Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. DIE USA UND DIE INTEGRATION EUROPAS 3
2.1. WANDEL DER AMERIKANISCHEN EUROPAPOLITIK 3
2.2. DIE INTEGRATION DER BUNDESREPUBLIK - DAS AMERIKANISCHE „ESSENTIAL“ 4
3. DIE REAKTION DER USA AUF DIE ERKLÄRUNG SCHUMANS AM 9.MAI 1950 5
3.1. DIE „AMERIKANISCHEN URSPRÜNGE“ DES SCHUMAN-PLANES 5
3.2. DIE AMERIKANISCHE REAKTION - ZWISCHEN SKEPSIS UND ENTHUSIASMUS 6
4. DIE USA UND DIE SCHUMAN-PLA-NVERHANDLUNGEN 8
4.1. WIRKEN IM HINTERGRUND? 8
4.2. WIDERSTAND DEUTSCHLANDS - ADENAUERS INITIATIVEN 10
4.3. ENTFLECHTUNG DER RUHRINDUSTRIE - „ZWISCHEN KARTELLEN UND KONKURRENZ“ 11
4.4. MCCLOYS DURCHBRUCH - ADENAUER LENKT EIN 14
5. SCHLUSSBETRACHTUNG 16
6. ANMERKUNGSAPPARAT 18
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1. Einleitung
“One of the greatest things in history...” 1
So bezeichnete der amerikanische Präsident Harry S. Truman den Schuman-Plan im März 1951, zehn Tage nachdem die Verhandlungsdelegationen der Schuman-Plan-Konferenz den Vertrag über die Errichtung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl in Paris unterzeichneten.
Doch was veranlasste den Regierungschef der Vereinigten Staaten zu dieser enthusiastischen Erklärung, warum waren die USA an einem Erfolg der Initiative des französischen Außenministers Robert Schuman überhaupt interessiert?
Welchen Vorteil versprach sich die amerikanische Außenpolitik von einer europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, welche Ziele verfolgten sie damit? Waren die USA in der Verwirklichung des französischen Projektes beteiligt, haben sie die Vertragsverhandlungen dirigiert, und wenn ja, wie und warum?
Die folgende Arbeit wird versuchen derartige Fragen zu beantworten und zu klären, wie und warum die amerikanische Diplomatie in den Schuman-Plan-Verhandlungen involviert war und mit welchen Mitteln die zu deren Erfolg beigetragen hat.
2. Die USA und die Integration Europas
2.1. Wandel der amerikanischen Europapolitik
Die amerikanische Außenpolitik erfuhr seit dem japanischen Angriff auf Pearl Habour im Dezember 1941 eine grundlegende Neuorientierung. Die damit unvermeidliche Involvierung in den Zweiten Weltkrieg, beendete die bis dahin praktizierte US-Politik des Isolationismus 2 . Die nach dem Zweiten Weltkrieg von der Sowjetunion ausgehende Bedrohung verlangte eine schnelle Anpassung der außenpolitischen Konzeption der USA an die veränderten machtpolitischen Realitäten. So übernahmen die Amerikaner mit der Verkündung der Truman-Doktrin ab 1947 die weltpolitische Führungsrolle 3 .
Während noch in der Zeit zwischen 1918 bis 1945 Bemühungen um eine Integration Europas noch keine bedeutende Rolle in der amerikanischen Außenpolitik spielten 4 , setzte spätestens nach dem absehbaren Scheitern der „one world“ und der alliierten Zusammenarbeit nach dem Sieg in Europa ein Umdenken ein, da die Spaltung des Kontinents unter dem Einfluss der Ost-und Westmächte unabwendbar schien. Mit dem Marshallplan sollte Westeuropa wieder aufgebaut werden, denn nur durch die Integration der europäischen Volkswirtschaften konnte man hoffen, die prekäre „wirtschaftliche Krise in Europa schnell zu überwinden und die
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Grundlage für den Aufbau stabiler demokratischer Ordnungen zu legen, welche sich der sowjetischen Bedrohung widersetzen konnten“ 5 .
