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INHALTSVERZEICHNIS
Inhaltsverzeichnis.......................................................................................................................... 1
1. Einleitung 2
2. Hintergrundinformationen zum Konflikt in Darfur. 3
2.1 Vorgeschichte Sudans und Informationen über Darfur. 3
2.1.1 Geschichte Sudans seit dem Ende der Kolonialherrschaft. 3
2.1.2 Informationen über Darfur 4
2.2 Die Parteien und Interessengruppen. 6
2.2.1 Regierung Sudans 6
2.2.2 Rebellen 6
2.2.3 Internationale Akteure. 7
2.3 Verlauf des Konfliktes 8
2.4 Probleme der UN/AU-Missionen. 10
3. Handelt es sich um einen „Neuen Krieg“? 11
3.1 Definition „Neuer Krieg“ 11
3.2 Handelt es sich um einen „Neuen Krieg“? 13
4. Fazit - Welche Schwierigkeiten stellt die „Neue Kriegsführung“ für den Friedensprozess in
Darfur dar? 15
5. Literaturliste 17
5.1 Internetliteratur: 17
5.2 Fachliteratur: 18
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Der Konflikt in Darfur, der sich seit mehr als 50 Jahren angebahnt hat, ist im Jahr 2003 endgültig ausgebrochen. Seither stehen Mord und Vertreibung in Darfur an der Tagesordnung, trotzdem schritt bis jetzt niemand effektiv ein: Die Soldaten der Afrikanischen Union (AU) 5
erwiesen sich als wirkungslos und auch die United Nations (UN) scheinen keine ausreichende Truppe aufstellen zu können.
Dieser Konflikt macht immer wieder klar, dass längst nicht mehr Regierungen die alleinige Kontrolle über Kriege ausüben, sondern diese längst neue Formen angenommen haben, die mit herkömmlichen Theorien kaum mehr betrachtet werden können. Sowohl die Nachbarstaaten des 10
Sudan als auch Staaten wie China, die hier wirtschaftliche Interessen verfolgen, mischen sich in den Konflikt ein. Dann kommen noch die nichtstaatlichen Akteure, die Rebellen, hinzu, die diesen Krieg zu einem sogenannten Neuen Krieg machen. Deshalb und weil die UN bisher keinen wirklichen Erfolg vorweisen konnte, ist die Weltgemeinschaft hier vor völlig neue Heraus-forderungen gestellt und gerade dadurch ist die Untersuchung eines solchen Konfliktes so wich- 15
tig. Der Friedensprozess in Darfur scheint in letzter Zeit keine wirklichen Fortschritte zu machen. Inwiefern sich der „neue“ Kriegsverlauf auf den Friedensprozess auswirkt, soll in dieser Arbeit untersucht werden. Zu Beginn der Arbeit werden die Hintergründe und der Konflikt selbst untersucht. Danach wird der Begriff „Neuer Krieg“ erläutert und gezeigt, wieso es sich im Darfur-Konflikt um einen solchen handelt. Abschließend wird eine Antwort auf die Frage gege- 20
ben, welchen Einfluss die „neue“ Kriegsführung auf den Friedensprozess hat.
Mein persönliches Interesse am Darfur-Konflikt wurde durch eine Aktion des „United States Holocaust Memorial Museum" geweckt, bei der eine Datei veröffentlicht wurde, mit der man die zerstörten Dörfer und Siedlungen in der Region Darfur in „Google-Earth“ sehen konnte. Mir wurde so erstmals das gesamte Ausmaß des Krieges bewusst und wie sehr diese Region Unter- 25
stützung benötigt. Da der Konflikt in den Medien nur wenig präsent ist, ist es für mich wichtig mich selbst darüber zu informieren.
Der Darfur-Konflikt ist ein vielschichtiges Thema, was sich besonders in den komplexen Ursachen, aber auch in den Problemen, die er verursacht, widerspiegelt. Da der Rahmen dieser Arbeit begrenzt ist, werden viele dieser Faktoren nur kurz angesprochen. Die Definition der 30
„Neuen Kriege“ in Kapitel drei basiert auf Herfried Münklers Buch „Die neuen Kriege“. 1
1 Münkler, Herfried, Die neuen Kriege, Reinbek bei Hamburg 2007.
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Um den Konflikt in Darfur verstehen und einordnen zu können, ist es hilfreich, die Vorgeschichte der Region sowie des Landes Sudan, in dem die Region Darfur liegt, zu kennen. Es ist 35
wichtig zu verstehen, in welchem Umfeld sich der Konflikt abspielt, da hier verschiedene sowohl gesellschaftliche als auch umweltbezogene Faktoren zusammenspielen. Außerdem soll ein kurzer Überblick über die wichtigsten Gruppierungen und Parteien, die in den Krieg im Darfur verwickelt sind, gegeben werden. Abschließend wird der Verlauf des Konfliktes geschildert und es werden die Probleme der verschiedenen Friedensmissionen dargelegt. 40
Die britische Kolonialpolitik trennte den Norden und den Süden kulturell, angeblich um einen Konflikt zwischen dem arabischen Norden und eher christlich bis naturreligiösen Süden zu vermeiden. Die Briten taten dies zum Beispiel, indem sie die christliche Missionierung im Norden unterbanden oder das Benutzen der arabischen Sprache im Süden verboten. Daraus resul- 50
tierte eine noch stärkere Entfremdung von Nord und Süd. Nach den Wahlen 1953 zur Vorbereitung auf die Unabhängigkeit wurden fast alle wichtigen Staatsämter von Personen aus dem Norden bekleidet 2 . Im Sommer 1955 kam es zu Unruhen, die zum ersten sudanesischen Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd führten 3 .
Der Sudan erlangte seine Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft am 1.1.1956, 55
doch schon im November 1958 gab es den ersten Militärputsch unter General Ibrahim Abbud. Dieser unterstützte die Verbreitung des Islam und der arabischen Sprache im gesamten Sudan, was zu weiteren Auseinandersetzungen mit dem Süden führte.
