Politische Konjunkturzyklen
Hauptseminar in Finanzwissenschaft
im Sommersemester 2009
zum Thema
,,Ökonomische Theorie der Politik"
Seminar für Finanzwissenschaft
Universität zu Köln
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis...I
Abkürzungsverzeichnis...II
1 Einleitung...1
2 Die Wirtschaftspolitik in einem demokratischen Umfeld...2
3 Politische Konjunkturzyklen nach William D. Nordhaus ...2
3.1 Das ökonomische System ...3
3.2 Die Legitimation der Regierung ...4
3.3 Die optimale Wirtschaftspolitik der opportunistischen Regierung ...5
4 Kritik am Nordhaus Modell ...6
4.1 Die Wirtschaftspolitik unter rationaler Erwartungshaltung ...7
4.2 Empirie...10
5 Politische Konjunkturzyklen nach Rogoff und Siebert ...11
5.1 Das Ökonomische System...12
5.2 Die Informations- und Entscheidungsstruktur ...13
5.3 Das politische System ...13
5.4 Die Wirtschaftspolitik einer opportunistischen Regierung ...15
6 Fazit...16
Mathematischer Anhang...17
Literaturverzeichnis...21
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Kurz- und Langfristige Phillipskurve...7
Abbildung 2: Rationale Erwartungen verhindern Konjunkturzyklen ...12
I
Abkürzungsverzeichnis
Inflationsrate
Erwartete Inflationsrate
Veränderung der erwarteten Inflationsrate
dv / dt=
Arbeitslosigkeit
u
Nutzenfunktion des Haushalts i
U
i
=
U
i
z
1
,... , z
m
Nutzenstiftende gesamtwirtschaftliche Variable
z
i
Subjektiver ökonomischer Standard
z
Individuelle Wahlfunktion
V
t
i
=
i
z
1,...
, z
m
Aggregierte Wahlfunktion
V
t
=
g z
1,...
, z
m
Gesamtwirtschaftlicher Output (langfristig)
Y
L
Wachstumsrate der Staatsausgaben
f
Wachstumsrate der Geldmenge
m
Aggregierte Angebotsfunktion (Grafik)
SAS
Aggregierte Nachfragefunktion (Grafik)
DAD
Regierungskompetenz
Öffentliche Leistungen
G
Lump-Sum Steuer
Verzerrende Steuer
Wohlfahrtsverlust
W =W .
Exogenes konstantes Einkommen
y
Soziale Wohlfahrtsfunktion
=.
Kompetenzschock
Politische Parteien
j L , R
Parteispezifische Präferenzen
j
II
- 1-
1 Einleitung
In der öffentlichen Diskussion wird vor Wahlen gerne das Argument genutzt, dass die
Regierung mittels teurer Wahlgeschenke versuche, sich den Machterhalt zu sichern. Es
ist daher nicht überraschend, dass wenige Monate vor der bevorstehenden
Bundestagswahl den Wählern umfangreiche Subventionen und Steuersenkungen
versprochen werden. Diese Sichtweise steht im Gegensatz zu traditionellen
ökonomischen Modellen, in denen die Regierung stets am Gemeinwohl orientiert ist.
Natürlich steht die kommende Bundestagswahl aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise
unter besonderen Vorzeichen und die Politik ist aufgefordert rasch zu handeln. Ganz
allgemein drängt sich jedoch die Frage auf, warum die Wähler einer Regierung, die
mehr auf ihren eigenen Vorteil, als auf das Allgemeinwohl bedacht ist, weiterhin das
Vertrauen schenken sollten und ob es überhaupt eine nachvollziehbare Strategie der
Regierung ist, vor Wahlen gezielt in das Wirtschaftsgeschehen einzugreifen, um
dadurch den Machterhalt sicherzustellen. In der folgenden Hausarbeit wird dies näher
betrachtet und konkret der Frage nachgegangen, wie die Wirtschaftspolitik einer
ausschließlich an der Wiederwahl orientierten Regierung ausgerichtet ist. Dabei werde
ich die dieser Sichtweise nahe stehende Argumentation zur Entstehung politischer
Konjunkturzyklen aufgrund der Verfolgung von Parteiideologien völlig ausklammern.
