaldialoge kommen nur gelegentlich und verfälscht vor und auch die dramatische Handlungsabfolge wird nicht eingehalten. Stattdessen kommen der physikalischen und musikalischen Ebene der Inszenierung besondere Relevanz zu, es gibt zahlreiche Choreografien von Constanza Macras sowie musikalische Einlagen und durchgehend eine Band mit einem Sänger (Alex Nowitz) auf der Bühne.
Als Materialgrundlage für diese Arbeit dienten vorrangig Aufführungen der beiden Inszenierungen, entweder in einer Vorstellung (Schaubühne, 31. Mai 2008) oder Aufnahme (Salzburger Festspiele und Schaubühne) gesehen. Im Weiteren wurde auch textliches Material von Jan Kott über „Titania und de[n] Eselskopf“ 4 und von Hans-Thies Lehmann zum „Postdramatische[n] Theater“ 5 , sowie der Originaltext von Shakespeare 6 und dessen deutsche Übersetzung von August Wilhelm Schlegel 7 verwendet.
3 DVD der Inszenierung: „Ein Sommernachtstraum. Frei nach William Shakespeare“. Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 2006. Regie: Thomas Ostermeier / Constanza Macras; 54 Min. 8 Sek. – 60 Min. 8 Sek. 4 Kott, Jan: „Titania und der Eselskopf“. In: Shakespeare heute. Erweiterte Ausgabe. Aus dem Polnischen von Peter Lachmann. München: R. Piper & Co. 1965, S. 103-128.
5 Lehmann, Hans-Thies: Postdramatisches Theater: Essay. Frankfurt am Main: Verlag der Autoren 1999. 6 Shakespeare, William: A Midsummer Night’s Dream. Herausgegeben von Bernhard Reitz. Stuttgart: Reclam 2004 [~1595/96], S. 38-41.
7 Shakespeare, William: Ein Sommernachtstraum. Übersetzt von August Wilhelm Schlegel. Herausgegeben von Dietrich Klose. Stuttgart: Reclam 2007 [1797], S. 22-25.
2 Verhältnis von dramatischem Text und Inszenierung
In der dramatischen Vorlage geschehen auf der Ebene des Textes vom Anfang bis zum Abgang Pucks drei aufeinander folgende und zusammenhängende Ereignisse. Die zweite Szene des zweiten Akts spielt im Wald und beginnt mit Titanias Aufforderung an die Elfen zu einem Schlaflied, worauf diese eines vorgetragen. Es folgt der Auftritt Oberons, der Titania während des Schlafes verzaubert und schließlich betreten Hermia und Lysander die Bühne, die sich zum Schlafen niederlegen, woraufhin Puck Lysander mit dem Zauber belegt.
2.1 Umgang mit dem dramatischen Text in der Inszenierung der Salzburger Festspiele
Die Inszenierung der Salzburger Festspiele bleibt auf textlicher Ebene, d.h. sowohl dem gesprochnen Text als auch dem Ablauf der Handlung insgesamt, in der Nähe der dramatischen Vorlage, denn jede Szene der Inszenierung lässt sich einem konkreten Moment des dramatischen Textes zuweisen. Dennoch geht die Inszenierung auf eine eigene Art mit dem Text um und übernimmt ihn nicht wort- und reihenfolgengetreu. In der untersuchten Szene sind hier zwar alle drei Ereignisse des dramatischen Textes enthalten, jedoch in anderer Reihenfolge und Umsetzung.
Die größte Abweichung von Shakespeares Vorlage weist die gesangliche Ebene des dramatischen Textes auf. Zwar wird ein Lied vorgetragen, allerdings kommt darin kein einziges Wort des Originaltextes vor, stattdessen besteht der Gesang ausschließlich aus der stetigen Wiederholung des gleichen unverständlichen Satzes. Das Szenarium erinnert mehr an ein orientalisches volkstümliches Ritual, als ein Lied von graziösen Elfen und tatsächlich ist der Sänger in diesem Lied der indische Page, die Elfen begleiten ihn lediglich tanzend im Hintergrund.
Der Dialog verbleibt inhaltlich bei der dramatischen Vorlage, übernimmt jedoch nicht den wortwörtlichen Text. Der Einführungsdialog Titanias fehlt vollständig, stattdessen gibt es nur kurze Aufforderungen, ein Lied zu singen und später, sie zu Bett zu bringen. Titania spricht stets direkt den Pagen an, die Elfen begleiten diesen lediglich bei seinen Aktionen. Der Auftritt von Lysander und Hermia und der Beginn ihrer Konversation finden bereits während des Liedes statt. Nachdem der Page und die Elfen ihr Lied beendet haben und Titania schläft, hat, gemäß der dramatischen Vorlage, Oberon seinen Auftritt, der Titania mit einem Zauber belegt. Es folgt entsprechend dem Drama das Gespräch zwischen Hermia und Lysander, in welchem sie äußert, nicht neben ihm liegen zu wollen und die beiden sich ihrem Willen entsprechend niederlegen. Zuletzt kommt auch hier der Auftritt Pucks, der Lysander mit Blütenstaub bestäubt. Der Dialog in dieser Szene ist eine Mischung aus Shakespeares Text
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Theresa Hartig, 2009, Analyse und Vergleich zweier Szenen aus zeitgenössischen Inszenierungen von William Shakespeares 'Ein Sommernachtstraum', Munich, GRIN Publishing GmbH
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