1. Einleitung
Als „Schlüssel des westlichen Theiles des Mittelmeeres“ 1 war die Insel Sizilien zu allen Zeiten begehrt und umkämpft. Jahrhunderte lang stritten Griechen und Karthager um ihre Einflussnahme auf Sizilien, bis plötzlich eine neue Macht vor der sizilischen Küste auftauchte: in ständiger kriegerischer Auseinandersetzung hatte sich Roms Herrschaft über ganz Unteritalien ausgebreitet. Scheinbar unausweichlich standen sich nun Karthager und Römer gegenüber. Der in dieser Situation entstehende Krieg, in dem die beiden Mächte in Sizilien aufeinander trafen, bedeutete für Rom den ersten Schritt zur Erringung der Vorherrschaft im westlichen Mittelmeer.
Im Folgenden soll nun dieser so genannte Erste Punische Krieg auf Sizilien dargestellt werden. Dabei wird, nach einer kurzen Erläuterung der Quellenlage, zunächst auf die Ausgangslage auf Sizilien vor dem Krieg eingegangen, dann auf das Kriegsgeschehen selbst, mit einer Darstellung des Land- und Seekriegs und der Kriegsstrategien, und schließlich werden die Folgen des Krieges auf Sizilien untersucht.
Die Ereignisse um den Ersten Punischen Krieg sind sehr gut erforscht. Vor allem die Frage um die Gründe für den Kriegsausbruch hat, nach der Untersuchung von Heuß, eine Vielzahl von Studien nach sich gezogen, wobei vor allem die von Hoffmann, Molthagen, Welwei, Berve und Ruschenbusch zu nennen wären. Einen guten Überblick über die Geschehnisse des Krieges selbst bieten z.B. Bengtson, Scullard und Heftner. Vom rein militärischen Standpunkt aus sind schon früh Darstellungen verfasst worden, etwa von Tarn oder von Kromayer und Veith.
Auch die Geschichte Karthagos stand in den letzten Jahrzehnten stark im Interesse der Forschung. In der Tradition der grundlegenden Untersuchungen von Heuß stehen etwa das Handbuch von Huß und die Darstellung von Hoffmann. Neuere und interessante Forschungsbeiträge finden sich bei Ameling. Speziell zur karthagischen und griechischen Geschichte Siziliens sind zu allen Zeiten Studien erschienen, wie z.B. die Monographien von Dunbabin oder Goldsberry.
1 Holm, Geschichte Siziliens, S. 79.
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2. Quellenlage
Die Ereignisse im Vorfeld des Ersten Punischen Krieges, sowie die Kriegshandlungen zwischen 264 und 241 v. Chr. selbst, sind unterschiedlich gut überliefert und spiegeln durchweg die römische bzw. griechische Sicht auf die Dinge wider. Denn eine genuine karthagische Überlieferung ist, abgesehen von vereinzelten, wenig ergiebigen Inschriften, nicht vorhanden, und auch antike Monographien zur Geschichte Karthagos sind nicht mehr erhalten. 2
Die beste zusammenhängende Darstellung zum Ersten Punischen Krieg bietet Polybios im ersten Buch der Historiae. Seinen vollständig erhaltenen Ausführungen (1, 7-64) ist besonderes Gewicht beizumessen, da er den Vorgängen zeitlich am nächsten steht und auch noch die frühesten Berichte dazu gekannt hat. 3 Allerdings stehen für Polybios die Ereignisse ab dem Jahr 220 v. Chr. im Mittelpunkt des Interesses 4 , weshalb er die Zeit davor ausdrücklich nur summarisch behandeln möchte 5 , seiner Darstellung zum Ersten Punischen Krieg also lediglich einen einleitenden Charakter verleiht, um einen leichteren Zugang zum Hauptteil des Werkes finden zu können. 6 Als seine eigenen Quellen benennt Polybios für den Ersten Punischen Krieg Fabius Pictor und Philinos von Akragas 7 , wobei zum einen nicht deutlich gemacht wird, inwieweit er den Ausführungen des einen oder des anderen folgt, und des weiteren Angaben zu anderen Autoren fehlen, welche Polybios für seine Arbeit sicherlich genutzt hat. 8 Neben der verkürzten Darstellung erschwert auch der Umstand, dass sowohl das in prorömischem Sinne verfasste Werk des Fabius Pictor, als auch die prokarthagische Darstellung des Philinos verloren gegangen sind, die Deutung der Ereignisse bei Polybios, wie es vor allem in der Interpretation für die Gründe des Kriegsausbruchs deutlich wird (siehe Kap. 3.2).
