2
Inhaltsverzeichnis
1) Vorbemerkung
2) Medium
3) Autor
4) Textsorte, Textfunktion
5) Textproduzent, Textadressat
6) Textthema
7) Mediale Eigenschaften
8) Textsortentypische Eigenschaften
9) Makrostruktur
10) Mikrostruktur
11) Textkohäsion
12) Textkohärenz
13) Isotopien, Rekurrenzen
14) Intertextualität
15) Kommunikationssituation
16) Der Text als „Word“-Dokument
17) Bibliographie
Das Seminar „Textlinguistik“ beschäftigte sich mit der Untersuchung verschiedenster Textsorten anhand typischer textlinguistischer Merkmale.
Die vorliegende Arbeit soll die Textsorte ‚Kommentar’ aus einer großen, überregionalen Tageszeitung untersuchen.
Die linguistische Analyse richtet sich nach der Stichwortliste aus dem Seminar und gehtsofern der zu Grunde liegende Kommentar dies zulässt - auf jedes der Kriterien ein. Der Zeitungskommentar befindet sich als Word-Dokument am Ende der Hausarbeit.
Medium:
Der vorliegende Kommentar stammt aus der größten europäischen Tageszeitung, aus der „Bild-Zeitung“ (nachfolgend „Bild“ genannt).
Die Bild erscheint täglich (außer sonn- und feiertags) im Axel Springer Verlag in Hamburg und besitzt eine Auflage von rund vier Millionen Stück und eine Reichweite von über 12 Millionen Lesern pro Tag. 1
Die Bild erschien zum ersten Mal im Jahre 1952 und wurde von Verleger Axel Springer (1912-1985) bis zu seinem Tod herausgegeben. Heute ist die Herausgeberposition mit der des Chefredakteurs vereint. Dieser ist seit Januar 2001 Kai Diekmann. Diekmann, vorher Chef der ebenfalls bei Springer erscheinenden „Welt am Sonntag“, besuchte einst die legendäre Axel-Springer-Journalistenschule in Hamburg und führte seit seinem Amtsantritt die Bild wieder zurück in die Rolle der liberal-konservativen Volksstimme. Der CDU sehr nahe, beurteilt die Bild die momentane Bundesregierung sehr kritisch und führte passiv Wahlkampf für Edmund Stoiber, der 2002 Kanzlerkandidat war. Obwohl die Bild sich selbst als „überparteilich und unabhängig“ firmiert, ruft das „Monster aus dem Hause Springer“ 2 heftige Kritik hervor, in erster Linie bei Vertretern aus Kultur, Wissenschaft und Medien.
Erstmals drastisch in negative Presse geriet die Bild-Zeitung während der Studentenproteste 1968.
1 Vgl.: http://www.bildmedia.de/bildmedia/cda/index.php?hn=13.
2 Enzensberger, Hans Magnus: „Der Triumph der Bild-Zeitung oder Die Katastrophe der Pressefreiheit“, in: Merkur 6/83, S. 651-659.
Eine weitere Zäsur im Engagement gegen die Bild war das Buch „Der Aufmacher“ von Günter Wallraff. Wallraff schlich sich als Reporter getarnt in die Redaktion der Regionalausgabe „Bild Hannover“ ein und berichtete in seinem Enthüllungsbuch über repressive Arbeitsbedingungen einerseits und Krawalljournalismus andererseits. Er konstatiert, Bild wäre Ankläger und Richter zugleich, würde unwichtige Themen aufbauschen und wichtige weglassen, würde emotionalisieren und polarisieren. 4
Die Leserschaft der Bild nutzt diese überwiegend als „Zweitzeitung“:
Nach Angaben des Springer-Verlages beträgt die durchschnittliche Lesedauer 36 Minuten. 6 Bei der Sozialstruktur fällt auf, dass die Männer leicht überrepräsentiert sind und der Bildungsstand der Leser - vorsichtig ausgedrückt - nicht zu den elitären Gruppen bzw. Ständen gehört. Andererseits ist es aber auch so, dass die Bild auf Grund ihrer Reichweite alle demographischen Gruppen dominiert und somit mehr Menschen mit Studium erreicht, als zum Beispiel die elitäre FAZ. 7
Autor:
Autor des hier zu untersuchenden Kommentars ist der Medienexperte Peter Boenisch. Boenisch ist der Gründer der Jugendzeitschrift „Bravo“ und war bis Ende der 50er Jahre deren Chefredakteur. Dann holte Axel Springer ihn als Bild-Chef nach Hamburg, um den