Durch bewaffnete Unruhen im Süden sowie Protesten auch in anderen Regionen des Sudan kam es 1965 zu einer erneuten Wahl. Doch die gewählte Umma-Partei wurde schon im Mai 60
1969 durch einen Militärputsch unter der Leitung von Oberst Gaafar Mohammed Al-Nimeiri abgesetzt. Al-Nimeiri verbot alle anderen Parteien und führte die Verbreitung des Islams fort.
2 Vgl. Tai Ejibunu, Hassan, Sudan Darfur Region’s Crisis. Formula for Ultimate Solution, Stadtschlaining, 2008, S.
10.
3 Vgl. Schröder, Siegfried; Möller, Bernd, Sudan (Erster Sudanesischer Bürgerkrieg), 15.7.2002, Site:
www.sozialwiss.uni-hamburg.de.
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Im Februar 1972 schloss er ein Friedensabkommen mit den Rebellen im Süden und sprach der Region mehr Autonomie zu. Diese hob er allerdings später wieder auf, als im Süden Öl entdeckt wurde. Aus diesem Grund und dadurch, dass Al-Nimeiri 1983 die Scharia als geltendes Gesetz 65
einführte, kam es im selben Jahr zum zweiten Bürgerkrieg zwischen Süd und Nord.
1985 gab es erneut einen Militärputsch und es wurden wieder Wahlen angesetzt, doch auch die daraus hervorgehende Regierung wurde bereits 1989 durch einen weiteren Militärputsch unter General Omar Hassan El-Bashir wieder abgesetzt. Politische Gegner mussten entweder fliehen oder wurden verhaftet, weshalb die wichtigsten Oppositionsparteien die Wahlen 1998 70
boykottierten und Al-Bashir bis heute an der Macht ist. Er sichert sich diese durch den 1999 wegen innerparteilicher Machtkämpfen ausgerufenen Ausnahmezustand und der Besetzung von Schlüsselrollen in Armee, Judikative sowie den Medien durch Parteimitglieder. Nach mehr als 20 Jahren wurde 2005 erneut ein Friedensvertrag zwischen Sudans Regierung und den Rebellen im Süden geschlossen und der Region wurde wieder mehr Autonomie zugesichert. 4 75
Sudan ist ein Land mit einer Fläche von ca. 2.500.000 Quadratkilometer und über 36 Millionen Einwohnern mit geschätzt 572 Ethnien. Die Hauptstadt ist Khartum. Maßgeblich durch die hohe Ölförderung ermöglicht, hat Sudan ein Bruttoinlandsprodukt von 27,5 Milliarden Dollar (2005). Der gesamte Sudan, besonders die Region Darfur, ist extrem rohstoffreich. 5 Trotzdem ist Sudan, gemessen am Human Development Index, eines der 40 ärmsten Länder der Welt. 6 80
Die Region Darfur liegt im Westen Sudans und hat eine Fläche von circa 500.000 Quadratkilometern 7 sowie eine Bevölkerung von ungefähr 6 Million Menschen. Darfur wird in drei Bun- 85
desstaaten unterteilt: Nord-, Süd- und Westdarfur. 8 Die meisten Menschen sind afrikanischer Abstammung, sprechen dennoch arabisch und leben entweder von Subsistenzwirtschaft oder sind Viehzüchter, wobei Letztere zumeist Nomaden sind. Die Stammeszugehörigkeit hat eine zentrale Bedeutung innerhalb der Gesellschaft, auch wenn es sehr viele Mischehen gibt. Die wichtigsten Stämme sind die Fur (hauptsächlich vertreten im zentralen Darfur), Masaalit 90
4 Vgl. Report of the Secretary-General on the deployment of the African Union-United Nations Hybrid Operation in
Darfur, o.V., o.O. 07.07.2008, S. 17ff.
5 Vgl. Henken, Lühr, Sudan und Tschad im Visier der Großmächte, 03.01.2008, Site: www.imi-online.de.
6 Vgl. Sudan The Human Development Index, o.V., o.J., Site: hdrstats.undp.org.
7 Vgl. Darfur, o.V., 01.09.2006, Site: www.polixea-portal.de.
8 Vgl. Tai Ejibunu, Hassan, Sudan Darfur Region’s Crisis. Formula for Ultimate Solution, Stadtschlaining 2008, S.
13.
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(hauptsächlich vertreten im westlichen Darfur) und die Zaghawa (hauptsächlich vertreten im Norden Darfurs). 9
Ein Großteil Darfurs ist von Wüste bedeckt. Dies wird durch den zunehmenden Desertifikationsprozess noch verstärkt. Außerdem kommt es durch die jährlich um 5% abnehmende Regenmenge sowie die enorme Abholzung, welche dazu geführt hat, dass seit 1956 40% des Waldbe- 95
standes verschwunden sind, immer wieder zu Dürren. All diese Faktoren stellen vor allem für die nomadischen Viehzüchter große Probleme dar. 10 So kam es in den letzten Jahren vermehrt zur Zuwanderung von Nomaden, auch aus angrenzenden Staaten wie dem Tschad oder Libyen, in südlichere, fruchtbarere Regionen Darfurs. 11 Dieses Problem wird durch die in den letzten 50 Jahren rasant gewachsene Bevölkerung noch verschlimmert. 12 100
9 Vgl. Report of the International Commission of Inquiry on Darfur to the United Nations Secretary-General, o.V.,
Genf 25.01.2005, S. 20ff.
10 Vgl. Welzer, Harald, Klimakriege, Bonn 2008, S. 19ff.
11 Vgl. Report of the International Commission of Inquiry on Darfur to the United Nations Secretary-General, o.V.,
Genf 25.01.2005, S. 20ff.