In größerem zeitlichem Abstand zu Polybios ist noch weiteres Quellenmaterial zu den Vorgängen auf Sizilien während des Ersten Punischen Krieges erhalten geblieben. Zu nennen
2 Ameling, Karthago, S. 4; vgl. Bleicken, Geschichte der Römischen Republik, S. 151; vgl. Heuß, Die
Gestaltung des römischen und des karthagischen Staates, S. 1015f., mit der Bezeichnung der karthagischen
Inschriften allgemein als „für die politischen Verhältnisse derartig unergiebig, daß sie beinahe völlig außer
Betracht bleiben können“.
3 Hoffmann, Das Hilfegesuch der Mamertiner, S. 156.
4 1, 3, 1-6.
5 „Τὸ μὲν οὖν ἐξαριθμεῖσθαι τὰ κατὰ μέρος ὑπὲρ τῶν προειρημένων πράξεων οὐδὲν οὒθ΄ ἡμῖν ἀναγκαῖον οὒτε τοῖς ακούουσι χρήσιμον. οὐ γὰρ ἱστορεῖν ὑπὲρ αὐτῶν προτιθέμεθα, μνησθῆναι δὲ
κεφαλαιωδῶς προαιρούμεθα χάριν τῆς προκατασκευῆς τῶν μελλουςῶν ὑφ΄ ἡμῶν ἱστορεῖσθαι
πράξεων.“ 1, 13, 6f.
6 Vgl. Petzold, Studien zur Methode des Polybios, S. 20.
7 1, 14, 1.
8 Vgl. Walbank, A historical commentary, S. 27f., der etwa davon ausgeht, dass Polybios bei der Beschreibung
der Vorgeschichte des Ersten Punischen Krieges, mitsamt des Exkurses über den Aufstieg Hierons, Timaios von
Tauromenion gefolgt ist.
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sind hier die Fragmente bei Diodor (Buch 23-24) aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert, dessen Darstellung zum Ersten Punischen Krieg aber zu großen Teilen nur in den im Jahr 1603 herausgegebenen Exzerpten David Hoeschels überliefert ist 9 , deren oftmals problematischen Quellenwert aufgrund von Weglassungen oder sinnentstellenden Verkürzungen E. Ruschenbusch überzeugend herausgestellt hat. 10 Die Ausführungen bei Diodor sind unabhängig von Polybios und von größerer Ausführlichkeit. Die auffallend antirömische Tendenz lässt wohl auf Philinos als Hauptquelle für die Zeit des Krieges schließen, der auch zweimal als Gewährsmann benannt wird. 11 Zudem müssen aber auch noch andere Autoren vermutet werden, die in Diodors Darstellung Verwendung gefunden haben, wie es etwa der Vergleich von Gefangenenzahlen bei Philinos mit nicht näher bestimmten Quellen („ἓτεροι“) deutlich macht. 12 Auch wenn der Wert Diodors als Quelle für die sizilische Geschichte eher gering einzuschätzen ist 13 , lassen sich doch gewinnbringend Vergleiche mit anderen Darstellungen ziehen und auch Detailanalysen einzelner Stellen zu weiteren Einsichten nutzen.
Außerdem sind aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. der Bericht des Cassius Dio (Buch 21-22), zusammen mit dessen Auszug bei Zonaras (8, 8-17), und die Sicula (1-2) von Appian auf uns gekommen. Beide Autoren stützten sich wohl nicht direkt auf Polybios’ Darstellung zum Ersten Punischen Krieg. 14 Dios „lack of expertise in military strategy and tactics, proneness to stereotypical descriptions of battles and sieges, studied imitation of predecessors, especially Thucydides, simplistic economics, chronological displacements“ 15 lassen ihn vor allem für seine Ausführungen zum Ersten Punischen Krieg als relativ wertlosen Berichterstatter erscheinen. Doch ist auch seine Darstellung oftmals eine wichtige Ergänzung zum knappen Bericht des Polybios. Appians Bericht ist zwar sichtlich um die Darstellung von Tatsachen bemüht 16 , kann aber aufgrund des geringen Umfangs des erhaltenen Materials nur wenig zur Rekonstruktion der Ereignisse auf Sizilien während des Ersten Punischen Krieges beitragen.