3 Schirmer, Stefan: Die Titelseitenaufmacher der BILD-Zeitung im Wandel, München 2001, S. 144.
4 Vgl.: Wallraff, Günter: Der Aufmacher. Der Mann, der bei BILD Hans Esser war, Köln 1982.
5 Schirmer, Stefan: Die Titelseitenaufmacher der BILD-Zeitung im Wandel, München 2001, S. 144.
6 Vgl.: Axel Springer Verlag (Hrsg.): Bild: Daten und Fakten, Hamburg 1999, o. S.
7 Vgl.: Held; Simeon: Aufbruch im Osten: Kaufzeitungen - gedruckte Helfer in der Not?, in: Reiter; Ruß-Mohl, 1994, S. 202-231.
5
erfolglosen Karl-Heinz Hagen abzulösen. Boenisch veränderte das Blatt in Richtung Boulevard-Zeitung und berichtete vor allem über die Berühmtheiten und High-Society-Mitglieder der Welt. Aber gegen Ende der 60er Jahre auch zunehmend über die politische Lage der BRD. 8 Er war auch Chefredakteur während der Studentenrevolte 1968 und verantwortete mit Springer und Verlagsvorstand Peter Tamm Wortkreationen wie „Politgammler“ oder „langhaarige Affen“. 9
Als die Auflage 1970 sank, ersetzte Springer ihn durch Günther Prinz. Peter Boenisch blieb aber beim Springer-Verlag und wurde Chef der „Welt“ in Bonn. Außerdem wurde Boenisch Regierungssprecher der Regierung Kohl in den 80er Jahren. Später bekam er sogar einen Sitz im Aufsichtsrat der Axel Springer Verlag AG 10 . Doch im Jahre 2000 musste er diesen räumen, als er unerlaubterweise einen Gastkommentar in der linksorientierten „Süddeutschen Zeitung“ verfasste. Auf Betreiben des damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Dr. Bernhard Servatius und Mehrheitsaktionärin Friede Springer, Witwe des Verlagsgründers Axel Springer, wurde er aller Ämter enthoben und befand sich bis Ende des Jahres 2002 in einem Rechtsstreit mit dem Springer-Verlag. Mittlerweile ist dieser jedoch beigelegt und eine Aussöhnung fand statt. Peter Boenisch schreibt nun wieder für verschiedene Springer-Blätter, u. a. auch für die Bild in der Rolle des Gastkommentatoren.
Textsorte, Textfunktion:
Der vorliegende Text ist ein Zeitungstext. Es ist ein Kommentar eines Gastkommentatoren.
Der Kommentar in einem Printmedium ist die kritische Meinung eines Redaktionsmitgliedes oder eines externen Schreibers. Sie soll den Leser überzeugen oder zumindest zum Nachdenken anregen.
8 Als erster Chefredakteur deutschlandweit erreichte er, dass der gesamte Bundestag verfrüht aus den Sommerferien zurückkam, um sich mit der politischen Lage in Bezug auf die Studentenquerelen zu befassen.
9 Vgl. die Titelseitenaufmacher der Bild-Zeitung 1968.
10 Der Firmenname schreibt sich ohne Bindestriche, auch wenn dies orthographisch inkorrekt ist. Seit kurzer Zeit lautet der neue Firmenname „axel springer“.
