Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
1.1 Zielsetzung der Hausarbeit 3
1.2 Edith Wharton und die Natur. 3
1.3 Edith Wharton und New England 4
2. Analyse. 6
2.1 Die Rahmenhandlung / Der Erzähler 6
2.2 Die Launen der Natur und deren Auswirkungen 8
2.3 Die Funktion der Fichten und anderer Baumarten 10
2.4 Der Sommer. 12
2.5 Ethan und Mattie: Die Bedeutung der Natur in ihrer Beziehung. 14
2.6 Ethan Frome und weitere Aspekte der Natur 17
3. Fazit. 20
4. Literaturverzeichnis 22
4.1 Primärliteratur 22
4.2 Sekundärliteratur. 22
2
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung der Hausarbeit
Den Mittelpunkt dieser Hausarbeit wird Edith Whartons Roman Ethan Frome bilden. Der Schwerpunkt wird dabei auf der Darstellung der Natur im Werk liegen. Auf die Frage, welche Wirkungen diese erzeugen und welche Funktionen sie erfüllen, soll eine Antwort gefunden werden. Welchen Stellenwert nehmen die zahlreichen Naturbeschreibungen und die Anspielungen auf deren Elemente ein? Als kurze Einleitung wird zunächst der Stellenwert erläutert, den die Natur im Allgemeinen bei Edith Wharton eingenommen hat. Des Weiteren wird dann ihr Verhältnis zu der spezifischen Region erläutert, in der der Roman spielt: New England. Hatte sie eine intensive Orts- und Landschaftskenntnis, so dass es ihr generell möglich war, ein authentisches Landschaftsbild der Gegend zu schaffen und: war dies überhaupt ihr Ziel? Eine kurze Ausführung darüber, was Edith Wharton von der Darstellung der Region durch ihre Zeitgenossen und unmittelbaren Vorgänger/innen hielt, soll die Einleitung abrunden. Den Hauptteil wird in der Folge eine intensive und genaue Arbeit am Originaltext ausmachen, die die einleitend gestellten Fragen ausleuchten und zu beantworten versuchen wird.
1.2 Edith Wharton und die Natur
Edith Wharton liebte es, in der freien Natur zu sein und nutzte ihre freie Zeit so oft sie konnte und in jedem Land dazu, die Umgebung und deren Landschaft zu erkunden. Auch wenn sie viele Jahre unter anderem in Paris lebte, schreibt sie in ihren Memoiren: “Life in the country is the only state which has always completely satisfied me.” 1 Dies unterstreicht Nevius` Aussage, dass sie Zeit ihres Lebens „deeply drawn to nature“ 2 war.
Auch das Gärtnern zählte zu Edith Whartons aufwendigsten Hobbies, für das sie viel Zeit opferte. Auf diese Weise eignete sie sich ein enormes und detailliertes Fachwissen über die Pflanzenwelt an. In einem ihrer unveröffentlichten Artikel beschreibt sie viele Pflanzen und Blumen und deren Eigenschaften so genau, dass dieser Aufsatz “her expertise in knowing just which week each species may be
1 Wharton, Edith. A Backward glance. New York: Touchstone, 1998. S. 124.
2 Nevius, Blake. “On Ethan Frome.” In: Irving Howe (ed.). Edith Wharton. A Collection of Critical Essays. New
Jersey: Prentice-Hall Inc., 1962. S. 131.
