Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Theoretischer und empirischer Hintergrund 4
2.1 Geschichte der Konditionierung und Abfrage 4
2.2 Übertragung auf ein anderes Medium/ eine andere Modalität 5
3 Operationalisierung und Methoden 6
4 Hypothesen und Versuchsplan 7
4.1 Inhaltliche Hypothesen 7
4.2 Statistische Hypothesen 8
4.3 Versuchsplan und Versuchsdurchführung 8
5 Auswertung 14
5.1 Visuell/ Bild 14
5.2 Visuell/ Wort 15
5.3 Auditiv/ Wort 16
5.4 Unbewusste vs. Bewusste Konditionierung 17
6 Diskussion 17
7 Anhang 20
7.1 Literatur 20
7.2 Informationsblatt zu elektrischer Reizung 21
7.3 Fragebogen 22
7.4 Instruktion - Phase1 24
7.5 Instruktion- Phase2 25
7.6 Post-Fragebogen 26
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1 Einleitung
Im Feld der unbewussten Konditionierung gibt es viele Diskussionen über die Tiefe der Verarbeitung konditionierter Stimuli. Eine entscheidende Frage diesbezüglich ist die nach der Abstraktion und Klassifizierung des Reizmaterials, wenn dieses nur subliminal dargeboten wird.
Corteen und Wood zeigen 1972 in ihrem bewussten Konditionierungsexperiment, dass auch Stimuli einer gemeinsamen Bedeutungskategorie (Städtenamen), die nicht in der Konditionierungsphase auftreten, später - in der subliminalen Abfrage - eine Veränderung des Hautleitwertes hervorrufen. Das Ergebnis deutet auf einen semantischen
Verarbeitungsprozess der Stimuli hin. Dieser Prozess bahnt vermutlich während der bewussten CS-US-Koppelung in Form der Einordnung der Reize in eine Klasse den Weg für die Erkennung weiterer klassenzugehöriger Reize.
Nun ist es interessant zu erforschen, wie tief die Reizverarbeitung sein kann, wenn die in der Konditionierungsphase dargebotenen Reize ausschließlich unbewusst wahrgenommen werden. Hier reicht das Spektrum der Erwartungen vom Auftreten bzw. Ausbleiben gewisser Reaktionen innerhalb der Abfragephase auf den zuvor gezeigten Reiz über eine mögliche Übertragung der Reaktion auf eine andere Darbietungsform dieses Reizes bis hin zu der Frage, ob auch eine semantische Verarbeitung stattfinden kann. In unserem Experiment nutzen wir die subliminale Konditionierung in Form von visueller Rückwärtsmaskierung und paaren die Stimuli mit Elektroreizen (CS+), um zu überprüfen, inwiefern die Reizverarbeitung im Sinne höherer kognitiver Prozesse auch ohne das Bewusstsein über die CS-US-Koppelung erfolgt.
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2 Theoretischer und empirischer Hintergrund
2.1 Geschichte der Konditionierung und Abfrage
Corteen und Wood haben 1972 in Ihrem Versuch zur Reizverarbeitung herausgefunden, dass in der Konditionierung bewusst aber im Abruf unbewusst dargebotene Reize in beiden Fällen physiologische Reaktionen hervorrufen. Dies bedeutet, dass Menschen auch auf Stimuli reagieren, deren Auftreten sie nicht einmal bemerken. Entscheidend und innovativ in diesem Experiment ist die Art, in der die nicht bewusst zu werdenden Reize auf nur einem Ohr dargeboten werden, während die Aufmerksamkeit der Versuchsperson auf das andere Ohr gelenkt ist. Auf diesem werden Sätze gesprochen, die möglichst gut rezitiert werden sollen, weshalb die Art der Ablenkung von den eigentlich relevanten Stimuli auch Schattierungsaufgabe genannt wird. In die Literatur ging dieses Paradigma als „Dichotic Listening“ ein.
An dem beschriebenen Experiment ist jedoch zu bemängeln, dass die Bewusstheit der eigentlich gewollt subliminal dargebotenen Reize nicht mit hinreichender Sicherheit auszuschließen ist, da die Stimuli selbst bei späterer Nachfrage schlichtweg in der Zwischenzeit vergessen sein worden können.
Dieses Manko versuchen Corteen und Dunn 1974 zu beheben, indem sie über einen Rückmelde-Buzzer kontrollieren, ob die entsprechenden Wörter gehört wurden. Nachdem Holender 1986 auch diese Methode kritisiert, weil die zusätzliche Anstrengung der Versuchsperson durch die „eigentliche“ Aufgabe, die Schattierungsaufgabe, gehemmt wird, bestätigt Corteen (1986), dass sich das „Dichotic-Listening“-Paradigma nicht eignet. Er reagiert mit den Worten: „There seems to be no question that the dichotic listening paradigm is ill-suited to the study of unconscious processing, no matter how promising it may have appeared in the early 1970s.”
