Vorwort
Da ich meine Kindheit in einem ehemaligen Steinkohlerevier verbrachte, wurde bereits früh mein Interesse für Bergbaulandschaften geweckt. Halden und alte Schachtanlagen gehörten für mich zur gewohnten Umgebung. Im Rahmen meines Geographiestudiums an der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde mir in Lehrveranstaltungen die Möglichkeit gegeben, weitere Kenntnisse über den Bergbau und die daraus resultierenden Bergbaufolgelandschaften zu sammeln. Daraus erwuchs der Wunsch, mir tiefer gehendes Wissen über die Folgen des Bergbaus für Mensch und Natur anzueignen und daraus entstehende Fragen zu klären.
In der nachfolgenden Arbeit möchte ich daher insbesondere die Bodenfunktion Lebensraumfunktion herausgreifen und deren Veränderung über die Zeit am Beispiel des ehemaligen Uranerzbergbaugebietes Ronneburg näher erläutern. Dabei sei an dieser Stelle zunächst Herrn PD Dr. Martin Sauerwein für die Betreuung dieser Bachelorarbeit gedankt. Er stand mir in allen Phasen dieser Arbeit konstruktiv zur Seite und unterstützte mich mit hilfreichen Anregungen.
Des Weiteren möchte ich mich bei Dorothee Kemnitz, Franka Leiterer, André Geigner, Toni Kaak und M.A. Patricia Eszlinger für die vielen hilfreichen Anregungen und Bemerkungen bedanken. Abschließend möchte ich mich bei meinen Eltern und meinen Schwestern bedanken, die mir dieses Studium ermöglicht und mich stets unterstützt haben.
Jena, im September 2007 David Zuk
I
Inhalt
Inhalt
Vorwort I
Abbildungsverzeichnis. IV
Tabellenverzeichnis. V
Abk ürzungsverzeichnis VI
1 Einleitung. 1
2 Untersuchungsgebiet „Neue Landschaft“ Ronneburg 3
2.1 Lage und Klima. 4
2.2 Geologischer Überblick 5
2.2.1 Geologie des Untersuchungsgebietes 5
2.2.2 Entstehung der Uranlagerstätte von Ronneburg. 7
3 Historischer Überblick - Vom Uranbergbau zur BUGA 2007. 9
3.1 Die SDAG WISMUT. 9
3.2 Uranerzbergbau in Ostthüringen 9
3.3 Sanierung der WISMUT-Hinterlassenschaften. 10
3.3.1 Gesetzlicher Rahmen für die Sanierung 10
3.3.2 Die Sanierungstätigkeit 11
3.4 Die Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg 14
4 Grundlagen der Bodenfunktionsbewertung. 15
4.1 Bodenschätzung 15
4.2 Bodenfunktionen im BBodSchG 15
4.3 Anforderungen zum Vergleich von Bodenbewertungsverfahren 16
4.4 Verfahren der Bodenfunktionsbewertung als Grundlage für die Betrachtung der
Veränderung der Lebensraumfunktion. 17
4.5 Methodisches Vorgehen im Untersuchungsgebiet. 18
5 Bodenkundliche Charakteristik der einzelnen Gebietseinheiten 19
5.1 Profil 1. 20
5.2 Profil 2. 21
5.3 Profil 3. 22
5.4 Profil 4. 23
II
II
6 Diskussion und Ergebnisse. 25
6.1 Lebensraumfunktion vor 1950 25
6.1.1 Lebensgrundlage für Menschen 25
6.1.2 Lebensgrundlage und Lebensraum für Pflanzen und Bodenorganismen 26
6.2 Lebensraumfunktion zwischen 1950 und 1991 27
6.2.1 Lebensgrundlage für Menschen 28
6.2.2 Lebensgrundlage und Lebensraum für Pflanzen und Bodenorganismen 31
6.3 Lebensraumfunktion 1991 bis 2007 33
6.3.1 Lebensgrundlage für Menschen 33
6.3.2 Lebensgrundlage und Lebensraum für Pflanzen und Bodenorganismen 34
7 Zukünftige Entwicklung weiterer Bodenfunktionen in der „Neuen
Landschaft “ Ronneburg. 39
7.1 Natürliche Bodenfunktionen 39
7.1.1 Bestandteil des Naturhaushaltes 39
7.1.2 Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium. 40
7.2 Archiv der Natur- und Kulturgeschichte. 40
8 Nachbetrachtung und Handlungsempfehlung 41
8.1 Lebensgrundlage für Menschen 42
8.2 Lebensgrundlage und Lebensraum für Pflanzen und Bodenorganismen. 43
9 Zusammenfassung 46
Quellen 48
Anhang 55
Fotos 56
Fotos 56
Fotos 56
III
III
Abbildungen
Abb. 1: Überblickskarte Untersuchungsgebiet..............................................................1 Abb. 2: „Neue Landschaft“ Ronneburg 2006................................................................3 Abb. 3: Geologische Übersichtskarte Ronneburg .........................................................5 Abb. 4: Nördliches Schiefergebirge bei Ronneburg......................................................6 Abb. 5: Aufschluss von Alaunschiefern am Westende der Aufstandsfläche der
ehemaligen Nordhalde......................................................................................7 Abb. 6: Schematische Darstellung der Verfüllung des Tagebaurestlochs Lichtenberg
........................................................................................................................11 Abb. 7: Schematische Darstellung der doppelschichtigen Abdeckung des ehem.
