1. Einleitung
Seit den Anschlägen auf das World Trade Center im Jahre 2001 hat sich die Welt verändert. Sie wirkt nach den Anschlägen des 11.September, der sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt hat, unsicherer und unberechenbarer, als jemals zuvor. Der Terrorismus ist heutzutage zu dem geworden, was während des 20.Jahrhunderts der Kalte Krieg symbolisierte: ein Damoklesschwert fortwährender Bedrohung, über unseren Köpfen schwebend, unsicher darüber, wo es „beim nächsten Mal“ zuschlägt. Während der ersten Monate nach dem schrecklichen Ereignis in New York wuchs die Zahl an Publikationen über den Begriff des Terrorismus enorm. Die ständigen negativen Nachrichten aus dem Nahen und Mittleren Osten haben unsere Aufnahmefähigkeit in großem Maße abgestumpft. „Das Schlagwort Terrorismus schreckt niemanden mehr ab 1 “. Doch auch wenn das Thema scheinbar ausgeschöpft wirkt, das eigentliche Phänomen Terrorismus wird durch die öffentliche Debatte eher verschleiert als entschlüsselt. Dieser allgemeinen Verwirrung leisten vornehmlich einzelne Politiker und Medien Vorschub, indem sie „Terrorismus“ nicht eindeutig von anderen Formen politischer Gewalt abgrenzen bzw. sich die notwendige Differenzierung sparen.
Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch das Phänomen Terrorismus einzuhegen und zu beschreiben. Daher wurde ein deskriptiver Ansatz gewählt. Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit dem Problem einer Definition, die den Begriff greifbarer machen soll, denn obschon der Terrorismus keine neue Erscheinungsform ist, so gibt es eine Vielzahl an Definitionen, die alle das „Phänomen Terrorismus“ erklären und trotzdem nicht eindeutig sind 2 . Insbesondere die Abgrenzung zu anderen Formen der Gewalt, wie etwa Krieg, Guerilla oder organisierte Kriminalität ist in diesem Zusammenhang unerlässlich, um ein klareres Bild zu konstruieren. Diesbezüglich ist es unverzichtbar einen überblicksartigen Exkurs in die Geschichte des Terrorismus zu unternehmen. Allein dadurch zeigt sich die enorme Wandlungsfähigkeit des Begriffes.
Zusätzlich soll diese Arbeit Antworten auf die Frage nach den Motiven und Zielen, sowie den Mitteln und dem Instrumentarium, dessen sich Terroristen allgemein bedienen, geben. In einem zweiten Schritt soll die Entwicklung des „modernen Terrorismus“ und die damit einhergehende Entwicklung zu einer Internationalisierung des Terrorismus nachgezeichnet werden, die ihren bisherigen Höhepunkt in den Anschlägen vom 11.September erreichte.
1 Hilker, Thomas: Terrorismus - Grundwissen, Organisationen, Angriffsmittel, Religiöser Fanatismus,
Suizidbomber, 2006, S. 8
2 Vgl. Schmid, Alex P.: Political Terrorism: A New Guid to Actors, Authors, Concepts, Data Bases, Theories,
and Literature, New Brunswick, Transaction Books, 1988
2
Angesichts dessen und in Anbetracht der Attentate am 11.März 2004 in Madrid, im Juli 2005 in London und Bezug nehmend auf die verhinderten Attentate gegen das Europäische Parlament und den Weihnachtsmarkt in Straßburg im Jahre 2000 3 , wo der Einsatz von Bomben mit hoher Sprengkraft in Verbindung mit Saringas geplant war 4 , stellt sich die Frage einer Tendenz des internationalen Terrorismus hin zu einer globalen Ausweitung - einem globalen Terrorismus.
Selbstverständlich kann eine „Einhegung“ nicht umfassend oder ganzheitlich sein und erhebt diesen Anspruch daher auch nicht, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Aus den Unmengen an Publikationen und Schriftstücken zur gewählten Thematik dienen vorrangig die Standardwerke der deutschen Terrorismusforscher Peter Waldmann, Kai Hirschmann, Thomas Hilker und Wilhelm Dietl, sowie Werke des Amerikaners Bruce Hoffmann und des Spaniers Fernando Reinares, als Grundlage und Denkanstoß.