3
expected” 3 anschaulich zeigt. Es ist daher davon auszugehen, dass sie die Naturbeschreibungen, Baum- und Pflanzenarten im Roman nicht wahllos wählen musste, sondern bei der Auswahl auf ein sich lebenslang angeeignetes Repertoire zurückgreifen konnte. Nichtsdestotrotz schreibt sie selbst über die Natur in literarischen Werken: „Nature, in passing through the medium of the imagination, is necessarily transposed and in a manner conventionalized; and it is this transposition, this deliberate selection of certain characteristics to the exclusion of others, that distinguishes the work of art from a cast or photograph.” 4
1.3 Edith Wharton und New England
Für Ethan Frome, so wie für etwa ein viertel aller von Edith Wharton veröffentlichten Werke, dient New England als Kulisse der Handlungen. Als Ethan Frome 1911 auf dem Buchmarkt erschien, nannte ein Kritiker den Roman „an interesting example of a successful New England story written by some one who knew nothing of New England.” 5 In ihren Memoiren A Backward Glance, veröffentlicht 1934, widerlegt Edith Wharton diese Behauptung:
“Ethan Frome was written after a ten year`s residence in the New England
hill country (…) and (…) during those years I had become very familiar with
the aspect, the dialect and the general mental attitude of the Ethans,
Zeenas and Mattie Silvers of the neighbouring village.” 6 Diese Behauptung stützt sich darauf, dass die Whartons von 1902 bis 1911 jeden Sommer auf ihrem Anwesen The Mount in Lenox, Massachusetts, verbrachten. Edith Wharton nutzte dort einen Großteil ihrer Freizeit dazu, die umliegenden Regionen und Dörfer zu erkunden; sie fand „inexhaustible delight in penetrating to the remoter parts of Massachusetts and New Hampshire (…)“. Die Erfindung des Autos machte auch sehr weite Ausflüge, abseits der bekannten Routen, möglich. Es ist demnach davon auszugehen, dass Wharton sich ein großes Repertoire an Wissen über die Region und deren Landschaft und Bewohner durch diese vielen „explorations among villages still bedrowsed in a decaying rural existence“ 7 aneignen konnte. Auch dass
3 Wright, Sarah. Edith Wharton A to Z. The Essential Guide to the Life and Work. New York: Checkmark Books,
1998. S. 96.
4 Kress, Jill. The Figure of Consciousness. William James, Henry James and Edith Wharton. New York:
Routledge, 2002. S. 1.
5 Wright, Sarah. S. 71.
6 Wegener, Frederick (ed.). Edith Wharton. The Uncollected Critical Writings. Princeton: Princeton University
Press, 1999. S. 262.
7 Wharton, Edith. A Backward Glance S. 153.
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diese Erkundungsfahrten Gegenstand ihrer Memoiren sind, bekräftigen den Stellenwert dieser Exkursionen in Edith Wharton`s Leben. Ein Freund Edith Whartons erinnert sich daran, dass diese nach dem Anblick eines heruntergekommenen Hofes während einer ihrer Ausflüge sagte: „I sat there for an hour alone, trying to think what such lives would be, and some day I shall write a story about it.“ 8 Es kann also angenommen werden, dass sie die Gegend sehr genau wahrnahm, um sie in ihren Romanen dann möglichst authentisch beschreiben zu können. Ihr Bekannter nimmt an, dass Ethan Frome das Resultat dieser Aussage war.
Bei der Beschreibung der Orte und Plätze in und um das imaginäre Starkfield in Ethan Frome herum konnte Edith Wharton demnach auf ihr Wissen über die Region zurückgreifen. „She was recreating the spell that the New England landscape had laid upon her, its dark and somber beauty, its atmosphere (for her) of the haunted and tragic.“ 9 Gerade in Ethan Frome, aber auch in Summer, widmet sich Edith mehr und mehr der realistischen Darstellungsweise. Auch Bell bezeichnet die Beschreibungen im Roman als „the product of what we would call Wharton`s fieldwork.” 10
Die Beschreibungen der Landschaft und Bewohner des ländlichen New Englands durch zeitgenössische Autorinnen waren in Whartons Augen meist keine authentischen Darstellungen. Mary E. Wilkins Freeman oder Sarah Orne Jewett (schrieb über Maine in The Country of Pointed Firs) beispielsweise beschrieben New England ihrer Meinung nach zu sentimental und sahen es durch „rose-coloured spectacles.“ 11 Wolff nennt keine spezifischen Autor/innen, schreibt jedoch allgemeiner: „Other writers, the venerable regionalists of New England, had already given us the surface view that Wharton scorned: a preffified spectacle of billboard art, a pastoral land seen through awestruck eyes.“ 12 In der Einleitung zum Roman Ethan Frome schreibt Wharton selbst: “I had an uneasy sense that the New England of fiction bore little - except a vague botanical and dialectical - resemblance to the harsh and beautiful land as I have seen it.” Obwohl in den Romanen ihrer Kolleginnen “sweet-fern, asters and mountain-laurel” aufgezählt und beschrieben
