hen von den bereits vorliegenden Ergebnissen der „objektiven Wissenschaften“ Mathematik: GÖDEL-Sätze; Physik: HEISENBERGsche Unschärferelation, wo die Problematik der Paradoxie nicht von vornherein thematisch wird).
Die allgemeine Theorie sozialer Systeme kann nun behaupten, sich dieser Problematik vielleicht als erste in dieser Klarheit stellen zu können, indem sie folgende Konstellation konstruktivistisch erarbeitet und erkenntnistheoretische Konfiguration konstituiert:
2. Aufklärung
Soziologie ist sui generis die gesellschaftswissenschaftliche Disziplin, die soziologische Tatsachen auf der Linie evolutionärer Entwicklungen feststellt. So gesehen, ergibt sich sowohl eine sofort sichtbare Linie von physikalisch-mechanischer über biologisch-organischer Entwicklung zu soziologisch-kommunikativer, als die strikte Zession zwischen unbelebter und belebter Natur und der Kultur des Menschen. Die kulturelle Welt des Menschen zerfällt in der ihr notwendig eigenen Dichotomie in soziale Systeme, deren Grenzen als Umwelt das Gesellschaftssystem zum Gegenstand ihrer Beobachtung konstituiert, deren Grenze als erkennbare Konstitution zwingend ihre Nicht-Elemente zum Ge-genstand der Handlungen als Prozesse funktionaler Bestimmungen der Elemente macht. Der alte Mythos der „soziologischen Aufklärung“ verfliegt, wenn Aufklärung im Rahmen von Normenkritik zum einen seine eigenen Voraussetzungen in den Blick bekommen soll, ohne daß die Voraussetzungen der Normenkritik sich selbst überholen, oder wenn Gesellschaft mit Herrschaftsverhältnissen gleichgesetzt wird, und utopische Negierungen prinzipiell Dependenzen und Strukturen demontieren sollen. Die Ironie solcher Aufklärungen entkräftigt die eigenen Füße, selbst wenn zumindest dominant auftretende Ernsthaftigkeit gegen die Überwindung ihrer politischen Programme entweder die Drohung der Legitimation bestehender Verhältnisse oder normfreier Beliebigkeit proklamiert. Gesellschaft besteht durch Kommunikation gerade im einzelnen, naiv gesprochen, in Rollenverteilung und Arbeitsteilung, oder modern: in Systemen und Differenzierung. Die daraus resultierenden Fixierungen der Handlungsrahmen, die im übrigen bemerkt, keinesfalls durch Kommunikation in den zu entwickelnden Aktivitäten limitiert werden, sondern, wenn überhaupt, nur durch noch nicht kommunizierte Bewältigung von ungelösten Engpäßen in den nicht-kommunikativen Handlungsräumen, sind gar sekundär zu betrachten. Eine „Norm der Norm“ ist blanker Unsinn; der Unterschied zwischen begrifflicher und Selbstabstraktion ist grundlegend für ein Weiterkommen und eine weiterhin mögliche 1 Um nicht mit dem „Postulat der Werturteilsfreiheit“ Verbindung zum konkreten Boden.
reden zu müssen, gilt weiterhin, daß Erkenntnis und Wissenschaft nur im Abstand der nicht teilnehmenden Betrachtung stattfinden kann. Das gilt für die Festlegung auf einen Beobachtungsgegenstand selbst dann, wenn die Beobachtung das Beobachtete durch
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den Vorgang der Beobachtung verändert, oder die Beobachtung hinsichtlich ihrer Voraussetzungen und Strukturierung durch das Beobachten sich verändert. Die paradoxen Widersprüche einer Gesamtheit, die man durch wegschauen verleugnen, aber nicht verschwinden lassen kann, zeigen eine Bewegung an, mit der es weitergeht. „Es gibt eine Eigenlogik des Bösen, die mit zur Gesellschaft gehört und nicht außerhalb ihrer Grenzen liegt. Deshalb kann nicht der Normkonsens Grundlage des Gesellschaftssystems sein, sondern nur die Disjunktion von konformem und abweichendem Verhalten mit entsprechender Differenzierung von Erwartungen und Reaktionen. Ein Gesellschaftsbegriff, der auf mögiche Kommunikation abstellt, hat überdies den Vorteil, daß er Platz hat für Geschichte.“ 2 Und wie man weiß, ist Aufklärung Geschichte und kommt darin in bessern Zeiten vor.