9 Schwartz, Griechische Geschichtsschreiber, S. 37.
10 Ruschenbusch, Der Ausbruch des 1. Punischen Krieges, S. 65f.
11 Vgl. Schwartz, Griechische Geschichtsschreiber, S. 73.; zur Erwähnung von Philinos vgl. Diod. 23, 8, 1; 24,
11, 2.
12 Diod. 24, 11, 2.
13 Hofer, Marc, Tyrannen, Aristokraten, Demokraten, S. 51; allgemein negative Beurteilung bei Schwartz,
Griechische Geschichtsschreiber, S. 35f.
14 Vgl. Schwartz, Griechische Geschichtsschreiber, S. 364 (Appian) und S. 409 (Cassius Dio)
15 Reinhold, Cassius Dio, S. 5.
16 Schwartz, Griechische Geschichtsschreiber, S. 363.
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3. Ausgangslage auf Sizilien
3.1 Karthagische Machtsphäre und die Griechenstädte
Die frühesten archäologischen Spuren einer dauerhaften phönizischen Niederlassung bei Sizilien lassen sich für die Insel Motya 17 , in der Nähe der Westküste Siziliens, feststellen. 18 Diese wurde im Laufe des 8. Jhs. zu einem phönizischen Außenposten, wie einige Jahrzehnte später Panormus und Soluntum im Nordwesten, nachdem man sich bei der Ankunft der Griechen aus anderen Gebieten Siziliens, die vermutlich keine dauerhafte phönizische Einwohnerschaft aufwiesen, zurückgezogen hatte. 19 Mit den zahlreichen griechischen Koloniegründungen auf Sizilien seit der Mitte des 8. Jhs. begann der Prozess der allmählichen Hellenisierung weiter Teile der Insel, bis in die Gebiete der Sikeler, Sikaner und Elymer, mit den Besiedlungen von Himera, Selinus und Agrigentum in den Jahren nach der Mitte des 7. Jhs. Doch eine weitere Ausdehnung des griechischen Einflussbereiches nach Westen hin erfolgte zunächst nicht, sowohl wegen der ungünstigeren geographischen Beschaffenheit als auch wegen des Widerstandes der indigenen Bevölkerung 20 , weshalb Phönizier und Griechen relativ friedlich nebeneinander leben konnten.
Diese Koexistenz wurde erst gestört, als der Grieche Pentathlos um 580 v. Chr. versuchte, mit Rhodern und Knidiern in Lilybaeum, also in der direkten Nachbarschaft der Phönizier, Fuß zu fassen. 21 Auch wenn sein Unternehmen noch ohne die Hilfe des aufgrund seines schnellen Bevölkerungswachstums nach neuen Siedlungsgebieten strebenden Karthago 22 verhindert werden konnte, so brachte die expansive Politik der Griechenstädte, allen voran Selinus und Agrigentum, in den Folgejahren die phönizischen Städte derart in Bedrängnis, dass ein Eingreifen Karthagos gefordert wurde. 23 Durch erfolgreiche Feldzüge, bezeugt ist der des Malchus, gelang es Karthago nun, seinen Einflussbereich auf die westsizilischen Phönizierstädte mitsamt ihrer sizilischen Verbündeten auszuweiten. In der Folgezeit
17 Vgl. Karte im Anhang. Die dortigen Namen von Städten und Flüssen werden, mit der Ausnahme
Akragas/Agrigentum, übernommen.
