Gliederung
Tabellenverzeichnis 2
1 Einleitung. 4
1.1 Warum sollte das Image von Jena als Hochschulstandort untersucht werden? 4
2 Theoretische Hintergründe. 5
2.1 Verhaltens- und Wahrnehmungstheorie 6
2.1.1 Hintergründe der Verhaltensgeographie. 6
2.1.2 Grundlagen der Wahrnehmungsgeographie 8
2.2 Imagebildungsprozess und Imagebegriff. 9
2.2.1 Bewusstsein. 9
2.2.2 Image. 10
3 Selbstimage und Fremdimage 12
3.1 Das Selbstimage 12
3.2 Das Fremdimage. 12
4 Image als Standortfaktor 13
5 Hypothesen und Untersuchungsgrundlagen. 14
6 Methodik 13
6.1 Qualitative Sozialforschung. 13
6.2 Das Qualitative Interview 16
6.3 Der Interviewleitfaden 17
7 Auswertungsschritte. 18
7.1 Die Transkription. 18
7.2 Die Qualitative Inhaltsanalyse 19
8 Auswertung der Interviews 20
8.1 Rahmenbedingungen 20
8.2 Aussagen und Assoziationen 21
8.3 Kategorienbildung 23
9 Thesenbezug und Thesenüberprüfung 24
10 Fazit und Ausblick 25
11 Kritik 28
12 Literatur. 28
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Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Kennzeichen qualitativer Forschungspraxis (verändert nach FLICK et al. 2000: 22ff) 16
Tab. 2: Übersicht der Auswertungskategorien (eigene Darstellung) 25
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1 Einleitung
Der zunehmende Wettbewerb um Studierende und hochqualifiziertes Lehrpersonal stellt die Hochschulstandorte zunehmend vor logistische und finanzielle Herausforderungen. Dieserdurch den Bologna-Prozess inzwischen europäisierte - Wettbewerb wird damit entwicklungspolitisch immer bedeutungsvoller. In Deutschland wird dieser Prozess noch forciert durch die Exzellenzinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), welches mit diesem Projekt „Leuchttürme der Wissenschaft in Deutschland“ (BMBF 2007: o.S.) verstärkt fördern will. Denn Hochschulstandorte sind zumeist auch Wachstumskerne, in denen Forschung und Industrie eng miteinander verknüpft sind. Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Hochschulstandortes Jena. Dort besteht diese enge Verknüpfung bereits seit mehreren Jahrzehnten, was sich heute unter anderem dadurch auszeichnet, dass der heutige Campus im früheren Zeiss-Werk untergebracht ist. Diese enge Verbindung von optischer Industrie und universitärer Forschung hat den Standort Jena weit über Deutschlands Grenzen hinaus berühmt und wirtschaftlich zu einem der wichtigsten Wachstumskerne im Osten Deutschlands gemacht (vgl. KPMG 2006). Doch wird die Universitätsstadt Jena auch als solche wahrgenommen? Und wenn ja - mit welchen Merkmalen, die nur Jena als Hochschulstandort aufweist? Eine Forschungsrichtung der Sozialgeographie, um diesen und ähnlichen Fragen nachzugehen, ist die Imageforschung. Mit ihr versuchen Städte und Regionen, aber auch Hersteller bestimmter Produkte, buchstäblich ein "Bild" ihres Objektes zu bekommen, wie es in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
