1. Einleitung 1
2. Angelsächsischer versus rheinischer Kapitalismus 2
rheinischen Kapitalismus im Vergleich 3
3.2. Kurzfristige versus langfristige Ausrichtung 5
4. Veränderungen der Finanzmärkte
5. Auswirkungen der neuen Finanzarchitektur 9
in Deutschland und der Welt 15
5.2.3. Gefährdung der Demokratie 19
6. Lösungsansätze 21
Kann der Markt alles regeln?
Prinzipien des neoliberalen Kapitalismus, die neue
Finanzmarktarchitektur und ihre Auswirkungen auf das
Wirtschaftssystem
1. Einleitung
Die Globalisierung, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht, schreitet immer weiter voran. Der mit Abstand am ‚meisten globalisierte’ Markt ist der Finanzmarkt. Durch den beschleunigten technischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte und die damit einhergehende Vernetzung der Welt, durch das Internet, ist globaler Finanzhandel in Echtzeit, per Mausklick Realität geworden. Obendrein bedeutete Globalisierung auf dem Finanzsektor in erheblichem Maße Deregulierung und immer mehr neuartige Finanzprodukte. So kommt es, dass täglich erhebliche Summen „als Bits und Bytes in unvorstellbarer Geschwindigkeit auf die andere Straßenseite oder ans andere Ende der Welt“ 1 wechseln.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Veränderungen auf dem Finanzmarkt, seit der Aufgabe des Systems der festen Wechselkurse in den 1970er Jahren und ihren Folgen. Dabei werden Auswirkungen der aktuellen Finanzarchitektur, sowohl für Deutschland, als auch für die sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländer, aufgezeigt.
Im ersten Teil der Arbeit wird es dabei hauptsächlich um die Prinzipien des angelsächsischen Kapitalismus gehen, auf denen die neue Finanzmarktarchitektur basiert. Daraufhin werden die Veränderungen auf dem Finanzmarkt skizziert und die Auswirkungen des veränderten Finanzmarktes und der Dominanz der neoliberalen Prinzipien näher beleuchtet. Das Ende der sogenannten
1 Barnet, Richard/ Cavanagh, John, Elektronisches Geld und die Kasinoökonomie, in Mander,
Jerry/ Goldsmith, Edward (Hg.), Schwarzbuch Globalisierung. Eine fatale Entwicklung mit
vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, München 2002, S. 95.
1
Deutschland-AG, die ungleiche Verteilung von Vermögenswerten, Wirtschaftskrisen und Gefahren für die Demokratie werden thematisiert. Im letzten Kapitel werden mögliche Lösungen für die Probleme des globalen Finanzmarktes umrissen.
2. Angelsächsischer versus rheinischer Kapitalismus
Das Ende des Kalten Krieges und der Zusammenbruch des sowjetischen Blocks bedeutete auch das Ende einer konkurrierenden Wirtschafts- und Ge-sellschaftsordnung und somit das Ende des Wettstreits um das bessere System. Der Kapitalismus steht, möchte man meinen, konkurrenzlos da. Wäre da nicht eine Kleinigkeit: den Kapitalismus gibt es nicht. Es gibt verschiedene Ausprägungen von Kapitalismus und die zwei großen ,Gegenspieler’, der rheinische und der neoliberale bzw. angelsächsische Kapitalismus, streiten seither um die Vormacht. 2
Der angelsächsische Kapitalismus unterscheidet sich kulturell und strukturell vom kontinentaleuropäischen. Für viele neoliberale Wirtschaftswissenschaftler stellt das amerikanische Modell, der angelsächsische Kapitalismustyp, den einzig wahren und erstrebenswerten Kapitalismus dar, denn „alles was der Rationalität der Preise institutionelle, politische oder soziale Überlegungen beimischt, betrachten sie als Entartung.“ 3
Während der neoliberale Kapitalismus „auf dem individuellen Erfolg, dem kurzfristigen finanziellen Profit“ 4 und der Marktkapitalisierung basiert, richtet sich der rheinische Kapitalismus langfristiger aus und setzt auf „gemeinschaftlichen Erfolg [und] Konsens.“ 5
2 Vgl. Albert, Michel, Kapitalismus Contra Kapitalismus – zehn Jahre danach. In: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 12/2001, S.1451. 3 Ebd.
4 Ebd.
5 Ebd.
2
Die verschiedenen Kapitalismustypen konkurrieren untereinander und der angelsächsische Kapitalismus hat sich auf und in vielen Gebieten durchgesetzt. Die Finanzwelt basiert schon größtenteils auf neoliberalen Prinzipien und strahlt auf viele andere Bereiche aus. Eine schleichende Vermarktlichung findet auf zahlreichen Ebenen statt. Bildung, Gesundheit oder Soziales, alles kann und soll, laut neoliberaler Prämisse, zur Ware werden und sich auf dem Markt behaupten. Internationale Organisationen, wie die WTO, Weltbank und der IWF, haben, nach Meinung ihrer zahlreichen Kritiker, in der Vergangenheit zur Durchsetzung der neoliberalen Idee in der Welt stark beigetragen.
3. Die Eigenschaften des neoliberalen und rheinischen Kapita-
lismus im Vergleich
Das folgende Kapitel widmet sich den wichtigsten Prinzipien des angelsächsischen Kapitalismus und stellt, die teilweise entgegengesetzten, Prinzipien des rheinischen Kapitalismustyps gegenüber.