Tagebaus Lichtenberg.....................................................................................12 Abb. 8: Übersicht der Hauptgebietseinheiten der „Neuen Landschaft“......................19 Abb. 9: Gebiet der heutigen „Neuen Landschaft“ Ronneburg um 1942 .....................25 Abb. 10: Gebiet der heutigen „Neuen Landschaft“ Ronneburg 1990 ...........................27 Abb. 11: Ortsdosisleistung der Gammastrahlung - Verdachtsfläche Ronneburg .........29 Abb. 12: Flächenverteilung Gemarkung Ronneburg 1991............................................30 Abb. 13: Kanalisierung und Neuverlegung des Gessenbaches/Badergrabens ..............31 Abb. 14: „Neue Landschaft“ Ronneburg 2007..............................................................33 Abb. 15: „Kerbe“ mit Gessentalbrücke .........................................................................34 Abb. 16: Auenlandschaft des „Neuen Tals“..................................................................35 Abb. 17: Mäusebefall auf der Aufstandsfläche der ehemaligen Nordhalde - südlich der „Lichtenberger Kanten“..................................................................................36 Abb. 18: Blick vom „Ronneburger Balkon“ ins Gessental und zu den „Lichtenberger
Kanten“...........................................................................................................38 Abb. 19: Grad der Veränderung der Lebensraumfunktion der einzelnen Gebietseinheiten im Vergleich zum vorbergbaulichen Zustand.....................41 Abb. 20: Kommunaler Leitplan für die Sanierungsflächen bei Ronneburg ..................43 Abb. 21: Erosionsrinne am Südrand der „Lichtenberger Kanten“ ................................44
IV
Tabellen
Tab. 1: Bodenprofil „Ranker in Kuppenposition“ (Großes Arboretum) ....................20 Tab. 2: Bodenprofil „Braunerde mit Lösseinfluss“ (Großes Arboretum)...................21 Tab. 3: Bodenprofil „Braunerde-Pseudogley“ (Großes Arboretum) ..........................22 Tab. 4: Bodenprofil „Anthropogen gekappter Gley“ (Eichenarboretum) ..................23 Tab. 5: Umweltbelastungen durch den Uranerzbergbau.............................................28
V
„Zu den Gesetzen dieser Welt gehört es, dass nicht nur wir untrennbar an das Leben der Pflanzen gebunden sind, sondern diese auch an die Gesetze des Erdbodens. Da ist plötzlich ein unmittelbarer und tief innerlicher Zusammen-hang aufgetan zwischen Mensch und dem Bau des Bodens [...]“ 1
Raoul H. Francé
1 aus: CASPARI 2006:o.S. VII
1 Einleitung
Der Boden bildet sowohl für den Menschen, als auch für Pflanzen und Tiere ein lebenswichtiges Element. Welche Auswirkungen die Zerstörung des Lebensraumes Boden haben kann, soll unter anderem mit dieser Arbeit gezeigt werden.
Damit ist bereits eine der wohl wichtigsten Funktionen des Bodens angesprochen - die Lebensraumfunktion. Auch wenn der Boden noch weitere Funktionen erfüllt, so ist diese doch von einer besonderen Bedeutung. Anthropogene, aber auch natürliche Einflüsse können diese Funktionen stören. In Bergbaugebieten, wie dem (Ehemaligen) in Ronneburg, werden derartige Veränderungen besonders deutlich. Neben der Belastung des Bodens mit Schadstoffen, verursacht die flächenhafte Zerstörung vor allem den nachhaltigen Verlust von Lebensraum für Menschen, aber auch für Pflanzen und Tiere.