2. Der Terrorismusbegriff - Versuch einer Definition
„There is a forest of terrorism definitions, very likely more than a hundred printed ones.” 5 Damit trifft Whittaker es auf den Punkt, zugleich bringt er mit „einem Wald an Definitionen“ zum Ausdruck, dass „Terrorismus“ ein in hohem Maße strittiger Begriff ist, der sich bisher nicht auf eine simple und allgemeingültige Definition zusammenkürzen lässt. Wichtigster Grund für diese Uneinigkeit innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft ist vermutlich der stete Bedeutungswandel des Begriffs. Das Wesen des Terrorismus wandelt sich ständig. Um dies zu verdeutlichen bedarf es unweigerlich eines kurzen historischen Exkurses, der die Entwicklung des Terrorismus in den Phasen von der Antike bis zum Ersten Weltkrieg, vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg und der Zeitgeschichte nach 1945 bis heute skizzenhaft darstellt.
2.1 historische Rückschau
2.1.1 Terrorismus von der Antike bis zum I. Weltkrieg
Bereits in der Antike finden sich die ersten Formen politischer Gewalt. Geschichtsschreiber jener Zeit, wie etwa der römische Historiker Flavius Josephus 6 berichten von jüdischen Glaubenseiferern, die Attentate gegen die römischen Besatzer ausführten und damit einen Aufstand gegen die römischen Besatzer anzettelten. Diese Glaubenseiferer gehörten der
3 Vgl. Glaeßner, Gert-Jochaim & Lorenz, Astrid: Europäisierung der inneren Sicherheit - eine vergleichende
Untersuchung am Beispiel von organisierter Kriminalität und Terrorismus, 2005, S. 57
4 Vgl. Reinares, Fernando: Terrorismus global - Aktionsfeld Europa, 2003, S. 37
5 Whittaker, David J.: Terrorists And Terrorism In The Contemporary World, 2004, S. 1
6 Vgl. Townshend, Charles: Terrorismus, Reclam 2005, S. 136
3
jüdischen nationalistisch-antirömischen Sekte der Sikarier bzw. Zeloten 7 an, die, motiviert von der Erwartung einer endzeitlichen Gottesherrschaft, ihre Gegner öffentlichkeitswirksam mit einem Dolch (lat. sica = Dolch) töteten 8 .
Die nächste nennenswerte Station in der Entwicklung des Terrorismus bilden die Assassinen im 11. Jahrhundert, die Namensgeber für den politischen Mord und den Auftragsmord sind, da sie zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert ungefähr 50 zum Teil spektakuläre Mordanschläge, vorrangig auf hohe sunnitische Würdenträger, im Nahen Osten verübten 9 . Die Legitimität ihrer Gewaltakte leiteten die Assassinen aus religiösen Texten ab, als gottgegebene Pflicht. Die Bereitschaft der Assassinen, ihr eigenes Leben in Ausführung des Verbrechens zu opfern, hat bis heute Vorbildcharakter für radikal-religiöse terroristische Gruppierungen, wie etwa die heutige HAMAS 10 (arabisch: اإلسالم المقاومة حركة Harakat almuqāwama al-islāmiyya oder „Islamische Widerstandsbewegung“).
Während des „régime de la terreur“ der Jahre 1793/94 in Frankreich wurde der Terror nun von staatlicher Seite betrieben und als „Instrument zur Herstellung von Ordnung“ 11 gebraucht. Nach der französischen Revolution wurde Terrorismus überwiegend zu einem Begriff für Amts- und Machtmissbrauch 12 forciert.
Im Zuge der aufkommenden antimonarchischen Strömungen und Ideologien im Europa des 19.Jahrhunderts, so etwa der Marxismus und Kommunismus, spricht der Italiener Carlo Piscane, Revolutionär und Kämpfer gegen die Bourbonenherrschaft, in diesem Zusammenhang von einer „Propaganda der Tat“, denn „Gewalttätigkeit ist nicht nur notwendig, um Aufmerksamkeit zu erregen oder öffentliches Interesse für ein Anliegen zu erwecken, sondern um zu informieren, zu bilden und schließlich die Massen für die Ziele der Revolution zusammenzuführen. Der lehrende Zweck der Gewalt kann niemals durch Kampfschriften, Plakate oder Veranstaltungen ersetzt werden.“ 13 Die erste Gruppe, die Piscanes Grundsatz der „Propaganda der Tat“ umsetzte, waren anarchistische russische Konstitutionalisten namens „Narodnaja Wolja“ (Wille des Volkes bzw. „Volkswille“), deren Ziel darin bestand, dem Zaren eine Verfassung abzuverlangen. Ihre Anhänger wählten vorrangig hohe Regierungsbeamte und führende Angehörige der kaiserlichen Familie als Opfer, um so ihr Ziel zu erreichen 14 . Ihr größter Erfolg, ein
