INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 1
I. INNOVATION UND KRISE 2
II. INNOVATIONSMANAGEMENT. 4
II. 1. GRUNDLAGEN 4
II. 2. ZIELE DES BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHEN INNOVATIONSMANAGEMENT 5
II. 3. ZWISCHENERGEBNIS 6
III. EINE EVOLUTIONSÖKONOMISCHE INNOVATIONSTHEORIE. 7
III. 1. EVOLUTIONSÖKONOMIK 7
III. 1.1. GRUNDLAGEN. 7
III. 1.2. HISTORISCHE ENTWICKLUNG UND THEORIEBILDUNG. 8
III. 1.3. DIE ENTWICKLUNG EINES MODERNEN EVOLUTIONSTHEORETISCHEN MODELLS
VON NELSON UND WINTER. 8
III. 2. GRUNDSTRUKTUR EINER EVOLUTIONSÖKONOMISCHEN INNOVATIONSTHEORIE. 10
III. 2.1. DAS VARIATIONS-SELEKTIONS-BEWAHRUNGS-PARADIGMA - ÖKONOMIE ALS
OFFENES SYSTEM 10
III. 2.2. TECHNOLOGISCHE PFADABHÄNGIGKEIT. 13
III. 2.3. PHASENÜBERGÄNGE UND WEITERE IMPLIKATIONEN EINES OFFENEN SYSTEMS 14
SCHLUSSREFLEXION UND AUSBLICK 16
LITERATURVERZEICHNIS 18
ABBILDUNGEN 20
iii
EINLEITUNG
Die Motivation für diese Seminararbeit speist sich aus dem Bedürfnis einer Analyse der Kor-
relation von Innovation und (Wirtschafts-) Krise. 1 Im Hinblick auf die Wirtschaftsereignisse der Vergangenheit, standen nicht nur einzelne Personen und Institutionen unter einem gewissen Rechtfertigungsdruck, sondern auch die Disziplin des Innovationsmanagement wurde in implizit in eine fragwürdige Position gerückt. So muss jene etwa den populistischen Aussagen eines Bundespräsidenten (und ehemaligen IWF-Direktors) standhalten, der Finanzinnovatio-
nen und deren Management scharf kritisierte 2 , sowie der Analogiebildung des momentanen Finanzministers von Finanzinnovationen mit „Spring-ins-Feld-Teufeln“ 3 . Es sind aber auch entsprechende Aussagen von Ökonomen mit weitreichendem wissenschaftlichen Renommee, wie etwa Paul Krugman, welche indirekt zu einer kritischen Reflexion des Innovationsmana-gements als solches aufrufen. 4
Die sich daraus ergebende Fragestellung könnte also folgendermaßen beschrieben werden: „Befindet sich (gemeinsam mit der Wirtschaft) auch die Theorie des Innovationsmanage-
ments in der Krise (im Kuhnschen Sinne 5 )?“ Zusätzlich hierzu soll der Ergebnisbeitrag eines neuen Ansatzes der Ökonomie geprüft werden, welcher wirtschaftliche Entwicklung und Innovation als einen Evolutionsprozess beschreibt. Eine zweite zu behandelnde Frage wäre also:
1 Zur Auswirkung der Krise auf die globale Wirtschaft sind die weltweiten Staatsausgaben für Rettungsaktionen betroffener Finanz- und Industrieunternehmen zu nennen, die bereits getätigt wurden, sowie diejenigen, welche für zukünftige Hilfs- und Übernahmeaktionen noch folgen werden. Des Weiteren war im Zusammenhang mit der rezessionalen Wirkung der Krise bereits im vergangenen Jahr ein signifikanter Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in den USA, Europa und Teilen Asiens auszumachen (vgl. Gude, Sahm 2009, S. 31-34, URL siehe Literaturverzeichnis). Dieser Trend wird sich im aktuellen Jahr verstärkt fortsetzen, wie Umfragen innerhalb Europas nahe legen (vgl. ebenda). Somit ist etwa Deutschland auch realwirtschaftlich durch seine starke Leistungsbilanz direkt von dem Phänomen betroffen: Aktuelle Konjunkturprognosen gehen für 2009 von einem Rückgang des realen BIP von etwa 2,2 % im Vergleich zum Vorjahr aus (vgl. Ifo 2008, S. 3, URL siehe Literaturverzeichnis).