Abb. 1: Überblickskarte Untersuchungsgebiet (Datenquelle: TLVermGEO 2007:o.S., eigene Darstellung)
1
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, anhand zuvor festgelegter Gebietseinheiten in der „Neuen Landschaft“ Ronneburg, die quantitative und qualitative Veränderung der Bodenfunktion Lebensraumfunktion über den Zeitraum von rund 60 Jahren darzustellen und vergleichend zu bewerten. Abbildung 1 zeigt die Lage des Untersuchungsgebiets. Es umfasst das Gebiet der „Neuen Landschaft“, welche im Rahmen der Sanierungsarbeiten der Uranerzbergbauflächen durch die WISMUT GmbH entstanden ist. Ausgehend von der oben genannten Zielstellung, ergibt sich für die Arbeit nachfolgender Aufbau. Zunächst wird das Untersuchungsgebiet hinsichtlich Lage, klimatischen Bedingungen und Geologie vorgestellt (Kapitel 2). Dabei wird insbesondere auf die Entstehung der Uranerzlagerstätte rund um Ronneburg näher eingegangen, da diese die Grundlage für die spätere bergbauliche Erschließung darstellte. Anschließend wird ein Überblick über die historische Entwicklung des Untersuchungsgebietes gegeben. Betrachtet wird der geschichtliche Hintergrund vom Uranerzbergbau, über die Sanierung bis hin zur derzeit stattfindenden Bundesgartenschau (Kapitel 3).
Nachfolgend wird die Bodenfunktionsbewertung als Grundlage der Analyse der Lebensraumfunktion vorgestellt und das methodische Vorgehen am konkreten Beispiel des Untersuchungsgebietes „Neue Landschaft“ näher erläutert (Kapitel 4). Im folgenden Kapitel (Kapitel 5) erfolgt, anhand ausgesuchter Bodenprofile, eine Charakteristik der einzelnen Gebietseinheiten, bevor in Kapitel 6 die vergleichende Untersuchung und Bewertung der Gebietseinheiten in drei Zeitabschnitten vorgenommen wird. Dabei wird der Lebensraum der heutigen „Neuen Landschaft“ vor, während und nach dem Uranerzbergbau beleuchtet. Daran anschließend wird ein kurzer Überblick über die voraussichtliche zukünftige Entwicklung weiterer Bodenfunktionen gegeben (Kapitel 7). Abschließend werden kurz Möglichkeiten zur Nachnutzung angesprochen und Handlungsempfehlungen zur weiteren Nutzung des Gebietes erläutert (Kapitel 8).
2
2 Untersuchungsgebiet „Neue Landschaft“ Ronneburg
Das Untersuchungsgebiet umfasst den südwestlich der Stadt Ronneburg gelegenen Sanierungsbereich des ehemaligen Uranbergbaugebietes. Das
Untersuchungsgebiet ist in Abbildung 2 farbig markiert. Einem Teilbereich dieses Areals wurde, im Rahmen der Sanierungstätigkeiten durch die WISMUT GmbH, eine markante künstliche Topographie gegeben. Die so genannten „Lichtenberger Kanten“ sollen durch ihre ausgeprägte geometrische Form an die einschneidenden Landschaftsveränderungen in dieser Region erinnern (FENGLER 2006:269, SEELEMANN & SEELEMANN 2007:20).
Noch eindringlicher fällt dem Betrachter die südöstlich von Ronneburg gelegene „Schmirchauer Höhe“ auf. Diese inzwischen weithin sichtbare Anhöhe erstreckt sich bis in eine Höhe von 373 m ü. NN (SEELEMANN & SEELEMANN 2007:29). All diese Formen veränderten die vormalige Landschaft dermaßen, sodass heute von einer „Neuen Landschaft“ gesprochen wird (HINKE et al. 2005:17, FENGLER 2006:267, BMWI 2007:20, SEELEMANN & SEELEMANN 2007:4).
Abb. 2: „Neue Landschaft“ Ronneburg 2006 (verändert nach GOOGLE EARTH 2007:o.S.)
2.1 Lage und Klima
Die Stadt Ronneburg, auf deren Gemarkung sich die „Neue Landschaft“ befindet, ist ein Kleinzentrum im Landkreis Greiz, welches sich 9 km östlich der Stadt Gera befindet. Das Gebiet um Ronneburg ist, bis auf das ehemalige Bergbaugebiet, landwirtschaftlich geprägt. Naturräumlich wird das Gebiet dem „Ronneburger Acker-und Bergbaugebiet“ (SÄNGER 2003:66, GSL 2007:1) zugeordnet. Die flachwellige Landschaft um Ronneburg erhebt sich von etwa 260 m ü. NN bis etwa 360 m ü. NN. Die Geländeoberfläche fällt dabei leicht nach Norden hin ab.
