Thomas Manns Radioreden „Deutsche Hörer “ Anke Teschner Seite 2 von 10
Thema : Thomas Manns Radioreden „Deutsche Hörer “
Inhaltsverzeichnis
1. Kurzbiografie 2
2. Thomas Mann im Exil 2
3 Thomas Mann und die BBC 4
4. Macht von Radioreden 5
4.1 Hitler als Redner 6
4.2 Thomas Mann als Redner 7
5. Schlussbetrachtung 9
6. Literaturverzeichnis 10
1. Kurzbiografie
Paul Thomas Mann wird am 06.Juni 1875 als zweites Kind von Julia und Thomas
Mann in Lübeck geboren. Nach der Machtergreifung Hitlers emigriert der
Schriftsteller 1933 über Sanary-sur-Mer nach Küsnacht bei Zürich, wo er sich
zun ächst bis 1938 aufhält. Als er sich 1936 in seinem offenen Brief gegen die
gegenw ärtige deutsche Herrschaft ausspricht, wird ihm die deutsche
Staatsb ürgerschaft aberkannt. Zwei Jahre später übersiedelt er, nachdem ihm eine
Gastprofessur in Princeton angetragen wurde, zusammen mit seiner Ehefrau Katia
Mann nach Amerika. Von 1942 bis 1952 haben die Manns ihren Wohnsitz in
Pacific Palisades in Kalifornien. 1952 übersiedeln sie in die Schweiz, wo Thomas
Mann am 12.August 1952 in Kilchberg bei Zürich stirbt.
2. Thomas Mann im Exil
Das Exil stellt einen entscheidenden Einschnitt im Leben der Familie Mann dar.
Thomas Mann, bereits über 60 Jahre alt, entstammt einer im besten Sinne
b ürgerlich-deutschen Familie und kann sich nur schwer damit anfreunden, sein
geliebtes Deutschland zu verlassen, um in der Ferne eine neue Heimat zu finden.
In seinen 1933 fortgeführten Tagebüchern, ist zu lesen, in welche tiefe Krise ihn
das Exil stürzt: „Das ich aus dieser Existenz hinausgedrängt worden, ist ein
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schwerer Stil- und Schicksalsfehler meines Lebens, mit dem ich, wie es scheint, umsonst fertig zu werden suche, und die Unmöglichkeit seiner Berichtigung und Wiederherstellung, die sich immer wieder aufdrängt, das Ergebnis jeder Prüfung
ist, frisst mir am Herzen.“ 1 Immer wieder betont der Schriftsteller in Briefen und Tagebucheintragungen seine Verwurzelung in der deutschen Kulturtradition als Mensch und als Künstler. Er empfindet kein Gefühl von Trennung von dem
Vaterlande, sondern sieht seinen Aufenthalt im Exil als Beurlaubung an. 2 Zum ersten Anlaufpunkt und zur zeitweiligen Hauptstadt der deutschen Exilliteratur wird ein kleiner Ort an der französischen Mittelmeerküste - Sanarysur-Mer. Hier halten sich neben seinen Kindern Golo Mann, Erika Mann und Klaus Mann und seinem Bruder Heinrich Mann auch viele andere bedeutende Schriftsteller aus Deutschland auf. Lange Zeit kann sich Thomas Mann, im Gegensatz zum Bruder Heinrich, im Geiste nicht von seiner Heimat trennen und hofft auf ein baldiges Ende des Emigrantenlebens, mit dem er sich ganz und gar nicht identifizieren möchte. In einem Brief bringt er seine Empfindungen eindeutig zum Ausdruck: „Meine Haltung, mein Urteil sind nicht vom Emigrantengeist bestimmt oder beeinflußt. Ich stehe für mich und habe mit dem in
der Welt verstreuten deutschen Emigrantentum keine Fühlung.“ 3 Die ambivalente Stellung Thomas Manns zum Exil führt nicht nur zu Spannungen in der Familie sondern wird auch von Vertretern der Exilliteratur mit Unverständnis aufgenommen. Nach fortwährendem Drängen von Erika und Klaus formuliert Thomas Mann jedoch sein Bekenntnis zum Exil durch einen offenen Brief in der „Neuen Zürcher Zeitung“ am 3.Februar 1936 und zitiert u.a. die folgenden Worte des deutschen Dichters August Graf von Platen:
„ Doch wer aus voller Seele haßt das Schlechte,
Auch aus der Heimat wird es ihn verjagen, Wenn dort verehrt es wird vom Volk der Knechte. Weit klüger ist´s, dem Vaterland entsagen, Als unter einem kindischen Geschlechte Das Joch des blinden Pöbelhasses tragen.“
