-II-
Inhaltsverzeichnis Seite
1.Insolvenzrisiken als Form der Unsicherheit. 1
2.Früherkennung von Insolvenzrisiken anhand von Informationen aus
dem Rechnungswesen. 1
2.1 Der handelsrechtliche Jahresabschluss als Informationsgrundlage
2.2 Der Ansatz der Bilanzanalyse. 1
2.3 Statistische Verfahren zur Früherkennung von Insolvenzrisiken -
ein Überblick. 2
2.3.1 Grundlagen statistischer Verfahren bei der
Insolvenzprognose................................................................... 3
2.3.2 Die Lineare Multivariate Diskriminanzanalyse. 3
2.3.3 Die Logistische Regressionsanalyse. 4
3. Die Künstliche Neuronale Netzanalyse. 4
3.1 Aufbau und Funktionsweise Künstlicher Neuronaler Netze. 5
3.2 Gewichtung und Lernphase der Künstlichen Neuronalen
Netzanalyse. 8
4. Möglichkeiten und Grenzen von Verfahren zur Früherkennung von
Insolvenzrisiken................................................................................... 10
HGB Handelsgesetzbuch KNN Künstliches Neuronales Netz KNNA Künstliche Neuronale Netzanalyse LMDA Lineare Multivariate Diskriminanzanalyse LRA Logistische Regressionsanalyse
Im Jahr 2007 meldeten in Deutschland 29160 Unternehmen Insolvenz an. 1) Daraus ergab sich für die Gläubiger ein Schaden von 18 Milliarden €, was im Durschnitt ca. 620 000 € pro Unternehmensinsolvenz bedeutet. Für die Gläubiger eines Unternehmens stellt eine mögliche Insolvenz dabei eine Unsicherheit dar, da sie mit einem Forderungsausfall verbunden ist. In der Betriebswirtschaft lässt sich der Begriff „Unsicherheit“ als einen Zustand nicht vollkommenen Wissens bezeichnen, der es nicht erlaubt, die Konsequenzen einer Handlung mit so großer Präzision vorherzusagen, dass ein und nur ein Ergebnis ihre Folge ist. 2) Demnach muss das Wissen über den Zustand eines Unternehmens gesteigert werden, um die Unsicherheit in Form eines Insolvenzrisikos zu senken. Zahlenbezogene Informationen, wie sie das Rechnungswesen liefert, können dabei schon frühzeitig erste Anzeichen einer Insolvenzgefährdung liefern, da Insolvenzen nur selten durch ein plötzlich eintretendes, unvorhersehbares Ereignis verursacht werden. 3) Besonders für Gläubiger, wie zum Beispiel Kreditgeber, Anteilseigner oder auch Lieferanten, ist dies entscheidend, da sie nur vor dem tatsächlichen Eintritt der Insolvenz reagieren und so ihre Forderungsausfälle minimieren können.
Die folgenden Kapitel behandeln das Insolvenzrisiko als eine Form der Unsicherheit und stellen fest, wie mit Hilfe von statistischen Verfahren der Bilanzanalyse eine Früherkennung von Insolvenzrisiken ermöglichen.
2. Früherkennung von Insolvenzrisiken anhand von Informationen aus dem Rechnungswesen
2.1 Der handelsrechtliche Jahresabschluss als Informationsgrundlage
Das betriebliche Rechnungswesen lässt sich in zwei Teilbereiche gliedern. Während das interne Rechnungswesen ausschließlich Informationen für
1) Vgl Statistisches Bundesamt [Insolvenzen 2007] aus dem Internet: www.destatis.de
2) Vgl. Drukarczyk/Schüler [Unternehmensbewertung] 45.
3) Vgl. Baetge/ Kirsch/Thiele [Bilanzanalyse] Vorwort
- 2 - unternehmensinterneBereiche zur Verfügung stellt, richten sich Informationen des externen Rechnungswesens primär an externe Adressaten des Unter-nehmens. 1) Da die in Abschnitt 1 beschriebenen Träger der Unsicherheit zum größten Teil unternehmensextern sind, wird im Weiteren nur das externe Rechnungswesen betrachtet.
Um sicherzustellen, dass die oben genannten Adressaten auch wirklich Zugriff auf die benötigten Informationen haben, muss der Begriff des Jahresabschlusses näher eingegrenzt werden. Im Folgenden ist mit dem Jahresabschluss der handelsrechtliche Jahresabschluss von mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften gemeint, da diese den Jahresabschluss nach §325 Abs.1 HGB vollständig offenlegen müssen. 2) Auch der steuerrechtliche Jahresabschluss wird hier nicht beachtet, da er ausschließlich für den Staat bestimmt ist.
Nach §264 Abs.1 HGB besteht der handelsrechtliche Jahresabschluss von Kapitalgesellschaften aus der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung und einem Anhang. Zusätzlich müssen mittlere und große Kapitalgesellschaften einen Lagebericht verfassen.
Der folgende Abschnitt befasst sich damit, wie die durch den Jahresabschluss gelieferten Informationen einer Früherkennung von Insolvenzrisiken dienen können.
2.2 Der Ansatz der Bilanzanalyse
Der Handelsrechtliche Jahresabschluss dient als Informationsgrundlage, um Umsicherheiten, die im Rechnungswesen abgebildet sind, zu erkennen. Allerdings lassen sich entscheidungsrelevante Informationen über die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens nicht unmittelbar entnehmen. 3) Um trotzdem an geeignete Informationen zur Früherkennung von Insolvenzrisiken zu gelangen, werden statistische Verfahren der Bilanzanalyse verwendet. Die Bilanzanalyse kann dabei als methodische Untersuchung des Jahresabschlusses verstanden werden, mit dem Ziel, entscheidungsrelevante Informationen über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage und die wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens zu erhalten. 4)
1) Vgl. Coenenberg u.a. [Rechnungswesen] 7f.
2) Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele [Bilanzen] 40.
3) Vgl. Baetge/ Kirsch/Thiele [Bilanzanalyse] 1.
4) Vgl. Baetge/ Kirsch/Thiele [Bilanzanalyse] 1.
Arbeit zitieren:
Jens Neuhüttler, 2008, Die Abbildung der Unsicherheit im Rechnungswesen, München, GRIN Verlag GmbH
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