11 Straßner, Erich: Journalistische Texte, Tübingen 2000, S. 71.
6
Früher war das Verfassen eines Kommentars eine hoheitliche Aufgabe, die nur einem leitenden Redakteur vorbehalten war. Der Kommentar referierte auf einen Leitartikel auf der ersten Seite.
„Es handelte sich also um ein Privileg, einordnen und urteilen zu dürfen.“ 12
Heutzutage ist es aber so, dass Kommentare in vielen Formen in einer Zeitung erscheinen: Als Kolumne, die regelmäßig erscheint, als Gastkommentar eines Externen bzw. Gastpublizisten, oder auch als Leserbrief, der wegen seiner Subjektivität ebenfalls zu den Kommentaren gezählt wird. Im Kontrast zu früheren Zeiten enthalten Berichte heute auch Meinungsteile oder Wertungen. Eine scharfe, verbindliche Trennlinie zwischen Nachricht und Kommentar kann somit kaum noch gezogen werden. Besonders im Fall der Bild trifft dies zu. Häufig werden Wertungen mit einem Bericht vermengt. Der vorliegende Text ist allerdings ein reiner Kommentar und innerhalb des Blattes auch so gekennzeichnet. 13
Der Kommentar ist ein persuasiver Text, da er eine klare Einstellung demonstriert und auf eine Bewertung abzielt. Die Textfunktion ist eine kritische Stellungnahme. Er positioniert sich zu einem wichtigen Ereignis, das entweder unmittelbar geschah oder bevorsteht. Der Autor gibt seine (kritische) Meinung im Kommentar wieder und möchte den Leser von ihr überzeugen.
ð Die Kommunikationsinstanz ist subjektiv.
Textproduzent, Textadressat:
Der Textproduzent ist - wie schon oben erwähnt - ein leitender Redakteur oder auch ein einfaches Redaktionsmitglied. Darüber hinaus kann der Adressant auch ein Gastpublizist aus einer anderen Redaktion oder eine bekannte Persönlichkeit aus Kultur, Medien, Politik oder Wirtschaft sein. Im Falle eines Leserbriefes ist der Verfasser ein Leser, der Bezug nimmt auf ein bestimmtes, im vorigen Heft publiziertes Thema.
Wichtig für den Produzenten, egal welche (berufliche) Funktion er hat, ist seine Überzeugungskraft, sein Engagement, Temperament die Kraft seiner Argumente und sein geschliffener Stil. 14
12 Ebd.
13 Mehr dazu im Abschnitt „Mediale Eigenschaften“.
14 Vgl.: Straßner, Erich: Journalistische Texte, Tübingen 2000, S. 71.
Arbeit zitieren:
Alexander Linden, 2003, Textsortenanalyse: Kommentar. Eine Analyse eines Kommentars aus der BILD-Zeitung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Anglizismen/Amerikanismen im Deutschen und Russischen am Beispiel von ...
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Magisterarbeit, 74 Seiten
William James und Richard Rorty über die Wahrheit
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Methoden der Diskursanalyse im Vergleich: Paolo R. Donati, Rahmenanaly...
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Hoffnung statt Erkenntnis? Das Problem der ethischen Normen im Pragmat...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 25 Seiten
Bildungspolitik in Deutschland und Schweden
Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa
Hausarbeit, 23 Seiten
Diversity Management mit besonderem Fokus auf Homosexuelle
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 47 Seiten
Die Bedeutung der Heimat in Uwe Johnsons Romanen „Ingrid Babendererde“...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Persuasive Kommunikation. Eine Argumentationsanalyse zur persuasiven S...
Hausarbeit (Hauptseminar), 36 Seiten
Beziehungsgeflecht im Zeichen von Heimat- und Identitätsthematik. Uwe ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Leistung oder Politik? Zum Verhältnis von Leistungsorientierung und En...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 18 Seiten
Eine linguistische Textanalyse von Zeitungskommentaren mit dem Schwerp...
