Abstract
In den letzten Jahren haben Social Network Sites wie zum Beispiel MySpace oder Facebook stark an Popularit¨ at gewonnen. Immer mehr Internetbenutzer verwenden diese Plattformen zum sozialen Austausch und kommunizieren damit ¨ uber verschiedenste Themen. Im Gegensatz dazu finden Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Patienten h¨ aufig im direkten Gespr¨ ach und nicht online statt. Es liegt jedoch nahe, dass auch Patienten von den Vorteilen dieser neuen M¨ oglichkeit zur Kommunikation profitieren k¨ onnen. Im Rahmen dieser Masterarbeit wird untersucht, welche M¨ oglichkeiten Social Network Sites bei der Kommunikation zwischen Patienten bieten. Dazu werden die Grunds¨ atze der Kommunikation zwischen Patienten analysiert und es wird ein ¨ Uberblick
uber die Hintergr¨ unde und den Aufbau von Social Network Sites gegeben. Die Imple¨
mentierung eines Prototyps einer Social Network Site f¨ ur Patienten zeigt M¨ oglichkeiten, Vorteile und Nachteile des Einsatzes dieser Kommunikationsform f¨ ur Patienten, anhand eines praktischen Beispiels, auf.
Keywords
Patientenkommunikation, Gesundheitsplattformen, eHealth, Social Network Sites, Online Communities, Web 2.0
ii
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 1
1.1. Danksagungen 1
2. Einleitung 3
2.1. Problemstellung 3
2.2. Zielsetzung 3
2.3. Vorgehensweise 4
3. Kommunikation zwischen Patienten 5
3.1. Formen der Kommunikation zwischen Patienten 6
3.1.1. Direktes Gespr ach in der Familie oder im Bekanntenkreis 6
3.1.2. Selbsthilfegruppen 6
3.1.3. Internet 7
3.1.4. Digitale Begleiter 10
3.2. Anforderungen von Patienten an Kommunikation 10
4. Social Network Sites 12
4.1. Einf uhrung 12
4.2. Definition 12
4.3. Entstehung 13
4.4. Aufbau 14
4.4.1. Profile 14
4.4.2. Beziehungen 15
4.4.3. Gruppen 16
4.4.4. Kommunikationsm oglichkeiten zwischen den Mitgliedern 16
4.4.5. Rollensystem 16
4.4.6. Privatsph are 17
4.5. Analyse bestehender Social Network Sites 18
4.5.1. Im Vergleich verwendete Plattformen 18
4.5.2. Allgemeine Vergleiche 19
4.5.3. Vergleiche bezogen auf Gesundheitsplattformen 26
4.6. Zusammenfassung der Analyse 27
5. Prototyp 29
5.1. Allgemeines 29
5.2. Requirements-Analyse 29
5.2.1. Vorgehen 29
iv
Inhaltsverzeichnis
5.2.2. Brainstorming 30
5.2.3. Use Cases 30
5.2.4. GUI Rapid Prototyp 33
5.3. Liste der Requirements 34
5.4. Technologiewahl 40
5.4.1.
