Im folgenden will ich mich genauer mit dem Inszenierungsstil der Sherlock Holmes-Verfilmung „The Hound of Baskerville“ von 1939 und bestimmten auffallenden filmdramaturgischen Mitteln, die dort eingesetzt werden, beschäftigen und somit dessen filmische und spezifisch visuelle Ästhetik untersuchen.
Da ich leider keine Literatur speziell zu diesem Thema finden konnte, habe ich mich entschieden, die Analyse allein aus eigenen Beobachtungen und Überlegungen aufzubauen. Ich hoffe, dass ich nun somit trotzdem genügend Ergebnisse gewinnen konnte. Ich werde bei der Analyse wie folgt vorgehen: Zuerst will ich einige allgemeine Beobachtungen für den gesamten Film darlegen und dann in einem zweiten Teil einzelne, ausgesuchte, interessante Szenen eingehender untersuchen. I. Allgemeine Merkmale Filmtechnik:
Die technischen Mittel, über die die Verfilmung verfügt, sind der Zeit gemäß schon relativ weit fortgeschritten und bieten somit vermutlich große Möglichkeiten filmischer Darstellung. Trotzdem ist der Film kamera- und schnitt-technisch doch eher schlicht gearbeitet. Besonders in den Gesprächsszenen ist eine relativ weit entwickelte Schnitttechnik zu erkennen. Das heißt, sie sind meist in relativ viele Einstellungen und Schnitte aufgeteilt, doch sind die Einstellungen sehr feststehend und variieren nicht besonders stark. Weiterhin werden Szenen, die in Innenräumen spielen, abgesehen von Nahaufnahmen oft nur aus einer Sicht gezeigt. Die Kameraposition ist somit sehr feststehend. Auch längere Kamerafahrten sind grundsätzlich selten, sonst aber sehr geschmeidig und weich aufgenommen. An der Stelle, als Dr. Mortimer das alte Dokument mit der Legende von den Baskervilles vorträgt, tritt auch eine längere, interessante Überblendung auf. Die Sicht auf das Schriftstück wird mit den gespielten Szenen des Rückblicks auf die Erlebnisse des Baskerville-Ahnen übereinandergelagert; dazu Mortimers Stimme aus dem ‚Off’.
Doch bleibt dies eigentlich die einzige Stelle im Film, wo filmtechnische Mittel auf außergewöhnliche oder ‚extravagante’ Weise eingesetzt werden. Die eher schlichte und statische Verwendung dieser Mittel ist jedoch sicherlich bewusst gewählt, denn sie korrespondiert durchaus mit dem allgemeinen Inszenierungsstil, wie sich im folgenden zeigen wird.
2
Inszenierungsstil:
Auch hier entscheidet sich der Film für eine einfache, zurückhaltende Form. Die gefilmten Szenen erscheinen oft als bewusst aufgebaute Bilder. Die Figuren sind meistens um eine Art zentralen Punkt arrangiert. Häufig findet sich auch ein markanter Gegenstand im Vordergrund des Bildes, so zum Beispiel ein schwarzer Ast bei einigen Mooraufnahmen. Auf starke Visualisierung wird nur selten Wert gelegt.
Im Vordergrund steht eindeutig der schlichte Handlungsablauf, der den Vorgang der rationalen Verbrechensaufklärung des Detektivs Sherlock Holmes wiedergibt. Man findet hier wohl die typische Erzähldramaturgie eines Krimis: Zuerst erscheinen dem Zuschauer oder Leser verschiedene Dinge verdächtig. Dadurch dass sich einige Verdachtsmomente auf unterschiedliche Weise als unwichtig oder irreführend aufdecken, werden die Indizien herausgesiebt, die nun wirklich auf das eigentliche Verbrechen hinweisen. Zum Schluss klärt der Detektiv, in diesem Falle Sherlock Holmes, bei einem Showdown mit mehreren wichtigen, auch verdächtigen Figuren durch die Zusammenfassung seiner Beobachtungen den Fall auf und entlarvt den Täter. Musik und Ton:
Begleitende Musik wird eigentlich sehr spärlich eingesetzt. Sie dient meistens in den eher unheimlichen Moorszenen zur Unterstreichung und Illustration dramatischer und spannungsreicher Momente oder zur Etablierung von eben unheimlich-gruseligen Stimmungen. Die Szenen mit Holmes bleiben im Gegensatz dazu sehr nüchtern und sind im Grunde genommen nie mit musikalischen Einspielungen unterlegt.