12 Vgl. Kröpelin, Stefan, Sudan/Darfur: Der inszenierte Konflikt, 09.01.2007, Site: www.uni-kassel.de.
13 Thielke, Thilo, "Tötet die Sklaven!", o.J., Site: wissen.spiegel.de.
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Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die wichtigsten Gruppierungen und Parteien, die in den Krieg im Darfur verwickelt sind, gegeben werden. Auch die internationalen Akteure 105
werden angesprochen, da ihnen eine wichtige Rolle zugemessen werden darf.
Die Regierung Sudans greift militärisch mit ihrer Armee (Sudanese Armed Forces, kurz SAF) 110
in den Krieg ein. Diese ist aufgeteilt in die reguläre Armee (Infanterie, Luftwaffe, Marine) und die PDF (Popular Defense Forces). Der PDF kommt eine zentrale Rolle zu, weil sie freiwillige Zivilisten rekrutiert und diese nach einer kurzen Ausbildung in die reguläre Armee eingliedert. 14
Eine entscheidende Stellung haben die sogenannten Dschandschawid inne, eine zumeist arabische Miliz von ca. 20.000 Kämpfern, die genau wie die Regierungstruppen gegen die Rebellen 115
und die Bevölkerung Darfurs gewalttätig vorgeht. Dschandschawid bedeutet soviel wie „Teufel zu Pferde“. 15 Sie greifen oft zusammen mit Regierungstruppen an und bekommen von der PDF oder auch direkt von der SAF Waffen und Ausrüstung gestellt. Die Regierung lässt die Dschandschawid Plündern und Morden. Teilweise werden sie über die PDF in die reguläre Armee eingegliedert. Trotzdem bestreitet Sudan jegliche Zusammenarbeit mit den Dschandscha- 120 wid.
Eine der zwei wichtigsten Rebellenorganisationen ist die SLA/M (Sudan People Liberation 125
Army/Movement). Die Gruppe ist in einen militärischen (SLA) und einen politischen Flügel (SLM) unterteilt. Sie hat enge Beziehungen zur SPLA (Sudan People Liberation Army), einer Rebellengruppe im Süden Sudans, welche beispielsweise SLA-Kämpfer ausbildete. 16 Die SLA/M ging 2003 aus der früheren Darfur Liberation Front hervor und hat sich zum Ziel gesetzt, einen demokratischen und pluralistischen sudanesischen Staat zu schaffen, da besonders 130
die Region Darfur ihrer Meinung nach bis jetzt von jeder Regierung vernachlässigt worden sei. Ihre Mit-glieder rekrutiert sie aus afrikanischen Stämmen wie den Fur, Masaalit und Zaghawa,
14 Vgl. Report of the Secretary-General on children and armed conflict in the Sudan, o.V., o.O. 10.02.2009, S. 2f.
15 Vgl. Thielke, Thilo, Krieg im Lande des Mahdi, Essen 2006, S. 13.
16 Vgl. Strube-Edelmann, Birgit, Der Darfur-Konflikt - Genese und Verlauf, o.O. 2006, S. 14ff.
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aber auch aus arabischen Stämmen. Inzwischen spaltete sie sich jedoch mehrfach in Splittergruppen auf.
Die zweite wichtige Rebellenorganisation ist die JEM (Justice and Equality Movement). Die 135
JEM rekrutiert sich hauptsächlich aus dem Stamm der Zaghawa und hat sich ähnlich wie die SLA/M zum Ziel gesetzt die Vernachlässigung Darfurs zu bekämpfen und den Staat Sudan neu zu ordnen. 17 Es wird also deutlich, dass sich beide Rebellengruppen hauptsächlich aus der Zivilbevölkerung rekrutieren. Viele Mitglieder der JEM haben jedoch eine islamistische Einstellung. 18 Auch von der JEM spalteten sich mehrfach Splittergruppen ab, hierbei ist hauptsächlich 140
die NMRD (National Movement for Reform and Development) zu nennen. 19
Da Sudan 80% seines geförderten Öls nach China exportiert 20 , hat China ein großes Interesse 145
an seinen Beziehungen zu Sudan und blockierte deshalb schon mehrfach im UN-Sicherheitsrat Resolutionen mit denen Sudans Regierung nicht einverstanden war. China unterstützt des Weiteren Sudans Armee und hat den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofes für Präsident Omar Al-Bashir kritisiert. 21
Die USA wiederum ist die einzige Nation, die den Krieg in Darfur als Völkermord bezeichnet 150
und hat sich wiederholt für eine militärische Mission (auch unter NATO-Führung) eingesetzt.
Unterstützer der Rebellen sind die Nachbarstaaten Sudans, vor allem der Tschad, welcher den Rebellen als Rückzugsort dient und ihnen auch Waffen und Ausrüstung stellt. 22
17 Vgl. Report of the International Commission of Inquiry on Darfur to the United Nations Secretary-General, o.V.,
Genf 25.01.2005, S. 37f.
18 Vgl. Thielke, Thilo, Krieg im Lande des Mahdi, Essen 2006, S. 14.
19 Vgl. Tai Ejibunu, Hassan, Sudan Darfur Region’s Crisis. Formula for Ultimate Solution, Stadtschlaining 2008, S.
17.