7 Vgl. Josephus, Flavius: Geschichte des Jüdischen Krieges, 2001, S. 403 ff.
8 Vgl. Waldmann, Peter: Terrorismus - Provokation der Macht, 2005, S. 126
9 Vgl. Kollmer, Dieter H. & Chiari, Bernhard: Wegweiser zur Geschichte - Naher Osten, 2007, S. 21
10 Vgl. http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,1872618,00.html, (abgerufen am 28.05.2006, 20:59)
11 Hoffman, Bruce: Terrorismus - der unerklärte Krieg, 2006, S. 23-24
12 Vgl. Ebd., S. 26
13 Ebd., S. 27
14 Vgl. Hoffman, Bruce: Terrorismus - der unerklärte Krieg, 2006, S. 27
4
erfolgreiches Attentat auf Zar Alexander II., besiegelte jedoch sogleich den Untergang der Gruppe, die trotz alledem zukünftig einzelne Revolutionäre und subversive Organisationen beeinflussen und inspirieren konnte.
2.1.2 Terrorismus vom I. bis II. Weltkrieg
Am Vorabend des Ersten Weltkrieges wurden terroristische Anschläge vorwiegend von ethnisch-nationalistischen/separatistischen Gruppen ausgeführt 15 , deren terroristische Strategien, wie etwa das Aufbegehren einer armenischen nationalistischen Bewegung gegen die osmanische Herrschaft in der Osttürkei, auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges von vielen ethnisch-nationalistischen/separatistischen Gruppen übernommen wurde. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland im Jahre 1933 zeigt exemplarisch einen erneuten Wandel des Terrorismusbegriffs. Mit der Unterdrückung der breiten Masse der eigenen Bevölkerung durch das totalitäre Regime Adolf Hitlers, vergleichbar mit dem Faschismus in Italien und dem Stalinismus in Russland zur gleichen Zeit, trat der alte Bezug zum Missbrauch von Macht durch totalitäre Regierungen 16 abermals in den Vordergrund. Der Staatsapparat mobilisierte zur vollständigen und totalen Kontrolle des Landes und seines Volkes „Schlägerbanden in braunen oder schwarzen Hemden, um politische Gegner zu stören und einzuschüchtern und andere Sündenböcke zwecks öffentlicher Demütigung und späterer Erledigung aufzustöbern.“ 17
2.1.3. Terrorismus nach dem Zweiten Welkrieg
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges erlangte der Terrorismus seinen revolutionären Charakter zurück. Überwiegend nationalistische antikolonialistische Gruppierungen begehrten gegen die Herrschaft europäischer Mächte in Asien, Afrika und im Nahen Osten auf. Zeitgleich tauchte in diesem Zusammenhang erstmals die politisch korrekte Bezeichnung des „Freiheitskampfes“ auf, kennzeichnend für die politische Anerkennung von Kämpfen für nationale Befreiung und Selbstbestimmung 18 . So verdankt beispielsweise Israel seine Unabhängigkeit nationalistischen Bewegungen, wie etwa der Haganah (hebr.: ההגנה hahagana oder „Verteidigungsarmee“), die den Terrorismus als Mittel gegen die Mandatsmacht Großbritannien einsetzte 19 .
15 Vgl. Ebd., S. 36
16 Vgl. Ebd., S.40
17 Ebd., S. 40
18 Vgl. Ebd., S. 43
19 Vgl. Kollmer, Dieter H. & Chiari, Bernhard: Wegweiser zur Geschichte - Naher Osten, 2007, S. 85 ff.
5
Die inhaltliche Dimension des Begriffes Terrorismus weitete sich insbesondere Ende der 60er und 70er Jahre stark aus. Im Groben blieb der revolutionäre Bezugsrahmen erhalten, aber verschiedene nationalistische und ethnisch-separatistische Gruppen, die außerhalb kolonialer oder neokolonialer Strukturen standen, sowie radikale oder gänzlich ideologisch motivierte Organisationen prägten zusätzlich den Begriff 20 . Bekannte Beispiele hierfür sind die PLO
(arabisch: الفلسططططططططططينية التحررررررررررير منظمةةةةةةةةةة Palestine Liberation Organisation oder Organisation zur Befreiung Palästinas), die Quebecer separatistische Gruppe FLQ (Front de Libération du Québec oder Québec-Befreiungsfront) oder die baskische ETA (Euskadi ta Askatasuna oder Freiheit für die baskische Heimat) 21 .
