„Wann immer sich Rassismus und Antisemitismus unkontrolliert entwickeln, ist die Tragödie
nicht nur eine jüdische. Es ist eine Tragödie für jedermann, wo immer sie geschieht.“
(Yitzhak Rabin)
1. Einleitung:
Yitzhak Rabin beschreibt in seinem Zitat die Allgegenwärtigkeit des Rassismus. Es ist nicht nur ein Typologisches Problem, sondern auch ein multifaktorielles Problem. Rassismus entsteht in jeder Altersklasse und in jeder Kultur. In dieser Hausarbeit soll das Thema Führungen in Gruppen mit dem Hintergrund „Führungen in rechtsradikalen Parteien und Gruppen“ beleuchtet werden. Erklärt werden diese durch verschiedene Betrachtungen der Gruppenführung, wie eine Gruppe entsteht, welche Merkmale Führungskräfte aufweisen müssen und sollten und wie das Vertrauen zu den Führungspersonen hergestellt wird. Außerdem werden die beiden Führungsstile - autokratisch und demokratisch - erklärt und in Verbindung mit Führungsstilen in rechtsradikalen Gruppen gebracht.
2. Grundlagen im Umgang mit Rassismus
Der Rassismus ist schon so alt wie die Menschheit selbst. Immer wieder gibt es Vorurteile gegenüber anderen Kulturen, weil wir nicht mit den Werten und Normen dieser Kulturen übereinstimmen. Im den nächsten Punkten wird erklärt, was Rassismus eigentlich genau ist und welche Zukunft er haben wird.
2.1. Was ist Rassismus?
Der Rassismus ist eine Form der Übertreibung. Er ist eine verzerrte Form unserer Selbstwahrnehmung zu Fremdbildern und kann eine stark negative Richtung einschlagen. Durch diese Wahrnehmung bekommen wir ein falsches Abbild der Kulturen und Menschen. Rassismus spiegelt sich dann in gewalttätige Ausgrenzung, in übersteigertem Hass und radikaler Unterdrückung wieder. Der Rassismus wird in der öffentlichen Wahrnehmung als „Grundübel und Geißel der Menschheit“ beschrieben. 1
Geulen macht hierbei deutlich, das die Menschen immer sehr unsicher mit diesem Thema umgehen, es weitgehend verallgemeinern und sich eigentlich damit nicht näher befassen
1 Geschichte des Rassismus, Christian Geulen, München 2007, C.H. Beck Wissen, S. 7
2
wollen, gerade weil es auch sehr unangenehm ist. Gerade für die Deutschen ist das Thema Rassismus nicht sehr präsent.
Der Mensch vergleicht den Rassismus als eine menschliche Ungleichheit, etwas, was sie von anderen unterscheidet. In der Antike wurde der Rassismus schon geprägt durch z.B. die Ägypter, die die Juden (auch damals schon ein Volk, das sich immer fremden Führern unterwerfen musste) benutzt wurden um die prachtvollen Bauwerke zu errichten und die in den Augen der Ägypter ein nutzloses Volk waren und in der Neuzeit, gerade 70 Jahre her, waren es wieder fremde Führer, die die Juden zwangen Arbeiten zu verrichten. Man erkennt also eine Linie, die seit Jahrtausenden nicht große Abweichungen zu verzeichnen hatte. Geulen geht davon aus, dass der Rassismus wandelbar ist und er sich im Laufe der Geschichte in der Tat immer wieder verändert hat.
„Gemeinsamkeiten, die uns dennoch erlauben, seine historisch verschiedenen Formen miteinander zu verknüpfen, stehen nicht vorab fest, sondern stellen sich erst bei ihrer genaueren Betrachtung heraus: als wiederkehrender Strukturmerkmale und realhistorische Zusammenhänge.“ 2
Ich möchte hier noch eine Definition von Rassismus und Rasse aufführen, welche ich am treffendsten finde:
>> Rassismus bezeichnet eine Ideologie, die Menschen aufgrund physiognomischer oder kultureller Eigenarten oder aufgrund ihrer ethnischen, nationalen oder religiösen Zugehörigkeit in angeblich naturgegebene Gruppen - so genannte Rassen - einteilt und diese hierarchisiert. Menschen werden nicht als Individuen, sondern als Mitglieder solcher pseudoverwandtschaftlicher Gruppen mit kollektiven, weitgehend als unveränderbar betrachteten Eigenschaften beurteilt und behandelt. Der klassische Rassismus beruhte auf der fälschlichen Annahme, die Menschheit lasse sich in genetisch voneinander unterschiedliche "Rassen" mit unterschiedlichen psychischen Eigenschaften unterteilen. Er diente der Rechtfertigung des Kolonialismus, der Sklaverei, der Verbrechen der Nazi oder des Apartheidregimes. Seit den 1960er-Jahren (Entkolonialisierung, Emanzipations- und Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen in den USA) wird Rassismus vielfach auch für direkte, indirekte, institutionelle und strukturelle rassische Diskriminierung verwendet. Es ist aber
2 Geschichte des Rassismus, Christian Geulen, München 2007, C.H. Beck Wissen, S. 8
3
sinnvoll, auf der Handlungsebene rassische Diskriminierung sowohl von Rassismus als Ideologie wie auch von anderen Formen der Diskriminierung abzugrenzen. Rassendiskriminierung ist jede Praxis, die Menschen aufgrund physiognomischer Merkmale und/oder ethnischer Herkunft und/oder kultureller Merkmale (Sprache, Name) und/oder religiöser Zugehörigkeit Rechte vorenthält, sie ungerecht oder intolerant behandelt, demütigt, beleidigt, bedroht oder an Leib und Leben gefährdet. Rassendiskriminierung kann, muss aber nicht ideologisch (Rassismus) begründet sein. 3 <<
>>Rasse [französisch], Gruppe von Lebewesen, die sich durch ihre gemeinsamen Erbanlagen von anderen
Artangehörigen unterscheiden. In der Anthropologie steht für Rasse heute oft der Begriff »typologische
