Inhaltsverzeichnis
1. Die Neorealismus- Neoinstitutionalismus- Debatte: Ein traditioneller Konflikt über
Chancen dauerhafter Kooperation im internationalen System. 3
2. Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Neorealismus und Neoinstitutionalismus:
Gemeinsame Annahmen aber unterschiedliche Kooperationsneigung 4
2.1 Der Neorealismus: Anarchisches Ordnungsprinzip, funktionale Homogenität und
Machtverteilung verhindern die Regime- Bildung. 6
2.2 Der Neoinstitutionalismus: Kosten- Nutzen- Relation, Interdependenzen,
Erwartungsstabilit ät und die Regime- Bildung 8
3. Die internationale Nichtverbreitungspolitik: Weg von der neorealistischen
Selbsthilfestrategie hin zur wirksamen Regime- Bildung. 10
4. Regime statt Selbsthilfe als Antwort auf Konfliktsituationen: Vorteile der kooperativen
Sicherheitspolitik lösen die Selbsthilfe im internationalen System langsam ab 14
Literaturverzeichnis : 16
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1. Die Neorealismus- Neoinstitutionalismus- Debatte: Ein traditioneller Konflikt über
Chancen dauerhafter Kooperation im internationalen System
Die sogenannte Neo- Neo- Debatte geht auf die 1970er Jahre zurück. Nach dem langsamen aber zunehmenden Machtverfall der USA nahmen die Neorealisten an, dass deshalb die internationale Kooperation zusammenbrechen würde. Wie sich aber herausstellte, wurden die internationalen Institutionen im Laufe der Zeit immer stärker und vermehrten sich, anstatt zu zerfallen 1 . Aufgrund des Erhalts und der Vermehrung von Institutionen scheint ihnen eine wichtige Bedeutung zuzukommen: „Institutions matter“ 2 war die Devise der Institutionalisten, die die Bedeutung von Institutionen und Regimen, die eine Art von Institutionen darstellen, untersuchten 3 .
Die Regimetheorie entwickelte sich also in Abgrenzung der bis dahin vorherrschenden Theorie des Neorealismus und knüpfte an dessen mangelnde Erklärungskraft bezüglich der Kooperation an. Während der Neorealismus den Institutionen keine Bedeutung zumisst, sind diese für Neoinstitutionalisten Mittelpunkt deren Interesse und Forschung. Obwohl sich beide Theorieschulen die gleichen Grundannahmen über das internationale System teilen, worauf in ich Kapitel 2 dieser Arbeit näher eingehen werden, sind sie sich über die „ Bedeutung und Konsequenzen eines solchen Zustandes des internationalen Systems hinsichtlich der Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit kooperativer Beziehungen zwischen Staaten“ 4 uneins. Die institutionalistische Schule steht diesen herrschenden Bedingungen positiv gegenüber, die neorealistische Schule betrachtet diese pessimistisch und legt sie negativ aus.
Im Folgenden soll nun untersucht und analysiert werden, wieso sich das Selbsthilfesystem des Neorealismus im internationalen System immer mehr zu einem System mit Kooperationsbedarf wandelt und „wie Kooperation zwischen Staaten, die Souveränität reklamieren und um Macht und Einfluss konkurrieren unter den Bedingungen internationaler Anarchie möglich ist“ 5 .
Zunächst werden Gemeinsamkeiten und Differenzen über die Annahme der Beschaffenheit des internationalen Systems der beiden Theorien dargelegt, worauf die Entwicklung der
1 Bernhard Zangl, Regimetheorie, in: Manuela Spindler, Siegfried Schieder (Hrsg.), Theorien der internationalen Beziehungen, Opladen: Leske&Budrich, 2003, S. 118.
2 Manuela Spindler, Die Konflikttheorie des Neoinstitutionalismus, in: Thorsten Bonacker (Hrsg.), Sozialwissenschaftliche Konflikttheorien, Eine Einführung, Opladen: Leske&Budrich, 2002, S. 143.
3 Vgl. zur Abgrenzung und Definition von Regimen: Harald Müller, Die Chance der Kooperation, Regime in den internationalen Beziehungen, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1993, S. 26ff.
4 Spindler, Die Konflikttheorie des Neoinstitutionalismus, S. 144.
5 Ursula Lehmkuhl, Regime-Analyse, in Arno Mohr (Hrsg.), Theorien internationaler Politik, 2. Auflage, München/Wien: Oldenburg Verlag, 1997, S. 255.
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Prämissen aufbaut, die in den Unterpunkten zu 2. anschließt. Denn es sind sich wesentlich unterscheidende Prämissen, die zur Regime- Verhinderung oder Entstehung in der jeweiligen Theorie führen.
Im dritten Teil der Arbeit soll anhand eines empirischen Exempels gezeigt und dargestellt werden, wie sich die Selbsthilfe unter den Fittichen des Nichtverbreitungsvertrages (NVV, NPT) zu einem kooperativen Regime entwickelt und gewandelt hat. Es ist Gegenstand der Untersuchung zu veranschaulichen, wie groß die Effizienz des Vertrages heute noch ist, welche Probleme sich aktuell aus ihm ergeben und wie die Chancen für einen Fortbestand stehen.
Letztendlich wird anhand der Vorteile der Regime in der Sicherheitspolitik demonstriert werden, weshalb die Staaten eine neorealistische Verhaltensweise vermehrt ablehnen, sich kontinuierlich dem Neoinstitutionalismus zuwenden und in wachsendem Maße unter der Obhut von Regimen kooperieren.
2. Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Neorealismus und Neoinstitutionalismus:
Gemeinsame Annahmen aber unterschiedliche Kooperationsneigung
Neorealismus und Neoinstitutionalismus teilen sich, trotz gravierender Unterschiede in ihren Prämissen und der daraus folgenden Regimeverhinderung bzw. Regimebildung, die gleichen Grundannahmen über das internationale System.
Beide Theorien bewegen sich auf der dritten Analyseebene, dem „third Image“, das die Staaten als Akteure betrachtet 6 .
Zunächst sollen die Gemeinsamkeiten der beiden Theorien, d.h. die Grundannahmen über das internationale System vorgestellt werden:
Es herrscht Konsens in Bezug auf drei verschiedene Annahmen. Dies ist erstens die Beschaffenheit der Staatenwelt, zweitens die vorherrschende Anarchie im internationalen System und drittens die Rationalität, mit der die Staaten ihre Handlungen vollziehen. „Hier wie dort erscheinen die Staaten als einheitliche, rationale Egoisten, die auf die Wahrung ihrer Sicherheit und die Mehrung ihres Nutzens aus sind. Hier wie dort steht das Staatensystem im Vordergrund der Analyse.“ 7 Neorealisten und Neoinstitutionalisten sind beide der Ansicht, „dass erstens Staaten die wichtigsten Akteure in der internationalen Politik sind, die zweitens
6 Zu den versch. Analyseebenen siehe: Kenneth Waltz, Man, the State, and War. A Theoretical Analysis, New York: 2001 (Originalveröffentlichung 1959), S. 16-22, 80-85, 159-165.
7 Gert Krell, Weltbilder und Weltordnung, Einführung in die Theorie der internationalen Beziehungen, Baden-Baden: Nomos, 2000, S. 139.
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im Rahmen anarchischer Strukturen agieren und drittens durch ihr Handeln ihre eigennützig definierten Interessen rational verfolgen.“ 8
(1) Die Staatenwelt: Die Staaten treten im internationalen System als einheitliche Akteure auf und stehen sich auch als solche gegenüber. Es ist egal, wie die Staaten innerpolitisch orientiert oder verfasst sind, ob sie Demokratien aufweisen, einer Diktatur unterliegen oder hierarchisch gegliedert sind. Staaten sind äußerlich nicht unterscheidbar und treten daher als gleiche Einheiten auf, sie sind deshalb sogenannte „like units“ 9 . Hartmann bezeichnet sie als „Rechtsgleiche mit höchst unterschiedlichen Ressourcen“, die nebeneinander agieren 10 .
(2) Die Anarchie: In der Politikwissenschaft ist man sich einig darüber, dass ein System auf zwei verschiedene Arten organisiert sein kann. Entweder hierarchisch oder anarchisch. Das internationale System ist von anarchischer Natur, d. h., es gibt keine übergeordnete Instanz, bzw. keine zentrale Autorität, welche den Akteuren Sicherheit bietet. Die Anarchie stellt eine unveränderbare Konstante dar, die als gegeben angenommen wird und auch so akzeptiert wird. Sie gibt keinen Grad an Ordnung oder Struktur vor, sondern lässt vielmehr einen Spielraum offen. Axelrod und Keohane schreiben dazu: „Anarchy, defined as a lack of common government, remains a constant; but the degree to which interactions are structured, and the means by which they are structured, vary.“ 11
(3) Die Rationalität: Staaten sind Egoisten. Ihre Handlungen sind immer so ausgerichtet, dass für sie stets der größtmögliche Gewinn dabei herauskommt. „Staaten verfolgen die Umsetzung ihrer zentralen Präferenzen rational, d.h. sie orientieren sich in ihren Entscheidungen an dem Kriterium der Zweck- Mittel- Rationalität.“ 12 Die gemeinsamen Grundannahmen sind nun abgeschlossen und jetzt soll geklärt werden, wieso trotz dieses Grundkonsens erhebliche Unterschiede betreffend der Kooperation zwischen den Theorien herrschen.
Im Neorealismus überwiegen, wie wir bereits wissen, die Kooperationshindernisse, die in der pessimistischen Einstellung gegenüber dem internationalen System zu begründen sind. Die Neoinstitutionalisten gehen allerdings davon aus, dass Staaten, die sich unter solchen
8 Zangl, Regimetheorie, S. 117.
9 Vgl. Niklas, Schörnig, Neorealismus, Manuela Spindler, Siegfried Schieder (Hrsg.), Theorien der internationalen Beziehungen, Opladen: Leske&Budrich, 2003, S. 67.
10 Jürgen, Hartmann, Internationale Beziehungen, Opladen: Leske&Budrich, 2001, S. 36.
11 Robert Axelrod, Robert Keohane, Achieving Cooperation under Anarchy: Strategies and Institutions, in: David Baldwin (Hrsg.), Neorealism and Neoliberalism: The Contemporary Debate, New York, Columbia University Press, 1993, S. 86.
12 Schörnig, Neorealismus, S. 67.
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Jonathan Creutz, 2005, Selbsthilfe oder kooperative Sicherheitspolitik: Möglichkeiten und Chancen von Kooperation im internationalen System, München, GRIN Verlag GmbH
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