Im Weiteren werde ich die Ansicht vertreten, dass die Regierung für die Umsetzung
ihrer Ideen Wahlen gewinnen muss und ihrer Politik daher primär am Machterhalt
ausgerichtet ist. Die Hausarbeit gliedert sich in vier Abschnitte. Im zweiten Abschnitt
werde ich zunächst kurz die Präferenzen der Politik darstellen, um dann im dritten
Abschnitt das wohl bekannteste Modell zu Theorie politischer Konjunkturzyklen von
William D. Nordhaus vorzustellen und mit dessen Hilfe zu zeigen, wie die
Wirtschaftspolitik einer opportunistischen Regierung konkret gestaltet ist. Da das
Modell auf einer adaptiven Erwartungshaltung aufbaut, werde ich in Abschnitt vier
diese Annahmen kritisch betrachten und darlegen, dass durch eine rationale
Erwartungshaltung der Wähler der Zusammenhang des Nordhaus Modell nicht gehalten
werden kann. Darauf aufbauend werde ich im vorletzten Abschnitt mit Hilfe des
Modells von Rogoff und Siebert zeigen, dass die grundlegende Intuition eines
opportunistischen Eingriffs der Regierung auch unter rationaler Erwartungshaltung
nicht verworfen werden muss, wenn man von einer Informationsasymmetrie zwischen
Regierung und Wähler ausgeht. Schließen werde ich die Hausarbeit mit einem kurzen
Fazit.
- 2-
2 Die Wirtschaftspolitik in einem demokratischen Umfeld
Die Wirtschaftspolitik einer Regierung wird in ökonomischen Modellen traditionell als
exogene Größe betrachtet, wodurch die Interaktion zwischen dem ökonomischen und
politischen Sektor verkannt wird. Gleichzeitig wird dadurch das Eigeninteresse der
politischen Akteure unterschätzt, wodurch diese bestimmte Maßnahmen bewusst nicht
umsetzen. Diese Exogenität der Wirtschaftspolitik ist zudem inkonsistent mit der Public
Choice Theorie, die aufbauend auf dem methodologischen Individualismus davon
ausgeht, dass alle politischen Entscheidungen auf die Nutzenmaximierung der
politischen Eliten zurückzuführen sind.
1
Nutzen ziehen die politischen Eliten
insbesondere aus dem ,,Genuss der mit einem politischen Amt verbundenen
Annehmlichkeiten,"
2
so dass ein Politiker bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen
stets deren Konsequenz hinsichtlich seiner Wiederwahlchancen berücksichtigt.
3
Die
Politiker verhalten sich somit opportunistisch und die Regierung betreibt eine auf
Stimmenmaximierung ausgerichtete Politik. Dabei muss sie sich an den Präferenzen des
Medianwählers orientieren, damit im Wettbewerb um die Wählerstimmen der
Machterhalt gesichert werden kann.
4
Da sich die Regierung in einer repräsentativen
Demokratie in bestimmten Abständen der Legitimation durch die Bevölkerung stellen
muss und deren Wahlentscheidung von der aktuellen wirtschaftlichen Lage abhängig ist,
gilt es zu untersuchen, wie die Wirtschaftspolitik der Regierung konkret gestaltet wird
und welche Folgen dadurch für die Volkswirtschaft entstehen. Im folgenden Abschnitt
werde ich dies mit Hilfe des Modells von William D. Nordhaus analysieren.