2.2. Die Integration der Bundesrepublik - Das
amerikanische „essential“
Dabei wurde schnell deutlich, dass das Potential der deutschen Ruhrindustrie immanent für den Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft war 6 , die schnelle wirtschaftliche Regeneration und Integration Deutschlands in Westeuropa war also unabdingbar. Allerdings barg eben genau dieses Ziel einen vertrackten Problemkomplex: die Nachbarstaaten Deutschlands, insbesondere Frankreich, standen einem gezielten Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft und erstrecht einer Einbeziehung Deutschlands in Westeuropa sehr skeptisch und ablehnend gegenüber 7 . Natürlich erkannten auch die amerikanischen Experten die sicherheitspolitische Gefahr, die eine wiedererstarkte, dominante deutsche Wirtschaft innerhalb Europas darstellen würde, insbesondere aus der Sicht Frankreichs. Um den Wiederaufbau Deutschlands zur Vorantreibung einer europäischen Einigung nutzen zu können, musste folglich Westdeutschland die Alleinverfügung über sein Wirtschaftspotential verwehrt werden, was aber nur im Rahmen einer europäischen Integration möglich war 8 . Die weitestmögliche Beseitigung des deutsch-französischen Gegensatzes war, aus amerikanischer Sicht, damit unabdingbar bzw. „essential“.
Nun musste die Marshallplanadministration 1949 allerdings feststellen, dass die Ankurbelung der europäischen Wirtschaft nicht die gewünschten Erfolge brachte, trotz des „[…]vielversprechenden Starts[…]“ 9 im Jahre 1947. Das Ziel der selbstständigen Lebensfähigkeit der europäischen Staaten, welche für das Jahr 1952 anvisiert wurde, schien in weite Ferne zu rücken 10 . Die Bemühungen um eine Integration der westeuropäischen Wirtschaft waren aus Sicht der US-Regierung zum Stillstand gekommen, trotz Europarat und OEEC (Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit). „Von einer Verschmelzung der europäischen Nationalwirtschaften, wie sie die amerikanische Regierung als Fernziel […] anstrebte, konnte […] keine Rede sein.“ 11 Zudem wurde die amerikanische Außenpolitik durch weitere Ereignisse beeinflusst, die sich gerade im Jahre 1949 nahezu ballten und eine Integration Europas besonders dringend erschienen ließen. Durch die Zündung der ersten sowjetischen Atombombe im August erreichte die fortdauernde Bedrohung der UdSSR einen neuen Höhepunkt. Zudem wurden im amerikanische Kongress Stimmen laut, die „[...] dramatic and substantial evidence [...]“ , also erhebliche Fortschritte in der Einigung Europas forderten, um eine weitere finanzielle Unterstützung für das European Recovery Program (ERP) gewährleisten zu können 12 . Ein
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wesentliches Ereignis, das „[...] in amerikanischen Augen vor allen anderen weitere Fortschritte in dem Zusammenschluß Europas schlechterdings unerlässlich machte […]“ 13 trat dann am 23. Mai 1949 ein: die Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Während sich das psychologische Klima in Europa ohnehin schon in einem „[…] Übergang von anfänglicher Zuversicht zu Skepsis […]“ 14 verschlechterte, war es doch vor allem das deutsche Volk, das politisch völlig orientierungslos geworden war 15 , was die Gefahr barg, die Deutschen, durch „verlockende Angebote“ der UdSSR, an den Osten zu verlieren. „ ’Was die deutsche Demokratie braucht, und was sie in den Augen der Deutschen nie gehabt hat, ist ein Erfolg…’ “ 16
Dieser Erfolg würde sich durch ein in Europa integriertes Westdeutschland schnell bewerkstelligen lassen, wobei es, wie schon gesagt, existenziell war, ein mögliches wirtschaftliches Übergewicht der Bundesrepublik in dieser Gemeinschaft zu verhindern. Die Einbindung der Deutschlands in den Westen bildete somit das eigentliche Ziel der amerikanischen Integrationspolitik, die insgesamt den Westen gegenüber der UdSSR verstärken sollte. Vorraussetzung für die Erreichung dieses Zieles aber war der Abbau der Kontrollen und Produktionsbeschränkungen, mit denen die BRD noch belastet war, und ihre Anerkennung als gleichberechtigter Partner der westlichen Völkergemeinschaft.
3. Die Reaktion der USA auf die Erklärung Schumans am 9.Mai 1950
Die „amerikanischen Ursprünge 17 “ des Schuman-3.1.
