Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Hauptteil 4
2.1. Das Verhältnis der BRD und Großbritanniens vor dem Fall der Mauer 4
2.2. Reaktionen der Regierung Großbritannien auf die epochalen Veränderungen
in der DDR 5
2.3. Suche nach Allianzen zur Durchsetzung britischer Interessen. 7
2.4. Dissens zwischen Premierministerin und Foreign Office 8
2.5. Gründe für den Meinungswechsel Thatchers 10
2.6. Die Zwei - plus - Vier Gespräche. 11
3. Schlussteil. 12
Literaturliste 14
2
1. Einleitung
Das zustande kommen der deutschen Wiedervereinung am 3. Oktober 1990 kann zu Recht als „historisches Wunder“ bezeichnet werden. Bundeskanzler Helmut Kohl bezeichnet die Ereignisse mit “’Jetzt wird Weltgeschichte beschrieben’“ 1 und „Willi Brandt, der am 13.August 1961 regierender Bürgermeister von Berlin war hat ein besseres Gespür für die Ereignisse dieser Nacht. Er sieht in ihnen die Bestätigung dafür ’dass die widernatürliche Trennung Deutschlands keinen Bestand’ haben wird. ‚Wir sind jetzt in der Situation, wo zusammenwächst, was zusammengehört’, sagte Brandt von tosendem Beifall begleitet und ergänzt unter dem Jubel der Zuhörer: ‚Berlin wird leben und die Mauer wird fallen.’ “ 2 erkannte die weltpolitische Bedeutung der Ereignisse vom 9. November 1989.
Verschiedene Faktoren und Umstände haben dazu beigetragen, die historischen Determinanten des kalten Krieges und der deutschen Teilung in kurzer Zeit zu überwinden. Als Beispiele, die im Vorfeld Massenproteste in der DDR ermöglichten, können hier die Reformbewegungen in Polen und Ungarn und die Bemühungen Gorbatschows, mehr Demokratie und Offenheit in der sowjetischen Gesellschaft zu wagen, angeführt werden. So erklärte Bundeskanzler Helmut Kohl anlässlich seiner Regierungserklärung am 16. November 1989 im Bundestag „wären die Polen und Ungarn - zusammen mit der Sowjetunion - nicht mit tief greifenden Reformen in Politik, in Wirtschaft und Gesellschaft vorangegangen, hätte die jetzige Entwicklung in der DDR nicht heranreifen können.“ 3
Die weltpolitischen und historischen Umbrüche in den Jahren 1989 und 1990, haben das politische Gefüge der Welt und insbesondere Europas nachhaltig verändert. Die Auflösung der osteuropäischen politischen Systeme also des Kommunismus und die Überwindung der deutschen Teilung, führten auch zu einer Neuordnung der Machteinflüsse auf europäischer und internationaler Ebene. Diese Umbrüche haben innerhalb von wenigen Monaten den Status quo der internationalen Politik grundlegend gewandelt. Leitsätze aus der Zeit des Kalten Krieges waren nicht mehr Grundlagen politischen Handelns und es mussten in
1 Horst Teltschik: 329 Tage, Innenansichten der Einigung, Berlin 1991, S. 15.
2 Horst Teltschik: 329 Tage, Innenansichten der Einigung, Berlin 1991, S. 19.
3 Böttcher, Viktor Hans: Materialien zu Deutschlandfragen, Bonn 1991, S. 37.
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kurzen Abständen Entscheidungen mit Mut, Weitsicht und Verständnis für die neu entstandenen Konstellationen getroffen werden.
Es bestanden daher Risiken und Chancen für die einzelnen Nationen bei den Entscheidungen nationalstaatliche Absichten durchzusetzen und so ihre Rollen in Zukunft zu definieren und zu determinieren.
Im folgendem möchte ich die Reaktionen der politischen Führung Großbritanniens hinsichtlich der gravierenden Veränderungen in der DDR 1989/90 analysieren, die unterschiedlichen Meinungen aufzeigen und versuchen, die Gründe dafür in den historischen Kontext einzuordnen. Außerdem möchte ich die Rolle Großbritanniens beim Wiedervereinigungsprozess bis zu den Zwei plus Vier Gesprächen beschreiben und mich kritisch mit der Stellung Großbritanniens in Europa und der Welt auseinandersetzen, insbesondere hinsichtlich des Machtverfalls und des ‚Abstiegs’ von einer Welt- und Kolonialmacht in der Vergangenheit, bis hin zur Mittelmacht in der Gegenwart.