1.1 Warum sollte das Image von Jena als Hochschulstandort untersucht werden?
Jena gehört, seit dem politischen und wirtschaftlichen Umbruch im Osten Deutschlands, zu den herausragenden und wachsenden Wirtschaftszentren in den neuen Bundesländern. Zusammen mit dem "Speckgürtel" (DIECKMANN 1999: o.S.) Berlins (Region Potsdam) und dem Hightechstandort Dresden bildet Jena einen der bedeutendsten Wachstumskerne (vgl. KPMG 2006). Neben ihrer langen Tradition der optischen Industrie, bildet heute auch zunehmend die Biotechnologie ein wichtiges Standbein für den Aufschwung Jenas. Manifestiert wurde die bedeutende Stellung Jenas als Forschungsstandort mit der Eröffnung eines Max-Planck-Instituts (MPI) für unterschiedlichste Forschungsbereiche. Passend dazu wurde Jena am 21.03.2007, durch eine 15-köpfige Jury in Braunschweig, der Titel "Stadt der Wissenschaft 2008" verliehen (WENTZEL 2007: 1). Jena setzte sich damit gegen den "Mitkonkurrenten" Potsdam durch und kann nun auf finanzielle Unterstützung (etwa 125000 €) durch den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hoffen. Der Oberbürgermeister der
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Stadt Jena, Albrecht Schröter (SPD), meinte zum Sieg: "Das bringt Jena einen enormen Imagegewinn, der sich in den kommenden Marketingkonzepten der Stadt niederschlagen wird." Besonders passend ist, dass dieser Titel mit dem 450jährigen Jubiläum der Universität Jena im Jahr 2008 einhergeht. In diesem Zusammenhang wird der damit einhergehende Einfluss der Friedrich-Schiller-Universität und der Fachhochschule Jena auf die wirtschaftliche Entwicklung deutlich. Sie leisten mit ihren derzeit insgesamt fast 25000 Studenten einen enormen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt und der Region. Außerdem bilden sie als sehr gut ausgebildete Fachkräfte das Fundament für die weitere Expansion der bereits in Jena ansässigen Firmen. Damit ist auch die Möglichkeit für die Studenten gegeben, nach ihrem absolvierten Studium, in Jena wohnhaft zu bleiben. Dieser Trend wird bereits heute in der steigenden Bevölkerungszahl der Stadt Jena sichtbar. Ein starker Aufwärtstrend ist vor allem seit dem Jahr 2002 zu erkennen (vgl. JENA 2006: o.S.). In diesem Jahr startete zum ersten Mal die Hauptwohnsitzkampagne der Stadt Jena. Dass diese Kampagne durchaus von Erfolg gekrönt war, ist an der deutlich gestiegenen Bevölkerungszahl abzulesen. Mit dem Jahr 2003 stieg die Bevölkerungszahl erstmals seit 1995 wieder über die "magische" Marke von 100000 Einwohnern. Ab dieser Einwohnerzahl gelten Städte in Deutschland als Großstädte und haben somit Anspruch auf mehr Fördergeldzuwendungen. Ein wichtiges Kriterium für den Zuzug oder das "Wohnenbleiben" von Stadtbewohnern bildet das Image. Da die Bevölkerung Jenas zu 25% aus Studenten besteht, ist es für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Jenas besonders wichtig, das Image Jenas als Hochschulstandort sowohl bei der Jenaern selbst, als auch bei Personen zu untersuchen, die keinen oder einen nur indirekten Bezug zu Jena besitzen. In diesem Zusammenhang wurde am Institut für Geographie der Friedrich- Schiller-Universität im Wintersemester 2006/2007, im Rahmen des Moduls GEO 321 Sozialgeographie III „Image, Identität und Stadt“, versucht, diese zentrale Problemstellung näher zu untersuchen. Die vorliegende Imagestudie versuchte dabei speziell darzulegen, wie das Lehrpersonal umliegender Hochschulstandorte die Universitätsstadt Jena bewertet. Mit „umliegend“ sind dabei die Universitäten Leipzig und Halle-Wittenberg sowie die Technischen Universitäten Dresden und Chemnitz gemeint. Warum genau diese Hochschulen für die Studie ausgewählt wurden, wird in Kapitel 5 näher erläutert. Zunächst müssen aber die theoretischen Hintergründe (Imageforschung als Teil der Verhaltensforschung) erläutert und die grundsätzlichen Begrifflichkeiten wie beispielsweise „Image“ oder „Fremdimage“ geklärt werden. Ab Abschnitt 6 werden Methodik und Vorgehensweise näher charakterisiert, bevor in Kapitel 8 die Ergebnisse ausgewertet und interpretiert werden.
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Wir möchten uns an dieser Stelle bei den Interviewpartnern bedanken, die sich - trotz eines vollen Terminplans - Zeit für uns genommen haben. Zu Beginn war es schwer Interviewpartner zu finden, da unser Anschreiben aufgrund des fehlenden wissenschaftlichen Hintergrundes nicht ernst genommen wurde. Für diese „Übungsstudie“ erklärten sich nur wenige Dozenten bereit, uns ein paar Minuten ihrer wertvollen Zeit zu „opfern“. Umso dankbarer sind wir den fünf Lehrenden, die sich aus den vier ausgewählten Hochschulen für eine kurze Befragung bereit erklärt haben.
