Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Der (neue) Liberalismus. 3
Schlussbemerkung. 7
Literaturverzeichnis : 8
2
Einleitung
Gegenstand dieser Arbeit ist der (neue) Liberalismus nach Andrew Moravcsik. Die zentrale Frage in dieser Betrachtung lautet: Kann der (neue) Liberalismus gleichrangig neben den in der Theoriebildung weitgehend abgeschlossenen und etablierten Großtheorien Realismus (bzw. Neorealismus) und Institutionalismus verortet werden? Den Schwerpunkt bildet die Analyse der grundlegenden Annahmen, der Präferenzenkonstellationen und der einzelnen Varianten, die Moravcsik formuliert.
Der (neue) Liberalismus
Der (neue) Liberalismus nach Moravcsik muss vom traditionellen abgegrenzt werden. Unbestreitbar gründen seine Überlegungen auf dem Ideengut der maßgeblich normativ geprägten liberalen politischen Philosophie. In der größtmöglichen Freiheit des Individuums und einer verschobenen Perspektive auf die internationale Politik verdichten sich dessen zentrale Elemente. Primäres Ziel der traditionellen liberalen Theorie ist es, staatliches Handeln zu verstehen, wobei die innerstaatliche Ebene, sprich Individuen und gesellschaftliche Gruppen 1 , ausschlaggebend ist.
Mit Zerfall des Ost-West-Konfliktes erhielt die Theorie des Liberalismus neuen Auftrieb. Das Fehlen eines zusammenhängenden Theoriegebäudes veranlasste Andrew Moravcsik zur Reformulierung der Theorie in ihrer rationalistischen Variante. Diese präferenzorientierte liberale Theorie ist empirisch-analytisch und beschreibt keinen idealen Sollzustand, sondern zielt auf eine deskriptive und wertneutrale Erklärung der Realität ab, um möglichst präzise Voraussagen zu treffen. Sie ist nicht mit der politischen Philosophie des traditionellen Liberalismus zu verwechseln. Moravcsiks Arbeit ist die direkte Antwort auf die wachsende Unzufriedenheit mit systemischen Theorien und eine Reaktion auf die Unfähigkeit des Realismus, das Ende des Ost-West-Konfliktes vorherzusagen. Im Kern konstatiert der Autor, dass nicht die Macht von Staaten oder internationale Institutionen in den internationalen Beziehungen tonangebend sind, sondern die Präferenzen der Staaten bzw. derer Gesellschaften. Dabei verknüpft er außenpolitisches Handeln von Staaten mit ihrer Gesellschaft und geht bei seiner Analyse bottom-up vor. Indem er auf der untersten Akteursebene ansetzt, steht er in der Tradition des methodologischen Individualismus, d.h. er schließt von einzelnen Individuen und sozialen Gruppen auf gesamtgesellschaftliche Prozesse.
1 Vgl. Krell, Gert 2004: Weltbilder und Weltordnung, S. 183
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Seine wesentlichen Grundannahmen stützen sich auf das Menschenbild eines rationalen Nutzenmaximierers (homo oeconomicus) und heißen: „The Primacy of Societal Actors“, „Representation and State Preferences“ und „Interdependence and the International System“. Demgemäß sind Individuen und gesellschaftliche Gruppen die zentralen Akteure der internationalen Politik, die beständig um Einfluss auf Regierungsentscheidungen im Außenverhalten der Staaten konkurrieren. Im Gegensatz zum Realismus liegt der Fokus hiernach auf der Individualebene (black box geöffnet) und richtet sich auf innenpolitische Erklärungsfaktoren. Weiterhin unterstellt Moravcsik diesen Akteuren ein rationales und risikoaverses Handeln und bezieht transnationale Akteure und Beziehungen mit ein, sofern sie auf den Präferenzbildungsprozess in einem Staat Einfluss nehmen. Welche Interessen sich schlussendlich durchsetzen, ist in dieser Beziehung von der inneren Verfasstheit der Staaten und den tatsächlichen Einflusschancen der Interessengruppen abhängig, die sich beispielsweise aus materiellen und finanziellen Mitteln oder ihrem Organisationsgrad ergeben. Auf Grundlage der zweiten Annahme fungiert der Staat lediglich als repräsentative Institution und überträgt als Transmissionsriemen 2 die durchsetzungsfähigsten gesellschaftlichen Interessen in außenpolitische Präferenzen. Auf diesem Fundament handelt der Staat zweckgebunden im internationalen System, um die Interessen seiner Gesellschaft zu vertreten. Der Verfasser unterscheidet hierbei staatliche Präferenzen und Strategien. Während Präferenzen bottom-up aus der Gesellschaft gebildet werden und relativ stabil sind, kennzeichnen Strategien die Art und Weise der Umsetzung dieser Präferenzen, die das politische Resultat erzeugen.
Die dritte Kernannahme setzt eine grundlegende Interdependenz in den internationalen Beziehungen voraus. Hiernach ist staatliches Außenhandeln wesentlich durch die Konfiguration der interdependenten Staatspräferenzen bestimmt. Mit dem innerstaatlichen Wettbewerb um Einfluss stehen die Staaten auf systemischer Ebene in Konkurrenz zueinander stehen, wo sie die jeweiligen dominanten Präferenzen ihrer Gesellschaft verfolgen. Sobald außenpolitische Ziele, hinsichtlich der Interdependenzbeziehungen, in einem Staat Kosten für deren dominante gesellschaftliche Akteure verursacht (transnationale Externalitäten), führt dies zur Neuformulierung der Präferenzen, um den Kosten entgegenzuwirken. Allerdings sind diese neuen Präferenzen nur innerhalb der bestehenden Interdependenzbeziehungen realisierbar. In diesem Zusammenhang unterscheidet Moravcsik zwischen drei hauptsächlichen Konfigurationen von interdependenten Präferenzordnungen, die staatliches Außenhandeln determinie-
2 Vgl.Moravcsik, Andrew 1997: Taking Preferences Seriously: A Liberal Theory of International Politics, S.
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Arbeit zitieren:
Ferid Giebler, 2008, Andrew Moravcsik - Der neue Liberalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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