Holender schlägt des Weiteren die visuelle Maskierung für die Konditionierungsphase vor, wie Esteves, Parra, Dimberg und Öhman sie 1994 in ihrer Studie des unbewussten Lernens über Konditionierung furchtrelevanter Gesichter nutzen. Diese Art der Konditionierung unterscheidet sich von der Corteen und Woods durch die Nicht-Bewusstmachung der Reize im Lernteil des Experiments. Auch deren Abfrage ist im Gegenteil zu der Corteen und Woods bewusst.
Anstatt abzufragen, ob auf semantische Klassifikationen von zuvor bewusst dargebotenem Reizmaterial zurückgegriffen werden kann, wollen wir - ähnlich wie Esteves et al. -erforschen, inwiefern solche semantische Verarbeitung stattfindet, wenn die Stimuli
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unbewusst bleiben. Darüber hinaus beziehen wir uns auf einen Wechsel des Mediums und/oder der Modalität.
2.2 Übertragung auf ein anderes Medium/ eine andere Modalität
Während die Konditionierung allgemein ein gut erforschtes Gebiet ist, ist über eine Übertragung der Verarbeitung gelernten Reizmaterials auf ein anderes Medium oder eine andere Modalität wenig bekannt. Als Grundannahme sollte aber davon auszugehen sein, dass der höchste Ausschlag der Hautleitwertreaktionen innerhalb des Mediums und der Modalität zu beobachten ist, die auch der Lernphase zugrunde liegen. Weil wir, wie im Weiteren geschildert, für unser Experiment in der Lernphase visuelles Bildmaterial verwendet haben, folgern wir die Annahme, dass sich die physiologische Reaktion auf die Bilder später in der Abfrage deutlich von der Reaktion auf in anderer Form dargebotene, semantisch gleiche Reize unterscheidet. Demnach sollte die Reaktion auf den Reiz selbst am deutlichsten sein. Wenn auch in der Literatur zur Konditionierung dieses Thema scheinbar ausgelassen wurde, verhilft uns bei der Frage einer Übertragung der Reaktion auf andere Medien und Sinnesmodalitäten die Primingforschung zu Hypothesen und bestätigt unsere oben genannte Grundannahme: Engelkamp (1998) beschreibt, dass die physikalische Beschaffenheit des Reizes, das zu Grunde liegende Konzept sowie die Reizmodalität abgespeichert werden. Dies wird durch Befunde zum impliziten Erinnern belegt. Für die Konditionierung kann man Ähnliches annehmen. Bei einem Mediums- bzw. Modalitätswechsel ist auf Grund dessen mit einer schwächeren konditionierten Reaktion zu rechnen, da die spezifische Reizbeschaffenheit, wie sie zur Zeit der Abspeicherung bestand, dann nicht mehr gegeben ist. Es stellt sich zusammenfassend die Frage, ob der Wechsel des Mediums oder der Modalität oder beider zusammen eine schwächere körperliche Reaktion nach sich zieht und somit einen eingeschränkten Transfer der Semantik bedeutet und bei welcher Art folglich trotz des Wechsels eine stärkere physiologische Reaktion im Abruf zu erwarten ist. Dazu gibt es zwei intuitive Sichtweisen: Zum einen könnte man annehmen, dass ein Wechsel des Mediums eine geringe Auswirkung auf den Unterschied der konditionierten Reaktion zur mediengleichen bedeutet, weil die Sinnesmodalität intuitiv eine stärkere Aussagekraft hat. Andererseits könnte Ähnliches auch für den Wechsel der Modalität gelten. Die dritte Möglichkeit bezieht sich auf einen gleichzeitigen Wechsel von Medium und Modalität. Wenn beispielsweise in einem Experiment auf Bilder konditioniert wird und später beim Abruf gesprochene Wörter dargeboten werden, könnte man vermuten, dass Versuchspersonen die in der
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Konditionierungsphase gesehenen Bilder verbalisiert haben. Dann ließe sich hier annehmen, dass die physiologischen Wirkungen nicht besonders stark eingeschränkt sind.
3 Operationalisierung und Methoden
In unserem Experiment gibt es zwei Unabhängigen Variablen:
Zum einen manipulierten wir die Klassenzugehörigkeit der Stimuli. Es gibt zwei Klassen von Reizen (Obst oder Tiere). Die Reize einer Klasse wurden mit einem Elektroreiz gepaart (CS+). Stimuli aus der komplementären Klasse traten ohne einen Elektroreiz auf (CS-). Es wurden hierzu folgende 8 Objekte aus der Kategorie ‚Obst’ ausgewählt: Ananas, Apfel, Banane, Birne, Erdbeere, Kirsche, Weintrauben, Zitrone und außerdem 8 Stimuli aus der Kategorie ‚Tiere‘: Eichhörnchen, Hund, Katze, Kuh, Marienkäfer, Pferd, Schwein, Vogel. Unsere Auswahl fiel auf diese Kategorien und Stimuli, da wir erstens davon ausgingen, dass sie im Allgemeinen neutral erscheinen, d.h. bei den Versuchspersonen (Vpn) möglichst wenig emotional gebundene Assoziationen hervorrufen. Zweitens ist es bei den genannten Substantiven möglich, diese sowohl als Bild als auch als Wort eindeutig darzustellen und wieder zu erkennen.
