1. Kiew - Mutter aller russischen Städte
…………………………………… 1 1.1 Quellenlage ………………………………………………………… 2 1.2 Sekundärliteratur …………………………………………………… 2
2. Standrundgang durch Kiew
2.1 Wer waren die Rus? ………………………………………………... 3 2.2 Die Anfänge - Wie alt ist Kiew wirklich? …………………………. 4 2.3 Kiew im 12. Jahrhundert - Ein Stadtrundgang ……………………… 5
2.4 Glanz und Untergang einer Stadt …………………………………… 9
3. Die Stadt und ihre Menschen
3.1 Eine Stadt wie ihre Menschen - Stadtteile und ihre Funktionen ….. 11 3.2 Ein Wals aus spitzen Stäben - Das Stadtbild Kiews ………………. 12 3.3 Das Erbe der Rus …………………………………………………… 14
4. Schluss
4.1 Schlussbetrachtung ………………………………………………… 14
5. Anhang
Literaturverzeichnis …………………………………………………….. 16
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Die Stadt Kiew (ukrainisch Київ/Kyjiw; russisch Киев/Kijew) ist heute Hauptstadt der Ukraine und die größte Metropole des Landes. Kiew liegt am bis hierhin für kleinere Seeschiffe befahrbaren Dnjepr und hat heute rund 2.700.000 Einwohner. In jüngster Zeit war Kiew im westlichen Bewusstsein besonders präsent durch die Auswirkungen des Tschernobyl-Unfalls im Jahr 1986 und durch die sog. „Orangene Revolution“ im Jahr 2004. Hierbei war die Innenstadt Schauplatz der Massenproteste gegen eine (vermutlich) gefälschte Präsidentschaftswahl. Das Kiew aber auch eines der wichtigsten europäischen Zentren des Mittelalters war, ist weitgehend unbekannt. Der strategisch ausgezeichnet gelegene Platz ließ die Stadt zum wichtigen Knotenpunkt eines lukrativen Handels zwischen Orient und Okzident und zwischen Skandinavien und dem Mittelmeer werden. Hierdurch wurde Kiew im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts zu einer der größten Städte Europas. Bis heute sind in Kiew bereits mehr als 60 Schatzfunde entdeckt worden mit insgesamt um die 3000 Schmuckgegenständen aus Gold, Silber oder anderen Edelmetallen. Die bei Ausgrabungen ge-fundenen mittelalterlichen Töpferei- und Schmiedeprodukte gehen in die Zehntausende.
Die folgende Arbeit möchte sich daher etwas eingehender mit der bewegten Stadtgeschichte Kiews beschäftigen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Zeit vom 8. Jahrhundert, dem Reich der Kiewer Rus, bis zur Zerstörung der Stadt am 6. Dezember 1240 durch die Goldenen Horden der Mongolen. Die verschiedenen Stadtteile Kiews sollen eingehend betrachtet und deren Funktionen im Gesamtkonzept einer mittelalterlichen Stadt beleuchtet werden. Außerdem werden wir uns den bedeutendsten Gebäuden der Stadt zuwenden und deren Geschichte im Zusammenhang mit der Stadtentwicklung betrachten. Ein abschließender Vergleich mit dem Stadtbild mittelalterlicher Orte in Westeuropa und Skandinavien soll diese Arbeit abrunden.
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1.1 Quellenlage
Als wichtigste Quelle zur Kiewer Stadtgeschichte ist vor allem die altrussische Nes-torchronik zu nennen. Diese älteste erhaltene ostslawische Chronik gehört zu den wichtigsten Quellen über die Geschichte der Rus. Der Entstehungsort der Nestorchronik ist das Höhlenkloster zu Kiew, in der Kiewer Oberstadt. Aber auch nichtrussische Quellen können hinzugezogen werden. So wird Kiew in der Kirchenchronik des Adam von Bremen mehrmals erwähnt. Auch Thietmar von Merseburg und der Mönch Theophilus Presbyter lassen Kiew und das Reich der Rus in ihren Abhandlungen vorkommen.
1.2 Sekundärliteratur
Schaut man sich die aktuelle Lage der Forschungsliteratur zum Thema der Kiewer Stadtgeschichte an, so wird man feststellen, dass ein Großteil der Texte lediglich in russischer Sprache vorliegen. Insbesondere das Werk „Drevny Kiev“ von Mikhail Karger 1 wäre hier als wichtige Informationsquelle zu nennen. An deutschsprachlicher Literatur ist besonders die Arbeit „Die Anfänge Kievs in archäologischer Sicht“ 2 von Eduard Mühle interessant. Des weiteren findet man verschiedene Passagen im „Handbuch der Geschichte Russlands“ 3 und im von Joachim Herrmann herausgegebenen Buch „Welt der Slawen“ 4 . Der größte Teil der russischen Literatur muss für diese Arbeit aber leider unberücksichtigt bleiben. Einen wichtige Beitrag um das Wissen über das mittelalterliche Kiew hat auch der Archäologe und Historiker Prof. Dr. Peter Toločko geleistet. Auf die Ergebnisse seiner langjährigen Forschung wird auch in dieser Arbeit bezuggenommen. Eine genaue Aufstellung der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur findet sich im Anhang der Arbeit.
