Universität Innsbruck
Institut für Geschichte und Ethnologie
Philosophisch-Historische Fakultät
Karl Liebknecht
(*1871
1919)
eingereicht von
Andreas Raffeiner
Wissenschaftstheoretische Vertiefung
Sozialistische Theorie im 20. Jahrhundert. Von Lenin bis Lukács
Sommersemester 2009
Bozen, Innsbruck, im Juni 2009
Karl Liebknecht
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 3
1.1 Gegenstand ... 4
1.2 Zur Vorgehensweise ... 5
2 Biografisches ... 6
3 Schriften Texte - Reden ... 9
3.1 Französische Friedenskundgebung mit Karl Liebknecht (1914) ... 9
3.2 Der Hauptfeind steht im eigenen Land (1915) ... 12
3.3 Die nächsten Ziele eures Kampfes (1918) ... 15
3.4 Was will der Spartakusbund? (1918) ... 17
3.5 Trotz alledem! ... 18
4 Fazit ... 21
5 Literaturverzeichnis ... 22
5.1 Bibliografie ... 22
5.2 Verzeichnis der Internetadressen ... 23
5.3 Verzeichnis der Abbildungen: ... 23
Karl Liebknecht
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1 Einleitung
Zumeist werden sie gemeinsam genannt; in jedem Falle aber wir ihrer alljährlich gemeinsam
gedacht; unsicher ist zwischenzeitlich allerdings, ob das mit dem Ort des Gedenkens so seine bis
dato jedenfalls unbestrittene - Richtigkeit hat:
,,Gedenken Deutschlands Linke womöglich am falschen Ort? Ein Berliner Mediziner
will nun die echte Leiche von Rosa Luxemburg entdeckt haben. Als am 31. Mai 1919
eine weibliche Leiche aus dem Berliner Landwehrkanal gezogen wurde, bestätigte
sich für viele Genossen ein schrecklicher Verdacht. Die seit Mitte Januar vermisste
Vordenkerin der Kommunisten, Rosa Luxemburg, war tot. Sie und der Anführer des
,Spartakus-Aufstands', Karl Liebknecht, waren am 15. Januar 1919 von
Freikorpssoldaten ermordet worden. Luxemburgs Sekretärin musste für die Bergung
der Leiche drei Reichsmark Gebühr bezahlen. Möglicherweise aber handelte es sich
gar nicht um die marxistische Theoretikerin - ihre Leiche liegt vielleicht seit
Jahrzehnten in der Charité."
1
Das jedenfalls behauptet ein Berliner Rechtsmediziner und führt dafür eine Reihe nein, nicht von
Beweisen von Behauptungen ins Feld, die wie es kaum anders sein kann von anderen
Experten mit Vehemenz in Zweifel gezogen werden.
2
Und so wird den Gründern der KPD und seinerzeitigen Opfern der ideologischen
Auseinandersetzungen noch heute gedacht:
,,Liebknecht und Luxemburg hatten nach der erfolgreichen Revolution im November
1918 wenig später die KPD gegründet, Liebknecht war im Januar 1919 Mit-Initiator
des ,Spartakus-Aufstands'. Nach dessen Niederschlagung schritten die Rechten zur
Abrechnung - vielleicht gar mit Billigung der SPD-Regierung. Die beiden ,Märtyrer'
der Linken sind auf dem Friedhof Friedrichsfelde beigesetzt."
3
1 Robert Probst, (2009, Eine rätselhafte Wasserleiche, in:
http://www.sueddeutsche.de/panorama/834/470384/text
/
2 ,,Der Autor Klaus Gietinger, der mehrere Bücher über Luxemburg veröffentlicht hat, hält die These von Tsokos allerdings für
,sehr zweifelhaft'. ,,Das ist zu 90 Prozent nicht die Leiche von Rosa Luxemburg", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Die
Sekretärin habe damals die Leiche anhand der Kleidung eindeutig erkannt, die Gerichtsmediziner hätten den Körper 1919
ebenfalls "klar identifiziert". Auch den Kopfschuss hätten die Ärzte bei der Obduktion festgehalten." (Ebd.)
3 Ebd.
Karl Liebknecht
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Abbildung 1
: Immer gegen das demokratische System. Die KPD; Vorläuferpartei der Linken,
Quelle: Thorsten Denkler (2009), Die neue Tradition der Linken, in:
http://www.sueddeutsche.de/politik/679/457340/text/
Fraglich freilich, ob an der richtigen Stelle:
4
,,Zu ihren Ehren entwarf der Architekt Ludwig Mies von der Rohe 1926 ein
,Revolutionsdenkmal', jährlich fanden große Gedenkfeiern der KPD statt. 1935
hatten die Nazis allerdings das Denkmal zerstört und die Gräber eingeebnet - was
mit den Leichen geschehen ist, ist unklar. An einer anderen Stelle errichtete die DDR
1951 eine ,Gedenkstätte der Sozialisten', zu der noch heute Mitte Januar jährlich
Tausende pilgern."
5
1.1 Gegenstand
Doch wie auch immer diese Frage entschieden (oder eben auch nicht entschieden wird) selbst und
gerade 90 Jahre nach ihrem gewaltsamen Ableben sind die Ikonen und Märtyrer der Linken in aller
Munde; wenngleich doch wohl zurecht die Redlichkeit all derer bezweifelt werden darf, die sich
gelegentlich der Feiern zum 90jährigen Jubiläum der Nationalversammlung als ideologische
Stammhalter Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs gerieren:
,,Die Linke feiert 90 Jahre Nationalversammlung. Dabei haben ihre Ahnen die
Weimarer Demokratie noch blutig bekämpft. Frech, sagen Experten. [...] Als ,mutig
und in gewisser Weise auch frech' bezeichnet der renommierte Düsseldorfer
Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann diesen Festakt der Linken. Er vermutet,
die Partei wolle sich damit eine Traditionslinie anheften, die sie gar nicht habe. Erst
wenige Wochen vor den Wahlen zur Nationalversammlung im Januar 1919 gründete
4 Gedacht wird ihrer in grundsätzlicher (und übrigens sehr schöner) Weise etwa auch in Leipzig; genau genommen von
Connewitz in Richtung Zentrum hindurch die Südvorstadt; welchen Weg die überaus belebte und beliebte Karl-Liebknecht-
Straße zu Leipzig nimmt.