Uberblick J2EE vs. NET 40
5.4.2. Gemeinsamkeiten 40
5.4.3. Unterschiede 41
5.4.4. Vergleichskriterien 41
5.4.5. Entscheidung 42
5.5. Verwendete Frameworks und Tools 43
5.6. Architektur und Implementierung 44
5.6.1. Datenschicht 44
5.6.2. Businessschicht 48
5.6.3. Pr asentationsschicht 50
5.6.4. Businessobjekte 54
5.7. Funktionsweise 54
5.7.1. Grundlegende Konzepte 54
5.7.2. Startseite 56
5.7.3. Personalisierte Startseite 56
5.7.4. Navigation 56
5.7.5. Live-News 57
5.7.6. Allgemeine Features 58
5.7.7. Themensuche 59
5.7.8. Wer hilft mir bei? 60
5.7.9. Bewertungen 60
5.7.10. Youvit Hits 61
5.8. Probleme 61
5.9. Erweiterungsm oglichkeiten 63
6. Zusammenfassung 65
A. Anhang 72
A.1. Installationsanleitung von Youvit 72
A.2. Benutzerhandbuch von Youvit 73
A.4. Screenshots des Prototyps 76
A.5. Klassendiagramme 82
v
Abbildungsverzeichnis
3.1. Bed¨ urfnispyramide nach Abraham Harold Maslow (1908-1970) . . . . . . 5
4.4. Startseite von Imedo . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
5.1. Use Case 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
5.2. Use Case 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
5.3. Use Case 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
5.4. Use Case 4 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
5.5. Use Case 5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
5.6. Use Case 6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
5.11. Diagramm der Keyword-Tabelle und verkn¨ upfter Tabellen . . . . . . . . 46 5.12. Die Businessschicht von Youvit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
5.17. Tabs zur Navigation in den Hauptkategorien . . . . . . . . . . . . . . . . 56 5.18. Sprechblasen zur Navigation zu den eigenen Inhalten . . . . . . . . . . . 57 5.19. Themensuchbox . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
5.20. Breadcrumb-Navigation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 5.21. Ein Beispiel f¨ ur Live-News . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 5.22. Suchfunktion in Youvit: Wer hilft mir bei? . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 5.23. Bewertete Links - Youvit Hits . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
vi
A.1. Startseite von Youvit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
A.2. Startseite eines angemeldeten Mitglieds . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 A.3. Themenseite zum Thema
Knie
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
vii
Listings
5.1. Beispiel von Server Side Paging mit dynamischem SQL . . . . . . . . . . 47 5.2. Beispiel einer Businessoperation - Freund hinzuf¨ ugen . . . . . . . . . . . 49 5.3. ASP.NET Markup des Listensteuerelements . . . . . . . . . . . . . . . . 50 5.4. Verwendung von Google Maps mit JavaScript . . . . . . . . . . . . . . . 52 5.5. Zwei Beispiele der URL-Rewriting Konfiguration . . . . . . . . . . . . . . 53 5.6. Beispiel von Server Side Paging mit LINQ to SQL . . . . . . . . . . . . . 62
viii
1. Vorwort
Die vorliegende Masterarbeit ist formal gesehen f¨ ur den Studiengang Informatik an der Universit¨ at Bern verfasst worden, wurde aber im Rahmen des BeNeFri-Netzwerkes an der Universit¨ at Fribourg geschrieben. Der Hauptgrund f¨ ur diese Entscheidung war, dass die Gruppe Information Systems von Prof. Andreas Meier an der Universit¨ at Fribourg f¨ ur die Thematik der Arbeit optimal geeignet war.
Es ist wichtig zu erw¨ ahnen, dass diese Masterarbeit aufgrund eines konkreten Projekts namens Youvit.com zur Realisierung einer Social Network Site f¨ ur Patienten entstand und dadurch die Entwicklung des Prototyps das zentrale Element dieser Masterarbeit ist. PD Dr. med Stefan Eggli, Leiter Kniechirurgie am Inselspital Bern, hat dieses Projekt initiiert, geleitet und betreut. Der folgende Ausschnitt aus dem Proposal f¨ ur diese Masterarbeit zeigt die urspr¨ ungliche Idee des Projekts, die zu dieser Arbeit gef¨ uhrt hat.