8 Lubbock, Percy. Portrait of Edith Wharton. New York: Kraus Reprint Co., 1969. S. 23.
9 Lewis, R.W.B. Edith Wharton. A Biography. London: Constable and Company Ltd., 1975. S. 309.
10 Bell, Millicent. The Cambridge Companion to Edith Wharton. USA: Cambridge University Press, 1995. S. 60.
11 Fryer, Judith. Felicitous Space. The Imaginative Structures of Edith Wharton and Willa Cather. North Carolina:
The University of North Carolina Press, 1986. S. 178.
12 Griffin Wolff, Cynthia. A Feast of Words. The Triumph of Edith Wharton. New York: Oxford University Press,
1977. S. 162.
5
werden, schien es für Wharton so, als ob in allen Fällen „the outcropping granite” 13 übersehen, ausgelassen oder beschönigt wurde. Sie hingegen wollte die Natur und die Menschen so darstellen, wie sie, in ihren Augen, realistisch waren: Sie „had wanted to draw life as it really was in the derelict mountain villages of New England.” 14
Als die Ehe mit ihrem Mann in die Brüche ging, verkauft dieser im November 1911, gegen ihren Willen, The Mount in Lenox. Mit diesem Verkauf endet Edith Whartons Zeit in ihrem Heimatland Amerika. Sie betrat in der Folge nur noch zweimal amerikanischen Boden: 1913, um die Hochzeit ihrer Nichte zu erleben und 1923, um von der Yale Universität eine Auszeichnung entgegenzunehmen. 15 Sie wurde dort jedoch nie wieder sesshaft.
2. Analyse
2.1 Die Rahmenhandlung / Der Erzähler
Der Roman Ethan Frome spielt im imaginären, ländlichen Starkfield, „an obviously weighted name“ 16 , Massachusetts. Der Erzähler, ein Ingenieur, wird aus beruflichen Gründen für einen Winter dorthin versetzt und ist von Beginn an fasziniert von dem schweigsamen und vom Leben gezeichneten Ethan Frome. Die ebenfalls wortkargen Bewohner Starkfields erzählen ihm allerdings nur zögernd und ungern Bruchteile von dessen Geschichte; “the narrator is compelled to tell a story about the depth of isolation: the inarticulateness, reticence, and silence of rural New Englanders who cannot or will not tell their story to outside observers.” 17 So ist er gezwungen, sich seine „Version“, von dem was Ethan Frome 24 Jahre zuvor passiert ist, selbst zusammenzusetzen. Da er sich demnach das meiste herleiten muss und die Erzählung daher weder auf Erfahrungen noch auf Tatsachen beruhen kann, können er und dass, was der Leser über Ethan Frome erfährt, nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Es gibt im Laufe des Romans nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür, dass der Erzähler wissen kann, dass Mattie und Ethan besonders empfänglich für die Schönheiten der Natur waren. Dennoch motiviert und dominiert genau dies deren Beziehung und den Rest der Vision des Erzählers. Es ist
13 Wharton, Edith. Ethan Frome. New York: Pocket Books, 2004. Introduction S. 3.
14 Wharton, Edith. A Backward Glance S. 293.
15 Wright, Sarah. S. 8.
16 Papke, Mary E.. Verging on the Abyss. The Social Fiction of Kate Chopin and Edith Wharton. New York:
Greenwood Press, 1990. S 129.
17 Waid, Candace. Edith Wharton`s Letters from the Underworld. Fictions of Women and Writing. London: The
University of North Carolina Press, 1991. S. 62.
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Arbeit zitieren:
Andrea Tuschka, 2008, Die Rolle der Natur in Edith Whartons 'Ethan Frome', München, GRIN Verlag GmbH
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