2 Vgl. Spiegel Online (2008), URL siehe Literaturverzeichnis.
3 Handelsblatt.com (2008): S. 1, URL siehe Literaturverzeichnis.
4 So etwa die Aussage Krugman’s in einer New York Times Kolumne: „The bottom line is that policy makers left the financial industry free to innovate - and what it did was to innovate itself, and the rest of us, into a big, nasty mess.” (Krugman 2007, URL siehe Literaturverzeichnis).
5 Vgl. Kuhn (1962).
1
„Was sind die Kernelemente einer evolutionsökonomischen Innovationstheorie?“ Und drittens: „Kann eine evolutionsökonomische Innovationstheorie das klassische Innovationsmanagements im Sinne der Nachhaltigkeit ergänzen (und wenn ja wie)?“
Dem Autor ist natürlich bewusst, dass diese drei Fragen im Rahmen einer Seminararbeit nicht zur Gänze behandelt werden können. Dies liegt jedoch nicht nur an der kurzen Natur einer Seminararbeit, sondern auch in der Natur dieser Themen. So sind sowohl die Finanzkrise ab 2007 als auch die noch in der Entstehung begriffene Theorie der Evolutionsökonomik äußerst weitläufige Gebiete, bei denen eine erschöpfende Ausführung jeweils mindestens das Verfassen eines Buches in Anspruch nehmen würde. Die Arbeit möchte daher tatsächlich (nur) einen wirtschaftswissenschaftlichen Theorienüberblick bzw. Theorienvergleich mit Praxisimplikation nach aktuellem Anlass geben. Sie möchte dem Leser eine theoretisch fundierte Antwort auf ein öffentlich diskutiertes Thema vermitteln und ihm grundlegende Elemente eines jungen und dynamischen Innovationsmodells nahelegen. Dabei kann sie als ein Versuch betrachtet werden, die mit der aktuellen Rezession aufgetretenen Fragen aus einer evolutionstheoretischen Innovationsperspektive zu beantworten, wie er in der Forschung bisher noch nicht explizit unternommen wurde.
Im Verlauf der Arbeit sollen die drei oben genannten Fragen beantwortet und durch eine Schlussbetrachtung gesamtheitlich reflektiert werden. Hierfür wird zu aller erst untersucht, ob es überhaupt eine Verbindung zwischen Innovation und der Finanz- respektive Wirtschaftskrise gibt und falls ja, wie sie sich äußert (Kapitel I). Nun wird durch eine knappe Definition der Theorie des Innovationsmanagements zusammen mit dem Ergebnis der vorherigen Untersuchung die erste Frage beantwortet (Kapitel II). Ist dies geschehen, werden Entstehung und Grundstruktur der Evolutionsökonomik dargelegt und die wichtigsten Elemente einer evolutionsökonomische Innovationstheorie kurz erläutert. Damit wird eine Antwort auf Frage zwei gegeben und implizit auf Frage drei eingegangen (Kapitel III). Am Ende folgt eine Schlussbetrachtung.
I. INNOVATION UND KRISE
Der Terminus „die Krise“ bezeichnet die aktuelle Wirtschaftskrise bzw. globale Rezession, in der sich auch Deutschland im Moment befindet. Ihre tatsächliche Schadenswirkung kann momentan noch nicht genau bestimmt werden. Unstrittig ist aber, dass die amerikanische Kre-
2
dit- und Finanzkrise ab 2007 maßgeblich zu ihrem Entstehen beigetragen haben. 6 Wegen des Übergangs von der Finanz- zur Realwirtschaft macht die Krise nicht nur Finanzakteure, sondern generell auch Wirtschaftsakteure vielerlei Branchen betroffen. Und durch die Mündung in eine allgemeine Rezession erreicht sie schließlich jedes Individuum unseres sozioökonomischen Systems.
Seitdem sich die schwerwiegenden Folgewirkungen der Finanzkrise ersichtlich zeigten, wurden einige wissenschaftliche Anstrengungen unternommen deren Entstehung zu untersuchen. Die Kernursachen dieser in den USA beginnenden Bewegung sind uns daher nun wohlbe-kannt. Als zentral werden dabei folgende drei Punkte angesehen 7 :
• Außergewöhnliche Finanzmarktstabilität mit hoher Sparquote und sehr niedrigen Zinsen.
• Finanzinnovationen, welche hohe Komplexität und Leverage-Wirkung mit geringer Sicherheit verbanden.
• Der plötzliche Einbruch des US-Immobilienpreises.
