Inhaltsverzeichnis
Zitierweise 4
1 Einleitung 5
1.1 Zielsetzung, Fragestellung und Umfang. 5
1.2 Aufbau der Arbeit. 6
1.3 Stand der Literatur 7
1.4 Verortung der Thematik im Gesamtrahmen der Kritik 7
1.4.1 Die transzendentale Dialektik. 7
1.4.2 Die Antinomielehre 8
2 Struktur der Freiheitsantinomie. 9
2.1 Aufbau der Freiheitsantinomie 9
2.2 Thesis: Argumentationsschritte (B 472, 474) 10
2.2.1 Kommentar zum Thesis-Beweis. 11
2.2.2 Kommentar zur Thesis-Anmerkung (B 476, 478) 13
2.3 Antithesis: Argumentationsschritte (B 473, 475) 14
2.3.1 Kommentar zum Antithesis-Beweis. 15
2.3.2 Kommentar zur Antithesis-Anmerkung (B 477, 479) 15
3 Entwicklungsschritte des Auflösungsverfahrens 17
3.1 Der transzendentale Idealismus als Schlüssel zur Lösung 17
3.2 Die Anwendung des Lösungsschlüssels 18
3.2.1 Erster Schritt der Anwendung des Lösungsschlüssels: 19
3.2.2 Zweiter Schritt der Anwendung des Lösungsschlüssels: 20
3.3 Das regulative Prinzip als positive Lösung des Antinomieproblems 21
4 Die Auflösung der Freiheitsantinomie in Abschnitt 9 III 23
3
4.1 Der Begriff der praktischen Freiheit und der Willkür 23
4.2 Die Möglichkeit der Kausalität durch Freiheit 24
4.3 Freiheit und Naturnotwendigkeit. 26
5 Schlussbetrachtung 28
5.1 Kritische Anmerkungen zum Beweis- und Auflösungsverfahren. 28
5.2 Fazit 33
Anhang A: Volltext der Freiheitsantinomie 35
Literaturverzeichnis 40
Zitierweise
Die Kritik der reinen Vernunft, kurz: Kritik, wird im Vorliegenden nach der Ausgabe von Wilhelm Weischedel in modernisierter Schreibweise zitiert. Es wird grundsätzlich die Paginierung der zweiten Auflage B der Originalausgabe von 1787 angegeben, in Ausnahmen jene der ersten Auflage A von 1781. Dem Buchstaben für die Auflage A oder B folgt die entspre- chende Seitenzahl in arabischen Ziffern.
Einleitung 5
1 Einleitung
Die kantische Freiheitslehre wurde in der Kantforschung bis dato ein Vielfaches erörtert. Sie ist für das Verständnis der kritischen Philosophie unverzichtbar. Denn der Freiheitsbegriff bildet sowohl den Grundbegriff der erkenntnistheoretischen Philosophie, aber auch die Grundlage der Moralphilosophie. Er ist so das Bindeglied zwischen theoretischer und praktischer Philosophie, indem er zum einen Vernunftbegriff und damit Idee, zum anderen die Bedingung der Möglichkeit von Zurechenbarkeit von Handlungen darstellt. Des Weiteren ist der Begriff der Freiheit in Bezug auf die Unterscheidung von noumenaler und phänomenaler Welt von massgeblicher Bedeutung. Die Zentralität des Zusammenhangs der in der Ersten Kritik vollzogenen Analyse der kosmologischen und anthropologischen Freiheit zeigt sich dahingehend, dass sie als unabdingbar für das Verständnis der gesamten Transzendentalphilosophie angesehen werden muss. Darum bilden die sich in der transzendentalen Dialektik ergebenden Trugschlüsse der Vernunft durch die Logik des Scheins das Hauptmotiv für die durch die Auflösung der Antinomien mögliche Erkenntnisfähigkeit, mithin die Fundierung des gesamten kantischen Systems.
1.1 Zielsetzung, Fragestellung und Umfang
Der Rahmen der hier vorliegenden Arbeit bildet die Thematik der kantischen Freiheitslehre in der Ersten Kritik. Dabei hat sie das Ziel, die Kantische Argumentation der Freiheitsantinomie und die des Auflösungsverfahrens textanalytisch zu untersuchen und kritisch zu bewerten. Es stellt sich hierbei die Frage, inwieweit die von Kant durchgeführte Analyse hinsichtlich der gesamten Freiheitsproblematik in der Kritik schlüssig und einheitlich vollzogen ist. Thematisch betrachtet beinhaltet die Arbeit also ausschliesslich die Kontrapositionen der Thesis und Antithesis der Freiheitsantinomie, ihre Beweisstruktur und die in der Kritik durchgeführte Auflösung der Antinomie. Der Kern der Argumentation bildet demgemäss auf der einen Seite die Bedingung der Möglichkeit einer Kausalität aus Freiheit ausser- und innerhalb einer Ereignisreihe im Antinomiekapitel, auf der anderen Seite die dadurch mögliche transzendentale Freiheit im Sinne von Spontanwirkung und Willkür im Auflösungskapitel. Dabei wird formaltechnisch versucht, möglichst nahe am Text zu bleiben, um so den kantischen Gedanken nicht durch Eigeninterpretation zu verfälschen.