Nach FALKENBERG & ZÜNDORF (1987:11ff.) ist das Gebiet klimatisch im Übergangsbereich vom maritimen zum kontinentalen Klima einzuordnen und damit durch eine Jahresmitteltemperatur zwischen 7° C und 8° C sowie einem Jahresmittelniederschlag von 650 mm charakterisiert. Mikroklimatisch ist vor allem das Gessental von Bedeutung, da es teilweise bewaldet ist und südexponierte Hanglagen aufweist. Es fungiert sowohl als Frischluftlieferant für die nahe gelegene Großstadt Gera, als auch für die Stadt Ronneburg.
Direkt auf der Ronneburger Hochfläche verläuft eine Wasserscheide, welche eine Entwässerung der Niederschläge sowohl nach Osten, als auch nach Westen zur Folge hat. Nach Osten hin bildet die Sprotte bzw. die Pleiße den Vorfluter; im Westen zunächst der Gessenbach/Badergraben und schließlich die Weiße Elster.
4
2.2 Geologischer Überblick
2.2.1 Geologie des Untersuchungsgebietes
Abb. 3: Geologische Übersichtskarte Ronneburg, (Datenquelle: SCHMIDT & REICHARDT 1993:15, eigene Darstellung)
Ronneburg befindet sich am Nordostrand des Thüringer Schiefergebirges und ist geologisch hauptsächlich durch altpaläozoische Ablagerungen gekennzeichnet (SCHMIDT & REICHARDT 1993:14, KÄSTNER et al. 2003:18). Begrenzt wird das Gebiet durch die herzynisch verlaufende Crimmitschauer Störung im Norden und die Pohlener Störung im Süden (Abb. 3). Das zwischen diesen beiden Hauptstörungen befindliche Gebiet wird auch als „Ronneburger Horst“ bezeichnet (SCHMIDT & REICHARDT 1993:14, KÄSTNER et al. 2003:18, BECKERS 2005:1). Dieser markiert die nach Nordosten verlaufende geologische Fortsetzung des Bergaer Sattels (SCHMIDT & REICHARDT 1993:14). In diesem Teil überwiegen hauptsächlich silurische und devonische Sedimente (LÜTZNER 1974:58, SÄNGER 2003:68). Südlich des Ronneburger Horstes schließt sich der Culmitzscher Halbgraben an, welcher die zweite bedeutende Uranlagerstätte Ostthüringens bildete (BECKERS 2005:3).
Im Gegensatz zum nördlichen Teil des Abbaugebietes um Drosen und Korbußen, wo die Schieferflöze von mächtigen Zech- und Buntsandsteinablagerungen überbaut sind, treten die Flöze südlich von Ronneburg direkt zu Tage (FENGLER 2006:14). Deutlich ist in Abbildung 3 auch die Pohlener Störung mit dem nördlich anschließenden Ronneburger Horst zu erkennen. Hierbei handelt es sich um eine durch die saxonische Tektonik entstandene Bruchscholle (WAGENBRETH & STEINER 1990:133). Die Zechsteinablagerungen setzen sich hauptsächlich westlich von Gera fort. Östlich von Ronneburg schließen sich Schichten des Rotliegenden an, bei denen es sich hauptsächlich um Abtragungsschutt alter Gebirge handelt (WAGENBRETH & STEINER 1990:132ff.).
Abb. 4: Nördliches Schiefergebirge bei Ronneburg (aus: WAGENBRETH & STEINER 1990:132)
In diesen fossilienreichen Ablagerungen, lässt sich u.a. eine Uranvererzung in Schichten des Ordoviziums, Silurs, Devons aber auch bis in die des Unteren Karbons nachweisen (ZEH & WUNDERLICH 2003:130). Besonders hervorzuheben sind die an organischem Kohlenstoff und Eisensulfiden reichen Kiesel- und Alaunschiefer des Silurs (SCHLEGEL 1974:194, WAGENBRETH & STEINER 1990:134). Sie bildeten im Ronneburger Revier den Grundstock des zwischen 1950 und 1991 stattgefundenen Uranerzbergbaus (LANGE et al. 1994/95:26).
6
Arbeit zitieren:
B.Sc. David Zuk, 2007, Veränderung der Bodenfunktion "Lebensraumfunktion" durch anthropogene Eingriffe im ehemaligen Uranerzbergbaugebiet Ronneburg, München, GRIN Verlag GmbH
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