Ebenso möchten wir ein Wort des Dankes an unsere Dozenten Herrn Dr. Roland Lippuner und Frau Antje Schlottmann (M.A.) richten, die uns auf Schwachstellen in unserer Vorarbeit hingewiesen haben.
2 Theoretische Hintergründe
2.1 Verhaltens- und Wahrnehmungstheorie
Derzeit werden bei der Erfassung kognitiver Grundmuster zumeist drei Disziplinen unterschieden. Nach MAIER et al. (1986) stellt die wahrnehmungs- und verhaltensorientierte Forschungsrichtung (vgl. DOWNS/STEA 1982) den Ausgangspunkt für die sozialpsychologische Ausrichtung der Imageforschung dar. Diese erhielt zudem bedeutende Anstöße durch die Arbeiten Lynchs (vgl. LYNCH 1989). Die wahrnehmungs- und verhaltensorientierte Ausrichtung wurde im Rahmen einer geographisch- angewandten Forschung fortgeführt und griff damit Fragestellungen planerischer Imageanalysen auf, die die Attraktivität von Städten (vgl. RUHL 1971), innerstädtische Perzeption (vgl. HÖLLHUBER 1982), die Einschätzung von Umweltrisiken (vgl. GEIPEL 1977), die Wahrnehmung "sperriger Infrastruktur" und die Umweltqualtität zum Thema hatten (MAIER et al. 1986: 5). Wie bereits dem Unterpunkt "Image" zu entnehmen ist, war für diese Arbeit insbesondere der wahrnehmungs- und verhaltensorientierte Ansatz von Bedeutung, weshalb dieser nachfolgend noch weiter erläutert werden soll.
2.1.1 Hintergründe der Verhaltensgeographie
„Image“, als Teil der Wahrnehmungsgeographie, ist zugleich Teil der Verhaltensgeographie. Die Verhaltensforschung, die als Teilgebiet der Humanökologie entstand, wird in der Geographie im Sinne einer Verhaltensgeographie (behavioural geography) betrachtet. „Von einer geographischen Betrachtungsweise kann erst dann gesprochen werden, wenn räumliche Variablen als bestimmende Faktoren in die Untersuchung eingehen“ (ERDEL 1984: 3). Heute
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ist dieser Forschungszweig auch als „Umweltwahrnehmung“ (WERLEN 2000) Teil der modernen Sozialgeographie.
Mit der Verhaltensgeographie wird also versucht, individuell aber auch gruppenspezifisch wahrgenommene räumliche Prozesse zu erklären. Unter Betrachtung soziologischer und psychologischer Theorieansätze wird zudem versucht, die getroffenen Entscheidungen und ausgeführten Handlungen zu deuten (vgl. HARD 1981: 19). Die Forschung konzentriert sich also überwiegend auf den Menschen und die Ursache seines Verhaltens in seinem räumlichen Umfeld. Mit der „Kognitive Wende“ der Sozialgeographie, deren Anfänge in der verhaltenswissenschaftlichen Sozialgeographie in den 1970er-Jahren zu suchen sind, richtete sich das Forschungsinteresse mehr auf die „kognitive Repräsentation des Raumes“ (GEBHARDT et al. 2007: 592). Entgegen älterer Forschungsansätze, wurden nun die durch Reize hervorgerufenen Leistungen (Verstehen, Wahrnehmen, Denken, Handeln etc.) als „kognitive Zwischenprozesse“ (vgl. WERLEN 2000: 280) zwischen Reiz und Reaktion gesetzt.
Diese Neuorientierung habe jedoch auf Kosten der Psychologischen Ansätze in der Sozialgeographie stattgefunden, bei der die sozialen Gesichtspunkte im Hintergrund stehen (GEBHARDT et al. 2007: 592). Auf Grundlage dieser Erkenntnis, rückte die Erforschung des Verhältnisses von Individuum und Raum in den Mittelpunkt, wodurch die Verhaltensgeographie auch mehr als „Umweltgeographie“ statt als Sozialgeographie betrachtet wird (ebd., S. 592).