3.1. Shareholder Value versus Stakeholder Value
Ein Unternehmen, das nach dem Shareholder-Value-Prinzip arbeitet, orientiert sich hauptsächlich am Wohl des Anlegers, des Teilhabers oder auf Englisch: des Shareholders. Dem Anleger geht es gut, wenn das Unternehmen eine hohe Rendite erwirtschaftet und hohe Dividende abwirft. Da die Macht der Anleger inzwischen sehr groß ist, können sie in vielen börsennotierten Unternehmen diese Ziele zu den Hauptmerkmalen der Unternehmensstrategie durchsetzen. Andere ,Betroffene’, wie zum Beispiel Mitarbeiter, spielen vor diesem Hinter-grund dann eine untergeordnete Rolle.
Neoliberale Meinungsmacher argumentieren damit, dass der Wachstum, im Endeffekt allen zugute kommt: Anlegern, Mitarbeitern, der Volkswirtschaft insgesamt. Dass dem nicht so sein muss, bekommen Arbeiter, Angestellte und Öffentlichkeit mit jeder neuen Entlassungswelle, bei gleichzeitigem Milliar-
3
dengewinn des jeweiligen Unternehmens, präsentiert. Zwar mag in gewisser Weise „die ständige gewinnbringende Einsparung von Arbeit die Essenz einer seit 300 Jahren unvergleichbar erfolgreichen Wirtschaftsentwicklung“ 6 sein, weil der ,moderne’ Mensch, durch Industrialisierung und technischen Fortschritt, für seinen Lebensunterhalt weniger Zeit aufwenden muss. Manch eine Rationalisierung heute ist jedoch nicht rational und lässt sich mit dem Argument des Fortschritts oder der Zukunftsorientierung nicht mehr begründen. Wenn Allianz, Deutsche Bank, BMW oder Nokia trotz Milliardengewinnen tausende Mitarbeiter entlassen, dann ist das eben nicht mehr mit Modernisierungsargumenten begründbar, vor allem dann nicht, wenn gleichzeitig Vor-standsgehälter und Ausschüttungen an die Aktionäre erhöht werden. Das sind eindeutige Merkmale eines Shareholder-Value-Prinzips, das vorrangig die Profitmaximierung seiner Anleger im Auge hat.
Im Gegensatz dazu, spielen in der Unternehmensstrategie eines Stakeholder orientierten Unternehmens nicht nur Anlegerinteressen eine Rolle, sondern die aller Beteiligten, aller Stakeholder. Je nach Definition schließt das Mitarbeiter, Kunden, Zulieferer und nichtmarktliche Anspruchsgruppen, wie Staat, Öffentlichkeit und in einer weiter gefassten Definition auch die Natur mit ein. Dass ein solcher Ansatz langfristig erfolgreich ist, „haben gerade deutsche Unternehmen unabhängig von Größe, Branche, Rechtsform, Finanzierung und auch unabhängig davon, ob sie an der Börse gelistet sind oder nicht“ 7 gezeigt. Kun-denorientierung, Wettbewerbsfähigkeit und ein langsames stetes Wachsen sind ihre Markenzeichen.
6 Pfeiffer, Ulrich, Gut rationalisiert. Von wegen: Die »Vernichtung« von Arbeitsplätzen ist seit 300 Jahren Voraussetzung unseres Wohlstands. Eine Replik auf Ulrich Greiner, Zeit online: www.zeit.de/2005/51/Replique?page= all.
7 Malik, Fredmund, Die verlorene Generation. Sie denken in Zahlen und glauben nur ans Geld: Warum viele Manager heute versagen, Die Zeit online: http://www.zeit.de/2005/49/Manager-Verantwortung?page=all.
4
3.2. Kurzfristige versus langfristige Ausrichtung
Der Shareholder-Value bedingt eine kurzfristige Ausrichtung der Anleger. Ertragsmaximierung, nicht strategisches Eigentum ist die Prämisse der Investoren, die sich nach diesem Prinzip ausrichten: „Trading shares, not holding them.“ 8 In Tabelle 1 lässt sich erkennen, dass die Umschlaghäufigkeit von Aktien, zwischen 1980 und 2005, rapide zu- und deren Haltedauer stark abgenommen hat. Hielt ein Anleger 1980 seine Aktien noch durchschnittlich knappe zehn Jahre, so sank die Haltedauer bis 2005 auf unter ein Jahr ab. Zusammen mit den bei Aktiengesellschaften inzwischen üblichen Quartalsberichten, wird damit ein immenser Handlungsdruck auf das Management ausgeübt. Immer wieder müssen neue Erfolgsmeldungen her, jedes Jahr muss die Rendite steigen, sonst suchen sich die Anleger ein neues Anlageobjekt. Das System zwingt also zum beständigen Handeln und verleitet auch zu übertriebenen Aktionen, wie zum Beispiel Massenentlassungen oder einem vorschnellen Abstoßen vermeintlich unprofitabler Unternehmensteile, um Anleger zu beeindrucken. 9
Tabelle 1, Daten entnommen aus: Bundeszentrale für politische Bildung, Zahlen und Fakten Globalisierung. Finanzmärkte, online: http://www.bpb.de/files/S4WGN3.pdf, S. 7.
Die langfristige Bindung eines Anlegers an ein Unternehmen ist eher typisch für die rheinische Variante des Kapitalismus. Die Unternehmen werden in diesem System oft von Mehrheitseignern dominiert und finanzieren sich zu einem
8 Tichy, Gunther, Sie sind doch nur Getriebene, Die Zeit online: www.zeit.de/
2005/51/Forum_Tichy?page=all.
9 Vgl. Tichy.
5
Arbeit zitieren:
Paul Koleczko, 2008, Kann der Markt alles regeln? , München, GRIN Verlag GmbH
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