Gliederung
I. Einleitung 3
II. Das Zeitalter der Aufklärung. 3
III. Rousseaus Zivilisationskritik im Diskurs über den Ursprung und die Grundlagen der
Ungleichheit unter den Menschen. 4
IV. Das Erdbeben von Lissabon und seine Auswirkungen 12
V. Die Auseinandersetzung zwischen Voltaire und Rousseau. 13
1. Voltaires Gedicht über die Katastrophe von Lissabon. 13
2. Rousseaus Brief über die Vorsehung 16
VI. Schlussbetrachtung 18
VII. Literaturverzeichnis. 20
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I. Einleitung
Das 18. Jahrhundert war in Frankreich ein ereignisreiches Zeitalter. Es war das Jahrhundert der französischen Aufklärung, der absolutistischen Monarchie und der französischen Revolution im Jahre 1789. Darüber hinaus war es die Blütephase der Literatur und Philosophie, die neue Denkansätze hervorbrachten. In dieser Zeit lebte auch einer der zweifellos populärsten Autoren Jean-Jacques Rousseau, der sich durch seine Vielseitigkeit auszeichnete: Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge und Komponist.
In der vorliegenden Arbeit soll jedoch nur ein kleiner Teil seines Werkes untersucht werden. Es handelt sich um die Auseinandersetzung mit Rousseaus Kritik an der Zivilisation in seinen beiden Werken Diskurs über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen und Brief über die Vorsehung. Zuerst gibt es einen kurzen Einblick in die Epoche der Aufklärung, was als Hintergrundwissen für die weitere Arbeit dienen soll. Im zweiten Teil folgt Rousseaus Zivilisationskritik im Diskurs über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen, welcher als Grundlage seiner Zivilisationskritik angesehen werden kann. Hierbei wird näher auf den „homme civilisé“ als auch den „homme sauvage“ eingegangen. Bevor es sich anschließend um Rousseaus Brief über die Vorsehung handelt, ist es für das Verständnis wichtig kurz auf das Erdbeben von Lissabon einzugehen und auf Voltaires Gedicht über die Katastrophe von Lissabon. Schließlich folgt Rousseaus Zivilisationskritik im Brief über die Vorsehung, welche auf seinem Diskurs aufbaut. Ein letzter Punkt widmet sich dann einer Schlussbetrachtung.
II. Das Zeitalter der Aufklärung
Das Zeitalter der Aufklärung bezeichnet eine Epoche im 17. und 18. Jahrhundert im westlichen Europa. Der Philosoph Immanuel Kant lieferte in seiner Schrift Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? eine der bekanntesten Definitionen der Aufklärung. Mit seinem Leitsatz „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ umriss er den Grundgedanken dieser neuen aufkeimenden Denkrichtung. Der Mensch wurde aufgefordert mit Hilfe seines Verstandes und der Vernunft politische, religiöse sowie gesellschaftliche Autoritäten zu hinterfragen, um sich von
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der Abhängigkeit loszumachen und das Leben und Denken selbst bestimmen zu können. Somit gehörte blinder Gehorsam der Vergangenheit an, was die Macht der Obrigkeit ins Wanken brachte und gleichzeitig zu heftiger Kritik an der Kirche führte. 1 Es kam Interesse an der Wissenschaft und am Wissen an sich auf, welche helfen sollten, das Rätsel der Welt und die Geheimnisse der Schöpfung Gottes zu entschlüsseln. Die Wissenschaft wurde gleichgesetzt mit Fortschritt und Erhellung, womit der Mensch aus der Dunkelheit der Unwissenheit gebracht werden sollte, um ein unbeschwerteres, glücklicheres Leben führen zu können. Die französische Aufklärung ist 1660, mit der Amtszeit Ludwigs XIV., anzusetzen und endete mit der französischen Revolution um 1800, die zum Zusammensturz der Monarchie sowie zum völligen Bankrott des französischen Staates führte.
