Inhalt
1. Einleitungg 3
2. Geistige Behinderung und Alkoholismus 4
2.1 Alkoholismus - Terminologie und Klassifikation 4
2.2 Alkoholismus - aus psychologischer Sicht 7
3. Therapeutische Maßnahmen für geistig behinderte Menschen mit einer Alko-
holproblematik 13
3.1 Psychotherapie bei Menschen mit einer geistigen Behinderung 13
3.2 Therapeutische Maßnahmen 15
3.2.1 Orientierungg 17
3.2.2 Diagnostik 17
3.2.3 Planung der Interventionsmaßnahme 18
3.2.4 Spezielle Therapien 19
2
3.2.5 Nachsorge und Rückfallprävention 21
4. Relevanz für die Heilpädagogik 22
5. Kritische Schlussbemerkung 24
6. Literatur 25
1. Einleitung
Mit Alkoholismus bzw. alkoholkranken Menschen wird oft auch eine schwierige oder problematische Lebenssituation assoziiert. Somit ist bei der Betrachtung geistig behinderter Menschen (wenn in dieser Arbeit von geistiger Behinderung gesprochen wird, sind Menschen mit Intelligenzminderung (IQ 55 - 70) gemeint) auch der Rückschluss auf einen höheren Risikofaktor bzgl. eines problematischen Alkoholkonsums naheliegend. Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit genau dieser Problematik und hinterfragt ob diese Annahmen der Wirklichkeit entsprechen. Bestehen Kausalitäten zwischen übermäßigen Alkoholkonsum und geistiger Behinderung?
Missbräuchlicher Alkoholkonsum kann zu psychischen und sozialen Problemen führen, von denen auch Menschen mit einer geistigen Behinderung nicht befreit sind. Gerade Menschen mit einer so genannten Doppeldiagnose (Intelligenzminderung und psychische Erkrankung) sollen von Alkoholproblemen besonders betroffen sein.
Um der Fragestellung gerecht zu werden, beschreibt zunächst Kapitel 2 dieser
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Arbeit geistige Behinderung und Alkoholismus. Alkoholismus wird klassifiziert und aus psychologischer Sichtweise betrachtet. Zudem liegt der Fokus auf Prävalenz von Alkoholmissbrauch geistig Behinderter, sowie auf den Ursachen und Risikofaktoren dieser Thematik. Das anschließende Kapitel nimmt Bezug auf therapeutische Maßnahmen für Menschen mit einer Alkoholproblematik und erläutert diese im Einzelnen. Kapitel 4 begutachtet die Relevanz der Thematik für Heilpädagogik. Im letzten Kapitel wird diese Hausarbeit kritisch reflektiert.
2. Geistige Behinderung und Alkoholismus
Wie in der Einleitung bereits angesprochen, gibt es bestimmte Lebenssituationen, die für eine Alkoholgefährdung fördernd seien können. In Bezug auf geistige Behinderung und Abhängigkeit bzw. Missbrauch von Suchtmitteln werden im Folgenden der Alkoholismus und die Folgen von Alkoholkonsum thematisiert. Außerdem werden mögliche Risikofaktoren besprochen, die gerade für Menschen mit geistiger Behinderung und einer Alkoholproblematik von Bedeutung sind.
2.1 Alkoholismus - Terminologie und Klassifikation
Mit Alkoholismus ist sowohl der Alkoholmissbrauch als auch die Alkoholabhängigkeit gemeint. In der Fachliteratur existieren weitere Begriffe, wie z.B. Alkoholkrankheit oder Alkoholsucht für diesen Terminus. In der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (im Folgenden ICD-10 genannt) beschreibt die Gruppe F 10 psychische Störungen und Verhaltensstörungen durch Alkohol. Nach ICD-10 darf die Diagnose Abhängigkeit nur gestellt werden, wenn drei oder mehr der folgenden Kriterien im letzten Jahr gleichzeitig über mindestens einen Monat oder wiederholt Bestand zutreffend waren:
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Quelle: vgl. ICD-10, www.dimdi.de
Das Diagnoseschema der American Psychiatric Association DSM-IV nimmt zu den „Störungen im Zusammenhang mit Psychotropen Substanzen“ die von Alkohol verursachten Verhaltensmuster hinzu und beachtet mehr als bei der ICD-10 die soziale Probleme des Alkoholmissbrauchs (vgl. MANN & SCHWÄRZLER, In: THOMASIUS, 2000, S.2).