20 Vgl. Henken, Lühr, Sudan und Tschad im Visier der Großmächte, 03.01.2008, Site: www.imi-online.de.
21 Vgl. China and Sudan Fact Sheet, o.V., o.J., Site: www.savedarfur.org.
22 Vgl. Henken, Lühr, Sudan und Tschad im Visier der Großmächte, 03.01.2008, Site: www.imi-online.de.
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Als Auslöser für den Konflikt kann zum einen die Vernachlässigung Darfurs, die zum Teil schon in der Kolonialzeit begründet liegt, als die Briten hauptsächlich die Region um Khartum entwickelten, was die späteren Regierungen fortführten, genannt werden. Zum anderen spielen die Konflikte zwischen den Nomaden, die aus dem Norden in den Süden drangen, und den im Süden ansässigen Bauern eine wichtige Rolle. Auch Darfurs Bodenschätze sind ausschlagge- 160
bend, weil die Rebellen beispielsweise fordern 13% der zukünftigen Öleinnahmen zu erhalten. Zusätzlich kam noch hinzu, dass das traditionelle Schlichtungsverfahren mit Hilfe neutraler Stämme, das in der Vergangenheit ähnliche Konflikte gelöst hatte, von der Regierung Al-Bashirs gestört wurde.
Die SLA griffen im April 2003 den Flughafen von El-Fashir an, zerstörten dabei militärische 165
Einrichtungen und töteten sudanesische Soldaten. Hierauf bat Sudans Regierung arabische Stämme um Hilfe und legte damit den Grundstein für die Bildung der Dschandschawid. Die Regierung begann diese zusammen mit ihrem Militär gegen die Rebellen einzusetzen. Doch sowohl die SAF als auch die Dschandschawid griffen vor allem die Zivilbevölkerung an. Ende des Jahres 2003 kam es zu einem ersten Waffenstillstandsabkommen, das allerdings nur wenige 170 Wochen Bestand hatte.
Im Frühjahr 2004 führte die sudanesische Regierung eine Großoffensive durch und so kam es zu heftigen Kämpfen. Ein im April erneut ausgehandelter Waffenstillstand wurde vor allem von den arabischen Milizen sehr bald gestört, da diese überhaupt nicht bei dessen Aushandlung beteiligt waren. 23 Im Juli schickte die AU eine Beobachtermission (AMIS: African Union Mission 175
in Sudan) nach Darfur, die später eine Truppenstärke von 7000 Soldaten erreichte. Zu Beginn des Jahres 2005 gab es bereits 1,6 Millionen Binnenvertriebene und 200.000 Menschen, die in den Tschad geflüchtet waren. 24
Am 5.5.2006 kam es nach von der AU moderierten, langwierigen Verhandlungen in Abuja (Nigeria) und unter enormem internationalem Druck, zu dem Darfur Peace Agreement (kurz 180
DPA). 25 Doch da sich die Rebellengruppen während der Verhandlungen mehrfach spalteten und schließlich nur die Fraktion der SLA/M unter Führung von Minni Minnawi und die Regierung Sudans unterzeichneten, wurden die vereinbarten Inhalte (ein Waffenstillstand, Entwaffnung der Janjaweed, Eingliederung der Rebellen in die sudanesische Armee, mehr politische Macht für die Rebellen, u.v.m.) nur teilweise bis gar nicht umgesetzt. Dass nur eine Fraktion einer Rebel- 185
lengruppe unterzeichnet hatte, führte zu Kämpfen zwischen der von Minnawi geführten Gruppe
23 Vgl. Strube-Edelmann, Birgit, Der Darfur-Konflikt - Genese und Verlauf, o.O. 2006, S. 10ff.
24 Vgl. Darfur History, o.V., o.J., Site: www.amnestyusa.org.
25 Vgl. Öhm, Manfred, Sudan: Bringt der Teilfrieden von Abuja ein Ende der Gewalt in Darfur?, Khartum
14.05.2006, S. 1f.
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und den übrigen, sich als Reaktion auf das DPA zur National Redemption Front zusammengeschlossenen, Rebellen (u. A. der JEM). 26 Solche Misserfolge bei Verhandlungen sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Rebellen oft nicht erfahren und organisiert genug sind, um sich gegen die professionelleren Vertreter der Regierung zu behaupten. 27 190
Der UN-Sicherheitsrat beschloss am 31.08.2006 die AMIS unter UN-Kommando zu stellen, doch weil die Regierung Sudans widersprach, kam es erst am 31.07.2007 zur Bildung der UNAMID (United Nations - African Union Mission in Darfur), sie übernahm die AMIS-Soldaten und es wurde ein Kontingent von 26.000 Soldaten und Polizisten geplant, das allerdings bis heute nicht erreicht ist. 28 Am 02.05.2007 wurden vom Internationalen Strafgerichtshof 195
zwei Haftbefehle gegen den sudanesischen Innenminister und einen Rebellenführer erlassen, woraufhin Sudan jegliche Zusammenarbeit mit dem Strafgerichtshof abbrach. 29 Im August führten Verhandlungen zwischen Rebellengruppen und UN/AU zu keinem Ergebnis, da die wichtigste Gruppe, die SLA, nicht teilnahm. 30 Auch Ende 2007 bei den Friedensverhandlungen in Libyen wurden keine Erfolge erzielt, weil diesmal überhaupt keine Rebellengruppe teilnahm. 31 200
Anfang Januar 2008 begann die UNAMID ihren Dienst, doch nur 9.000 von geplanten 26.000 Soldaten waren verfügbar. Am 10.05.2008 rückten die Rebellen in Richtung Khartum vor und provozierten somit noch mehr Unruhen in Darfur. 32
An den Friedensverhandlungen in Katar Anfang 2009 nahm nur die JEM teil, denn die anderen Rebellengruppen warfen Katars Regierung vor, nicht neutral zu sein. 33 Im Allgemeinen wird 205
also eher zu den Waffen gegriffen als verhandelt. 34 Der Internationale Strafgerichtshof sprach am 04.03.2009 einen Haftbefehl gegen Sudans Präsidenten Omar Hassan Al-Bashir aus 35 , woraufhin dieser mehreren internationalen Hilfsorganisationen die Arbeit in Darfur untersagte. 36 Bis heute sind schätzungsweise 200.000 Menschen aufgrund des Konfliktes ums Leben gekommen und 260.000 wurden vertrieben. 37 210
26 Vgl. Kröpelin, Stefan, Sudan/Darfur: Der inszenierte Konflikt, 09.01.2007, Site: www.uni-kassel.de.
27 Vgl. Öhm, Manfred, Sudan: Bringt der Teilfrieden von Abuja ein Ende der Gewalt in Darfur?, Khartum
14.05.2006, S. 2f.