III. Rousseaus Zivilisationskritik im Diskurs über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen
Rousseaus Diskurs über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen entstand als Antwortschreiben auf die von der Akademie von Dijon gestellte Preisfrage, „Welches ist der Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen, und ob sie durch das natürliche Gesetzt autorisiert wird“. 2 Was die Publikation des Diskurs von Rousseau um einiges erschwerte war die zu seiner Zeit bestehende Zensur, die List, Verstellung und indirektes Aussprechen unumgänglich machten. So durften die Legitimität der bestehenden politischen Ordnung und der religiösen Dogmen sowie alles, was das Verhältnis von Philosophie und Gesellschaft anbelangte, nicht im Geringsten in Frage gestellt werden. Ansonsten drohten Beschränkungen und Gefahren wie die Verweigerung der Druckerlaubnis, Streichungen und Verstümmelungen des Textes, Verbot und Beschlagnahmung des Buches oder sogar polizeiliche Maßnahmen, die bis hin zur Gefängnisstrafe oder öffentlichen Verfolgung gehen konnten. 3
1 vgl. Marianne Tölle, Wie sie damals lebten im Frankreich der Aufklärung (Hamburg, 1999) 6.
2 Jean-Jacques Rousseau. Diskurs über die Ungleichheit (Paderborn: Ferdinand Schöningh, 2001) 64.
3 vgl. Heinrich Meier. „Rousseaus Diskurs über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen: Ein einführender Essay über die Rhetorik und die Intention des Werkes“. Diskurs über die Ungleichheit. Hg. Heinrich Meier. (Paderborn: Ferdinand Schöningh, 2001) XXVI/ XXVII.
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Der 2. Diskurs von Rousseau erhielt im Gegensatz zu seinem 1. Diskurs keinen Preis und wurde von vielen zeitgenössischen Anhängern der Aufklärung als provozierendes Pamphlet gegen die Aufklärung angesehen. Jedoch gerade der provozierende Ton dieser Abhandlung brachte ihren Erfolg sowie Berühmtheit und machte sie später zum Symbol für die Forderungen nach Freiheit und Gleichheit in der Französischen Revolution. Gewidmet ist dieser Diskurs der Stadt Genf und den Genfer Bürgern, denen sich Rousseau zugehörig fühlte. Denn der Genfer Stadtstaat, eine straff organisierte Gemeinschaft seit der Reformierung durch Calvin, war für ihn das beste Beispiel einer gelungenen Staatsform mit einer freien Gemeinschaft, basierend auf einer politischen und rechtlichen Gleichheit ihrer Mitglieder, und die weder zentralistisch noch ständisch gegliedert war.
Der zivilisierte Mensch („l’ homme civilisé“)
Rousseau kritisiert in seinem 2. Diskurs die Zivilisation und ist der Ansicht, dass die gesamte Gesellschaft seiner Zeit von einem tendenziellen Werteverfall betroffen ist 4 , womit sich seine Kritik an das Frankreich im 18. Jahrhundert mit Beinhaltung von Kultur und Gesellschaft wendet. Seine Zivilisationskritik ist radikal, da sie alles verurteilt, was ein innerweltlicher Sündenfall, die Vergesellschaftung des Menschen, nach sich zog 5 . Dieser Sündenfall wurde hervorgerufen durch die Herausbildung des Privateigentums und die Arbeitsteilung.
Die Zivilisation und Kultur sind für Rousseau von Grund auf negativ konnotiert, „da durch die Künstlichkeit dieser Entwicklungen der Mensch depraviere und sich selbst korrumpiere“ 6 . Diese Ansicht des Menschen als ein depraviertes Tier, war für viele Anhänger der Aufklärung ein großer Kritikpunkt, da sich die Darstellung des Menschen als ein depraviertes Tier nicht mit der Vorstellung der Aufklärung des Menschen als ein vernunftgeleitetes Lebewesen vereinbaren ließ. Besondere Kritik im Diskurs gilt auch dem Umgang der Menschen untereinander, welcher an jeglicher Liebenswürdigkeit und Güte mangelt, hingegen geprägt ist von Verfeindungen und rachsüchtigem Verhalten 7 . Schuld an allem Übel
4 vgl. Iring Fetcher. Rousseaus politische Philosophie: Z ur Geschichte des demokratischen Freiheitsbegriffs (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1975) 22.
