Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Von der Postkutsche zum Reisebus 3
2.1 Die Postkutsche 3
2.1.1 Probleme, Gefahren und das Leid einer Postkutschen-Reise 5
2.1.2 Der Zeitvertreib während der Reise 6
2.2 Der Pferdeomnibus 8
2.2.1 Vom automobilen Omnibus zum modernen Reisebus 9
2.3 Das Unterwegssein mit dem Reisebus 10
2.3.1 Lust und Leid der Busreise. 10
2.3.2 Der Zeitvertreib. 11
3. Das Reisen mit der Eisenbahn. 12
3.1 Die ersten Reisen mit der Eisenbahn. 12
3.1.1 Schnell, billig und bequem. 12
3.1.2 Das Klassensystem. 13
3.1.3 Zugtoilette und Speisewagen 14
3.1.4 Das Zusammenspiel von Angst und Zeitvertreib 15
3.2 Die moderne Eisenbahn. 16
3.2.1 Die regionale Reise mit der Eisenbahn 17
3.2.2 Das Unterwegssein mit dem ICE 18
3.2.3 Nachteile der modernen Eisenbahn. 18
3.2.4 Die Überbrückung der Reisezeit 19
4. Das Unterwegssein mit dem Automobil. 20
4.1 Der Beginn der Autoreise 20
4.1.1 Die Auto-Reise des Otto Julius Bierbaum. 21
4.1.2 Lust und Leid der Reise 21
4.2 Die heutige Stellung des Autos. 22
4.2.1 Vor- und Nachteile des modernen Automobils 23
5. Vom Dampfschifffahrt zum Luxusliner 24
5.1 Die Dampfschifffahrt 24
5.1.1 Lust und Leid der Dampfschifffahrt. 25
5.2 „Schwimmende Städte“ - Kreuzfahrtschiffe und Luxusliner 27
5.2.1 Die Queen Mary II 28
6. Schlusswort. 28
7. Literaturverzeichnis. 30
2
1. Einleitung
Seit vielen tausend Jahren reisen die Menschen aus unterschiedlichen Anlässen und immer ist das Unterwegssein mit Lust und Leid verbunden, zwei Begriffe, die sich im Rahmen der kulturgeschichtlichen Entwicklung des Reisens in ständiger Veränderung befinden. Warum reisen die Menschen? Dafür gibt es viele Gründe, die sich jedoch seit dem Aufkommen der Reisetätigkeit kaum verändert, aber vermehrt haben.
Die frühen Motive des Unterwegsseins sind der Krieg, die Religion und der Handel. Soldaten und Herrscher legen hunderte Kilometer zurück, um den Feind zu erreichen, Pilger suchen weit entfernte Heiligtümer auf und Händler reisen über Land und Wasser, um ihre Waren feilzubieten. Im Laufe der Zeit kommen immer mehr Anlässe auf, sich auf eine Reise zu begeben: Studenten und Gesellenwanderung, die „Grand Tour“ der jungen Adeligen und bürgerliche Bildungsreisen. Im 19. Jahrhundert beginnt der Tourismus, ausgelöst durch die Industrialisierung und genau hier setzt die Arbeit an. Es soll geklärt werden, inwieweit sich technische Errungenschaften auf das Unterwegssein, das Befördern von Personen auswirken. Diese Veränderungen sind am besten zu beobachten, wenn man sich auf die Begriffe Reiselust und Reiseleid bezieht, denn wie im Folgenden zu lesen ist, sinkt das Leid und die Lust steigt durch die zunehmende Technisierung des Unterwegsseins. So wird zunächst die Postkutsche mit dem Reisebus verglichen. Daraufhin werden die ersten Reisen mit der Eisenbahn der heutigen Eisenbahn gegenübergestellt, ebenso verhält es sich mit der ersten Reise mit einem Auto und der Autoreise im 20./21. Jahrhundert. Den Schluss bildet der Vergleich von Dampfschifffahrt und Luxus-Kreuzfahrt. Eine umfassende Beschreibung der Kulturgeschichte des Reisens unter den Oberbegriffen Lust und Leid würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und so sind lediglich einzelne, aber durchaus aussagekräftige Beispiele gewählt worden. Die Vorgehensweise ist der Vergleich von Reisemitteln, die sich durch die Technik verändert haben und somit auch das Unterwegsein der Menschen beeinflusst haben.
