Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Der junge Münzenberg als Schützling Lenins und der Weimarer Medienkonzern des
„roten Hugenberg“ 3
3 Münzenberg im Pariser Exil und die „Editions du Carrefour“: 6
4 QUELLENVERZEICHNIS: 12
5 ANHANG: 13
2
1 Einleitung
Wilhelm Münzenberg (1889-1940) gilt als der Erfinder des Typus politisches Kampfbuch. In meiner Arbeit gilt es den deutschen Verleger und Betreiber des Weimarer Medienmonopols auch von seiner politischen Bedeutung her zu skizzieren, um dann zu seinem produktiven Engagement im französischen Exil zu kommen.
Die politische Laufbahn des sozialistischen Publizisten Münzenberg, seine Geldquellen und deren Versiegen sowie die menschliche Tragödie eines Geratens ins doppelte Kreuzfeuer soll den Hinter-grund bilden für die Arbeitstätigkeit Münzenberg im Kampf gegen politischen Radikalismen.
Der oft als frei geglaubter Publizist - der trotzdem er kein Politiker im eigentlichen Sinne war
- hat jedoch sehr Großes für die Kommunistische Jugendinternationale, die Internationale Arbeiterhilfe - den Sozialismus im Allgemeinen in Deutschland und ganz Europa - sowie den Versuch der Solidarisierung aller Hitlergegner durch die Deutsche Volksfront geleistet.
2 Der junge Münzenberg als Schützling Lenins und der Weimarer Medienkonzern des „roten Hugenberg“
Zum Leben und äußerst Vielseitgen Schaffen Willi Münzenbergs bis zu seiner Exilierung 1933 ist eindeutig mehr zu sagen als es in meinen Ausführungen über das letzte Jahrzehnt Münzenbergs Platz finden kann. 1 Um einen passenden Einstieg zu finden, will ich mit seiner politischen Bedeutung einsteigen, die im November 1919 mit seinem Vorsitz in der Kommunistischen Jugendinternationale einen ersten Höhepunkt findet. Von diesem Zeitpunkt an beginnen Münzenbergs regelmäßige Moskaureisen. Nach Konflikt mit der Zentrale der
1 Als Sohn eines Gasthauswirtes 1889 in Erfurt geboren besucht der Knabe Wilhelm Münzenberg unregelmäßig
- in Summe 1 bis 2 Jahre - die Dorfschulen in Friemar, Ebenstädt und Gotha. Mit 13 Jahren Vollwaise, zieht der Junge zu seiner Schwester und wird nach Abbruch der Barbierlehre in der Erfurter Schuhfabrik arbeiten, wo er durch Arbeitskollegen erstmals mit dem Sozialismus in Verbindung kommt. 1906 tritt er in die sozialdemokratische Arbeiterbildungsvereinigung „Propaganda“ ein, die er ab 1907 leitet. Dieser Kontakt wird später von ihm selbst als Erweckungserlebnis geschildert. 1909 erstmals durch poltische Tätigkeit in der Fabrik gekündigt und auf Wanderschaft, wird Münzenberg von 1910 bis 1918 in der Schweiz leben. Vorerst Hausbursche in der Zürcher Josef-Apotheke ist er ab 1912 dann führendes Mitglied der Sozialistischen Jugendorganisation der Schweiz. 1914 wird Münzenberg Leiter des Internationalen Jugendsekretariats in Bern, Jahrs darauf lernt er Wladimir I. Lenin kennen - er wird ihm Zeitlebens in Freundschaft verbunden sein. Als Jugendvertreter nimmt Münzenberg an der Internationalen Sozialistischen Konferenz teil („Zimmerwalder Linke“). Zweimal politisch bedingt in mehrmonatiger
Haft, wird Münzenberg im November 1918 aus der Schweiz ausgewiesen, da er Anhänger der Oktoberrevolution ist. Wieder in Deutschland schließt er sich der dort der Spartakusgruppe um Liebknecht und Luxemburg an. [nach: UKA, 1988]
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Kommunistischen Jugendinternationale wird er von Lenin als Organisator einer Internationalen Arbeiterhilfe (IAH) 2 betraut, später Generalsekretär deren Auslandskomitees. 1924 wird die „Meshrapos Russ“ gegründet, eine Filmproduktions- und Verleihs-Firma der IAH, die Verwendung der Kinematographie spielt in diesen frühen Jahren bereits eine wesentliche Rolle in der politischen Propaganda. Daneben wird auch die Fotographie als Waffe im Klassenkampf eingesetzt.
Bemerkenswert schon in den frühen Jahren Münzenbergs als Agitator ist die ständige Bezugnahme der Medien zueinander und ineinander, eine multimediale Gestaltung die uns aus heutiger Sicht als Selbstverständlich erscheint.
Die Begeisterung für alles Progressive wie den Film und die Fotographie, war den sozialistischen wie den etwas später mächtig werdenden faschistischen Propagandisten gemein.