Einleitung 6
Aufgrund des Umfangs der Arbeit kann nur auf den Kern der kantischen Freiheitsproblematik, d.h. wie oben angezeigt auf die Freiheitsantinomie und ihr Auflösungsverfahren eingegangen werden. Auf eine Vielzahl wichtiger Aspekte hinsichtlich der Freiheitsthematik muss leider verzichtet werden: Erstens kann nur im Rahmen des erkenntnistheoretischen Werks der Ersten Kritik auf die Freiheitslehre Bezug genommen werden. Die Behandlung der praktischen Freiheit, vollzogen in der Kritik der praktischen Vernunft und der Kritik der Urteilskraft, muss weitgehend unberücksichtigt bleiben. Sie wird nur gemäss des Auflösungsverfahrens behandelt. Zweitens kann keine Begriffsanalyse der Schlüsselbegriffe wie 'Willkür', 'Spontaneität' und 'Freiheit' im Kontext der Schulphilosophie des 18. Jahrhunderts gemacht werden. Drittens findet keine Diskussion über die für die Kantinterpretation wichtig gewordene Zwei-Welten-, Zwei-Aspekte- und als-ob-Theorie statt. Ebenfalls unberücksichtigt bleibt viertens die Kontroverse um die der Freiheitslehre zugrunde liegende Lesart der zweiten Rela-tionskategorie der Grundsatzlehre, d.h. der Disput um eine starke, mittlere oder schwache Lesart der zweiten Analogie der Erfahrung, die Aufschluss darüber geben soll, inwieweit Kant einen Determinismus verfolgt. Fünftens wird auf eine zeitgenössische Debatte über die Möglichkeit von Freiheit in der modernen Wissenschaft verzichtet. Sechstens kann aufgrund des beschränkten Umfangs nicht tiefer auf die verschiedenen Aspekte a) der Dialektik, wie die Paralogismen oder das Ideal der reinen Vernunft und b) der Kosmologie, wie die mathematischen Antinomien, die Methode der Antithetik und der Begriff der Antinomie selbst eingegangen werden.
1.2 Aufbau der Arbeit
Die Arbeit gliedert sich in vier Hauptteile: Im ersten Strukturteil werden die Beweise und die dazugehörigen Anmerkungen zu Thesis- und Antithesis der dritten Antinomie textanalytisch untersucht und kommentiert. Der zweite Teil widmet sich den Entwicklungsschritten innerhalb der Kosmologie hin zur Auflösung der Antinomie, zeigt den Schlüssel der Auflösung anhand des transzendentalen Idealismus, vollzieht diesen in zwei Schritten und erläutert das regulative Prinzip als positives Element der Auflösung. Der dritte Teil hat die eigentliche Auflösung der Freiheitsantinomie, wie sie in Abschnitt 9 III. des zweiten Buches der Dialektik vollzogen wird, zum Thema. Die konkrete Auflösung wird wiederum textanalytisch untersucht und zeigt die Abkehr von der im Strukturteil erörterten genuin kosmologischen Thematik der Freiheit hin zur praktischen Freiheit auf. Der vierte und abschliessende Teil bildet der Kritikteil zur kantischen Freiheitsdebatte im Rahmen dieser Arbeit und endigt mit einem Fa- zit. Die einzelnen Kapitel sind - wo angebracht - zusätzlich mit einer unbetitelten Vorbemer-
Einleitung 7
kung versehen, die den genaueren Ablauf der Arbeits- und Argumentationsschritte innerhalb eines Kapitels verdeutlichen soll.
1.3 Stand der Literatur
Die Literatur zur Kritik ist Legion. Dem steht die Fülle an Kommentaren und Gesamtdarstellungen über die transzendentale Dialektik in nichts nach. Das meisterörterte Lehrstück ist dabei die dritte Antinomie. Ihre Auflösung beansprucht weit mehr Raum als jede andere Antinomie. Die Forschungsliteratur, die sich mit dem kantischen Freiheitsbegriff beschäftigt, ist darum überaus umfangreich und mitunter unübersichtlich.
