Gliederung:
1. Einleitung
(S. 3 )
2. Die Theorie Max Webers
(S 3 )
2. 1 Kapitalismusbegriff Max Webers (S. 3 )
2.2 Luthers Berufskonzept (S. 6 )
2.3 Der asketische Protestantismus (S. 7 )
2.3.1 Kalvinismus (S. 9 )
2.3.2 Der Pietismus (S. 9 )
2.3.3 Methodismus (S. 10 )
2.3.4 Katholizismus (S. 10 )
2.4 Askese und kapitalistischer Geist (S. 11 )
3. Kritische Betrachtung der Theorie Webers
(S. 13 )
3.1 Kapitalistische Ansätze als aditives bzw. intervenierendes Modell von
Minorität und Glaubensdifferenzen (S. 13 )
3.2 Idealtypen als ideale empirisch gesicherte Lösung? (S. 14 )
3. 3 Berufsethikbegriff (S. 18 )
4. Resümee
(S. 19 )
Literaturverzeichnis (S. 21 )
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1. Einführung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Untersuchungen Max Webers zur
protestantischen Ethik im Zusammenhang mit dem Kapitalismus.Um einen tieferen Einblick in die Thematik zu bieten, wird zunächst auf Webers Vorstellung von Kapitalismus eingegangen. Weiterhin werden Luthers Berufkonzept und die Interpretation von Weber dargestellt. In einem folgenden Schritt werden die Gedanken Webers zu einigen protestantische Strömungen und die religiösen Grundlagen der protestantischen Ethik näher betrachtet. Erwähnung finden hierbei der Kalvinismus, Pietismus bzw. Puritanismus, als auch der Methodismus. Weiterhin wird in kurzer Form der Katholizismus diesen gegenübergestellt, was die Argumentation Webers klarer verdeutlichen soll. Bevor die Thesen einer kritischen Betrachtung ausgesetzt werden, erfolgt eine Zusammenfassung zum Punkt Askese und kapitalistischer Geist. Im letzten Teil der Arbeit werden einzelne kritische Ideen zur Theorie Webers vorgestellt und auf ihre Plausibilität untersucht. Hierbei finden sowohl bestätigende als auch anzweifelnde Ansätze Berücksichtigung.
2. Die Theorie Max Webers
2.1 Der Kapitalismusbegriff Max Webers
Um sich mit dem Zusammenhang zwischen protestantischer Ethik und Kapitalismus zu beschäftigen ist es unabdingbar, sich zunächst eine Vorstellung von Webers Kapitalismusbegriff zu machen. Beginnen soll diese Auseinandersetzung mit einem Zitat des grossen deutschen Soziologen in dem er Kapitalismus definiert:
„Ein kapitalistischer Wirtschaftsakt soll uns heissen zunächst ein solcher, der auf Erwartung von Gewinn durch Ausnützung von Tauschchancen ruht: auf (formell) friedlichen Erwerbschancen also. Der (formell und aktuell) gewaltsame Erwerb folgt seinen gesonderten Gesetzen.“(Weber: 1988, S.4)
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Weber besteht hierbei also auf eine Trennung von Beuteerwerb und rationalem kapitalistischen Handeln (ebd. ) und stellt fest, dass es nicht von der Warenart, oder davon wie primitiv die Wirtschaftsform ist abhängt ist, ob es sich um kapitalistisches Handeln handelt oder nicht. Diese Art von Kapitalismus gab es aber laut Weber schon seit Babylon. Ein wichtiger Schritt war nun dieser:
„Die moderne rationale Organisation des kapitalistischen Betriebs wäre nicht möglich gewesen ohne zwei weitere wichtige Entwicklungselemente: die Trennung von Haushalt und Betrieb, welche das heutige Wirtschaftsleben beherrscht und, damit eng zusammenhängend, die rationale Buchführung,“ (ebd. S. 8)
Weiterhin weist Weber auf eine besondere Form des Kapitalismus des Abendlandes hin: Einzigartig für das Abendland ist nämlich der „ bürgerliche Betriebskapitalismus mit seiner rationalen Organisation der freien Arbeit“ (ebd. S.10). Zu seinen wichtigen Elementen gehören Recht, Verwaltung und Kalkulation. Bei diesen handelt es sich „ in all den angeführten Fällen von Eigenart, offenbar um einen spezifisch gearteten Kapitalismus der okzidentalen Kultur. “ (ebd. S. 11). Neben rationalem Recht, rationaler Technik und Ökonomik sieht er auch der rationalen Lebensführung eine tragende Rolle bei der Ausbildung des okzidentalen Kapitalismus zukommen. Diese rationale Lebensführung stand unter starkem Einfluss der Religion der Menschen. Betrachtet man die Berufsstatistik eines konfessionell gemischten Landes, zeigt sich ein „vorwiegend protestantischer Charakter des Kapitalbesitzes und Unternehmertums“ (ebd. S.18).