Kategorie« (Mensch). 4 <<
2.2 Rassismus - Praxis oder Ideologie?
Rassismus wird heute zum einen als Weltbild angesehen, zum anderen aber auch als eine Art Erklärungsformel benutzt. Gerade wenn man sich gewalttätige Übergriffe gegenüber Ausländern anschaut, wird gleich immer ein rechtsradikaler Hintergrund gesucht. Gerade in Ostdeutschland nimmt die Zahl der rechtsradikalen Straftaten immer mehr zu, die rechtsorientierten Parteien nehm an Mitgliederzahlen zu 5 . Wenn diese Straftaten nicht von Rechtsradikalen verübt werden ist man umso beruhigter. In beiden Fällen, also in der Praxis und in der Ideologie, ist der Rassismusbegriff eine Leerformel, die etwas bezeichnet, das entweder Funktionen externer Verhältnisse sind wie z.B.: - Die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland und der Rassismus als ihre Folge - Rassismus als abstraktes Motiv für Gewalttaten
Dadurch hat der Rassismus eine „primitive“ Ideologie und „gewalttätige“ Praxis verliehen bekommen, der die tatsächliche Gefährlichkeit des Rassismus verschleiert, da sie nicht in Verbindung mit den „Köpfen“ der Organisation steht, sondern nur objektiv gesehen wird. Gerade hierbei ist es wichtig zu sehen wie alles entsteht, welche Praktiken und Formen benutzt werden, welche Führungsstile es gibt und wie man mit Ihnen positive Ergebnisse erzielt.
3 Johannes Zerger, Was ist Rassismus? Eine Einführung, Lamuv, Göttingen 1997
4 Meyers Lexikon, 2007
5 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,356199,00.html, Stand: 05.03.2009, 10:15 h
4
2.3 Von der Naturgeschichte zum Rassenkampf
„Die Idee, dass auch die Natur eine Geschichte haben könnte, war nicht Fortsetzung des Paradigmas der „Naturgeschichte“, sondern leitete sein unwiderrufliches Ende ein. In der Naturgeschichte war jeder Wandel als natürlicher Mechanismus gedacht worden: vorgesehen und prinzipiell berechenbar. In der Evolutionsidee dagegen hatte der Wandel selbst eine den Gesamtprozess gestaltende, in ihn eingreifende Funktion, was die Vorhersagbarkeit mindestens schwierig machte. Der Umbruch von einem zum anderen vollzog sich daher auch nicht schlagartig, sondern erstreckte sich vom ausgehenden18. bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.“ 6 Man sieht also hierbei, dass es nicht ein Plan der Natur war den Menschen zu lenken und sein Leben zu bestimmen, sondern dass der Mensch selbst sich leitet und Entscheidungen trifft. Lamarck ging schon davon im 18. Jahrhundert aus. Er stieß damit auf großen Widerstand bei den Kirchen, denn er ging erstmals davon aus, dass der Mensch Sich laufend dadurch verändert, dass er sich seiner Umwelt anpasst und nicht einen, wie bis dahin angenommen, starren Verlaufsplan der Natur einhält. Dies kann auch durch die humanistische Anschauung der Psychologie angenommen werden. So nahm Atkinson an das: „Ein psychologischer Ansatz, der die Einzigartigkeit des einzelnen Menschen betont; bezieht sich auf subjektives Erleben und menschliche Werte, zum Beispiel die Selbstverwirklichungstendenz.“ 7
Nachdem Lamarck, sowie auch andere Forscher wie z.B. Malthus und Lyell sich Gedanken über die Evolution gemacht hatten, begründete Darwin mit seiner Evolutionstheorie eine Theorie, wie es sie zuvor noch nicht gegeben hatte. Darwin hatte den Vorteil gegenüber den anderen, das er eine beinahe zweijährige Weltumsegelung gemachte hatte und so wertvolle Daten über die fremden Völker, ihre Sitten und Gebräuche und damit auch über ihre Kulturen sammeln konnte.