3. Methode
Soziologische Systemtheorie beginnt selbst mit der Beobachtung ihrer Gegenstände und erreicht suksessiv Erkenntnis als späteren Gegenstand auf dem entsprechenden Niveau der Abstraktion; überzeugen muß die eigene Anwendbarkeit oder arbeitende Spiegelung auf sich selbst als Argument der Retorsion und dergestalt, was man als „Chrono-Logik“ bezeichnen kann: Ego beobachtet Alter, und Alter beobachtet Ego. Dann beobachtet Alter, daß Ego es beobachtet, schließlich beobachtet Ego, daß Alter beobachtet, daß es Alter beobachtet; und damit können beide erkennen, daß sie selbst beobachten, indem sich auf der Stufe der Beobachtung zweiter Ordnung das System zum selbstreferentiellen 3 schließt.
Offensichtlich müssen wiederum psychische Systeme entscheiden, was sie aktuell zum Gegenstand ihrer Beobachtung machen, indem durch Konzentration die Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand zur rationalen Beobachtung zentriert wird. Beobachten und Handeln haben einen direkten Zusammenhang in der Reproduktion des Systems. Allerdings birgt die Neigung Zusammenbruch durch kontingenten Ressourcenwegfall vorzubeugen, indem ein Überhang an Inputs angehäuft wird, im gleichen Zug einen Tempovorteil gegenüber der Forderung der Handlungsdisposition, daß Beobachtung zweckgebunden funktioniert. Hier bereitet der Ablauf die Weiche zur nächsten Differenzierung, und Beobachten wird von Handeln entkoppelt. Die Differenz von Beobachten/Handeln ist Selbstbeobachtung, die ab dem Ereignis des ersten mittelbaren Erfolgs durch Verbesserung der Systemstrukturen zur Ausdifferenzierung generiert. Infolge funktionaler Thematisierung entsteht i.d.R. Binnenwachstum. Ebenso wird deutlich wie sich der Mensch in seiner anthropologischen Verfassung von allen anderen organischen Systemen absetzt, indem er das einzige ist, das bewußte Beobachtung als zeitlichen Horizont hat, Antizipation über organische Gegenwärtigkeit prozessualisiert. Ego und Alter in ihren Beobachtungsper-
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spektiven erwarten Bestimmtes. Und sie erwarten gegenseitig Erwartungen: Erwartenserwartungen. So schließen sich psychische Systeme in zwei Haltungen: in der Beobachtung zweiter Stufe über die eigenen oder die anderen Beobachtungen. Sofern es tatsächlich Erwartenserwartungen sind, die sich auf andere richten und auf Kommunikation angewiesen sind, konstituieren sich damit soziale Systeme. Soziale System, die mit Selbstbeobachtung operieren, nutzen Kommunikationsprozeß zum Strukturaufbau. Die funktionale Methode- „Wie ist X möglich ?“- bedeutet in den Zusammenhängen evolutionärer Fakten zwar konkret, daß eine Lösung so und nicht anders zu diesem Zeitpunkt eingeführt wurde, aber mindestens hypothetisch, wo nicht im glücklichen Beobachten, zur künftigen Planung, daß es nicht die einzige mögliche Lösung des Problems war und ist, daß möglicherweise sogar bessere Lösungen denkbar sind. Somit sind auch wissen-schaftstheoretisch funktionale Erklärungen in den Gesellschaftswissenschaften als probables Instrument optimal, indem sie zugleich wirksame Erklärungen in doppelter Hinsicht gestalten: sie erklären sehr deutlich gesellschaftliche Entwicklungen und machen sie konstruktiv kritisierbar.
Für unser System führt die funktionale Methode nicht mehr zu objektiv erkennbaren Gegenständen, die von konstituierenden Subjekten behauptet werden, stattdessen zu Zusammenhängen, die aus der Komplexität der Verhältnisse als bereits reduzierte Komplexität in die Welt der Beobachtung treten. Autopoietische Systeme beobachten dann unter Selektionsdruck und bewältigen fortlaufend Kontingenz in der Reduktion von Komplexität.
