Inhalt
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1. Problemstellung. 3
2. Die Qualitäten von Räumen. 4
2.1 Die Ausschließlichkeit von Räumen 4
2.2 Die Grenzen von Räumen 7
2.3 Der Gegensatz von lokaler Bindung und räumlicher Freiheit. 8
2.4 Nähe und Distanz im Raum. 10
2.4 10
3. Systemische Erhaltung im globalen Raum. 13
3.1 Die Integrationskraft des globalen Finanzmarktes 13
3.2 Die Aufrechterhaltung des Marktes. 15
3.2 15
4. Fazit. 17
4. 17
Literatur 19
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1. Problemstellung
Die Bedeutung globaler Finanzmärkte für die nationalen Volkswirtschaften wuchs in den letzten Jahren beachtlich. Der zunehmende Einfluss auf Unterneh‐ men durch zum Beispiel Investment‐Fonds ist wohl unbestritten und nicht zuletzt der Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems lässt einem die Augen auf dieses System richten und wirft einige Fragen auf. In welchem Zusammenhang stehen zum Beispiel nationale Gesellschaften und globaler Finanzmarkt? Oder wie konstituiert sich der globale Finanzmarkt, dass es zu dieser Krise kommen konnte? Die Forderungen einzelner Gesellschaften nach festgelegten Richtlinien für den Finanzmarkt rückt auch das Mächteverhältnis in den Mittelpunkt. Ich möchte mich dieser doch sehr komplizierten Fragen mit Blick auf den Raum nähern, nach dem Konzept von Georg Simmel. Dies entspringt wohl dem am ehesten augenschein‐ lichsten Unterschied zwischen lokal begrenztem Nationalstaat und der ausge‐ prägten Globalität des Finanzmarktes, welche sich scheinbar frei von Raumgren‐ zen entfaltet. Ich werde mit Hilfe des Konzepts des Raumes versuchen die Unter‐ schiede, Wechselwirkungen und daraus folgende Konsequenzen zu beschreiben und für diese Erklärungsansätze zu finden.
Ein wichtiger Punkt ist im Zusammenhang des Raums auch die Konstitution der Systeme. Mit Konstitution meine ich im engeren Sinne die Organisationsform der zu untersuchenden Systeme. Es stehen sich hier zum einen die bürokratische Organisationform der Staaten und zum anderen der Finanzmarkt in seiner Aus‐ prägung der freien Marktwirtschaft gegenüber. Es geht hierbei nicht allein um den Gegensatz von Bürokratie und Markt. Vielmehr spielt die spezielle Konstitution des Finanzmarktes eine wichtige Rolle, welche wieder in Verbindung mit dem Raum gebracht werden kann. So galt in neuerer Zeit die Organisation des Finanz‐ marktes als Paradebeispiel für eine global funktionierende Organisationsform der Zukunft. Deren Akteure entfalten, trotz räumlicher Distanz, ein mikrosoziologi‐ sches Beziehungsgeflecht und nehmen dem Raum so seine ursprüngliche Bedeu‐ tung. Der Raum und im speziellen die Distanz galt bisher als Einschränkung der
wählbaren Alternativen einer Organisationsart. Mit der Möglichkeit einer globalen Informationstechnologie und unter der Voraussetzung einer einheitlichen Symbo‐ lik wird der Raum in klassischer Sicht überwunden und ein neuer virtueller Raum in Form des Marktgeschehens entsteht. Dieses Konzept stellt vor allem Intersub‐ jektivität in den Vordergrund und die zunehmende Bedeutung mikrosozialer Strukturen in globalen Bereichen, da andere Organisationsmittel (wie zum Beispiel die Bürokratie der Nationalstaaten) auf globaler Ebene ineffektiv zu werden scheinen. Dies gilt es nun, nach dem Zusammenbruch dieses Systems noch einmal zu hinterfragen und das Verhältnis der Marktmacher untereinander und des Fi‐ nanzmarktes zu seiner Umwelt genauer zu untersuchen. Der Finanzmarkt muss zunächst nach den Qualitäten des Raumes nach Simmel eingeordnet werden, um eine vollständige Analyse nach diesem Konzept zu ermöglichen. Neben der Ausschließlichkeit des Raumes sind die Grenzen, lokale Bindungen, räumliche Freiheiten, Nähe und Distanz im Raum wichtige Hilfestel‐ lungen, um das System einordnen zu können. Aufbauend auf dieser Analyse lässt sich anschließend die spezielle konstituierende Form des Finanzmarktes in Anleh‐ nung der neueren Wirtschaftssoziologie mit diesem Konzept verbinden. So wird mit Hilfe des soziologischen Klassikers Simmel eine Sichtweise herangezogen, um ein aktuelles Problem erklären bzw. beschreiben zu können und so zu dessen Er‐ klärung beizutragen.
2. Die Qualitäten von Räumen 2.1 Die Ausschließlichkeit von Räumen
Die erste Qualität um Räume zu charakterisieren ist die Ausschließlichkeit von Räumen. Es ist ein Merkmal, welches man benutzen kann, um zu untersu‐ chende Systeme im Raum in zwei Gruppen aufzuteilen. Zum einen jene, welche in ihrer vollen Entfaltung innerhalb ihres beanspruchten Raumgebietes keinen wei‐ teren Typus ihrer Art zulassen, zum anderen Typen von Verbindungen, welche in
beliebiger Anzahl und von soziologisch gleicher Art nebeneinander existieren kön‐ nen. Ein Musterbeispiel für den ersteren Typus ist ohne Zweifel der Nationalstaat. Nach Simmel ist dieser sogar das einzige „völlig deckende Beispiel“ (Simmel 1908, S. 463).
