Inhalt
1. Vorwort. 3
2. Hitchcocks Zeit in Großbritannien. 5
3. Hitchcocks Zeit in Amerika
3.1. Hitchcock meets Hollywood (1940 - 1955) 7
3.2. Die Zusammenarbeit zwischen Herrmann
und Hitchcock (1955 - 1964) 12
3.3. Die letzten Filme (1965 - 1976) 16
4. Schlussbemerkungen 19
5. Literaturverzeichnis. 21
6. Filmografie: Alfred Hitchcocks Tonfilme 22
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1. Vorwort A
lfred Hitchcock - dieser Name steht für ein halbes Jahrhundert Filmgeschichte. Zahlreiche Studien haben sich mit dem Phänomen Hitchcock beschäftigt, und es scheint immer wieder neue Ansätze zu geben, sein Werk zu analysieren. Dabei stößt man auf komplexe Strukturen, die erlauben, immer weiter in die Materie vorzudringen und neue Erkenntnisse zu gewinnen, auch wenn es schon 25 Jahre her ist, seit der „Master of Suspense 1 “ seinen letzten Film gedreht hat.
Zahlreiche Schauspieler haben bei Hitchcock ihre Karriere gestartet oder sie gefestigt, und man erinnert sich an viele von ihnen meist im Zusammenhang mit einem Film des großen Meisters. Was allgemein zu Unrecht weitaus weniger Beachtung findet, ist die Filmmusik, die sein Oeuvre von den Anfängen in den Zwanziger Jahren bis zu den letzten Filmen in den Siebziger Jahren begleitet. Kein Wunder: Betrachtete man die Filmmusik doch lange als triviales Stiefkind des Mediums, dessen sich die Filmkomponisten selbst nicht selten schämten. Doch was wäre ein Hitchcock-Film ohne Musik? Sie kann den Zuschauer aufrütteln, mitfiebern und aufschreien lassen, beruhigen, die Handlung unterstreichen oder die Worte des Dialogs Lügen strafen, die Emotionen zum Leben erwecken - kurz: Sie kann das ersetzen bzw. forcieren, was mit Worten oder Bildern alleine nicht zu erzielen wäre. Lediglich ein einziges Mal verzichtete Hitchcock auf die Filmmusik, um in Die Vögel das Gekreische der Tiere wie eine Partitur wirken zu lassen. Würden wir uns genauso erschrecken, wenn Janet Leigh unter der Dusche erstochen wird, ohne dass Bernard Herrmanns Streicher wie Vogelschreie das Geschehen begleiten? Würden wir genauso vor Mutter Bates in der Kellerszene zusammenzucken? Könnten wir den Schwindelanfall Scotties in Vertigo - Aus dem Reich der Toten nachvollziehen, wenn nicht dissonante Bläser seine Höhenangst akustisch darstellten, zusammen mit dem atonalen Aufbau der Musik? Ohne Musik wäre der Höhepunkt vom Mann, der zuviel wußte hinfällig; schließlich soll ein Beckenschlag einen Schuss auf einen Minister auslösen, während wir mit Doris Day mitfiebern. Aber nicht nur die Suspense-
1 Unter„Suspense“ versteht man den Wissensvorsprung des Zuschauers gegenüber dem Protagonisten und die daraus resultierende Spannung. Eine korrekte Übersetzung ins Deutsche existiert nicht.
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Szenen gewinnen ihre Kraft auch durch die Musik; es sind ebenfalls die Liebesszenen, die ihren Reiz durch das Begleitorchester bekommen. Wenn James Stewart in Vertigo- Aus dem reich der Toten Kim Novak küsst, erinnert die Musik bewusst an Richard Wagners Tristan und Isolde, um den weiteren Verlauf der Handlung anzudeuten. Der Kuss zwischen Cary Grant und Eve Marie Saint im Unsichtbaren Dritten lässt das Herz des Zuschauers nach den anfänglichen Verfolgungsszenen langsamer schlagen, wohingegen ein Suspensekuss wie der zwischen Sean Connery und Tippi Hedren in Marnie eher aufregend wirkt.