Eine körperliche Alkoholabhängigkeit besteht dann, wenn sich nach Abstinenz ein Entzugssyndrom ausbildet; typisch sind z.B. Schlafstörung, Schreckhaftigkeit, Angst und Erbrechen, außerdem vegetative Zeichen, wie Blutdruckerhöhung und Pulsbeschleunigung. Von Delirium tremens spricht man, wenn zu diesen Symptomen noch zeitliche Orientierungsstörungen und optische Halluzinationen hinzu kommen.
Eine psychische Abhängigkeit bildet sich „allmählich“ durch wiederholte und freiwillige Aufnahme von Alkohol aus (vgl. MANN & SCHWÄRZLER, In: THOMASIUS, 2000, S.2). Des Weiteren nennt die ICD-10, außer der Alkoholabhängigkeit, noch die akute Alkoholintoxikation (vorrübergehender Zustand nach Alkoholeinnahme mit körperlichen und psychischen Veränderungen) und die Diagnose
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des schädlichen Gebrauchs, die bei Gesundheitsschädigung vorliegt. Für die Bearbeitung der vorliegenden Fragestellung sind nicht nur die Definitionen bzgl. der Abhängigkeit von Wichtigkeit. Sondern um später ein differenziertes Bild geistig behinderter Menschen mit einer Alkoholproblematik zeichnen zu können, werden die Begriffe Alkoholrausch, riskanter und schädlicher Alkoholgebrauch vorgestellt.
Bezeichnend für einen Alkoholrausch sind Ausfallerscheinungen. Charakteristische Ausfallerscheinungen bei Alkoholeinwirkung auf das nicht vorgeschädigte Gehirn des Menschen sind u.a.:
Quelle: vgl. REKER, In: KLAUß, 2003, S.5
Suchtmittelkonsum wird als Riskant bezeichnet, wenn die Möglichkeit einer körperlichen Schädigung oder einer psychischen und sozialen Beeinträchtigung besteht. Die British Medical Association hat einen Grenzwert für wenig riskanten Alkoholkonsum formuliert, welcher bei zwei sog. Standartgetränken (ca. 20g Alkohol) pro Tag, liegt. Zehn Prozent der Deutschen geben an, mehr als 40 Gramm Alkohol täglich zu sich zu nehmen (vgl. www.krebsgesellschaft.de). In der „Repräsentativerhebung zum Gebrauch psychoaktiver Substanzen in Deutschland“ (2000) konnte ermittelt werden, dass zwölf Prozent der 18 - 59 jährigen einen riskanten Alkoholgebrauch aufweisen (vgl. psydok.sulb.uni-saarland.de). Schädlicher Alkoholgebrauch (vier Prozent der Befragten) liegt dann vor, wenn Schädigungen der körperlichen und/oder seelischen Gesundheit vorliegen, aber eine Abhängigkeit jedoch nicht oder noch nicht besteht (vgl. REKER, In: KLAUß, 2003, S.5).
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THEUNISSEN und SCHUBERT (2005, S.181) bewerten den Alkoholismus „als eine der weltweit Verbreitesten Erkrankung und größten Herausforderung für das Gesundheitswesen.“ MANN und SCHWÄRZLER (2000, S.1) schätzen „Erkrankungen, die durch […] Alkoholmissbrauch […] entstehen“ im Jahr 2020 als „die weltweit wichtigste Todesursache“ ein (zit. nach MURRAY & LOPEZ 1996). Die aktuellen Schätzungen der Deutschen Hauptstellen gegen Suchtgefahren und der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. bestätigen diese Einordnungen. Demnach gelten 2,5 Millionen Bundesbürger als Alkoholabhängig. Pro Jahr sterben in Deutschland ca.40.000 Menschen an Folgen von Alkoholkonsum, ca.2.200 Kinder werden mit alkoholbedingten Schäden geboren (vgl. www.krebs-gesellschaft.de).