Das heißt der Staat ist an seinen Raum völlig gebunden und muss, wie Simmel es ausdrückt, sich in jeglicher Hinsicht decken. Ist dies nicht der Fall, gerät sofort die Legitimität des Staates in Gefahr. Diese Deckung kann zum einen von außen, also von umliegenden Staaten durch Invasion, aufgehoben werden. Zum anderen kann von innen, also von Teilen der Staatsmitglieder, eine Abspaltung erfolgen. In beiden Fällen ist die Legitimität des Staates in Frage gestellt, da seine Ausschließlichkeit nicht mehr gegeben ist. Der Nationalstaat ist sozusagen das Paradebeispiel eines an den Raum gebundenen Systems, welches ideell kein zwei‐ tes innerhalb seiner Grenzen dulden kann und somit seine Ausschließlichkeit er‐ hält.
Viel interessanter stellt sich die Frage der Ausschließlichkeit, wenn man sich den Finanzmarkt betrachtet. Dieser manifestiert sich zunächst in den Han‐ delsetagen der internationalen Banken, wo die sogenannten Marktmacher die marktkonstituierenden Finanztransaktionen tätigen. Diese sind zunächst punktuell in den Handelsmetropolen der Welt angesiedelt: New York, London, Zürich und Tokio. Das Bedeutungs‐ bzw. Wirkungsgebiet der Händler endet natürlich jedoch nicht an der Stadtgrenze. Vielmehr stellen diese Städte Knotenpunkte in einem globalen Kommunikationsnetzwerk dar (Cetina/Brügger 2005, S. 146). Die einzel‐ nen Wirkungsräume der Städte verschränken sich sozusagen ineinander zu eben diesem globalen Netzwerk, welches diesen Markt konstituiert. Eine Ausschließ‐ lichkeit ist auf dieser Ebene nicht gegeben.
Es handelt sich hier anstatt einer quantitativen Ausdehnung des Raumes, wie beim Nationalstaat, um eine funktionelle Ausdehnung, welche als soziologi‐
sches Gebilde räumlich nicht eindeutig zu bestimmen ist. Der Markt agiert sozusa‐ gen vom Raum losgelöst, auch wenn man die Teilnehmer örtlich bestimmen kann. Die Handelszentren sind heute weitgehend funktionell abgekoppelt von ihrer Um‐ gebung und ihre Metropolen sind heute eher historisch zu erklären. Die institutio‐ nelle Umwelt des Marktes oder genauer der Handelsorte hat durch das Ablösen der Finanzmärkte von den Gütermärkten (Filc 2008, S. 3) zunehmend an Bedeu‐ tung im Machtverhältnis zwischen Politik und Finanzmarkt eingebüßt und kann in diesem Zusammenhang zumindest als weniger relevant betrachtet werden. Ausschließlichkeit ist weiterhin nicht gegeben, als dass „unzählige Gebilde dieser Art widerspruchslos denselben Raum erfüllen.“ (Simmel 1908, S. 464) Sim‐ mels Paradebeispiel ist hierfür die Kirche, welche prinzipiell losgelöst von räumli‐ cher Beschränkung besteht und somit grundsätzlich nicht in einen räumlichen Konflikt geraten kann mit ähnlichen Systemen, solange diese nicht politisch in‐ strumentalisiert werden. In ähnlicher Weise besteht der Finanzmarkt neben allen anderen Formen von Märkten im gleichen Raum. Der lokale Gemüsemarkt teilt sich somit den gleichen Raum, wie zum Beispiel der globale Rohstoffmarkt. Der globale Finanzmarkt ist in seiner Globalität vom Raum losgelöst, wie umgekehrt der Nationalstaat deckungsgleich mit seinem Territorium ist. Wie kann uns dieser Umstand nun aber im Zusammenhang der einleitend beschriebenen Fragestellung weiterhelfen? Die Struktur einer Gruppe ist laut Simmel (Simmel 1908, S. 465) maßgeblich beeinflusst von dem Verhältnis der Gruppe zu ihrem Grund und Boden. Und genau diese Strukturen sind es, die die Lage und Verbindung der Teile darstellen, um den Zweck des ganzen Systems auf‐ rechtzuerhalten. Dies ist der rote Faden dieser Überlegungen, der immer wieder auftauchen wird: Inwiefern beeinflusst der Raum die Struktur der Systeme oder umgekehrt, welche Strukturen können durch den Raum erklärt werden und wel‐ che Stärken und Schwächen ergeben sich daraus? Als erstes Resultat stellt sich heraus, dass Lage und Verbindungen einer Struktur eines Systems von der Nähe zu seinem Raum bestimmt werden. Da sich der Finanzmarkt in seiner ausgepräg‐
Arbeit zitieren:
Andreas Blendinger, 2008, Der Raum des globalen Finanzmarktes, München, GRIN Verlag GmbH
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