Die einschlägigen zeitgenössischen Gesamtkommentare zur Dialektik und Kosmologie bilden die Werke von Heimsoeth (1966/67), Bennett (1974) und Schmucker (1990). Malzkorn (1999) und Falkenburg (2000) weisen in ihren formalen Analysen der Antinomien zusätzlich eine logisch-semantische Rekonstruktion der Kosmologie auf. Einen systematischen Kommentar zur interdisziplinären Kantforschung seit 1945 liefert Natterer (2003). Ein wichtiger Kommentar bildet ferner die Kritik von Strawson (dt. Erstauflage 1981). Für die Freiheitsantinomie relevante Monographien sind die Werke von Beck (1974), Gunkel (1989), Allison (1990), Ertl (1998) und Hudson (2002). Fachgerechte Standardlexika zur Thematik sind jene von Rathke (1991) und Eisler (2002).
1.4 Verortung der Thematik im Gesamtrahmen der Kritik
1.4.1 Die transzendentale Dialektik
Die transzendentale Dialektik bildet in der Ersten Kritik nach der Ästhetik und der Analytik die transzendentale Elementarlehre abschliessende Erörterung des Vermögens der Vernunft. Sie stellt gegenüber der Analytik als Wahrheitslehre eine Irrtumslehre dar und entwickelt in ihr die "Logik des Scheins" (B 349) als eine Theorie dialektischer Vernunftschlüsse. Die Aufgabe der transzendentalen Dialektik besteht nun darin, diesen Schein zu durchschauen und zu destruieren. Der Ausgang des Blendwerks gründet im Interesse der Vernunft, zum Bedingten durch Schliessen das Unbedingte aufzusuchen. Der Verstand gibt mit Hilfe der Begriffe und Grundsätze die bestimmte Einheit vor, während die Vernunft die begriffliche Erkenntnis zur höchsten Einheit zu bringen versucht. Diese schlechthin höchste Einheit ist aber erst mit einer Bedingung erreicht, die selbst nicht mehr bedingt ist: das Unbedingte. Die Vernunft kann nun das Unbedingte als Idee wohl denken, aber in der Erfahrung nicht erkennen - es fehlt die
Einleitung 8
sinnliche Anschauung. Im einzelnen sind die Trugschlüsse thematisch und formallogisch verschiedenartig:
(1) Beim Denken des absoluten Subjekts erliegt die reine Vernunft Paralogismen, die vom transzendentalen Subjekt auf die absolute Einheit des realen Subjekts selbst schliessen.
(2) Bei der Totalität der Dinge und Bedingungen verwickelt sich die Vernunft in widersprüchliche Gesetze, sog. Antinomien, die aus der Widersprüchlichkeit der Kontraposition die Richtigkeit der eigenen Ansicht ableiten.
(3) Die reine Vernunft schliesst letztens aus der Totalität der Bedingungen, d.h. aus der Idee einer höchsten Realität, fälschlicherweise auf deren Existenz, auf das Dasein Gottes als das schlechthin höchste Wesen - als transzendentale Idealität. Der transzendentale Schein besitzt jedoch einen positiven methodischen Sinn: Die Ideen weisen wohl keine konstitutive Funktion für die Erkenntnis auf, doch haben sie dahingehend eine regulative Bedeutung, als dass sie aufgrund des fragmentarischen Charakters jeder Erfahrung dazu anleiten, den methodischen Prozess der Erkenntnissuche nie abzubrechen.
1.4.2 Die Antinomielehre
Die Antinomielehre und mit ihr die Antithetik verweisen darauf, dass jeder Versuch, die Naturerkenntnis in irgendeiner Hinsicht als abschliessbar zu denken, in einen Naturalismus führt. Sie diagnostizieren die kosmologische Antinomie anhand einer Äquivokation im Weltbegriff. Dabei treten zwei Formen von Widersprüchen mit je zwei Ausprägungen auf: die 'mathematische' Antinomie beruht auf raumzeitlichen Beziehungen, die 'dynamische' Antinomie auf Beziehungen von Grund und Folge (B 442f.): (a) mathematisch-deskriptive Form (Kosmos als Welt):
(1) "Die absolute Vollständigkeit der Zusammensetzung des gegebenen Ganzen aller Erscheinungen" = makroskopische Grenze des Kosmos: Universum (Räumlichkeit und Zeitlichkeit ist endlich oder unendlich);
(2) "Die absolute Vollständigkeit der Teilung eines gegebenen Ganzen in der Erscheinung" = mikroskopische Grenze des Kosmos: Substanz (diskreter Atomismus oder Kon- tinuität);
Arbeit zitieren:
M.A. (lic. phil.) Christoph Schelhammer, 2005, Diskussion der kantischen Freiheitsantinomie in der Kritik der reinen Vernunft, München, GRIN Verlag GmbH
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