Seine Überlegungen basierten nicht auf dem Harmoniemodell und der Schöpfungsgeschichte, sondern seine Theorie basierte auf der Balance zwischen den Arten und ihrer Umwelt, auch oft genannt unter de, Begriff „trial and error“ Spiel: die natürliche Selektion, der Stärkere setzt sich durch und bildet eine neue Art.
6 Geschichte des Rassismus, Christian Geulen, München 2007, C.H. Beck Wissen, S. 64
7 Atkinson et al., 2001, S. 697
5
Zur Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten sich in England die ersten „Ghettos“. In ihnen lebten verelendete Arbeiter, die oft nicht englischer Herkunft waren, sondern aus allen möglichen Teilen der Welt kamen. Es wurde eine soziale Kategorie gebildet. Es gab dann noch eine weitere Anzahl an Ansätzen zur Kategorie Rasse wie z.B. die Phrenologie (Lehre von der Bedeutung der Kopfformen und Hirnregionen) und Gobineaus Theorie zur Ungleichheit der Menschenrassen, sie scheiterten aber alle an der doch recht brisanten Auffassung von der Evolution. Erst Gumplowicz lenkte mit seinem Buch Der Rassenkampf: Soziologische Untersuchungen , welches er 1883 verfasste hatte, ein Umdenken ein. Er machte die Rassentheorie zu einer jenseits parteipolitischer Differenzen verwertbaren Weltanschauung, die sich an den Imperialismus, den Nationalismus oder den Antisemitismus ebenso anschließen wie an den Sozialismus, den Liberalismus oder den Konservatismus. 8 Dies sollte ein grober Überblick über den Begriff Rassismus sein. Im nächsten Teil der Hausarbeit möchte ich mich den Fragen stellen was Gruppen sind, welche Arten von Gruppen es gibt und wie Gruppenstrukturen entstehen können.
3. Was ist eine Gruppe?
>> Wenn zwei oder mehr Personen in irgendeiner Beziehung zueinander stehen, bilden sie eine Gruppe.<< 9 oder
>> Eine Gruppe kann definiert werden als eine Mehrheit von Individuen, die in Kontakt miteinander stehen, aufeinander reagieren und in wesentlichen Punkten Gemeinsamkeiten erleben.<< 10
Lindgren wie auch Olmsted verbinden die Gruppe mit einer Mehrzahl von Personen die gleichen Interessen nachgehen oder in einer Beziehung zueinander stehen. Der Begriff Gruppe ist ein Konstruktbegriff. Man kann ihn für viele Definitionen setzen, denn der Begriff Gruppe ist flexibel. Wenn in Umgangssprache und/oder Wissenschaft von Gruppen im Zusammenhang mit Sozialpsychologie die Rede ist, dann werden vor allem folgende Bedingungen genannt. Die Mitglieder
8 Geschichte des Rassismus, Christian Geulen, München 2007, C.H. Beck Wissen, S. 66-74
9 Psychologie der Gruppe, Manfred Sader, Juventa Verlag Weinheim und München, 2008, S. 37
10 Psychologie der Gruppe, Manfred Sader, Juventa Verlag Weinheim und München, 2008, S. 38
6
Arbeit zitieren:
Dennis Sommer, 2009, Führungen in Gruppen - mit Hintergrund von rechtsradikalen Parteien und Gruppen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Unterrichtsstunde: Die Phylenreform des Kleisthenes – (k)ein Schritt z...
Geschichte Klasse 11
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Unterrichtsentwurf, 13 Seiten
Punische Kriege (Arbeitsblätter)
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Referat / Aufsatz (Schule), 6 Seiten
Dennis Sommer's Text Führungen in Gruppen - mit Hintergrund von rechtsradikalen Parteien und Gruppen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Dennis Sommer hat den Text Führungen in Gruppen - mit Hintergrund von rechtsradikalen Parteien und Gruppen veröffentlicht
Dennis Sommer hat einen neuen Text hochgeladen
Die Aufklärungspflicht der Parteien des Zivilprozesses vor dem Hinterg...
Eine vergleichende Betrachtung...
Johannes Lang
traverse 2007/1. Geschichte der politischen Parteien der Schweiz. Hist...
Zeitschrift für Geschichte. Re...
Der Konflikt zwischen Bundesverfassungsgericht und politischer Führung
Ein Beitrag zur Geschichte und...
Richard Häußler
Politische Führung in westlichen Regierungssystemen
Theorie und Praxis im internat...
Martin Sebaldt, Henrik Gast
0 Kommentare