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Die Autonomie des Bildungssystems bei Bourdieu und Luhmann
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 29 Seiten
Erneuerung, Aufbau, Ankunft: Der ostdeutsche Nachkriegsroman
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 35 Seiten
Nietzsche und Schopenhauer - Ein Vergleich des Willensbegriffs hinsich...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 21 Seiten
Alexander Linden's Text Textsortenanalyse: Kommentar. Eine Analyse eines Kommentars aus der BILD-Zeitung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Alexander Linden hat den Text Textsortenanalyse: Kommentar. Eine Analyse eines Kommentars aus der BILD-Zeitung veröffentlicht
Alexander Linden hat einen neuen Text hochgeladen
Die Schein-Öffentlichkeit der Bild-Zeitung der 50er Jahre
Soziologische Analyse eines Ze...
Wilke Thomssen
Warum gibt es die Bild-Zeitung nicht auf Französisch?
Zu Gegenwart und Geschichte de...
Andreas Wrobel-Leipold
Seneca - Hercules Furens: Einleitung, Text, Ubersetzung Und Kommentar
Margarethe Billerbeck, Lucius Annaeus Seneca, M. Billerbeck
Der Kommentar In Antike Und Mittelalter: Beitrage Zu Seiner Erforschun...
Wilhelm Geerlings, Christian Schulze
WOLK 1: Der LASAREWSKI-REPORT zum Wolf in Rußland. Über die Vernichtu...
Die Wolfsansiedlung und ihr Pr...
Alexander Brückner, Walter Rathgeber, Wasilij Matwejewitsch Lasarewski, Narcisse Seppey, Domenico Laffi, Alexander Theodor von Middendorf, Jürg Steiner, F. I. Walewskij, Knut Bengelmann, Giordano Cayetano Brunelli, Valentino Bonvicini, Claus Taaks, Claus Gampe, Irina Mironova
Geschichte der klassischen Bildgattungen in Quellentexten und Kommenta...
Mit Textbeiträgen in italienis...
Thomas W. Gaethgens, Uwe Fleckner
Geschichte der klassischen Bildgattungen in Quellentexten und Kommenta...
Rudolf Preimesberger, Hannah Baader, Nicola Suthor
Junker
Nur für "Einsteiger".
Da ich meine Magisterarbeit über die Textsorte Zeitungskommentar verfasse, habe ich mir diese Arbeit runtergeladen.
Es ist verständlich, dass auf 20 Seiten keine allumfassende Analyse von Kommentaren erbracht werden kann. Leider aber konnte ich im Vorfeld nicht erkennen, dass in dieser Arbeit nur ein (!) Kommentar der BILD analysiert wurde.
Zur Makrostruktur, Teiltexten etc. wurde nicht gerade wissenschaftlich gearbeitet, was aber völlig verständlich ist, bedenkt man, dass der Verfasser zum Zeitpunkt der Veröffentlichungen im 1. Semester war.
Für ErSies mag die Arbeit interessant sein, für Studierende im Hauptstudium, die sich wenigstens einmal mit der Textsortenlinguistik beschäftigt haben, ist sie völlig nutzlos. Sätze wie "Zur Sprache lässt sich sagen, dass sie neben Metaphern oft Ironie aufweist" zeigen, dass sich der Verfasser bisher kaum in die Materie einarbeiten konnte - Ironie ist ein äußerst seltenes Stilmittel des Zeitungskommentars und wird eher in Glossen verwendet.
Der Aufbau ist ebenfalls ein wenig aus den Fugen geraten: In Kapiteln werden Anmerkungen zu Typographie, Layout oder Stilmitteln imer wieder wild durcheinander gewürfelt.
Wie auch immer: Für eine Arbeit aus dem ersten Semester - muss man sagen - ist sie durchaus gelungen und die Note "1" wahrscheinlich auch gerechtfertigt. Ich muss außerdem dazu sagen, dass ich im ersten Semester mit Sicherheit Arbeiten abgegeben habe, die eine ganze Ecke schlechter waren ;-) Eine ausreichende Untersuchung ist hier aber - gerade für "Fortgeschrittene" - bei weitem nicht gegeben.
am Sunday, April 10, 2005-