Es herrscht ein gewisser wissenschaftlicher Konsens in der Auffassung unterschiedlicher Forscher, welcher den Finanzinnovationen, neben den wirtschaftlichen und politischen Rahmen-
bedingungen der Krise, eine zentrale Bedeutung zukommen lässt. 8 Im Mittelpunkt stehen hierbei die neuartigen Finanzprodukte, welche aufgrund der finanzwirtschaftlichen Situation amerikanischer Banken im Dezember 1997 entwickelt wurden. Zu nennen sind sogenannte Broad Index Secured Offerings („Bistro“), welche ursprünglich von der Investmentbank JP Morgan konstruiert und vermarktet worden sind. Mit diesen „synthetischen Finanzinstrumen-
ten“, welche auch unter der Abkürzung CDO 9 Bekanntheit erlangten, vereinte die Bank in innovativer Manier die Funktion eines Credit Swaps zusammen mit der Kreditverbriefung. Zudem kam die Funktion einer gebündelten Kreditübertragung, da eine CDO viele verschiedene Kreditformen umfassen konnte. Auch war es nun möglich, diese Finanzderivate in verknüpfter Form anzubieten, sodass CDOs sich in mehrfacher Form auch selbst enthalten konnten. Die Produkte erfreuten sich in ihrer Anfangsphase größter Beliebtheit. Auch andere Kre-
6 Vgl.Ifo (2008): S. 3.
7 Vgl. etwa Mizen (2008): S. 568.
8 Vgl. etwa Heinsohn et al. (2008): S. 6f; Murphy (2008): S. 11-13; Whalen (2008): S. 3-4.
9 Collateral Debt Obligations (CDOs) sind strukturierte Finanzinstrumente. Vor der Hypothekenkrise kamen diese auf Basis sogenannter Residential Mortgage-Backed Securities (RMBSs) verstärkt in Umlauf. Letztere bestanden u.A. wiederum aus mehreren einzelnen Subprime Mortgage Loans.
3
ditinstitute entwickelten nun ähnliche Produkte und brachten diese in globaler Form in Um-lauf. 10
Spätestens aber als in den USA zehn Jahre später der amerikanische Immobilienmarkt zusammenbrach, zeigten die innovativen Finanzinstrumente ihre desaströse Wirkung. Dies lag größtenteils daran, dass letztere - wegen des vorher boomenden Immobilienmarktes - zu großen Teilen aus Hypotheken (u.A. auch Subprime Mortgage Loans) gebildet wurden. Die Intransparenz und der globale Vernetzungseffekt dieser neuen Produkte machte Menschen nun weltweit betroffen. Gesamtheitlich lässt sich eine Kausalwirkung von Hypothekenkrise (2006/2007, USA), Banken- und Finanzkrise (ab 2007, USA/Welt) und globaler Rezession (2008 bis jetzt) nachzeichnen.
II. INNOVATIONSMANAGEMENT
II. 1. GRUNDLAGEN
Bei der Begriffsbestimmung dieser betriebswirtschaftlichen Teildisziplin separiert Hauschild das Wort in seine Bestandteile Innovation und Management. Während die Innovation (vgl. lat. innovatio) vorerst eine (Er-)Neuerung ist, lässt sich am Begriff des Management (vgl. lat.
manus agere, übersetzt als „an der Hand führen“) 11 wiederum Funktion und Institution unterscheiden. Letzteres beschreibt die faktischen Machtträger, während ersteres die dispositive, nicht ausführende Tätigkeit dieses Personenkreises beschreibt. Rekurrierend auf Schumpeter sieht Hauschild so das Innovationsmanagement eher aus einer prozessualen Perspektive als „dispositive Gestaltung von Innovationsprozessen“. Wobei auch der systemtheoretische Ansatz von Uhlmann in die Betrachtung miteinfließen sollte, welcher Innovationsmanagement als „bewusste Gestaltung des Innovationssystems“ (der Unternehmung) betrachtet, innerhalb
dessen derartige Prozesse ablaufen. 12
Unter dem Innovationsprozess (Innovation im weiteren Sinne) lässt sich der gesamt- oder betriebswirtschaftliche Prozess, welcher auf die Generierung und Durchsetzung von Innovati-
10 Balzliet al. (2008): S. 49f.
11 Vgl. Staehle (1999): S. 71.
12 Vgl. Hauschild (2004): S. 29f.
4
Arbeit zitieren:
2009, Innovationen als Abbild der Evolution, München, GRIN Verlag GmbH
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