3 Politische Konjunkturzyklen nach William D. Nordhaus
5
Nordhaus zeigt mit seinem Modell, dass die opportunistische Regierung in einem
demokratischen Umfeld ihre Wirtschaftspolitik an den periodisch stattfinden Wahlen
ausrichtet. Die Wähler machen die Regierung für die ökonomische Entwicklung
verantwortlich und treffen ihre Wahlentscheidung ausschließlich unter Berücksichtigung
der auslaufenden Legislaturperiode, so dass vergangene Legislaturperioden völlig außer
acht gelassen werden. Vor Wahlen kommt es zu einer expansiven Nachfragepolitik der
Regierung, der eine kontraktive Wirtschaftspolitik in der neuen Legislaturperiode folgt.
1
Vgl. Buchanan/Tollison (1984), The Theory of public choice II.
2
Krisch (1997), S. 232-233.
3
Vgl. Frey/Schneider (1979), S. 29-30.
4
Vgl. Paldam (1997), S. 347-348.
5
Die Ausführungen in Abschnitt 3 beziehen sich im Wesentlichen an Nordhaus (1975). Im Folgenden
wird nur ergänzend verwendete Literatur separat ausgewiesen.
- 3-
Um dieses Verhalten der Regierung zu erklären, werde ich im Weiteren zunächst die
ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen darstellen und daraus die optimale
Politik einer opportunistischen Regierung ableiten.
3.1 Das ökonomische System
Das ökonomische System beschreibt den Zusammenhang zwischen den für die
Regierung maßgeblichen makroökonomischen Variablen. Per Annahme sind die
politischen Eliten in der Lage, diese mittels ihrer Wirtschaftspolitik zu steuern.
Aufgrund der geltenden Beziehung zwischen den makroökonomischen Variablen sind
sie jedoch in ihrer Entscheidungsfreiheit begrenzt, so dass nicht jede erwünschte
ökonomische Struktur auch tatsächlich realisierbar ist. Der Zusammenhang wird hier
durch das in der Ökonomie heftig diskutierte Modell der Phillipskurve
6
beschrieben.
Dieses erklärt den negativen trade-off zwischen der Inflationsrate und
Arbeitslosenquote, der bei adaptiver Erwartungshaltung hinsichtlich der erwarteten
Inflation aus einem Argument der Keynsianischen Theorie abgeleitet wird.
7
Ein
überhöhter und starrer Nominallohn kann der keynsianischen Theorie folgend zu einem
überhöhten Reallohn führen, wodurch der Arbeitsmarkt, bei einer verzögerten
Anpassung der Preiserwartungen der Arbeitnehmer, von der Nachfrageseite begrenzt
wird und ein Unterbeschäftigungsgleichgewicht entsteht. Kommt es in dieser Situation
zu einer Steigerung des allgemeinen Preisniveaus, so sinkt der Reallohn und die
Nachfrage nach Arbeitskräften steigt, wodurch die Arbeitslosenquote unter ihr
natürliches Niveau sinken kann.
8
Der Theorie weiter folgend, wäre eine geringe
Arbeitslosenquote dann stets mit einer höheren Inflationsrate verbunden. Die Politik
könnte diesen negativen trade-off kurzfristig ausnutzen, um durch geeignete Fiskal-
und/oder Geldpolitik jede ihr genehme Kombination von Inflationsrate und
Arbeitslosenquote zu realisieren, die auf der Phillipskurve möglich ist. Bei adaptiven
Erwartungen passen die Haushalte ihre Preiserwartungen nur zeitverzögert an die
tatsächlich realisierte Inflation an, so dass diese erst mittelfristig höhere Nominallöhne
aufgrund des gestiegen Preisniveau fordern werden.
9
Dadurch sinkt die Beschäftigung
jedoch wieder auf ihr natürliches Niveau, bei einer gleichzeitig höheren Inflationsrate.
10
6
Einen guten Überblick über die Diskussion bieten Santomero/Seater (1978).
7
Vgl. Felderer/Homburg (2005), S. 244.
8
Vgl. Felderer/Homburg (2005), S. 149-152.
9
Vgl. Felderer/Homburg (2005), S. 244-245.
10
Vgl. Felderer/Homburg (2005), S. 245-246.
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