Die Einnahme von Alkohol bewirkt unterschiedliche unmittelbare körperliche wie z.B. Erweiterung der Blutgefäße, Beeinträchtigung der Koordinierungsfähigkeit, Vergiftung und Schwindel. Die unmittelbaren psychischen Reaktionen können Euphorisierung, Senkung der Hemmschwellen und Aggressivität sein. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Suizid (vgl. MANN & SCHWÄRZLER, In: THOMASIUS, 2000, S.8). Mit fortwährendem Alkoholmissbrauch steigt das Risiko für Folgeerkrankungen. Insbesondere die Alkoholhalluzinose ist unter den psychotischen Folgeerkrankungen von Bedeutung. Kennzeichnend sind darüber hinaus Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und des Zeitgefühls (vgl. www.dhs.de). Die Liste an internistischen und neurologischen Folgeerkrankungen ist zu lang um sie in dieser Arbeit ausformulieren zu können, jedoch kann gesagt werden, dass nach Einschätzung der Deutschen Krebsgesellschaft jährlich 17.000 Menschen, in Deutschland, an einer Leberzirrhose sterben (vgl. www.krebs-gesellschaft.de).
2.2 Alkoholismus - aus psychologischer Sicht
Bezeichnend für „psychische Abhängigkeit ist u.a. das „Nicht mehr aufhören können“ sowie ein als „übermächtig“ oder „unwiderstehlich“ empfundenes „Verlangen“ nach einem Suchtmittel“, wie KRYSPIN-EXNER darstellt (vgl. KRYSPIN-
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EXNER, In: REINECKER, 1998, S. 356). Grundlagen für diese Empfindungen sind mit lerntheoretischen Überlegungen zu erklären. So steht die Grundannahme, dass in Abhängigkeit zur sozialen Umwelt, der Umgang mit Alkohol ein Lernprozess ist. Nach THEUNISSEN und Schubert sind in diesem Kontext Modelllernen, konkrete Konsumerfahrungen und intermittierende Verstärkung, für mehr oder weniger hohen Konsum, wichtige Faktoren. Des Weiteren kann Alkoholkonsum als eine Coping-Strategie angesehen werden. Die euphorisierende Wirkung von Alkohol verstärkt positive Erregungen oder reduziert negative Affekte. Durch diese Ausprägung kommt es zu Strategien der Konsumzufuhr, wie beispielsweise: „Wenn ich viel Alkohol trinke, kann ich glücklich sein“ (THEUNISSEN & SCHUBERT, In: HENNICKE, 2006, S.185f.).
Psychologische Theorien, die Alkoholismus betreffen, sind in die unterschiedlichen Disziplinen der Psychologie gegliedert. Keines dieser Konzepte hat allgemeine Gültigkeit. Eine Alkoholikerpersönlichkeit kann die Psychologie nicht bestimmen. Eine Typologie von Alkoholkonsumenten stellt JELLINEK 1960 auf. Aus der Analyse von 2.000 Fragebögen anonymer Alkoholiker konnte er fünf Prägnanztypen feststellen:
- Der Alpha-Typus ist der Konflikt- oder Problemtrinker, er trinkt also hauptsächlich aus psychologischen motivierten Gründen. Mengenkontrollprobleme sind nicht vorhanden und die Fähigkeit zur Abstinenz ist vorhanden.
- Der Beta-Typus konsumiert Alkohol aus soziokulturellen Hintergründen. Man spricht hier vom Gelegenheitstrinker, der keine Substanzabhängigkeit aufweist.
- Der Gamma-Typus ist psychisch Alkoholabhängig. Er hat die Kontrolle über Trinkmenge verloren und die Möglichkeit über längere Zeit Abstinent zu sein verloren. Im Rausch trinkt der Gamma-Typus bis keine weitere Alkoholzufuhr mehr möglich ist.
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Arbeit zitieren:
Dipl. Heilpädagoge Jan Hildebrand, 2008, Möglichkeiten heilpädagogisch-therapeutischer Angebote für geistig behinderte Menschen mit einer Alkoholproblematik, München, GRIN Verlag GmbH
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