18 Niemeyer, Das frühe Karthago, S.25f.
19 Bondì, Zu einigen Aspekten, S. 112f.; vgl. Huß, Geschichte der Karthager, S. 18f.
20 Dunbabin, The Western Greeks, S. 136.
21 Hoffmann, Karthagos Kampf um die Vorherrschaft, S. 344.
22 Vgl. Ameling, Karthago, S. 257ff.;
23 Vgl. Huß, Geschichte der Karthager, S. 58f.; anders Ameling, Kathago, S. 257, der interessanterweise
annimmt, dass die Karthager nicht einem Hilferuf gefolgt seien, sondern vielmehr selbst gegen die Phönizier
gekämpft hätten. Dies sei, wie Gauthier, Grecs et Phéniciens en Sicile, S. 66f., angiebt, deswegen
wahrscheinlich, weil (nach Iust. 18, 8, 1) durch die Feldzüge Malchus’ ein Teil Siziliens in die karthagische
Herrschaft überging. Doch auch wenn man, wie Gauthier, dafür die Gebiete der karthagischen Verbündeten
ausschließt, kann man die Herrschaft über die phönizischen Städte auch als ein Ergebnis der karthagischen
Einflussnahme nach der erfolgreichen Hilfeleistung erklären. Das Vorgehen gegen ihre eigenen
„Blutsverwandten“ erscheint m.E. als nicht sehr wahrscheinlich, wohl aber die karthagische Intention, im Zuge
ihrer Hilfeleistung die Möglichkeit zu nutzen, ihre Herrschaft zu erweitern.
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vergrößerten die Karthager ihr Herrschaftsgebiet noch weiter. So wahrscheinlich bereits im Kampf gegen spartanische Invasoren zu Beginn des 5. Jhs. v. Chr., in welchem sie die Stadt Eryx eroberten. 24 Charakteristisch für die Sizilienpolitik Karthagos war aber nicht eine ausgereifte, globale Strategie, mit dem Ziel der Errichtung eines Großreichs, sondern vielmehr das Bedürfnis, die zur Versorgung wichtigen Gebiete auf Sizilien zu sichern und auch durch Kolonisation nutzbar zu machen 25 , so etwa mit der Gründung der Kolonie Thermae 406 v. Chr. 26 Doch auch wenn man die Griechen auf Sizilien nicht direkt angriff, so wurde Karthago doch immer wieder in die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Griechenstädten verwickelt, wie in den Ereignissen geschehen, die 480 v. Chr. in der Schlacht von Himera kulminierten. 27 Die aggressive Politik der griechischen Tyrannen auf Sizilien im Laufe des 4. Jhs. v. Chr. nötigte die Karthager zu verstärktem militärischen Engagement, wobei z.T. schwere Niederlagen erlitten wurden, wie etwa die Zerstörung Motyas durch den syrakusanischen Tyrannen Dionysios I. 397 v. Chr., der die Gründung Lilybaeums auf dem Festland folgte. 28 Doch auch Erfolge, bis hin zur zeitweise vollständigen, direkten bzw. indirekten Kontrolle der Insel, außer der syrakusanischen Gebiete, (405 v. Chr.) 29 , ließen sich verbuchen, wodurch die Griechenstädte, allen voran Syrakus, stark in Bedrängnis kamen. Und auch wenn die Karthager durch Agathokles und dann Pyrrhos zu Beginn des 3. Jhs. v. Chr. in ihre Schranken verwiesen wurden, setzten sie die Griechenstädte auf Sizilien in der Folgezeit weiter unter Druck. 30 Der so ausgebaute punische Herrschaftsbereich auf Sizilien, seit dem Jahre 409 v. Chr. ἐπικράτεια genannt, war „eine Gemengelage verschiedener politischer Formen ohne nachweisbare zivile Zentralverwaltung“, da man auf die jeweils vorhandenen Strukturen der verschiedenen Städte zurückgreifen konnte, wobei eine dauernde militärische Präsenz, wohl wegen der fortwährenden syrakusanischen Gefahr, benötigt wurde. Die unter karthagischer Herrschaft zusammengefassten griechischen, punischen und sikelischen Städte behielten ein gewisses Maß an Autonomie, mit z.T. eigenständiger Außenpolitik. 31 Zu Beginn des Ersten Punischen Krieges war die karthagische ἐπικράτεια in Westsiziliens durch den Fluss Halycus begrenzt, mit Heraclea Minoa als südlichste und Thermae als nördlichste Stadt. 32 Doch
24 Huß, Geschichte der Karthager, S. 61.
25 Vgl. Ameling, Karthago, S. 258-268.
26 Huß, Geschichte der Karthager,. S. 116.
27 Ameling, Karthago, S. 33-44, der überzeugend von einem „Privatkrieg Hamilkars“ spricht, der auf ein
Hilfegesuch von griechischer Seite her ausgelöst wurde.