5 vgl. Günther Mensching. Rousseau zur Einführung (Hamburg: Junius, 2000) 25.
6 Andreas Heyer. Die französische Aufklärung um 1750. Die Diskurse der französischen Aufklärung in der Mitte des 18. Jahrhunderts zwischen Tradition und Innovation (Berlin: Uni- Edition, 2005) 106.
7 vgl. Fetcher, Rousseaus politische Philosophie, 19.
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haben nach Rousseau die Vergesellschaftung und die Kultur, die bewirkten, dass der Mensch zu einem lasterhaften Wesen wurde; er ist „geizig, ehrsüchtig und böse“ 8 . Der zivilisierte Mensch wird beherrscht von Egoismus, Selbstsucht und Einzelinteresse, ist sich also selbst der Nächste und nimmt keine Rücksicht mehr auf den Anderen. Zudem veranlasst die Eigenliebe („amour propre“) den Menschen dazu, sich selbst höher zu schätzen als seinen Mitmenschen und somit auch nur an sein eigenes Wohl zu denken 9 . Die Eigenliebe entsteht aus der Vernunft, die erst mit der Vergesellschaftung des Menschen aufkommt und ausgebildet wird. Gleichzeitig wird die Eigenliebe verstärkt durch die Reflexion, die den Menschen sich immerzu mit seinem Gegenüber vergleichen lässt 10 . Hieraus resultieren Rivalität und ein ständiger Konkurrenzkampf: Ein Jeder strebt nach Anerkennung, die ihm durch mehr Eigentum und Besitz oder auch durch besondere Eigenschaften wie Schönheit oder Gewandtheit in Aussicht stehen; das Gemeinwohl und Glück aller geraten dabei ganz außer Acht. Die Folge der Reflektiertheit des Menschen sind Erfolgssucht, Neid, Gleichgültigkeit und Verrat. Rousseau tadelt diesen Zustand der Reflexion bzw. des Denkens als „ein Zustand wider die Natur“ 11 ; ein reflektierender, nachsinnender Mensch ist für ihn ein depraviertes Tier.
Um Anerkennung zu bekommen und sich als jemand anderes auszugeben zu können erhalten Sein und Scheinen immer mehr an Bedeutung, die „aufsehenerheischenden Pomp“, „betrügerische List“ 12 und weitere Laster nach sich ziehen. Diese Verstellung des Menschen wird unablässig, bis hin zur Pflicht. Der Mensch wird nun „betrügerisch und hinterlistig gegen die einen, herrisch und hart gegen die anderen und es versetzt ihn in die Notwendigkeit, all jene, die er nötig hat, zu missbrauchen, wenn er sich bei ihnen nicht gefürchtet machen kann und er seinen Vorteil nicht darin findet, ihnen mit Nutzen zu dienen“ 13 . Es wird auch nicht davor zurückgeschreckt seinem Gegenüber zu schaden, wenn es dem eigenen Vorteil dient und man selbst in einem besseren Licht stehen kann. Dies kann entweder durch Gewalt erfolgen oder aber durch Gewandtheit und List. 14
8 Rousseau, Diskurs, 211.
9 vgl. ebd., 369.
10 vgl. ebd., 177.
11 ebd., 89.
12 ebd., 207.
13 ebd., 209.
14 vgl. Rousseau, Diskurs, 179.
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Arbeit zitieren:
silke strack, 2008, Rousseaus Zivilisationskritik, München, GRIN Verlag GmbH
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