Die Idee dieses Projekts ist es eine umfassende Kommunikationsplattform f¨ ur Patienten zu erstellen. Dabei sollen Werkzeuge ¨ ahnlich wie in MySpace oder Wikipedia Patienten die M¨ oglichkeit geben, sich untereinander zu kontaktieren und auf unterschiedlichste Weise Wissen und Erfahrungen auszutauschen. Durch die Einbindung von medizinischem Wissen lassen sich die Eintr¨ age kategorisieren und verkn¨ upfen. Die Patienten k¨ onnen nach geographischen, medizinischen, demografischen und anderen Kriterien gezielt suchen und dadurch schnell zu Informationen, Know-How, Kontakten, Organisationen und anderem finden. Diese Informationen k¨ onnen durch die grosse Anzahl an M¨ oglichkeiten, die das Internet heute bietet, beinahe beliebig erweitert werden. So sind zum Beispiel Ratings von ¨ Arzten, Krankenkassen oder
Medikamenten nur einfache Beispiele von Tools, die einen grossen Nutzen bringen, wenn sie in ein solches System integriert werden.
1.1. Danksagungen
An dieser Stelle m¨ ochte ich allen Beteiligten der Universit¨ aten Fribourg und Bern daf¨ ur danken, dass ich diese Arbeit auf unkomplizierte Art durchf¨ uhren konnte. Ein spezieller Dank gilt Daniel Fasel und Andreas Meier, die mich bei den verschiedensten Fragen und beim Erstellen der Arbeit unterst¨ utzt haben. Mein besonderer Dank geb¨ uhrt Stefan Eggli, der das Projekt Youvit.com stets mit grossem Enthusiasmus und viel Engagement
1
unterst¨ utzt hat und mir grosse Freiheiten und viel Verantwortung ¨ ubergeben hat und
Andreas Ammann von cre8 - exclusivdesign.ch, der f¨ ur das Design der grafischen Elemente von Youvit verantwortlich war. Und nicht zuletzt vielen Dank an meine Familie und Liliana. Ohne ihre Unterst¨ utzung, ihre grosse Geduld und Liebe w¨ are diese Arbeit nicht m¨ oglich gewesen.
2
2. Einleitung
2.1. Problemstellung
In den letzten Jahren haben Social Network Sites, wie zum Beispiel MySpace oder Facebook, sehr stark an Popularit¨ at gewonnen. Sie werden von unterschiedlichsten Personen verwendet und verzeichnen stark wachsende Mitgliederzahlen. F¨ ur viele Themengebiete existieren bereits solche Plattformen und es entstehen t¨ aglich neue. Im Gegensatz dazu findet die Kommunikation und der Wissensaustausch zwischen Patienten heute meistens im direkten Gespr¨ ach statt und bildet oft das Hauptthema eines Treffens, insbesondere bei fortgeschrittenem Alter. Erstaunlicherweise gibt es bis anhin nur wenig erfolgversprechende Ans¨ atze diese Kommunikationsm¨ oglichkeiten auch f¨ ur Patienten auf das Internet zu transferieren, obwohl gerade ¨ altere Leute immer mehr Zugang zum Internet bekommen. Daher stellt sich die Frage, ob die Kommunikation zwischen Patienten mithilfe von Social Network Sites unterst¨ utzt werden kann, und welche Vorteile dadurch f¨ ur die Patienten entstehen.
2.2. Zielsetzung
Im Rahmen dieser Masterarbeit sollen die M¨ oglichkeiten, die Patienten zur Kommunikation untereinander verwenden, analysiert werden, und es soll ein ¨ Uberblick ¨ uber die Hintergr¨ unde und den Aufbau von Social Network Sites gegeben werden. In einem zweiten Teil soll gezeigt werden, wie eine solche Webapplikation f¨ ur die Kommunikation zwischen Patienten konzeptioniert und aufgebaut werden kann. Der Schwerpunkt liegt dabei bei der Implementierung eines Prototyps. Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil behandelt die theoretischen Grundlagen (Kapitel 3 & 4). Im zweiten Teil wird gezeigt wie die Konzepte umgesetzt werden k¨ onnen und wie der Prototyp von Youvit.com entstanden ist (Kapitel 5). Ebenfalls wird gezeigt, welche Erweiterungsm¨ oglichkeiten das Projekt besitzt und welche Schwierigkeiten aufgetreten sind. Zum Schluss soll gezeigt werden, welche Verbesserungen in der Kommunikation zwischen Patienten erreicht werden konnten.