Der Vollständigkeit halber nennen wir in diesem Zusammenhang auch eine dritte Kategorie, die für den Versuchsplan und -ablauf wichtig ist: Es handelt sich dabei um die Kategorie ‚gemischte Objekte‘ (n= 32), die in keinem Fall mit einem Elektroreiz gepaart wird und folgende Exemplare beinhaltet: Auto, Axt, Bademantel, Ball, Bett, Blume, Bluse, Bohrer, Briefumschlag, Buch, Bus, Feder, Flöte, Flugzeug, Gießkanne, Gitarre, Glocke Halbschuh, Holzschuh, Hut, Kamera, Kerze, Kinderwagen, Mantel, Nagel, Schere, Schlüssel, Stuhl, Trommel, Würfel, Weste, Zange.
Neben der Klassenzugehörigkeit der Reize manipulierten wir außerdem die Modalität und das Medium der Darbietung. Die Manipulation geschieht in 3 Stufen: „visuell/Bild“, „visuell/Wort“ und „auditiv/Wort“. Wir verwendeten dazu Stimuli in Form von Bildern, geschriebenen und gesprochenen Wörtern. Diese werden je nach Bedingung, entweder in Form von standardisierten Schwarz-Weiß-Bildern (Breite: 8,61 cm, Höhe: 8,44 cm) bzw. standardisierten Schriftzügen auf dem Bildschirm, oder als gesprochene Sprache einer weiblichen Sprecherin über Kopfhörer dargeboten.
Ein probates Maß konditionierter Reaktionen auf einen, mit einem elektrischen Reiz gepaarten Stimulus, ist die elektrodermale Aktivität (EDA), die über die Hautleitfähigkeit gemessen wird. Diese Methode haben renommierte Forscher aus dem Bereich der
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Konditionierung und Reizverarbeitung seit den 1970er Jahren angewandt und mit ihr reliable Ergebnisse erzielt.
Eine weitere denkbare, viel diskutierte Methode wäre der Startle-Reflex, bei dem die Zwinkerbewegung des Augenmuskels Musculus orbicularis oculi als physiologische Reaktion auf einen aversiven Reiz gemessen wird. Dieser Reflex ist aber nur in seiner Stärke differenziert messbar, wenn gleichzeitig mit dem Reiz ein lauter Ton ertönt oder auf andere Weise ein Schreck ausgelöst wird, was die Umsetzung verkompliziert. Außerdem wurde die Aussagekraft dieser Art der Messung von Dawson, Rissling und Schell (2007) als unzureichend abgetan.
In unserem Experiment nutzen wir die bewährte Methode der Hautleitwertmessung und operationalisieren so die Intensität der Transferleistung bei Modalitäts- und Medienwechsel über die Hautleitfähigkeitsreaktion (Abhängige Variable).
4 Hypothesen und Versuchsplan
4.1 Inhaltliche Hypothesen
Wir gehen davon aus, dass eine unbewusste Konditionierung auf die Reizklasse Tiere wie auch durch die Reizklasse Obst stattfindet und dies einerseits eine physiologische Reaktion in der Abrufbedingung „visuell/Bild“ (identisch mit der Konditionierungsbedingung) hervorruft. Andererseits erwarten wir ebenso eine CR wenn auch in abgeschwächter Form bei einem Wechsel des Mediums („visuell/Wort“) und bei einem Wechsel des Mediums kombiniert mit einem Wechsel der Modalität („auditiv/Wort“) im Abruf.
Wir vermuten weiter, dass sich die Stärke der Reaktion von „visuell/Bild“ zu „visuell/Wort“ und „auditiv/Wort“ ändert, da das Medium und im zweiten Fall zusätzlich die Modalität wechseln. Die spezifischen Auswertungen, bei welcher Art des Wechsels somit stärkere oder schwächere konditionierte Reaktionen auftreten, erfolgen rein explorativ. Es wird aber in beiden Fällen davon ausgegangen, dass bei der Abrufbedingung visuell/ Bild eine stärkere physiologische Reaktion zu erkennen ist, da sie der Konditionierungsbedingung entspricht.
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Arbeit zitieren:
S. Parpart, H. Hildebrand, A. Ueck, 2008, Transfer (unbewusst) konditionierter Hautleitfähigkeitsreaktionen bei Wechsel des Mediums und der Modalität, München, GRIN Verlag GmbH
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