28 Huß, Geschichte der Karthager., S. 102.
29 Vgl. ebd., S. 123.
30 Scullard, Carthage and Rome, S. 537.
31 Ameling, Karthago, S. 112f. und S. 151.
32 Vgl. Finley, A history of Sicily, S. 105f.
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erstreckte sich der karthagische Einflussbereich weiter nach Osten, über Agrigentum bis über die Hälfte Siziliens 33 , so dass, wenn man der Angabe Polybios’ glaubt, der Ort Echetla zwischen der karthagischen und der syrakusanischen ἐπαρχία lag. 34 Die Herrschaft Syrakus’ umfasste als wichtigste Städte im Norden Halaesa, Tyndaris und Abacaenum, im Osten Tauromenium, Catane und Helorus, im Innland Acrae, Herbessus (bei Acrae), Centuripae, Neetum und Leontini. 35 Die nordöstliche Spitze, östlich des Flusses Longanus, stand unter dem Einflussbereich Messanas.
3.2 Konflikt um Messana
Sozusagen als Spätwirkung einer Auseinandersetzung zwischen Karthagern und Griechen auf Sizilien, dem 306 v. Chr. für die Karthager mit einem territorialen Status quo endenden Krieg gegen den syrakusanischen Tyrannen Agathokles 36 , entstand am Vorabend des Ersten Punischen Krieges der Konflikt um die nordostsizilische Stadt Messana. Wie von Polybios berichtet, bemächtigten sich nämlich „Καμπανοὶ παρ΄ Αγαθοκλεῖ μισθοφοροῦντες“ 37 , welche sich selbst nach ihrem Kriegsgott Mamertiner nannten, nach dem Tod ihres Soldherren der nordsizilischen Stadt Messana, von wo aus sie, mit Unterstützung von ihrem Beispiel folgenden römischen Truppen, die ihrerseits eigenständig die nahe liegende Stadt Rhegium besetzten, große Teile Siziliens heimsuchten und mit Tributen belegten. 38 Doch der neue Herrscher von Syrakus, Hieron, wollte diese Gefahr nicht mehr länger dulden, drang in ihren Herrschaftsbereich ein, schlug die Mamertiner, nachdem er Jahre zuvor gegen sie eine Niederlage erlitten hatte, am Fluss Longanus vernichtend und begann die Stadt Messana zu belagern 39 , nachdem bereits zuvor ihre Verbündeten in Rhegium durch eine römische Strafexpedition ausgeschaltet worden waren. 40
So in Bedrängnis gebracht, suchten die Mamertiner nun, laut Polybios, die Hilfe zweier Mächte zugleich:
33 Goldsberry, Sicily and its cities, S. 205.
34 1, 15, 10.
35 Vgl. Goldsberry, Sicily and its cities, S. 124, 155, 589-688.
36 Vgl. Huß, Geschichte der Karthager, S. 202.
37 Polyb. 1, 7, 2.
38 Polyb. 1, 7-8.
39 Polybios spricht nur von der Schlacht am Longanus, nicht von einer anschließenden Belagerung Messanas,
doch sowohl der prorömische Bericht bei Zonaras (8, 8) als auch der prokarthagische Bericht bei Diodor (22, 13,
2ff.) sprechen von der Belagerung durch Hieron, weshalb anzunehmen ist, dass Polybios sie in seiner verkürzten
Darstellung nicht erwähnt hat, da bereits die Niederlage am Longanus die prekäre Lage der Mamertiner deutlich
machte (vgl. Ruschenbusch, Der Ausbruch des 1. Punishen Krieges, S. 62).
40 Vgl. Polyb. 1, 9, 7ff.
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Oliver Christl, 2007, Sizilien im Ersten Punischen Krieg, München, GRIN Verlag GmbH
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