Die folgenden Fragestellungen werden dabei behandelt:
Welche Grunds¨ atze existieren bei der Kommunikation zwischen Patienten? Welche Anforderungen stellen Patienten an eine Kommunikationsplattform? Diese Fragen sollen einen ¨ Uberblick ¨ uber die Kommunikation zwischen Patienten verschaffen. Sie werden in Kapitel 3 behandelt.
3
Was ist der Ursprung, die geschichtliche Entwicklung und der typische Aufbau von Social Network Sites?
Um diese Fragen zu beantworten wird in Kapitel 4 genauer auf Social Network Sites eingegangen und es wird die n¨ otige Theorie erarbeitet. Wie kann eine Social Network Site zur Kommunikation zwischen Patienten aufgebaut werden und welche Funktionen m¨ ussen angeboten werden? Mithilfe der Ergebnisse aus Kapitel 3 & 4 wird eine Requirements-Analyse durchgef¨ uhrt und festgelegt, welche Anforderungen der Prototyp erf¨ ullen muss. Wie wird eine Webapplikation dieser Gr¨ osse aufgebaut? Welche Technologien werden f¨ ur die gesetzten Anforderungen eingesetzt?
F¨ ur die Implementierung des Prototyps ist es wichtig diese Fragen zu beantworten, um ideale Entscheidungen f¨ ur die eingesetzten Technologien und Architektur zu treffen. Im Kapitel 5 wird auf diese Fragen eingegangen. Welche Erweiterungsm¨ oglichkeiten besitzt das Projekt? Im Verlauf der Entwicklung des Prototyps werden die Erweiterungsm¨ oglichkeiten des Projekts sichtbar. Diese werden in einem eigenen Abschnitt in Kapitel 5 be-handelt.
Welche Vorteile entstehen durch die Verf¨ ugbarkeit einer solchen Plattform f¨ ur Patienten gegen¨ uber den bisherigen M¨ oglichkeiten zur Kommunikation? Die Vorteile der Verwendung von Social Network Sites zur Kommunikation zwischen Patienten werden anhand des fertiggestellten Prototyps sichtbar und in der Zusammenfassung, in Kapitel 6, diskutiert.
2.3. Vorgehensweise
Der theoretische Teil ¨ uber die Kommunikation zwischen Patienten und Social Network
Sites wurde haupts¨ achlich durch Literaturstudium und Internetrecherche erarbeitet. Mit dem Vergleich von verschiedenen Social Network Sites konnten zus¨ atzliche Informationen gewonnen werden, die zur Realisierung des praktischen Teils, insbesondere f¨ ur die Entwicklung des Prototyps, von grossem Nutzen waren. Ebenso war der Kontakt zu den ¨ Arzten im Inselspital eine wertvolle Quelle von Informationen. In Brainstormings, Interviews und Umfragen (mit ¨ Arzten und Patienten) konnte viel Wissen, besonders zum
praktischen Teil, gewonnen werden, das stark in die Ergebnisse dieser Arbeit eingeflossen ist.
Dar¨ uber hinaus bringt der Autor dieser Arbeit mehrj¨ ahrige Erfahrung in der Entwicklung von Datenbanken und speziell Klinikinformationssystemen mit, was auch einen Einfluss auf die Resultate dieser Arbeit hat.
4
3. Kommunikation zwischen Patienten
Patienten sprechen h¨ aufig ¨ uber ihre Krankheiten und besonders f¨ ur ¨ altere Menschen, die bereits einige Erfahrungen mit Krankheiten gemacht haben, ist die Gesundheit ein zentrales Gespr¨ achsthema. Dies erstaunt wenig, denn die Gesundheit ist eines der grundlegenden Bed¨ urfnisse der menschlichen Natur. Bereits Maslow hat dies in seiner Bed¨ urfnispyramide (Abbildung 3.1) festgestellt.