2. Hauptteil
2.1. Das Verhältnis der BRD und Großbritanniens vor dem Fall der Mauer
Das Verhältnis der beiden Staaten war seit Gründung der Bundesrepublik durchgehend freundlich geprägt. Trotz der Bedenken Großbritanniens hinsichtlich der von Helmut Kohl forcierter Vertiefung des europäischen Integrationsprozesses, hat sich Großbritannien mit seiner Rolle in der EU und der NATO in der Vergangenheit als einer der zuverlässigsten Partner Deutschlands erwiesen. Uneinigkeit dagegen herrschte in der Frage der Modernisierung von atomaren Kurzstreckenraketen, welche die Beziehungen beider Staaten im Frühjahr 1989 belasteten. Großbritannien beharrte auf der NATO - Strategie der ‚flexible response’, die es den Mitgliedsstaaten erlaubte, auf einen Gegenangriff schnell und flexibel zu reagieren. Deutschland hingegen versuchte die Möglichkeiten von Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion auszuloten um zu verhindern, dass die Territorien der BRD und der DDR in einem Angriffsfall besonders betroffen
4
wären. Großbritannien fürchtete „…die Bundesrepublik könne sich aus der NATO zurückziehen und eine neutrale Position einnehmen.“ 4 , außerdem aus historischen Gründen die deutsch - sowjetische Verständigung, die so die Stabilität in Europa gefährden könnte. „West Germany had been rocked by the strange phenomenon of ‘Gorbi-mania’ and, under intense pressure from an always instinctively neutralist German public opinion, the staunchly pro - NATO Chancellor Kohl had begun to shift his ground on the subject of short - range nuclear weapons (SNF)” 5 Unsicherheit und Furcht vor einer Destabilisierung der politischen Verhältnisse in Europa prägten daher die europäische Außenpolitik Großbritanniens zu Beginn der Ereignisse in Osteuropa 1989/90.
2.2. Reaktionen der Regierung Großbritannien auf die epochalen Veränderungen in der DDR
Die epochalen Umwälzungen in Osteuropa und damit auch in der DDR, kamen für Großbritannien wie für alle anderen Staaten überraschend. Die Regierung in London war unvorbereitet. In ersten Reaktionen nach dem Fall der Mauer begrüßten Premierministerin Thatcher und Außenminister Hurd die Entwicklungen verhalten positiv. Die Möglichkeit einer schnellen Vereinigung der beiden deutschen Staaten wurde von Thatcher jedoch abgelehnt und die Schwerpunkte der künftigen Entwicklung auf die Demokratisierung und auf wirtschaftliche Reformen in Osteuropa gesetzt. „Ich glaube, wir haben es zu eilig. Diese Schritte müssen sich Schritt für Schritt entwickeln. Gewünscht wird in Ostdeutschland eine echte Demokratie. […] Wir wollen also jeden Schritt zu seiner Zeit tun. Die Aufgabe lautet: eine wirkliche Demokratie in Osteuropa schaffen.“ 6 Begründet liegt die Haltung Thatchers in der Sorge um die Stabilität der Sowjetunion. „[…] that the speed with which these changes are taking place carries its own risk of instability“ 7
4 Himmler, Norbert: Zwischen Macht und Mittelmaß, Berlin, 2001, S. 83.
5 Thatcher, Margaret: The Downing Street Years (1979 - 1990), New York, 1995, S. 747.
6 Himmler, Norbert: Zwischen Macht und Mittelmaß, Berlin, 2001, S. 83.
7 Zelikow, Philip / Rice, Condoleezza: Germany Unified and Europe Transformed. A Study in
Statecraft, Cambridge (Massachusetts)/London, 1995, S. 114.
8 Zelikow, Philip / Rice, Condoleezza: Germany Unified and Europe Transformed. A Study in
Statecraft, Cambridge (Massachusetts)/London, 1995, S. 108.
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Arbeit zitieren:
MA Sven Sochorik, 2003, Die Rolle Großbritanniens beim Wiedervereinigungsprozess Deutschlands 1989/90, München, GRIN Verlag GmbH
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