„Er war der "rote Millionär" - wie man ihn nannte, ohne daß er in Wirklichkeit jemals Millionär gewesen wäre -, der Schöpfer und Motor eines umfangreichen Konzerns, dessen Wirksamkeit sich im vollsten Licht der Öffentlichkeit abspielte, obgleich die Ergebnisse dieser Wirksamkeit einer politischen Sache zugute kamen, die dieses Licht der Öffentlichkeit nicht selten und wohlweislich scheute. Ein Mann der Widersprüche, ein oft und hart Verurteilter, aber auch ein von den gegensätzlichsten Menschen in den Himmel gehobener: der Mann, der einem Joseph Goebbels auf dessen ureigenstem Gebiet, dem Gebiet der totalitären Propaganda, gewachsen war, der Mann, der seiner Partei dieses Gebiet erschlossen hatte, lange bevor noch Goebbels manche seiner Methoden usurpierte, um der eigenen Partei zum politischen Sieg zu verhelfen. [...] Aber nicht diese Farbigkeit, diese erregende Geschichtsnähe allein reizen dazu, die Gestalt Münzenbergs aus ihrer halben Vergessenheit zurückzuholen. In den Darstellungen der deutschen Zeitungsgeschichte findet er kaum Erwähnung. Sein Name kommt im Großen Brockhaus nicht vor. Für die Geschichtsschreiber jenseits des Eisernen Vorhangs existiert Münzenberg, der einstige Gefährte Lenins und Gründer der Kommunistischen Jugendinternationale, noch weniger. Seit 30 Jahren, seit er sich von Stalin lossagte, liegt er im berüchtigten Gedankenloch. Neben der historischen Vergegenwärtigung vermag die politische Biographie aber auch manche unmittelbaren Bezüge zu unserer Gegenwart herzustellen. Münzenbergs ganze spätere, für die
2 Der Versuch der sozialistischen Pflicht nachzukommen, über Staatsgrenzen hinweg den Hungernden Bauern zu ernähren; Anfangs als symbolische Geste gedacht wird die IAH international wirksames sozialistisches Instrument;
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kommunistische Partei so außerordentlich wichtige Wirksamkeit zielte vor allem darauf hin, eine Gruppe, die seit jeher zu den politisch labilen zählte, unter kommunistischen Einfluß zu bringen: die Intellektuellen. [...] Dieses Phänomen der unpolitischen fellow-traveller und seine poltische Nutzung, die Münzenberg zu hoher Wirksamkeit entwickelte, hörte mit seinem Tod nicht auf zu existieren und bildet noch immer ein bemerkenswertes Element unserer politischen Gesellschaft.“ 3
Von 1924 bis zu seiner Ausbürgerung ist Willi Münzenberg Reichtags-Abgeordneter. Er ist zudem Leiter der Propaganda-West der Kommunistischen Internationale, er wird sich die dauerhafte Feindschaft Walter Ulbrichts und Wilhelm Piecks einbringen. „In der Kominter-Hierachie hatte Willi eine ungewöhnliche Position inne, und zwar aus zwei Gründen. Erstens war er nicht Politiker, sonder Propagandist, nicht "Theoretiker", sondern "Aktivist". Er nahm an den Fraktionskämpfen in der Partei nicht teil, intrigierte nicht, und die Streitigkeiten über die dialektisch korrekte Auslegung der Parteilinie ließen ihn kalt. Zweitens stand Willi einer weltweiten Organisation vor und erfreute sich daher eines größeren Maßes an Unabhängigkeit als irgendein anderer Kominternführer.“ 4
Neben der bereits vordergründig eindeutig politisch positionierten Tätigkeit setzt Münzenberg 1924 mit dem Kauf des „Neuen Deutschen Verlag“ (NDV) 5 den Grundstein für das, was später der „Münzenberg-Konzern“ genannt wird: ein Geflecht publizistischer Unternehmungen 6 , die „Universum-Bücherei für Alle“, sowie die Filmfirmen „Prometheus“ und „Weltfilm“ 7 . Im Februar 1933 endete die Tätigkeit des NDV mit Beschlagnahmung aller
3 In: GROSS, S. 15ff [Prolog], 1967
4 In: e.b.d., S. 9 [Vorwort von Arthur Koestler], 1967
5 Verlegung und Vertrieb von gesamt 12 Zeitschriften und 144 selbstständigen Publikationen - häufig in mehreren Auflagen und Ausgaben; Weiter weißt der „Neue Deutsche Verlag“ ein weit entwickeltes Vertriebssystem auf, bis hin zur Kolportage von Büchern und Zeitschriften; Teilnahme an Ausstellungen [nach BARCK, 1994]
6 U.a.: illustrierte Wochenzeitschrift „Arbeiter-Illustrierte-Zeitung“, die Tageszeitungen „Welt am Abend“ und „Berlin am Morgen“, die Zeitschriften „Mahnruf“, „Magazin für Alle“ und „Welt der Frau“ [nach UKA, 1988]
7 Nach UKA, S. 18; 1988
Damit leistet Münzenberg einen weiteren Beitrag zur Ausbildung, Entwicklung und Verbreitung sozialistischer Literatur, Meinung und den Ein Wesentlicher Teil des NDV sind politische Titel und Sachbücher, zumeist Werke zeitgenössischer kommunistischer und mit der revolutionären Bewegung verbundener Autoren werden verlegt. Das formulierte Ziel des NDV: „jeden fortschrittlich gesinnten Menschen, jedem Arbeitenden, er die besten Werke der Gegenwart kennenlernen will und muss, die Bücher (zu) geben, die er braucht, die er immer wieder zu lesen wünscht: Bücher, die ermutigend und anfeuernd, Bücher, die ohne verstaubte Gelehrtheit
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Arbeit zitieren:
Petra Maria Julia Mairer, 2009, Wilhelm Münzenberg und die Editions du Carrefour im französischen Exil, München, GRIN Verlag GmbH
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