Ein markantes Tonmotiv, das sich durch den Film zieht und besonders auffällt ist das Heulen des Hundes von Baskerville, das auch das erste ist, was nach dem Vorspann zu hören ist. Bildliche Ästhetik (Licht, Ausstattung, etc.)
Auf diesem Gebiet ist deutlich zu erkennen, wie zwei bildlich-symbolische Welten einander gegenübergestellt werden. Auf der einen Seite steht die dunkle Moorwelt. Sie ist mit dem Auge kaum zu orten. Die Landschaft ist von Nebelschwaden überzogen und mit gespenstischen Schatten überdeckt. Sie ist sehr atmosphärisch und ausstattend gezeichnet und hat etwas romantisches an sich.
3
Demgegenüber ist die Welt von Sherlock Holmes sehr realistisch dargestellt. Sie zeigt sich vor allem in seinem Büroraum sehr deutlich, obwohl dieser Schauplatz nur am Anfang des Films vorkommt. Der Raum ist sehr schlicht ausgestattet, ist hell und ist prägnanter zu erfassen als die Moorlandschaft. Figuren und Spielweise:
Auch die Figuren lassen sich in zwei scharf von einander abgegrenzte Gruppierungen einteilen. Die ‚Moorbewohner’ sehen sehr grotesk aus. Ihre Gesichter sind oft durch bestimmte Dinge, wie zum Beispiel Bärte oder die dicke Brille bei Dr. Mortimer verfremdet und unheimlich gemacht. Ebenfalls ihre Mimik und Gestik hat einen gewissen unheimlichen Anschein. Man hat das Gefühl, sie führen alle etwas eigenartiges ‚im Schilde’. Die Figuren, die sich um Holmes gruppieren und in gewisser Weise eine aufgeklärte Welt repräsentieren, bilden hierzu einen starken Gegensatz. Zu dieser Gruppe würde ich Holmes selbst, Dr. Watson, Sir Henry und auch seine zukünftige Braut zählen. Ihre Gesichter sehen einfach aus und haben meist sehr markante Züge. Sie sind hell beleuchtet und nicht verfremdet. Ihr Gang und ihre Haltung sind aufrecht. Sie haben einen nüchternen skeptisch-klaren Blick und sind interessanterweise die einzigen, die Pfeife rauchen. Scheinbar ist dies ein Merkmal dieser aufgeklärten Figuren. Es ist interessant, dass gerade auch der ‚Bösewicht’ oder Täter als relativ klare und helle Figur erscheint, was den Zuschauer somit in die Irre führen könnte und einen Verdacht von ihm abwenden könnte.
Auch Sprache ist ein wichtiges Charakteristikum für die Aufteilung der Charaktere in diese zwei Gruppen. Einerseits sind natürlich die im Englischen besonders deutlich erkennbaren verschiedenen ‚sozialen Dialekte’ auffallend; so sprechen zum Beispiel Holmes Haushälterin oder der Kutscher sehr anders als die höher gestellten Figuren. Andererseits setzen sich die Unterschiede in der Sprache aber eben gerade auch in der Spaltung der Figuren in aufgeklärte Welt und Moorwelt fort. Holmes und Watson sprechen weitestgehend ein überdeutliches ‚posh’-Englisch, Sir Henry ein sehr klares ‚American English’. Die Bewohner des Moors hingegen sprechen kein so ‚reines’ Englisch und haben eher auch eine eigenartig-skurrile, oft dialekt-gefärbte Sprache.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass gerade der in Detektiv- oder Kriminalgeschichten oft auftretende Gegensatz zwischen einer dunklen, aberglaubegefärbten und somit rückständigen Welt und der hellen, modern-aufgeklärten, fortschrittlichen und vernünftig-rationalen Welt, die durch den Detektiv -in diesem Falle der Held Sherlock Holmes- verkörpert wird, auch in
4
Arbeit zitieren:
Andreas Gründel, 2001, Sherlock Holmes - 'The Hound of Baskerville' (1939) Inszenatorische und filmdramaturgische Elemente, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Andreas Gründel's Text Sherlock Holmes - 'The Hound of Baskerville' (1939) Inszenatorische und filmdramaturgische Elemente ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Andreas Gründel hat den Text Sherlock Holmes - 'The Hound of Baskerville' (1939) Inszenatorische und filmdramaturgische Elemente veröffentlicht
Andreas Gründel hat einen neuen Text hochgeladen
Sherlock Holmes Was Wrong: Reopening the Case of the Hound of the Bask...
Pierre Bayard, Charlotte Mandell
Reading & Training - Step 3
Arthur Conan Doyle, Rebecca Raynes, Gianluca Garofalo
Sherlock Holmes and the Red Circle
0 Kommentare