Planes
Die Idee einer Verschmelzung der deutsch-französischen Schwerindustrie war nicht neu. 18 In den Beratungen über die Schaffung einer internationalen Behörde zur Kontrolle des Ruhrgebietes im Jahre 1948 wurde dieser Gedanke schon von dem amerikanischen Botschafter in London Lewis Douglas in Erwägung gezogen 19 und auch Adenauer hatte schon vor 1950 für eine deutsch-französische wirtschaftliche Interessensgemeinschaft plädiert 20 .
„Der wichtigste amerikanische Verfechter der Idee einer sektoralen Verflechtung Frankreichs und Westdeutschlands residierte in Bonn“ 21 in Person des amerikanische Hochkommissar John McCloy, ein enger Vertrauter von Jean Monnet 22 , dem Schöpfer des Schuman-Planes. McCloy sah es als seine Hauptaufgabe an „Frankreich beim Wiederaufbau von dessen Militärpotenzial zu helfen und es für ein Zusammengehen der Bundesrepublik auf der Grundlage französischer Stärke zu gewinnen“ 23 . Es ist anzunehmen, dass der ehemalige
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Militärgouverneur bereits vor Schumans Verkündung der französischen Initiative „[…] mehrfach mit französischen Beamten, die Monnet nahe standen, über ein derartiges Projekt gesprochen haben will“ 24 . Und doch, trotz der Tatsche, dass die Idee einer europäischen Montangemeinschaft seit längerem in der Luft gelegen hatte, war der Schuman-Plan schließlich die erste konkrete politische Initiative zu Verwirklichung dieser Vision. 25 Sicherlich war der Zeitpunkt der Bekanntgabe des französischen Projektes nicht zufällig; auf dem bevorstehenden Treffen der Außenminister in London sollte der amerikanische Wunsch nach Anhebung der deutschen Stahlindustrie auf der Tagesordnung stehen und Schuman musste befürchten, dass die USA auf die Abschaffung der Internationalen Ruhrbehörde drängen würde, wenn sich Frankreich nicht in dieser Frage entgegenkommend zeigen würde 26 . Adenauer hatte schließlich bereits sein Interesse an einer deutsch-französischen Einigung durchklingen lassen, die letztendliche Initiative musste, aus amerikanischer Sicht, aber von den Frankreich kommen, da es das einzige Land war, das bei der Integration Europas die Führung übernehmen konnte. 27 Diese Überzeugung der Amerikaner wurde der französischen Regierung bereits im Herbst 1949 mehrfach und nachdrücklich nahegebracht. “Now is the time for French initiative and leadership of the type required to integrate the German Federal Republic promptly and decisively into Western Europe.” 28 Es war also an den Franzosen gelegen, die von den Amerikanern angebotene Führungsrolle anzunehmen, um damit eine möglicherweise deutsch-amerikanische Interessensgemeinschaft zum französischen Nachteil zu verhindern. Zweifellos mussten diese Überlegungen und Besorgnisse mit zu den Motiven Schumans gehört haben, als er den Plan Monnets, aufnahm und ihn am 9. Mai 1950 bekannt gab.
3.2. Die amerikanische Reaktion - Zwischen Skepsis und
Enthusiasmus
Der amerikanische Außenminister Dean Acheson wurde bereits zwei Tage vor der offiziellen Verkündung des Schuman-Planes in das Vorhaben eingeweiht, da Schuman und Monnet der Ansicht waren, dass „[…] es kaum vorstellbar war, dass der französische Außenminister vertrauliche Gespräche mit seinem amerikanischen Amtskollegen führen konnte, ohne diesen über die unmittelbar bevorstehende französische Initiative zu informieren […]“ 29 . Der amerikanische Botschafter in Paris David Bruce, ein Befürworter der französischen Initiative, organisierte daher für den Abend des 7. Mai 1950 ein vertrauliches Treffen zwischen Schuman und Acheson, in welchem Schuman seinem Amtskollegen die Grundzüge seiner geplanten Erklärung erläutern wollte 30 .
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Arbeit zitieren:
Armin de Jonghe, 2007, Die USA und der Schuman-Plan, München, GRIN Verlag GmbH
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