2. Von der Postkutsche zum Reisebus
2.1 Die Postkutsche
Mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges beginnt der flächendeckende Ausbau des Postkutschennetzes. Schon im 15. Jahrhundert ist das Kurierwesen vereinzelt in Italien und im heutigen Deutschland zu finden und bietet der Bevölkerung eine Möglichkeit zu Reisen. Ein
3
solcher Kurier verkehrte beispielsweise 1479 zwischen Halle und Leipzig 1 . Die Thurn- und Taxis`sche Post spannt besonders im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts ein dichtes Verkehrsnetz über das heutige Deutschland. Die Postkutsche ist vor allem für die Angehörigen der unteren sozialen Schichten, also für die breite Masse der Bevölkerung, ein relativ erschwingliches Beförderungsmittel. Die Kutschen fahren nicht nur auf Hauptverkehrswegen zwischen bedeutenden Städten, sondern erreichen auch entlegenste Gebiete in der Peripherie. Die Routen und Fahrpläne gewährleisten das planmäßige Reisen. Dem Reisenden bleibt hierbei offen, welche Art von Postkutsche er benutzt, was eine nähere Betrachtung des Postsystems nötig macht 2 .
Im Laufe der Zeit entwickeln sich verschiedene Klassen der Postkutsche. Die einfache Post, auch Ordinäre Post oder Diligence genannt, stellt die am meisten verbreitete Form dar. Sie befördert Post und Personen zu günstigen Tarifen auf den Hauptverkehrswegen und in der Peripherie. Dabei muss beachtet werden, dass die Fahrt verhältnismäßig lange dauert. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Zum einen wird nur am Tag gereist, das heißt ein Grossteil der Reisedauer geht auf Kosten der Übernachtungen. Dazu kommen Pferdewechsel, Reparaturen, das Um- und Zusteigen der Passagiere. Wer es eilig hat, benutzt die Kurier- oder Eilpost. Der wichtigste Aspekt hierbei ist die Fahrt bei Nacht, man hält also nur an, um Kutscher und Pferde auszutauschen. Eine Fahrt mit der Eilpost ist dementsprechend teurer als die ordinäre Post. Für die zahlungskräftigen Passagiere steht die Extrapost als teuerste Variante zur Verfügung. Sie bietet die Möglichkeit, individuell zu reisen, man entscheidet selbst wo und wie lange angehalten wird und die Route ist nicht festgelegt, sondern frei wählbar. Also ist es eine Frage des Geldes, wie angenehm man Reisen will.
Im Bezug auf die Kosten stellt Krohn eine Rechnung auf, die hier gerundet wiedergegeben wird 3 . Anhaltspunkt ist die Strecke von München nach Nürnberg um 1820. Die normale Postkutsche bewältigt die Strecke in etwa 40 Stunden und kostet 9 Gulden. Rechnet man wie Krohn im Verhältnis 1:15 (DM) entspricht der Preis 135 DM, also knapp 67 €. Die Eilpost dagegen braucht nur 23 Stunden, bei einem Preis von 13 Gulden, bzw. 97 €. Die verhältnismäßig bequemere und flexiblere Extrapost benötigt in etwa die gleiche Zeit wie die normale Post, kostet aber 23 Gulden, was 172 € entspricht. Man sieht, dass die Reise mit der normalen Post nicht billig, aber erschwinglich ist. Krohn macht jedoch keine Angaben über eventuelle Vermögens- oder Einkommensverhältnisse zu dieser Zeit.
1 Bauer, Hans: Wenn einer eine Reise tat. Eine Kulturgeschichte des Reisens von Homer bis Baedeker. Leipzig
1971. S. 90.
2 Ebd.: S. 91; Köppen, Thomas: Postillion, Droschkenkutscher und Herrenfahrer. Die Kutsche und ihr Bedeu-
tungswandel in der Neuzeit. In: Kultur&Technik 4/1998. S. 34-41; Krohn, Heinrich: Welche Lust gewährt das
Reisen! Mit Kutsche, Schiff und Eisenbahn. München 1985. S. 43-58.