„Unter Geist des Kapitalismus versteht Max Weber nicht, wie eine naive Auslegung unterstellt, das Streben nach Reichtum oder die Rechtfertigung privater wirtschaftlicher Verfügungsmacht. Der Geist des Kapitalismus ist vielmehr der Geist des heraufziehenden Industriezeitalters.“ (Kohlhammer in Wehling 1984,S.11)
Dieser Effekt zeigt sich auch bei höherem technischen und kaufmännischen Personal (ebd. ).In den Gebieten, in denen der Kapitalismus durch die Glaubensrichtung freie Hand hatte sich auszuprägen, entstand folgendes Phänomen: Je freier der Kapitalismus desto mehr Einfluss des Protestantismus liegt auf Kapitalbesitz und höhere Berufe liegt vor (Weber 1988, S.20). Hierbei weist Weber
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auf einen wichtigen Punkt hin, der später als Kritikpunkt nochmals aufgegriffen werden soll:
„ Gerade eine grosse Zahl der reichsten, durch Natur und Verkehrslage
begünstigten und wirtschaftlich entwickeltsten Gebiete des Reiches, insbesondere aber die Mehrzahl der reichen Städte, hatten sich aber im 16. Jahrhundert dem Protestantismus zugewendet und die Nachwirkungen davon kommen den Protestanten noch heute im ökonomischen Kampf ums Dasein zugute“ (ebd. S.19).
Die Reformation stellt für Weber hierbei einen Prozess dar, der nicht die Lebensführung von einer religiösen Bevormundung befreit, sondern lediglich die bisherigen Formen durch eine andere ersetzt (ebd. S.20). Nicht die grössere Weltfremdheit des Katholizismus stellt die Grundlage für die bessere Kapitalismusfähigkeit des Protestantismus dar, (ebd. S.24) was er am Beispiel der holländischen und amerikanische Puritaner zu belegen versucht. Weber erwähnt, dass schon die Spanier wussten, das der „die Ketzerei“, (d. h. der Kalvinismus der Niederlanden) „den Handelsgeist befördere“ (ebd. S. 27). Als weiteres Argument für seine Behauptung nennt er Gotheim, der „ die calvinistische Diaspora mit Recht als die Pflanzschule der Kapitalwirtschaft bezeichnete“ (ebd. S.27). Einen gewichtigen Grund für die kapitalistische Eignung der Protestanten sieht Weber in der Idee, dass der Mensch auf das Erwerben als Zweck seines Lebens ausgerichtet ist, und nicht umgekehrt, das Erwerben auf den Menschen zur Bedürfnisbefriedigung (ebd. S.36). In diesem Satz sieht Weber sowohl ein Grundmotiv des Kapitalismus als auch der protestantischen Ethik. Die Tüchtigkeit findet hierbei in der Bezahlung ihren Ausdruck. „Diese Tüchtigkeit ist, wie nun unschwer zu erkennen ist, das wirkliche A und O der Moral...“ (S.36). Im Kapitalismus zur Zeit Webers geht diese Maxime in eine Berufspflicht ein. Insofern trifft dieser Kapitalismus eine ökonomische Auslese der Wirtschaftssubjekte. Der frühe Kapitalismus stiess zunächst auf den Wiederstand des Traditionalismus, d. h. der Mensch wollte nicht mehr Erwerben als er für die Bestreitung seines Lebens an Geldern brauchte (ebd. S.44) 1 . Das Erreichen eines Lohnniveaus bei angenehmer Lebensführung war also eine typische
1 Weber geht hier auf das Beispiel Akkordlohn ein. Er behauptet, das die Menschen auch bei der Möglichkeit durch eine höhere Tagesarbeitsleistung mehr zu verdienen, nicht die Arbeitsleistung steigerten. Insbesonders in der Landwirtschaft war dieser Prozess zu beobachten.
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Lebenseinstellung traditionalistisch geprägter Regionen. Für diese Einstellung konnte die protestantische Lebensanschauung eine Veränderung darstellen.
„The most important force wich has impeded the emergence of such a spirit Weber terms traditionalism. Characteristic of this attitude is the tendency only to work for as long as is necesse to earn enough to satisfy customary demands and needs or expectations“ (Hamilton, 1995; S.149) .
Verdeutlicht wird dieser Ansatz am Beispiel der angestellten Frauen. Stiess bei den meisten der Gedankenführung des Traditionalismus angehörigen Arbeiterinnen jede Änderung in ihrer Arbeitswelt, selbst wenn sie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen darstellte, auf erheblichen Wiederstand, so unterschied sich dies bei stark religiösen Mädchen. Da bei letzteren die Haltung des Selbstzwecks als Beruf vorlag, produzierten diese wesentlich produktiver (ebd. S.47). Einhergehend mit einem von Weber beobachtetem Umbruch im Unternehmertum wurde durch Rationalisierung und Erhöhung der Produktivität, ein neuer Geist des Kapitalismus begründet (ebd. S.53). Das Vertrauen der Kunden und Arbeiter zu dieser neuen Wirtschaftsform konnte nach Weber nun eine neue Ethik, die sich vom
Traditionalismus abhob, auf Dauer garantieren. Bei einem Vergleich zu der Wirtschaftsform seiner Zeit sieht Weber das Problem darin, das Unternehmer aus dem Motiv „ auri sacra fames“ (ebd. S.55) Gewinne erwirtschaften und somit einer irrationalen Lebensführung folgen, „... bei welcher der Mensch für sein Geschäft da ist, nicht umgekehrt...“ (ebd. S.54)
Inwieweit Gedankenansätze bereits in der christlichen Lehre des Mittelalters zu finden wären, schliesst Weber aus seiner Betrachtung aus:
„Denn hier kann nicht nebenher auseinandergesetzt werden, dass und inwiefern die christliche Ethik des Mittelaltertums tatsächlich bereits mit an der Schaffung der Vorbedingungen des kapitalistischen Geistes gearbeitet hat“ (ebd. S.58).
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Markus Dormann, 2001, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus - Eine kritische Betrachtung der Theorie Max Webers, Munich, GRIN Publishing GmbH
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