Zur gleichen Zeit bildeten sich in Westeuropa Gruppen, die einem sozialrevolutionären oder linksorientierten politischen Terrorismus 22 zuzuordnen sind. Die sich oftmals aus radikalen Studentenbewegungen und Strömungen marxistischer, leninistischer oder maoistischer Ausrichtung etablierten terroristischen Gruppierungen, wie etwa die RAF (Rote Armee Fraktion) in Deutschland, auch „Baader-Meinhof-Gruppe“ genannt, kämpften nach eigener Definition gegen die unüberwindbaren gesellschaftlichen und ökonomischen Ungerechtigkeiten des modernen kapitalistischen liberal-demokratischen Staates 23 . In Anbetracht der weltweiten Entwicklung, insbesondere des Zerfalls der Sowjetunion, verloren viele dieser sozialrevolutionären Gruppen ihre ideologischen Grundlagen, da sich der real bestehende Sozialismus, entgegen der Annahmen der Terroristen, nicht als funktionsfähig erwies. Resultat dessen war die Beendigung der Untergrundtätigkeit der deutschen RAF Jahre 1998 24 .
Nachdem in den 80er Jahren Terrorismus verstärkt durch Staaten unterstützt wurde und Staaten wie Syrien, Iran, Irak oder Libyen offensichtlich Terroranschläge „in Auftrag gaben“, lässt sich das Phänomen einer Art „Ersatzkriegsführung“ beobachten. Mit dem Mittel des Terrorismus konnten verhältnismäßig schwächere Staaten „größere und mächtigere Rivalen herausfordern, ohne sich dem Risiko einer Vergeltung auszusetzen“ 25 . Zusätzliche Verwirrung stifteten Begriffe wie „Drogenterrorismus“ oder
„Grauzonenphänomen“ in den 90er Jahren. Mit „Grauzonenphänomen“ beschreibt Hoffman die nach Ende des Kalten Krieges aufkommenden subnationalen Konflikte, die einen eher
20 Vgl. Hoffman, Bruce: Terrorismus - der unerklärte Krieg, 2006, S. 44
21 Ebd., S. 44
22 Ebd., S. 44
23 Vgl. Waldmann, Peter: Terrorismus - Provokation der Macht, 2005, S. 101
24 Vgl. http://www.rafinfo.de/archiv/raf/raf-20-4-98.php, (abgerufen am 29.05.2007, 15:45 Uhr)
25 Gunaratna, Rohan: Inside Al-Qaeda - Global Network of Terrorism, London 2002, S. 26
6
„fließenden und veränderlichen Charakter“ 26 zeigten. Somit entwickelte sich der Terrorismus zu einem Sammelbegriff für alle Konflikte mit irregulären Streitkräften, die nicht mit den traditionell akzeptierten Auffassungen von Krieg als Kampf zwischen zwei souveränen Staaten und deren Streitkräften erklärt werden konnten 27 . Die Anschläge auf das World Trade Center am 11.09.2001 erforderten ebenfalls eine Neudefinition des Begriffs Terrorismus. Sie können dem internationalen Terrorismus zugeordnet werden, der im zweiten Teil der vorliegenden Arbeit näher betrachtet wird. Gleichzeitig jedoch wurden die Anschläge von einer islamistischen Gruppe geplant und ausgeführt, was uns zu dem Phänomen des islamistischen Terrorismus führt, der von einer religiösen Ideologie geprägt ist, was zu Zeiten des Kalten Krieges verhältnismäßig selten der Fall war und bis dato mit Masse in der Antike vorkam.
Ein Grund dafür mag sein, dass im ausgehenden 20. Jahrhundert eine weltweite Renaissance der Religionen beobachtet werden konnte. Vor allem radikale islamische Gruppen erhielten einen regen Zulauf an neuen Mitgliedern. Diese Gruppen versuchen über die gemeinsame Religion Einfluss auf die Umma, also die weltweite Gemeinschaft aller Muslime, zu nehmen. Das religiöse Konzept der Umma in Verbindung mit der Scharia, dem islamischen Rechtssystem, stellt ein konkurrierendes Gesellschaftsmodell zum in Europa entwickelten Konzept der Nation dar 28 , weil eine weltweite Herrschaft der islamischen Gemeinschaft nach dem Vorbild des Propheten mit einer auf Koran und Sunna begründeten Rechts- und Werteordnung angestrebt wird 29 . Eine besondere Rolle spielen bei derartigen islamischextremistischen Gruppen, wie etwa die von Osama Bin Laden geführte Al-Qaida, Unterstützungsleistungen in Form von Waffen, Geld oder Territorium (zu Ausbildungszwecken) durch Staaten wie Saudi-Arabien, den Iran oder den Libanon. Ausgangspunkte für das verstärkte Aufbegehren des heutigen islamisch-extremistischen Terrorismus liegen vordergründig in der Ablehnung und gleichzeitigen Bekämpfung des globalen Modernisierungs- und Säkularisierungsdrucks durch die westlichen Industrienationen. Islamisten streben eine Rückbesinnung auf eine idealtypische islamische Ordnung aus der Anfangszeit des Islam an 30 .