3 Krohn (wie Anm. 2), S. 56-58.
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2.1.1 Probleme, Gefahren und das Leid einer Postkutschen-Reise
„...und zuweilen schrie man vor Schmerz laut auf.“ 4
Eine Reise mit der Postkutsche verläuft nicht immer reibungslos: Etliche Probleme und Gefahren können auftreten 5 . Grundsätzlich sind die Kutschen alles andere als luxuriös, die Bänke sind hart und die Fahrgastzellen sind anfangs weder mit Riemen aufgehängt noch gefedert. Die Passagiere erfahren jedes Schlagloch und jeden Stein oder Ast über den die Kutsche rollt am eigenen Leib. Die Straßenverhältnisse sind im Allgemeinen sehr schlecht, es handelt sich um einfache Feldwege die bei Schnee und Regen aufweichen und somit ein ernstes Problem darstellen. Häufig bleibt die Kutsche stecken, auch Achsen- oder Räderbrüche stehen an der Tagesordnung. Schlimmstenfalls kippt die Kutsche um, was nicht selten mit Verletzten verbunden ist. Hier ist ein Zusammenhang von Gepäck und Gefahr erkennbar. Umso mehr Lasten auf dem Dach transportiert werden, desto höher sind die Gefahren: Die Achsen oder Räder brechen leichter und die Kutsche bleibt schneller stecken. Unfälle dieser Art gehen nicht selten auf das Konto betrunkener oder unerfahrener Postillione, deren Ruf nicht gerade der beste ist. Sie werden als „versoffen und untüchtig“ 6 bezeichnet und sollen „...das erbärmlichste Geschmeiß, das je über die Erde kroch“ sein 7 . Schlechtes Wetter bringt auch andere Probleme mit sich, das Innere der Kutsche wird lediglich durch lederne Vorhänge geschützt, nur die Kutschen des Adels, der wohlhabenden Bürger und teilweise die Extrapost sind mit versenkbaren Glasfenstern ausgestattet. Die Vorhänge und Fenster verhindern demnach die Zirkulation der Luft, es erscheint offensichtlich welch schlechte Luft im Inneren herrscht. Im Winter werden Kohlebecken unter die Sitzbänke geschoben, was die Qualität der Luft natürlich nicht verbessert. Die Passagiere sitzen eng aneinander gedrängt und haben kaum Bewegungsfreiheit. Die erzwungene körperliche Nähe mag im Winter hilfreich sein, um sich gegenseitig Wärme zu spenden, im Sommer dagegen heizt sich die Fahrgastzelle auf und der Geruch von Schweiß breitet sich aus. Die einfache Post hat aber auch Vorteile. Die Fahrt mit der Eilpost ist wie gesagt nahezu ununterbrochen, das heißt die Passagiere müssen in der Kutsche schlafen. Das Schlafen während der Fahrt ist bestimmt kein Vergnügen, wenn man die oben genannten Probleme der Straßen- und Luftverhältnisse bedenkt. Dagegen erscheint die Übernachtung in einem Gasthof oder einer Poststation als luxuriöse und erholende Abwechslung. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, den menschlichen Bedürfnissen nachzukommen, wenn in regelmäßigen
4 Zitiert nach Bauer (wie Anm. 1), S. 95.
5 Bauer (wie Anm. 1), S. 91-98; Krohn (wie Anm. 2), S. 46-52; Löschburg, Winfried: Von Reiselust und Reise-
leid. Frankfurt 1977. S. 126-138.
6 Aus einem Beschwerde-Schreiben der Leipziger Kaufmannschaft, zitiert nach Bauer (wie Anm. 1), S. 92.
7 Zitat von Charles des Brosses, Präsident des Obergerichtes von Dijon, zitiert nach Bauer (wie Anm. 1), S. 902;
Löschburg (wie Anm. 5), S. 137.
5
Abständen Halt gemacht wird. Die Quartiere in Gasthöfen sind einfach ausgestattet, die Betten sind oft schmutzig und das Essen ist schlecht. Ähnlich beläuft es sich bei den Poststationen, die eine Übernachtungsmöglichkeit bieten. Hier müssen die Fahrgäste meistens in großen Räumen mit andern Reisenden auf dem mit Stroh bedeckten Boden schlafen. Dazu kommt die Gefahr im Schlaf ausgeraubt zu werden. Auch während der Reise ist man dem Risiko ausgesetzt, überfallen zu werden. Vor allem im osteuropäischen Raum treiben Räu-berbanden ihr Unwesen und überfallen Reisende 8 . Daher empfehlen die Reiseratgeber jedem Reisenden, mindestens ein Messer und zwei Pistolen bei sich zu tragen. Es erscheint nicht verwunderlich, dass manch einer vor der Reise sein Testament macht oder den Gottesdienst besucht.
2.1.2 Der Zeitvertreib während der Reise
„...hatte die Leselampe im Wagen angezündet, und durchlief behaglich den neusten Roman der Lady Morgan, während wir im Galopp in der Ebene dahin rollten.“ 9 .