5 Probst, Wasserleiche.
Karl Liebknecht
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5
sich die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Mit einer parlamentarischen
Demokratie hatte sie wenig am Hut. Ihr schwebte eine Räterepublik vor, ähnlich wie
sie nach der Oktoberrevolution in Russland zustande kam."
6
Wie es sich jenseits gegenwärtiger parteipolitischer Rangeleien um die rechte Selbstdarstellung
und medienwirksame Inszenierungen in der Öffentlichkeit historisch tatsächlich verhalten und
welche spezifische Rolle in besagtem Kontext namentlich Karl Liebknecht eingenommen und
gespielt hat dies bildet den Gegenstand der hier vorgelegten Arbeit.
1.2 Zur Vorgehensweise
Zur Untersuchung und Klärung der dabei in den Gesichtskreis getretenen Themenfelder und
Fragestellungen wurde im Einzelnen die folgende Vorgehensweise gewählt:
N in einem ersten Schritt seien die wesentlichen persönlichen und politischen
Stationen im Leben von Karl Liebknecht skizziert;
N in einem zweiten Schritt werden Auszüge aus einer Rede Karl Liebknechts
anlässlich einer deutsch-französischen Friedenskundgebung am 14. Juli 1914
vorgestellt, analysiert und kommentiert; inmitten des allgemeinen Taumels
ungehemmter Kriegsbegeisterung behält Liebknecht einen ,,kühlen Kopf",
konspiriert gewissermaßen mit dem Erzfeind und ruft die Proletarier der von
den Vernichtungen des Krieges bedrohten Länder dazu auf, sich diesem
Wahnsinn durch solidarisches Handel wider die kriegstreibenden
Regierungen und Waffenschmieden zu entziehen
N in einem dritten Schritt wird ein angesichts des beginnenden Krieges mit
(dem ,,abtrünnigen") Italien verfasstes Flugblatt betrachtet; dieses enthält
nicht nur die Provokation als Überschrift Der Hauptfeind steht im eigenen
Land!
es zeichnet sich auch durch eine Analyse der Ursachen und
Zielsetzungen des Waffenganges aus
N in einem vierten Schritt wird ein am 8./9. November 1918 erschienenes
Flugblatt der Gruppe Internationale Die nächsten Ziele eures Kampfes!
vorgestellt und diskutiert, welches in Antizipation der Ereignisse zu
6 Denkler, Immer gegen das demokratische System.
Karl Liebknecht
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6
vermeiden versucht, dass sich die Soldaten seitens ihrer Offiziere (bzw.
anderer Repräsentanten der ,,überkommenen Ordnung") dazu
instrumentalisieren lassen, wider die Proletarier mit Waffengewalt
vorzugehen
N in einem fünften Schritt wird auf eine Rede in einer Versammlung in der
Hasenheide in Berlin, gehalten am 23. Dezember 1918 Was will der
Spartakusbund?
Bezug genommen; in dieser wird insbesondere die
Stellung der Spartakisten zu Nationalversammlung und Kapitalismus
thematisiert
N in einem sechsten Schritt wird schließlich ein Aufruf der Roten Fahne vom
15. Januar 1915 Trotz alledem! - in Auszügen vorgestellt und analysiert; die
Geschlagenen begreifen sich, ganz im Sinne von Exekutoren einer
historischen, aber noch nicht gereiften Mission, als die eigentlichen Sieger;
die Geschichte, so ihr Glaube, wird sie und das Proletariat letztlich ins Recht
setzen
N abschließend wird ein Fazit der hier vorgelegten Arbeit im Sinne einer
Würdigung Karl Liebknechts gezogen.
2 Biografisches
Geboren wird Karl Liebknecht am 13. August 1871 in Leipzig. Der Vater, Wilhelm Liebknecht, ist
Politiker und Schriftsteller und zählt mit August Bebel und Paul Singer zu den Gründungsvätern der
SPD; die Mutter, eine geborene Reh, ist die zweite Ehefrau Wilhelm Liebknechts. In Leipzig und
Berlin studiert Karl Liebknecht Rechtswissenschaften und Nationalökonomie. 1897 Promotion in
Würzburg. Mit seinem Bruder Theodor eröffnet er 1899 eine Rechtsanwaltskanzlei. 1900 wird er
Mitglied der SPD. Im gleichen Jahre ehelicht er Julia Paradies, aus welcher Beziehung zwei Töchter
erwachsen sollten. 1901 wird Liebknecht in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt;
dieser wird er bis 1913 angehören. Zwischen 1907 und 1910 ist Liebknecht Präsident der
sozialistischen Jugendinternationale.
7
,,Im Jahr 1906 veröffentlicht er seine Schriften ,Militarismus und Antimilitarismus'.
Bereits hier beinhalteten Liebknechts Werke den engen Zusammenhang zwischen
Kapitalismus und Militarismus. 1907 wird er für seine Ausführungen wegen
7 Vgl. Annelies Laschitza , Die Liebknechts. Karl und Sophie. Politik und Familie, Berlin 2007, S.29ff.
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