28 Vgl. Darfur History, o.V., o.J., Site: www.amnestyusa.org.
29 Vgl. Bürgerkrieg in Dafur, o.V., o.J., Site: www.bpb.de.
30 Vgl. Schumann, Gerd, Verhandlungsboykott, 07.08.2007, Site: www.uni-kassel.de.
31 Vgl. ders., Rebellen fehlen, 30.10.2007, Site: www.uni-kassel.de.
32 Vgl. Darfur History, o.V., o.J., Site: www.amnestyusa.org.
33 Vgl. Engelhardt, Marc, Feinde am Verhandlungstisch, 27.02.2009, Site: www.uni-kassel.de.
34 Vgl. Report of the Secretary-General on the deployment of the African Union-United Nations Hybrid Operation in
Darfur, o.V., o.O., 07.07.2008, S. 11f.
35 Vgl. Raupp, Judith, Aufsteiger ohne Skrupel, 04.03.2009, Site: www.sueddeutsche.de.
36 Vgl. Wiemann, Esther, Ohne die Helfer in Darfur werden Menschen sterben, 06.03.2009, Site: www.spiegel.de.
37 Vgl. Darfur History, o.V., o.J., Site: www.amnestyusa.org.
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Das Hauptproblem der AU-Mission AMIS war die Korruption. Es sollen beispielsweise direkt Gelder von der AU zu den Rebellen der SLA/M geflossen sein. Die unregelmäßige Auszahlung des Soldes an die afrikanischen Soldaten trug mit Sicherheit zur Korruption bei. Schlechte Ausrüstung und Versorgung der AMIS erschwerte es der Truppe außerdem enorm die Zivilisten zu beschützen. 38 220
Da die AU also offensichtlich überfordert war, wurde Anfang 2008 die UNAMID ins Leben gerufen. Von Anfang an hatte auch diese Mission mit immensen Problemen zu kämpfen, vor allem was ihre Versorgung und Ausrüstung anging. 39 Unter anderem wegen der starken Zersplitterung der Rebellengruppen und der dadurch erschwerten Kommunikation der Hilfsorganisationen bzw. der UN mit diesen, kommt es auch immer häufiger zu Überfällen auf Hilfs- und 225
UN-Konvois. 40 Das folgende Zitat verdeutlicht die schwierige Situation der UNAMID-Mission sehr gut:
„Die Unamid hat total unterschätzt, wie groß das Gebiet ist. Es ist unmöglich, diese Fläche zu kontrollieren. Die Blauhelme sind tagtäglich fast nur damit beschäftigt, ihre eigenen Lager gegen Angriffe zu sichern. (…) Allein personell und 230
logistisch wäre die Unamid nicht in der Lage, die vielen Transporte (…) zu überwachen. Außerdem wird sie in der Region kaum respektiert, im Gegenteil: ‚Wer mit einer Uno-Eskorte unterwegs ist, wird selbst zur Zielscheibe‘“ 41
38 Vgl. Neun, Daniel, Darfur: EU-Gelder flossen über AU an Milizen, 05.08.2007, Site: hahn.blogkade.de.
39 Vgl. Helikopter statt Worte, o.V., 31.07.2008, Site: www.sueddeutsche.de.
40 Vgl. Schwabe, Alexander, „Es herrscht der blanke Überlebenskampf“ 1.Teil, 31.08.2008, Site: www.spiegel.de.
41 ders., „Es herrscht der blanke Überlebenskampf“ 2.Teil, 31.08.2008, Site: www.spiegel.de.
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Um zu verstehen, warum der Friedensprozess in Darfur so langsam voranschreitet und immer wieder Rückschläge erleidet, muss man berücksichtigen, um welchen Kriegstypus es sich hierbei handelt. Zunächst wird der Begriff „Neuer Krieg“ definiert. Im zweiten Teil wird, aufbauend auf Kapitel 2, überprüft, inwiefern es sich beim Darfur-Konflikt um einen „Neuen Krieg“ han- 240
Die klassischen Staatenkriege wurden nach mehr oder weniger festen Regeln und Normen geführt. So gab es beispielsweise die Kriegserklärung, die den Beginn des Krieges darstellte und 245
den ihn abschließenden Friedensvertrag, der fast immer einen Siegfrieden bedeutete. Das heißt, dass der Staat, der die entscheidende Schlacht gewann, gewisse Forderungen an den anderen Staat stellen durfte. Auch die Kriegsführung selbst war von gewissen ethischen Normen geprägt, so wurden beispielsweise Vergewaltigungen verboten und oft auch Übergriffe auf die Zivilbevölkerung. Die Kriegsdauer wurde dadurch beschränkt, dass das umkämpfte Gebiet ir- 250
gendwann keine Ressourcen mehr hergab, die aber für die Kriegsführung dringend benötigt wurden.
In den „Neuen Kriegen“ sind diese Faktoren nicht mehr gegeben. So gibt es keine direkte Kriegserklärung, sondern meistens einen sich entwickelnden Gewaltprozess, der irgendwann die Züge eines Krieges annimmt. Die Opponenten eines solchen Krieges sind oft ungleicher Natur, 255
so kämpfen häufig kleinere Rebellengruppen gegen ganze Staaten. Da die Rebellengruppen den Staaten militärisch unterlegen sind, müssen sie auf die Taktik des Partisanenkampfes zurückgreifen. 42 Dass es solchen Gruppen aber überhaupt möglich ist einen Staat zu bekämpfen, liegt hauptsächlich daran, dass häufig mit Schnellfeuerwaffen ausgerüstete und mit Jeeps mobilisierte Kinder oder Jugendliche als Soldaten eingesetzt werden. Dies und die durch die Ausbeutung der 260
Zivilbevölkerung eingenommenen Mittel verbilligen einen solchen Krieg enorm und machen es so auch „kleineren“ Partisanengruppen möglich, einen Krieg gegen einen Staat zu führen.