Allerdings kann der Islamismus nicht als einziger religiös motivierter Terrorismus bezeichnet werden. Auch im Namen anderer Religionen wurden und werden terroristische Attentate
26 Hoffman, Bruce: Terrorismus - der unerklärte Krieg, 2006, S. 46
27 Ebd., S. 47
28 Vgl. Roberts, Ron: Just War - Psychology and Terrorism, Ross-on-Wye, 2007, S. 199
29 Vgl. Dietl, Wilhelm & Hirschmann, Kai & Tophoven, Ralf: Das Terrorismuslexikon - Täter, Opfer,
Hintergründe, 2006, S. 127
30 Vgl. Ebd., S. 127
7
ausgeführt, was etwa die Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin (hebr.: רבין )יצחק beweist, der am 04.November 1995 von einem religiösen jüdischen Extremisten auf dem Weg zu seinem Fahrzeug erschossen wurde 31 .
Festzustellen ist, dass der religiöse Terrorismus heutzutage am häufigsten zu beobachten ist, „so gehörte 2004 nahezu die Hälfte aller in diesem Jahr aktiven terroristischen Vereinigungen (insgesamt 52 Organisationen oder 42 %) zur Kategorie der religiösen Gruppen“ 32 , wovon der größte Teil islamistisch durchsetzt war.
2.2 Probleme einer Definition
Bislang sind nur einige Ansätze einer allgemeingültigen, völkerrechtlich verbindlichen Definition des Terrorismusbegriffs, insbesondere des internationalen Terrorismus, vorzeigbar. Alle von der UN debattierten Entwürfe eines umfassenden Übereinkommens über den Terrorismus scheiterten bislang, da sich die Mitgliedsstaaten nicht über eine Definition einigen konnten. Hauptstreitpunkt ist seit Anbeginn die Frage, wie der Befreiungskampf eindeutig vom Terrorismus unterschieden werden kann und ob der Staatsterrorismus durch staatliche Streitkräfte von einer Definition nicht auszuschließen, sondern ebenfalls zu erfassen ist.
Zwei fundamentale Argumente widersprechen einer endgültigen Definition. Zum einen beschreibt Terrorismus ein höchst komplexes und politisches Phänomen, das sich wegen der zahlreichen unterschiedlichen und, wie in der historischen Rückschau beschrieben, ständig wechselnden Ausdrucksformen einer präzisen und endgültigen Definition entzieht. Andererseits erscheint eine verbindliche Definition schwierig, weil das Wort „Terrorismus“ nicht nur als wissenschaftlicher Fachausdruck Verwendung findet, sondern größtenteils als politischer Kampfbegriff benutzt wird, indem Gewalthandlungen, die man „terroristisch“ nennt in der Regel jegliche politische Legitimität abgesprochen wird 33 . „Terrorismus“ ist heute ausschließlich negativ besetzt, im Gegensatz zu seinem „entschieden positiven Beiklang“ 34 während der französischen Revolution. Diese Bezeichnung dient dazu, politische Feinde zu brandmarken und deren Methoden zu verurteilen. Somit ist der Blick auf den Terrorismus immer vom Blickwinkel des jeweiligen Betrachters abhängig. Jassir Arafat
(arabisch: ررررؤو ال دددد عب ررررحمن ال دددد عب دددد ييييييييينيمحم الحس دددددددددوة الق ااااااااات عرف ف oder Muhammad Abd ar-
31 Vgl.Kollmer, Dieter H. & Chiari, Bernhard: Wegweiser zur Geschichte - Naher Osten, 2007, S. 113
32 Hoffman, Bruce: Terrorismus - der unerklärte Krieg, neue Gefahren politischer Gewalt, 2006, S. 144
33 Münkler, Herfried: Die neuen Kriege, 2002, S. 175
34 Hoffman, Bruce: Terrorismus - der unerklärte Krieg, neue Gefahren politischer Gewalt, 2006, S. 23
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