Nachdem gezeigt wurde welchen Umständen die Reisenden ausgesetzt waren, stellt sich nun die Frage, wie man die Zeit während der anstrengenden Fahrt nutzte. Wichtig hierbei ist die Entwicklung zum indirekten oder passiven Reisen. Den aktiven Teil der Reise übernehmen die Kutscher, die Passagiere werden lediglich befördert und sind an der Überwindung des Raumes nicht aktiv beteiligt. Das Zitat von Fürst Pückler-Muskau aus seinem Reisetagebuch schneidet hier gleich zwei wichtige Aspekte an: Das Lesen und das Schreiben 10 . Schon vor der vermehrten Reisetätigkeit existieren Reiseratgeber und Reiseberichte, durch die Postkutsche erfahren sie einen neuen Aufschwung. Letztere sind von Personen verfasst, die eine Reise antraten und ihre Erfahrungen für die Nachwelt hinterlassen wollen. Diese Berichte sind oftmals romantisiert, um das Abenteuer einer Reise zu verdeutlichen, wobei die Kernpunkte eine nicht zu verachtende Rolle spielen. Die Leser dieser Berichte können von den Informationen über Gasthöfe, Routen, Städte und ihre Sehenswürdigkeiten profitieren und die eigene Reise damit ergänzen oder komplett danach ausrichten. Die zum Teil in Prosa verfassten Berichte sind mit positiven und auch negativen persönlichen Eindrücken und Erlebnissen ausgeschmückt, so dass sie in erster Linie kein objektiver Ratgeber sind, sondern subjektiv-emotional von der Reise erzählen.
Die Reiseratgeber sind hingegen - wie der Name schon sagt - mehr oder weniger objektive Ratgeber zum Thema Reisen. Sie präsentieren Fakten wie beispielsweise Fahrpläne und Routen, Meilen-Tarife und Zölle oder die Qualität der Kutschen. Wird von der Ausstattung
8 Bauer (wie Anm. 5).
9 Zitat von Fürst Pückler-Muskau, zitiert nach Krohn (wie Anm. 2), S. 55.
10 Bauer (wie Anm. 1), S. 84-89; Krohn (wie Anm. 2), S. 314-340.
6
und Qualität von Gasthöfen gesprochen bleibt es natürlich im Ermessen des Lesers, welche Ansprüche er selbst hat. Ebenso wird auf den hygienischen Zustand und den medizinischen Standard von Gasthöfen, Städten und Ländern hingewiesen und etliche Arzneien zur Mitnahme empfohlen. Die Ratgeber sprechen zudem die politische Lage und die Konfession des fremden Landes oder der unbekannten Stadt an, damit sich der Reisende darauf vorbereiten kann. Speziell für das Reisen in andere Länder erhält der Leser Informationen über Sprache, Kleidung und Sitten, also eine volkskundliche Betrachtung. Diese Ratgeber und Berichte werden nicht nur während der Reise gelesen, sondern auch verfasst. Sie ähneln den heutigen Reiseführern. Beispiele damaliger Reiseberichte und Ratgeber sind: Dr. J. Engelmanns „Taschenbuch für Reisende“ von 1821 11 oder Adolph von Schaden „Neuestes Post- und Reisehandbuch“ (1835) 12 . Des Weiteren wird die typische Reiseliteratur gelesen. Zu nennen wäre beispielsweise Jörg Wickrams „Rollwagenbüchlein“, welches Schwänke und Witze, moralische Geschichten, Verhaltensregeln, kurze Reiseerzählungen und politische Schriften enthält. 13
Neben dem Lesen spielt das Schreiben eine große Rolle. Wie schon erwähnt, werden die Grundlagen der Reiseberichte und Ratgeber festgehalten. Für Historiker und Volkskundler sind aber auch Gedichte, Briefe und Tagebücher von großer Bedeutung, die von den Umständen des Reisens berichten und Aufschluss über das Reiseverhalten geben. Hier können diverse Beispiele genannt werden. Wilhelm von Kügelgen, Maler und Schriftsteller des 19. Jahrhunderts berichtet: „Leib und Seele stießen dermaßen zusammen, daß sie Gefahr liefen, voneinander getrennt zu werden, und zuweilen schrie man vor Schmerz laut auf.“ 14 Christian Gellert, berühmter Fabeldichter des 18. Jahrhunderts kann der Postkutsche ebenso wenig abgewinnen. 15 Weitere Berühmtheiten wie Joseph Freiherr von Eichendorff, Heinrich Heine oder Johann Wolfgang von Goethe („Italienreisen“, 1786-1788, 1790) arbeiten ihre Reisen literarisch auf. Wolfgang Amadeus Mozart schreibt seinem Vater auf seiner Reise nach München 1780: „Dieser Wagen stößt einem doch die Seele aus dem Leib heraus.“ 16 Neben dem Lesen und Schreiben lässt die unvermeidbare Nähe der Reisenden Gespräche aufkommen, die niedrige Geschwindigkeit erlaubt es aber auch einfach nur die Landschaft zu betrachten. Wer den nächsten Aufenthalt nicht abwarten kann oder wenn die Zeit zum Essen einmal zu knapp war, isst während der Fahrt. So berichtet Therese Devrient: „[...]und