4. Grundbegriffe
Der Begriff der Kontingenz formiert sich erst als Begriff der Beobachtung zweiter Ordnung. In der Beobachtung der Gegenstände wird in erster Linie eine Fülle von Möglichkeiten beobachtbar, Entwicklung zeigt die nicht Uhrwerks-mechanistische Prognostizierbarkeit der Bewegungen von Elementen im Bereich der Beobachtung, des weiteren auch Beobachtung als substituierbare Interpretation von Realität erweist sich als möglich statt notwendig. Diese Gegentendenz der Systeme im Unterscheiden zu Struktur verwertet entropische Tendenz zum Anschluß äußerer ungebundener Elemente oder bereits Komplexität an interne Ausdifferenzierung, sie nutzen ihre Möglichkeiten. Indem ergo gesellschaftliche Entwicklung auch hätte ganz anders kommen können, oder demnächst jedesmal anders kommen kann, während die Möglichkeiten des Handelns weder zufällig durchkreuzt werden, noch Beliebiges herbeizaubern können, zeigt die Transformation über Zeitdistanzen ex-acte Kontingenz, worin Erkenntnis und Gegenstand in den Bedingungen ihrer Möglichkeit jeweils wieder zusammenfallen.
Die doppelte Kontingenz besagt nichts anderes als in der Bezüglichkeit auf Personen, daß in der Beziehung zwischen Ego und Alter präzisiert auf Sinnsysteme, die mit Kontin-
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genz des Erlebens und Handelns sinnzugerechnet respektive sinndezediert jeweils Unbestimmbarkeit der Beziehungen mitrechnen oder Risiko einkalkulieren, gesellschaftliche Geschlossenheit kategorisch unterminiert und soziale Ordnung problematisiert wird zur wiederholenden Aufgabe der Systemerhaltung von Interaktion oder Gesellschaft oder Organisation. Asozial ist der unter Maxime gestellte Kommunikationsabbruch oder nicht mehr genuin entstehbare Austausch von Information in Sinnzusammenhängen. Die bestehende Komplexität in der Gegenstandsbeobachtung im Zusammenhang sinnhafter Möglichkeiten ist evolutionäre Errungenschaft als Form gewonnener Negentropie und Antwort in Systembildung und Ausdifferenzierung bei permanenter Reduktion von nur systemisch zu bewältigender und Produktion von bereits selektierter Relationalisierbarkeit.
Elemente sind grundsätzlich für Systeme adaptierbar, es sei denn, die Binnenstruktur ist nicht komplex genug. Insofern treibt der archimedische Punkt der Zeit die Struktur von System oder Umwelt voran, als in anderen Worten kein System ohne entropische Verluste auskommt (perpedo mobile), oder ein System wiederum Komplexität oder Element für Umwelt oder Systeme darstellt. Damit bleibt Komplexitätsgefälle zu beobachten, und Systeme konstituieren ihre Umwelten in der Geworfenheit auf temporalisierte Ereignismöglichkeiten, d.i. im Sinnzusammenhang: erst erleben, dann handeln. Die coevolutionäre Entwicklung von Personen und Gesellschaften hat zu einer gemeinsamen Bindung und Fundamentierung des Fortschritts in den Relationen selbstreferentieller Komplexe aufgrund Sinn geführt. Die Entstehung von „Geist“ und „Kultur“ macht einerseits das hervorgetretene organische System Mensch als psychisches System (früher:“Individuum“) oder GEHLENsches Mängelwesen, dabei vernunftbegabt und frei, abhängig von Voraussetzungen der Verweisungsstruktur auf sinnhafte Möglichkeiten, andererseits die Ausgestaltung der Anschlußmöglichkeiten in Gesellschaften durch Vermittlung der Handlungskoordination (früher:“Gesellschaft“) im Sinne von MEAD, die erfolgreich im Bienenstaat auf die Erfüllung von Funktionen zielt, relativ auf die tatsächliche Selektion der pluralen Systeme. Allein der Ausgangspunkt der Selbstreferenz mit Schließung der operierenden Systeme bedeutet Richtungsweisung sozialer Systeme im weiteren Zusammenhang. Im Sinnzwang und Prozessualisierung der Systeme über Sinn ist gewissermaßen formalisierte Beobachtung Reproduktion und offene Antizipation der Welt im unlösbaren Problem der Komplexität oder nicht anzuhaltender Zeitdruck. Lernen und Sinngrenzen verändern im Verweis nach innen und außen, heißt man intendiert sichnicht unbedingt mit der Mode, genausowenig mit dem Grab- mit der weitergehenden Komplexität. Der Nachteil der absoluten Passivität hinsichtlich der Unüberwindbarkeit von Sinn oder relationaler Bestimmtheit gleicht die Anpassung nach innen und außen durch den Vorteil der Offenheit aus. In jedem Sinn steckt eine unendliche Weite der Möglichkei-