Es kommt im Partisanenkampf, aber zu keiner Entscheidungsschlacht, sondern lediglich zu vielen kleinen Gefechten aus denen kein endgültiger Sieger hervorgehen kann. 43 Dies zum einen und die Versorgung der Kämpfenden, welche durch die Globalisierung extrem erleichtert wird 265
42 Vgl. Münkler, Herfried, Neues vom Chamäleon Krieg, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bundeszentrale für
politische Bildung (Hg.), Bonn 16.4.2007, Seite 3ff.
43 Vgl. Münkler, Herfried, Die neuen Kriege, Reinbek bei Hamburg 2007, Seite 48ff.
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zum anderen, tragen dazu bei, dass solche Kriege oft sehr lange anhalten können, da ihnen nie der Nachschub ausgeht und sie nur sehr schwer militärisch zu beenden sind. Des Weiteren sind sie räumlich nicht präzise beschränkt, da keine Staaten gegeneinander im eigenen oder fremden Territorium kämpfen. In solchen Kriegen haben die involvierten Staaten also das Gewaltmonopol verloren und sind aus den genannten Gründen auch nicht in der Lage, diese Kriege militä- 270 risch zu beenden.
Auch die in den Staatenkriegen oft von beiden Seiten eingehaltenen ethischen Normen der Kriegsführung, kommen in den neuen Kriegen nicht zum Tragen; im Gegenteil: Die Neuen Kriege richten sich wesentlich mehr gegen die Zivilbevölkerung und es kommt sehr häufig zu Vergewaltigungen. Diese werden sogar schon als Kriegsmittel eingesetzt. Meistens um große 275
Bevölkerungsteile durch die von den Vergewaltigungen ausgehenden gesellschaftlichen Konflikte zu zermürben und schließlich zu vertreiben. 44 Die Brutalität im Allgemeinen scheint in den Neuen Kriegen zugenommen zu haben, was einhergeht mit dem Fehlen jeglicher Konventionen und Normen, wie sie in früheren Staatenkriegen üblich waren. 45
Dass die Zivilbevölkerung hier mehr und mehr zur Zielscheibe wird, lässt sich dadurch erklä- 280
ren, dass die Plünderung ein maßgeblicher Bestandteil der Versorgung der Kombattanten darstellt und dass sich durch die Unterdrückung der Zivilisten eine Kriegsökonomie aufrecht erhalten lässt. Beispielsweise werden die Hilfsgüter humanitärer Organisationen, die der unterdrückten Zivilbevölkerung helfen wollen, beschlagnahmt und daraufhin zu einem billigen Preis verkauft oder für die eigene Versorgung verwendet. 46 Oft wird zusätzlich mit illegalen Gütern wie 285
Drogen oder illegal im umkämpften Gebiet abgebauten Rohstoffen gehandelt. Auch die große Gefahr von Seuchen, die sich vor allem in den Flüchtlingslagern ausbreiten sowie die schlechte Nahrungsmittelversorgung, dadurch hervorgerufen, dass die Bauern ihre Felder nicht mehr bestellen können, sind Gründe für viele zivile Opfer. So kommt es, dass bis zu 80% der Opfer der Neuen Kriege Zivilisten sind. 47 290
Ein weiteres wichtiges Charakteristikum der Neuen Kriege sind die durch die häufige Gewaltanwendung gegen Zivilisten hervorgerufenen großen Flüchtlingsströme. 48 Diese tragen auch dazu bei, dass sich die Kriege transnationalisieren, da Flüchtlingslager von den Kriegsparteien als Nachschublager genutzt werden können. Befinden diese sich in benachbarten Staaten, werden die Kämpfe schnell auch hier ausbrechen. 295
Sind die ersten Kämpfe überstanden und hat sich eine gewisse Machtverteilung herauskristallisiert und sich so auch eine erste Kriegsökonomie eingestellt, so scheinen die Kämpfe oft zu
44 Vgl. ebd., S. 144ff.
45 Vgl. Münkler, Herfried, Neues vom Chamäleon Krieg, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bundeszentrale für
politische Bildung (Hg.), Bonn 16.4.2007, Seite 3ff.