Im Zuge dessen differenzierte David Lowenthal Mitte der 1970er-Jahre diese Auffassung des Raumkonzepts im verhaltensgeographischen Sinne als „spatial behaviour“ und „behaviour in space“. Mit „spatial behaviour“ ist ein „Aktionsraum“ (WIESSNER 1978: 421) gemeint, von dem die Menschen gewisse gedankliche Vorstellungen besitzen (vgl. MUSKE 1975: 22). „Behaviour in space“ hingegen ist durch eine tatsächlich stattfindende Handlung oder Bewegung des Menschen im Raum gekennzeichnet. „Dabei wird […] von der These ausgegangen, dass die kognitive Raumrepräsentation das Verhalten im Raum beeinflusst. Wie man sich im Raum verhält, hängt wesentlich von der kognitiven Raumrepräsentation ab“ (WERLEN 2000: 283-284). Aus Verhalten im Raum können dann wiederum neue Images entstehen. Auch TZSCHASCHEL (1986: 72f.) weist auf die Verbindung von Vorstellungsbild-Bildung und Verhalten in der Stadt hin. Sie stellt dabei drei Grundannahmen auf:
• Abweichung von der Realität (Erinnern an verbindende Raumausschnitte)
• Bewertung (nach Einstellungen und Präferenzen)
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• Individuums-Zentrierung (abnehmende Intensitätsstufen der Interaktionen und Kenntnis um Indiviuum)
2.1.2 Grundlagen der Wahrnehmungsgeographie
Die Wahrnehmungsgeographie (perception geography), also die Teildisziplin der Sozialgeographie, die sich mit Raumwahrnehmung und Images befasst, entstand aus psychologischen und geographischen Ansätzen zum Beginn des 20. Jahrhunderts. In der Literatur werden Verhaltensgeographie (behavioural geography) und die
Wahrnehmungsgeographie (perception geography) heute zum Teil auch synonym benutzt (TZSCHASCHEL 1986: 23f.), zumeist wird die Wahrnehmungsgeographie aber als Teilgebiet der Verhaltensgeographie verstanden.
In der Wahrnehmungsgeographie geht man von einer subjektiven und damit individuellen Wahrnehmung der Umwelt durch die Menschen aus. Aber auch kollektive Wahrnehmungen sind in diesem Zusammenhang möglich.
Ausgangspunkt für die Entwicklung dieses Forschungszweiges der Verhaltensgeographie war die zunehmende Ablehnung des Geodeterminismus. Dieser ging von einer direkten Mensch-Umwelt- Beziehung aus, ließ dabei jedoch den Menschen mit seiner individuellen Entscheidungs- und Handlungsgewalt außen vor. Von Nordamerika ausgehend, verbreitete sich diese Forschungsrichtung der Sozialgeographie in den 1970er und 1980er Jahren auch bis nach Europa.
WERLEN unterscheidet in der Perzeptionsgeographie (= Wahrnehmungsgeographie) dabei folgende Themenbereiche: „mental maps“, „Wahrnehmung von Distanzen“ und die „Wahrnehmung von Objekten“. Die „mental map“-Forschung untersucht diesbezüglich „wie Individuen ihre räumliche Umwelt subjektiv in ihrem Bewusstsein abbilden“ (WERLEN 2000: 286). Bei der „Wahrnehmung von Distanzen“ wird erforscht, warum „Entfernungen von individuell weniger bevorzugten zu bevorzugten Orten […] geringer geschätzt“ (ebd., S. 287- 289) werden. Bei der Erforschung der „Objektwahrnehmung“ liegt der Forschungsschwerpunkt auf der individuellen Einstellung zu dem entsprechenden Objekt.
Vordenker, einer inzwischen eigenständigen Forschungsrichtung - der Imageforschung -, waren hierbei vor allem die amerikanischen Geographen Carl Sauer und John K. Wright. Ihre Forschungserkenntnisse wurden in den 1950er und 1960er Jahren durch William Kirk bzw. Vidal de la Blache weitergeführt und 1960 durch Lynchs „The image of the city“ empirisch erforscht. Dieses Buch war „eine Pionierleistung der gesamten kognitiven Stadtforschung“
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Arbeit zitieren:
B.Sc. David Zuk, 2007, Wie bewerten Lehrende umliegender Hochschulen den Hochschulstandort Jena?, München, GRIN Verlag GmbH
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