1 Mann, Thomas: Tagebücher 1933-1934, Frankfurt, S.Fischer Verlag, 1977, S. 355 f.
2 Mann, Thomas: Gesammelte Werke in dreizehn Bänden, Frankfurt Main, 1974, hier XIII, S.105
3 Jens, Inge: Thomas Mann an Ernst Bertram. Briefe aus den Jahren 1910-1955, Pfullingen, 1960, S.179
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Nach dreijähriger Zurückhaltung wird er mit dieser Stellungnahme gegen Nazi-Deutschland und für das Leben im Exil zum geistigen Führer der Emigranten und erlangt eine wichtige Position in der deutschen Exil-Literatur. Mittelpunkt seiner Arbeit im Exil ist die Fertigstellung der Joseph-Tetralogie, die Thomas Mann bereits 1926 in München begonnen hatte. Dieses Werk begleitet ihn auch bis ins Exil nach Amerika, wo Klaus Mann nach Erhalt eines Paketes mit dem dritten Band „Joseph in Ägypten“ folgendes in einem Essay erwähnt: „Was steigt da auf
- wie viele Abendstunden, während derer ich mit den Abenteuern […] des jungen Joseph in Ägypterland zum ersten Mal bekannt und vertraut wurde: Abendstunden
in München, in Lugano, in Sanary, am Zürichsee […]“ 4 Es wird deutlich, dass die Literaturgeschichte viele Linien zur eigenen Familiengeschichte aufweist. Mit Entstehung des vierten Bandes zwischen 1940 und 1943 nimmt, parallel zur Entwicklung der politischen Karriere Thomas Manns, eine Politisierung des Romans deutlich zu. Die Anteilnahme an der Politik dokumentiert der Schriftsteller präzise in seinen Tagebüchern von 1940-1945. Thomas Manns Beschäftigung mit der Politik, insbesondere mit dem Faschismus, ist geprägt von starken Emotionen. Dies zeigt sich auch in seinen Radioreden, die ab 1940 über die BBC nach Deutschland gesendet werden. Er nutzt die Ansprachen, um als Repräsentant des Deutschen Volkes „hinter dem Rücken der Machthaber […] mit eigentümlichster Genugtuung […] den Menschen drüben ihre Lage klarzumachen,
zum Guten zu reden, ihnen ins Gewissen zu reden“. 5
3. Thomas Mann und die BBC
Im Herbst 1940 erhält Thomas Mann von der British Broadcasting Corporation den Auftrag, in einer monatlichen Radioansprache an deutsche Hörer das Kriegsgeschehen zu kommentieren und im Sinne seiner politischen Überzeugung auf das Volk einzuwirken. Die BBC macht es sich in den Kriegsjahren zur Aufgabe, durch Nachrichten- und Kommentarsendungen die deutsche Bevölkerung mit Informationen zu versorgen, die sie durch die Medien im
4 Mann, Klaus: Das Wunder von Madrid. Aufsätze, Reden, Kritiken 1936-1938, Reinbek, Rowohlt 1993, S.25
5 Thomas Mann: Ansprache auf der Veranstaltung “Writers in Exil“, gehalten am 5.Oktober 1943 im Education Building der Westwood University
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Arbeit zitieren:
Anke Teschner, 2006, Thomas Manns Radioreden "Deutsche Hörer!", München, GRIN Verlag GmbH
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