46 Vgl. ders., Die neuen Kriege, Reinbek bei Hamburg 2007, S. 155ff.
47 Vgl. ebd., S. 21ff.
48 Vgl. ebd., S. 153ff.
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verschwinden. Doch tun sie dies nur solange, bis eine Seite wieder Ressourcen benötigt oder einen erneuten Angriff wagt. Es kann so über mehrere Wochen oder gar Monate keine Kampf-handlungen geben, nur damit sie dann wieder aus genannten Gründen ausbrechen. Man be- 300
zeichnet dies auch als „low intensity war“. 49
Da ein Friedensvertrag zwischen allen betroffenen und beteiligten Parteien des Krieges durch die Transnationalisierung, die für mindestens eine Seite profitable Kriegsökonomie und dadurch, dass oft sehr viele verschiedene, kleinere und größere, Akteure in den Konflikt eingreifen, nur sehr schwer zu verhandeln ist, spricht man hier vielmehr von einem Friedensprozess. In 305
diesem werden die Bevölkerung und die Kombattanten langsam wieder auf einen Frieden vorbereitet und die Kämpfe werden weniger. Dies kann natürlich von einem Friedensvertrag zwischen den wichtigsten Parteien initiiert werden. Es ist meistens notwendig, dass ein solcher Friedensprozess von einer neutralen Partei, die auch über Sanktionsmöglichkeiten verfügt, moderiert wird. Häufig kommt diese Rolle westlichen Ländern zu, die diese allerdings nur sehr 310
ungern übernehmen, gerade weil es militärisch aufwändig und teuer ist. Selbst eine Intervention muss aber nicht immer Erfolg haben, denn ist ein Konflikt erst einmal über Staatsgrenzen hinweg ausgebreitet, wird es für die Friedenstruppen schwerer, Gewalt zu unterbinden. 50
Das deutlichste Indiz dafür, dass es sich um einen Neuen Krieg handelt, findet sich in den kämpfenden Parteien selbst: Eine staatliche Armee kämpft gegen private Rebellengruppen und ist trotzdem nicht in der Lage, diese erfolgreich zu bekämpfen und auch die Rebellen haben bis jetzt keine Aussicht auf einen Sieg. 51 Hier müssen auch die internationalen Akteure genannt 320
werden, die beide Konfliktparteien immer wieder mit Waffen und Ausrüstung versorgen. Zum einen unterstützt China die Regierung Sudans, zum anderen werden die Rebellen beispielsweise vom Tschad unterstützt, sowohl mit Waffen, als auch mit dem Gewähren eines Rückzugsgebietes. 52 Dies ist ein erstes Anzeichen der, für die Neuen Kriege typischen, Transnationalisierung. Des Weiteren sind die Angriffe von sudanesischen Soldaten gegen die tschadische Armee, die 325
dazu geführt haben, dass sich nun auch die JEM im Tschad aufhält, um die sudanesischen Truppen dort zu bekämpfen, ein Anzeichen der Transnationalisierung. 53 Ferner gibt es sehr viele
49 Vgl. Münkler, Herfried, Neues vom Chamäleon Krieg, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bundeszentrale für
politische Bildung (Hg.), Bonn 16.4.2007, S. 125ff.
50 Vgl. ders., Die neuen Kriege, Reinbek bei Hamburg 2007, Seite 222ff.
51 Vgl. Welzer, Harald, Klimakriege, Bonn 2008, S.98.
52 Vgl. Thielke, Thilo, Krieg im Lande des Mahdi, Essen 2006, S. 13.
53 Vgl. Darfur rebels confirm Sudan troops in Chad, o.V., 05.02.2008, Site: www.polity.org.za.
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Flüchtlingscamps, in denen aus Darfur Vertriebene leben, im östlichen Tschad. 54 Diese Lager sollen auch schon Ziel von Angriffen der Dschandschawid geworden sein. 55
Die Tatsache, dass sogar schon einige Dschandschawid-Gruppen aufgrund besserer Bezahlung 330
zu den Rebellen übergelaufen sind, 56 zeigt, dass es sich nicht nur um einen ideologischen Krieg handelt, sondern die einzelnen Gruppen vom Krieg profitieren oder leben, was Grundlage für eine Kriegsökonomie ist. Auch die Tatsache, dass immer wieder Hilfskonvois überfallen werden, um die Beute danach zu verkaufen, deutet auf eine solche Kriegsökonomie hin. 57 Diese Milizen machen aber auch deutlich, dass mit vergleichsweise einfachen Mittel gekämpft wird. 335
Dschandschawid-Kämpfer sind oft nur mit Schnellfeuergewehren und Satteltieren oder Jeeps ausgestattet, verfügen also nicht über teure, moderne Waffentechnologie. Ähnlich verhält es sich bei den Rebellen und teilweise sogar schon bei der sudanesischen Armee. 58 Auch der Einsatz von Kindern als Soldaten sowohl seitens der Regierungstruppen und der Dschandschawid als auch der Rebellen ist ein weiteres typisches Merkmal eines Neuen Krieges. 59 Ebenso ist dies 340
die vergleichsweise große Brutalität mit der teilweise vorgegangen wird. So gibt es Berichte darüber, dass Menschen lebendig verbrannt oder gekreuzigt wurden. 60
Wichtig ist auch, dass es keine Kriegserklärung gab, vielmehr war Sudans Regierung überrascht vom ersten Angriff der Rebellen. 61 Weiterhin ist auch der Kriegsverlauf typisch für einen Neuen Krieg: Die Kämpfe werden immer wieder von maroden Waffenstillständen unterbro- 345
chen, um dann von Neuem auszubrechen. Auch gibt es sehr viele Vergewaltigungen und extreme Gewaltanwendungen gegen Zivilisten, vor allem seitens der Dschandschawid. 62
Viele Merkmale eines „Neuen Krieges“ finden sich also im Darfur-Konflikt wieder.
54 Vgl. Report of the International Commission of Inquiry on Darfur to the United Nations Secretary-General, o.V.,
Genf 25.01.2005, S. 62.
55 Vgl. Darfur conflict zones map, o.V., 06.12.2006, Site: news.bbc.co.uk.
56 Vgl. Henken, Lühr Sudan und Tschad im Visier der Großmächte, 03.01.2008, Site: www.imi-online.de.
57 Vgl. Schwabe, Alexander, „Es herrscht der blanke Überlebenskampf“ 1. Teil, 31.08.2008, Site: www.spiegel.de.
58 Vgl. Welzer, Harald, Klimakriege, Bonn 2008, S. 94f.
59 Vgl. Report of the Secretary-General on children and armed conflict in the Sudan, o.V., o.O., 10.02.2009, S. 4f.
60 Vgl. Report of the International Commission of Inquiry on Darfur to the United Nations Secretary-General, o.V.,
Genf 25.01.2005, S. 96ff.
61 Vgl. Strube-Edelmann, Birgit, Der Darfur-Konflikt - Genese und Verlauf, o.O. 2006, S. 15.
62 Vgl. Report of the International Commission of Inquiry on Darfur to the United Nations Secretary-General, o.V.,
Genf 25.01.2005, S. 3.