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ten und zur Verfügung stehender Operationen, worin zwischen Beobachten und Handeln sowie Alter und Ego Unfaßlichkeit appräsentiert, freie Entfaltung motiviert wird. Systeme besitzen die Fähigkeit erstens Fremdreferenz, nämlich über ihre Umwelt, zu kommunizieren; im Aufstieg der Selbstreferenz und Wiedereinführung der System/ Umwelt-Differenz in das System kann zweitens diese dargestellt werden, wenn die Lage in Form der Differenz des Systems zur Umwelt gegenständlich wird. Die Selbstbeschreibung des Re-entry erweitert das Spektrum des Beobachtens mit der Selbstbeobachtung, die die Unterscheidung innen/außen aktiviert. Die Beobachtung ermöglicht die Beschreibung, die ermöglicht die Information, die ermöglicht die Kommunikation. Auf dem Weg zur Binnendifferenzierung, wo sich das System zur Umwelt für Teilsysteme anlegt, indem die vorgegebene Struktur von Elementen zur Schließung und Autoinitiierung initiiert wird, bekommt die Innenansicht der Introversion maßgebliche Relevanz hinsichtlich des Erfolgs von Systemwachstum. Dabei spielt zweierlei eine wichtige Rolle. Mit dem Anstoß der Weiterentwicklung des Systems in allen Dimensionen immer zugleich qualitativ und quantitativ muß der Aufbau durch Generierung von Struktur und passenden Elementen und der Ablauf bei intentionalen Organen und extentionalen Beziehungen adäquat temporiert werden. Die große Problematik der Adäquanz besteht in der Gefahr von Autokatalyse, die in funktionierenden Systemen willkommene Anregung in wohlgetakteten, gleichförmigen Impulsen bildet, in anderen Verhältnissen zu Dysfunktionen und überproportional steigender Energieverschwendung führt. Insofern mag es sein, daß ein System nicht den unglücklich äußerlich widrigen Umständen obliegt, sondern der Kontingenz des angestoßenen Innenlebens. Bei dem Wechsel der Navigation von reiner Extraversion auf Umschaltung I/O wird das Re-entry problematisiert statt früherer Umweltbezüge. Die Risiken für Reproduktion des Abbruchs von Umwelt verschiebt sich auf Risiken der Reduktion von Komplexität und Produktion von Kontingenz. Die Innervierung der Beobachtung zweiter Ordnung und die Innovation der Sicherung von Ressourcen leitet zur Lernfähigkeit der Koordination von Beobachten und Beobachten und Handeln in der zweiten Stufe, wo Beobachten selbst Handeln wird, ohne Handeln als Handeln vernachläßigen zu dürfen. Bezeichnet durch die Metapher des „Abhebens“ von den Tatsachen, birgt die Differenz von Theorie/Praxis in der Thematisierung die eigentliche Aufgabe: Tatsächlich ist die Praxis der Theorie die Fortsetzung der Praxis und spannt die Möglichkeiten über verschiedene Praxen auf, wo zuvor verschiedene Praktiken waren, jetzt delegiert. Die Drohung, von den Ereignissen überholt zu werden, bleibt die gleiche. Aber der Ereignishorizont hat sich miterhoben. Wenn ein politischer Kampf nicht mehr auf der Ebene der Erwartungen stattfindet, im Kampf von Themen und symbolischen Akten, sondern längst in Höhe der Erwartenserwartungen, in Reizung der Authetizität und Lobby, können strategische Scheingefechte im Bereich Verteidung Lösungen sein, nicht jedoch in der Innenpolitik. Das Re-
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A.T. Gass, 1997, Luhmanns Systemtheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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