Nicht wenige Filmmusikkomponisten haben in ihrer Karriere einen Hitchcock-Film vertont. Franz Waxman, Alfred Newman, Dimitri Tiomkin, Miklós Rósza, Maurice Jarre, John Williams und natürlich Bernard Herrmann, der sieben Filme musikalisch begleitete. Die meisten von ihnen waren aus Europa emigriert, und sie griffen auf die klassisch-romantische Musiktradition zurück, da sich die Neue Musik schon allein aus kommerziellen Gründen nicht einsetzen ließ. Hitchcocks fünfzigjährige Tätigkeit bietet eine sehr gute Übersicht über die Entwicklung der Filmmusik allgemein. Sein erster Tonfilm, Erpressung, gehorcht ganz anderen musikalischen Paradigmen als sein letzter Film Familiengrab. Wie konnte es dazu kommen? Diese Hausarbeit soll dieser Frage nachgehen, wobei man anmerken muss, dass hier nur ein kurzer Überblick gegeben werden kann, da eine detaillierte Darstellung der Paradigmenwechsel ganze Bücher füllen würde.
Natürlich kann man den Fortgang der Filmmusik nicht linear beschreiben, weil einzelne Komponisten ihren ganz individuellen Stil hatten: Franz Waxman beispielsweise setzte mit Vorliebe Leitmotive für die Charaktere ein, wohingegen Bernard Herrmann eher bloße Motivelemente verwendete. Im Gegensatz zu vielen anderen Regisseuren erkannte Alfred Hitchcock schnell, welch große Bedeutung die Musik im Gesamtzusammenhang eines Films hat. Er besaß zwar keine kompositorischen Fähigkeiten, aber dennoch konnte er zumindest im Bildton zeigen, dass er durchaus wusste, wie man die Handlung auch auf andere Weise unterstützen oder konterkarieren kann. Man nehme nur Marlene Dietrichs Lied in Die rote Lola oder die Rummelplatzmusik beim Mord in Der Fremde im Zug. Wenn sich Tippi Hedren in Die Vögel auf die Bank vor dem Spielplatz setzt, wirkt das im
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Hintergrund gesungene Kinderlied fast wie Hohn. Farley Granger spielt in Cocktail für eine Leiche ein Klavierstück von Poulenc so, dass es zum Dialog passt, auch wenn der Komponist des Films einige Veränderungen am Originalstück vornehmen musste. Schließlich trägt der Bildton in einigen Filmen auch zur Handlung selbst bei, wie z.B. das Lied in Eine Dame verschwindet, das eine geheime Botschaft beinhaltet. Zu der Szene in der Royal Albert Hall in Der Mann, der zuviel wußte entgegnete Hitchcock einmal gegenüber Francois Truffaut in dem berühmten Interview: „Ich möchte aber noch hinzufügen, damit die Szene ihre maximale Kraft bekäme, wäre es ideal, wenn alle Zuschauer die Partitur zu lesen verstünden. (...) Der Suspense wäre entschieden größer“ (Truffaut 1973, 227f) 2 . Aus Platzgründen werden keine Inhaltsangaben der Filme wiedergeben; sie können bei Fründt, Truffaut oder Rieger nachgeschlagen werden. Des weiteren gestaltet es sich als schwierig, zu jedem der genannten Filme und Musiken Beispielszenen anzugeben; dies würde den Rahmen dieser Hausarbeit bei weitem sprengen.
2. Hitchcocks Zeit in Großbritannien
In den Zwanziger Jahren entstanden die ersten Tonfilme des Regisseurs. Das Medium Film hatte ein neues Element dazu gewonnen: Den Ton, der für sich genommen schon eine hohe Herausforderung für alle Beteiligten darstellte, weil sich die Abläufe des Filmes nun komplizierter gestalteten. Verschiedene Schauspieler erwiesen sich plötzlich als nicht mehr geeignet für einen Film, da sie unpassende Stimmen hatten. Die Tonspur war generell in drei Sektionen aufgeteilt: Dialog, Geräusche und Musik. Da es in der Anfangszeit noch unmöglich war, nachzuvertonen, musste die Musik live eingespielt werden, weshalb es auch in Hitchcocks Erstlingen eher zum spärlichen Einsatz von Musik kam. Seine ersten Tonfilme zeichneten sich durch Experimente aus. In Erpressung (Blackmail, GB 1929) wird kein Komponist im Vorspann genannt. Die Musik wird auf den Vor- und Abspann reduziert; die einfachen Themen werden im Verlaufe des Films nicht zugeordnet und nicht differenziert. Während der Handlung füllte der Regisseur die Tonspur mit Bildton. Wo es anfangs noch aus technischen Mängeln nicht zum Einsatz von Musik innerhalb
2 Truffaut, Francois (1973): Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?. München
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Arbeit zitieren:
Michael Himpler, 2001, Paradigmenwechsel in der Konstruktion von Musik zu Filmen Alfred Hitchcocks, München, GRIN Verlag GmbH
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