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Nach einem umfassenden Überblick über den Konflikt, seine Entstehung und den Verlauf und nachdem die Frage geklärt wurde, inwiefern es sich um einen Neuen Krieg handelt, soll nun aufgezeigt werden, inwiefern sich Letzteres auf den Friedensprozess auswirkt. Unter Friedensprozess sollen hier zum einen die bisherigen Friedensverhandlungen und zum anderen die Mis- 355
sionen der UN sowie der AU verstanden werden.
Einer der wichtigsten Aspekte, um zu verstehen, warum der Friedensprozess im Darfur-Konflikt, einem Neuen Krieg, so kompliziert ist, ist die Tatsache, dass keine der Parteien zu unterliegen droht und immer wieder neuer Nachschub, mit Hilfe der Globalisierung und dem Ausbeuten der Zivilbevölkerung, gesichert ist. Theoretisch könnte der Krieg also noch viele 360
Jahre weitergeführt werden, was man am Beispiel des Nord-Süd-Konfliktes im Sudan sehen konnte: Dieser dauerte mehr als 20 Jahre. Kommt noch hinzu, dass eine Partei von diesem Konflikt profitiert, so hat diese noch weniger Interesse einen Friedensvertrag zu unterzeichnen, der sie möglicherweise einschränken könnte. Dies wird am Beispiel der Dschandschawid deutlich, von denen Teile zu den Rebellen gewechselt sind, welche sie zuvor erbittert bekämpft hatten, da 365
sie dort besser bezahlt wurden (siehe 3.2). Ist eine Partei also mit den Bedingungen eines Friedensvertrages nicht einverstanden, kann diese einfach weiterkämpfen und darauf hoffen, dass sie in späteren Verhandlungen ihre Forderungen durchsetzen kann. Genau das scheint in Darfur der Fall zu sein. Allerdings wurde die Regierung Sudans durch den Haftbefehl gegen Al-Bashir etwas unter Druck gesetzt, auf eine friedliche Lösung hinzuarbeiten. 370
Werden dennoch Verhandlungen geführt, so kommt es nicht selten vor, dass nicht alle Rebellengruppen daran teilnehmen. Diese Tendenz wird durch die Aufsplitterung der aufständischen Gruppierungen noch verstärkt, da jede Gruppe andere Interessen und Ziele verfolgt. Trotzdem stattfindende Friedensverhandlungen werden durch diese Interessenvielfalt zusätzlich erschwert, da es umso schwerer wird, einen gemeinsamen Konsens zu finden, je mehr Parteien an den 375
Verhandlungen beteiligt sind. Sollte sich außerdem die Tendenz der Transnationalisierung, vor allem in den Tschad hinein, fortsetzen, so könnte dies zu erheblichen Problemen führen, da dann noch mehr Konfliktparteien berücksichtigt werden müssten. Außerdem hätten die Rebellen eine noch größere Sicherheit, nicht zu unterliegen, sollten sie in der Lage sein, ihre Rückzugspunkte im Tschad auszubauen. 380
Ein weiteres großes Problem stellen die Dschandschawid in der Hinsicht dar, als dass sie nie-mandem direkt unterstellt sind und wie sich bei den Überläufen zu den Rebellen gezeigt hat, nicht einmal der Regierung Sudans folgen. Sie könnten also einen mühsam ausgehandelten
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Frieden immer wieder durch Angriffe stören, wie dies beispielsweise bei dem Waffenstill-standsabkommen im April 2004 der Fall gewesen ist. 385
Die Verhandlungen werden auch dadurch noch erschwert, dass hier nicht zwei Staaten mitein-ander verhandeln, sondern private Gruppierungen mit einem Staat. Dies hat zur Folge, dass die wesentlich erfahreneren Vertreter der Regierung Sudans, die Verhandlungen dominieren und die Rebellen sich oft im Nachteil sehen. Gut ist dies am DPA zu erkennen, welches unter massivem internationalem Druck „ausgehandelt“ wurde und an dem sich nur die SLA beteiligte, da 390
die anderen Rebellengruppen ihre Interessen nicht vertreten sahen (siehe 2.3).
All diese Faktoren wirken sich natürlich auch auf die Friedensmissionen sowohl der AU als auch der UN aus. Grundsätzlich hat die UNAMID das gleiche Problem wie die SAF: Sie muss gegen Partisanengruppen kämpfen, die militärisch nur schwer unter Kontrolle zu bringen sind. Weiterhin hat die seit der Zersplitterung der Rebellen schwieriger gewordene Kommunikation 395
zwischen Rebellengruppen und UN dazu geführt, dass vermehrt Konvois und einzelne Fahrzeuge überfallen und gestohlen werden. Dies setzt der sowieso schlecht ausgerüsteten Friedensmission UNAMID zusätzlich zu und erschwert ihre Arbeit (siehe 2.4). Dadurch sinkt ihr Ansehen bei der Bevölkerung und den Rebellen noch weiter. Doch dies benötigen sie dringend, um ihrer Rolle als neutrale Schlichtungspartei gerecht zu werden (siehe 3.1). An genau diesem Punkt ist 400
auch die AMIS gescheitert, die durch ihre mangelnde Organisation und Ausrüstung ihrer Aufgabe, die Zivilbevölkerung zu beschützen, nicht nachkam und sogar so korrupt war, die Rebellen zu unterstützten. Weitreichend weit reichend
Abschließend kann man also sagen, dass der Friedensprozess in einem Neuen Krieg, wie im Darfur-Konflikt, von sehr vielen Faktoren abhängig ist. Da es in einem solchen Krieg keine 405
klaren Fronten gibt, sein Verlauf unberechenbar ist und seine Auswirkungen so komplex sind, stellt ein Neuer Krieg enorme Anforderungen an alle Parteien, die an seiner Beilegung interes- siert sind.
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Welzer, Harald, Klimakriege, Bonn 2008
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