Das Land der Kiewer Rus war ein mittelalterliches Großreich dessen Zentrum die Stadt Kiew war. Das Reich erstreckte sich von Nowgorod im Norden bis hin nach Bersan und Tmutorokan in Süden.
Bereits im 9. Jahrhundert waren schwedische Wikinger (Waräger) entlang der Flüsse in das Gebiet des späteren Russland eingedrungen. Sie kamen als Händler oder als Räuber, je nachdem, wie sie die Möglichkeiten eines guten Gewinns einschätzten. Bald errichten sie erste befestigte Handelsplätze und begannen damit die einheimische Bevölkerung zu unterwerfen. Um 850 hatten sie u.a. in Nowgorod und Kiew eigene Fürstentümer errichtet, in denen die Wikinger jedoch nur eine dünne Oberschicht stellten. Zur Sicherung ihrer Macht verbündeten und verheiratete die nordische Oberschicht sich mit slawischen Adelsfamilien und nahmen ihr Sprache und Kultur an. Die Slawen nannten die Nordmänner „Rus“ (die Ruderer). Mit der Zeit wurde dieser Name für das gesamte unter der Führung Kiews vereinte Reich benutzt. Mit der Zeit wurde das Reich de Rus immer mächtiger und im 10. Jahrhundert gelang es dem Russischen Fürsten Swjatoslaw sogar einen großen Teil des Balkans zu erobern.
Der Handel der Kiewer Rus war hauptsächlich auf Konstantinopel ausgerichtet. Hierdurch kam es zu einer engen kulturellen und politischen Verbindung der beiden Reiche. Dies führte im Jahre 988 schließlich zur Christianisierung der Rus und zur Wahl der byzantinisch-orthodoxen Lehre.
Die Großfürsten der Rus waren in ganz Teilen Europas hoch angesehen. Durch geschickte Heiratspolitik wurden Familienbande unter anderem nach Skandinavien, Frankreich, England, Polen, Ungarn und ins deutsche Reich geknüpft. Im Jahre 988 gelang es dem Kiewer Großfürsten sogar erfolgreich um die Hand der Schwester des oströmischen Kaisers anzuhalten. Damit ist er der erste europäische Fürst dem die Ehre zuteil wird eine byzantinische Prinzessin zu heiraten. Dem deutschen Kaiser Otto III. war diese Bitte kurz zuvor verweht worden.
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Laut der Gründungslegende in der Nestorchronik wurde Kiew von den Brüdern Šček, Choriv und Kij gegründet, die an den Ufern des Dnjeprs eine Burg errichteten und diese nach dem ältesten Bruder Kiew nannten 5 .
Im Jahre 1982 feierte die Stadt ihr 1.500-jähriges Bestehen. Durch dieses Jubiläum kann man den Eindruck bekommen, dass eine durchgehende Besiedelung ab dem 6. Jahrhundert historisch und archäologisch als gesichert gilt. Allerdings ist es vielmehr so, dass über den Gründungszeitpunkt Uneinigkeit herrscht. Ein Teil der Stadthistoriker und lokalen Archäologen vertreten durchaus die Ansicht, dass frühestens ab dem 8. Jahrhundert von einer festen Siedlung gesprochen werden kann 6 . Zu den ältesten Zeugnisse der Stadtgeschichte gehören Zufallsfunde die im 19. und 20. Jahrhundert auf dem Schlossberg entdeckt wurden. Hier kamen unter anderem eine Löwenfigur, eine Fibel und Fundamentreste zu Tage. Außerdem wurden in diesem Bereich einige Münzen der Kaisers Anastasius I. (491 - 518) und Justinians I. (527 - 565) gefunden. 7 Im Jahr 1940 wurde eine Siedlungsschicht auf dem Schlossberg freigelegt, die auf Grund von Keramikfunden in das 6. oder 7. Jahrhundert datiert wird. Es ist allerdings umstritten, ob aus diesen Funden auf eine ununterbrochenen Besiedlung des Schlossberges seit dem 6. Jahrhundert geschlossen werden kann. So wurde nämlich über dieser ersten Siedlungsebene eine „fundleere Lehmschicht“ 8 ausgegraben. Erst über dieser fundleeren Schicht konnte ein neuer Siedlungshorizont gefunden werden. Diese zweite Schicht wurde auf das 9. oder das 10. Jahrhundert datiert. In ihr wurden die Reste einiger Wohngebäuden und Keramik gefunden. Der südlich des Schlossbergs gelegene Altkiewer Berg gilt ebenfalls als eines der am frühsten bewohnten Gebiete der Stadt. Hier förderten Ausgrabungen die Reste einer künstlichen Befestigung zu Tage, deren Graben- und Wallanlage einen Bereich von ca. 2 ha des Hochplateaus abgrenzte. Im Zentrum befand sich vermutlich ein heidnisches Heiligtum. Darauf lässt ein großer Steinquader von 4,2 x 3,5 m Größe schließen, der als Altar gedient haben könnte. 9
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Arbeit zitieren:
Jan Patrick Faatz, 2008, Kiew im Mittelalter, München, GRIN Verlag GmbH
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