11 Krohn (wie Anm. 2), S. 39.
12 Ebd.: S. 47.
13 Bauer (wie Anm. 1), S. 84.
14 Zitiert nach Bauer (wie Anm. 1), S. 95.
15 Ebd., S. 96.
16 Zitiert nach Krohn (wie Anm. 2), S. 48.
7
ich würgte voll Verzweiflung Pfeffernüßchen, Ingwer, Schokoladen und eine Brotrinde hinunter[...]“ 17
Das Reisen mit der Postkutsche wurde nun vorgestellt und es ist klar geworden, wie mühsam die Beförderung des einfachen Volkes vonstatten ging. Die Langwierigkeit, Probleme und Gefahren prägen das heute eher romantische Bild dieser Reisen. Trotzdem kann auf diese Art die Masse der Bevölkerung von einem Ort zum anderen befördert werden und so ist der Grundstein des kollektiven Reisens gelegt worden. Doch was hat sich nun im Laufe der Entwicklung zum modernen Omnibus am Unterwegssein geändert? Im Folgenden soll diese Entwicklung mit ihren Veränderungen dargestellt werden.
2.2 Der Pferdeomnibus
In Süddeutschland tritt um 1840 eine neue Art von Kutsche auf: Der Stellwagen 18 . Es handelt sich um einen längeren Wagen mit längs angebrachten Holzbänken, die Platz für circa 16 Personen bieten. Der Stellwagen ist also in der Lage, etwa doppelt so viele Reisende aufzunehmen als die Postkutsche, jedoch leidet darunter der Komfort. Zwar gibt es ein Holzdach, das vor der Witterung schützt, aber weder Fenster noch Vorhänge. Die Wienerin Ida Pfeiffer, eine Frau von Welt, die schon eine Weltreise hinter sich hat, schreibt über eine Reise von Salzburg nach München 1856: „Zusammengepreßt gleich Negern in einem Sclavenschiffe [...]“ 19 .
Dem Konstruktionsprinzip des Stellwagens ähnelnd entsteht der Pferdeomnibus, eine noch größere Version für über zwanzig Personen. 20 Anfangs für Überlandfahrten eingesetzt, führt das Wachstum der Städte zum Einsatz der Pferdeomnibusse im innerstädtischen Verkehr. In Hamburg verkehren die ersten Omnibusse im Jahr 1839, Berlin zieht 1846 nach. 21 Vorreiter sind Nantes und Paris, dort tauchen schon in den 1820er Jahren Pferdeomnibusse auf. 22 Von dem neuen Verkehrsmittel berichtet wiederum Fürst Pückler Muskau aus Paris: „[...] Wagen, die zwanzig bis dreißig Personen halten, die Boulevards fortwährend von einem Ende bis zum anderen durchfahren, und jeden müden Fußgänger für bestimmte, sehr billige Preise darin aufnehmen.“ 23 . Drei Aspekte stechen aus dem Zitat hervor und zeigen, dass die Ansprüche an einen modernen Bus im innerstädtischen Verkehr oder an einer Straßenbahn schon damals erfüllt werden: Hohe Kapazität, konstante und planmäßige Routen sowie Er-
17 Ebd.
18 Ebd., S. 66.
19 Zitiert nach Krohn (wie Anm. 18).
20 Krohn (wie Anm. 2), S. 71-72.
21 Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (Hrsg.)/Girner, Günter: Busse+Bahnen: Mobilität für Menschen
und Güter; 1895-1995; 100 Jahre VDV. Köln 1995. S. 103.
22 Köppen (wie Anm. 2), S. 40-41.
23 Zitiert nach Krohn (wie Anm. 2), S: 72.
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Arbeit zitieren:
M.A. Ulrich Wirths, 2006, Eine Kulturgeschichte des Reisens, München, GRIN Verlag GmbH
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