Abbildung 3.1.: Bed¨ urfnispyramide nach Abraham Harold Maslow (1908-1970)
Bei Unklarheiten zu gesundheitsbezogenen Fragen wollen Patienten daher m¨ oglichst schnell Antworten erhalten. Sie sind verunsichert und ben¨ otigen Hilfe und Unterst¨ utzung. Da die Medizin f¨ ur Laien aber ein sehr grosses und komplexes Wissensgebiet darstellt, ist es f¨ ur die Patienten wichtig, vertrauensw¨ urdige Informationsquellen zu haben. Dem Patienten stehen verschiedene M¨ oglichkeiten der Informationsbeschaffung zur Verf¨ ugung. Einen ¨ Uberblick gibt die Studie von Dynamarks [11] aus dem Jahr 2006, wonach sich uberwiegender Mehrheit von ¨ die Patienten ihre Informationen mit ¨ Arzten (88%) oder
Apotheken (68%) im Gegensatz zu lediglich (50%) aus dem Internet beschaffen. Eine neuere Studie der National Business Group on Health [5] macht aber deutlich, dass Patienten zwar immer noch den ¨ arztlichen Rat ber¨ ucksichtigen, sich aber auch immer mehr selbst informieren. Die einfachste und spontanste Art der Informationsbeschaffung, die am h¨ aufigsten beansprucht wird, ist der Informationsaustausch in der Familie und im Bekanntenkreis. Oftmals besitzen Patienten auch Kontakte, die bereits Erfahrungen mit ihren Krankheiten haben und informieren sich so unkompliziert zum Beispiel bei einem
5
Treffen oder Telefongespr¨ ach. Ebenfalls gibt es oftmals Personen im Bekanntenkreis, die erweitertes Wissen ¨ uber Gesundheitsthemen besitzen und so als erstes angefragt werden k¨ onnen, wenn Fragen oder Beschwerden auftreten. Ein anderes wichtiges Bed¨ urfnis der Patienten ist es, ¨ uber ihre Probleme sprechen zu k¨ onnen. Sie wollen, dass ihnen jemand zuh¨ ort, ihre Probleme ernst nimmt und ihnen hilft. Ebenso wichtig ist es aber f¨ ur sie, dass sie durch ihr Wissen anderen Patienten helfen k¨ onnen.
3.1. Formen der Kommunikation zwischen Patienten
Patienten haben verschiedene M¨ oglichkeiten sich untereinander auszutauschen. Jede dieser M¨ oglichkeiten bietet ihre speziellen Vor- und Nachteile. In diesem Abschnitt soll untersucht werden, welche Mittel zur Kommunikation h¨ aufig verwendet werden und wie sich die verschiedenen Mittel unterscheiden. Dabei wird der Schwerpunkt auf die M¨ oglichkeiten der Kommunikation im Internet gelegt.
3.1.1. Direktes Gespr¨ ach in der Familie oder im Bekanntenkreis Wie schon im vorherigen Abschnitt festgestellt wurde, ist das Gespr¨ ach in der Familie oder im Bekanntenkreis die gebr¨ auchlichste Form der Kommunikation zwischen Patienten. Fragen und ¨ Angste k¨ onnen so einfach kommuniziert, Erfahrungen geteilt und
Ratschl¨ age gegeben werden. Wie wichtig diese sozialen Kontakte f¨ ur die Gesundheit sein k¨ onnen, zeigt eine Studie der University of Michigan, nach der Patienten mit grossen Freundes- und Bekanntenkreisen bei Operationen weniger Angst und Schmerzen haben und schneller genesen als Patienten mit einem schwachen sozialen Netzwerk[17].
3.1.2. Selbsthilfegruppen
In Selbsthilfegruppen treffen sich eine Gruppe von Menschen regelm¨ assig, um ¨ uber gemeinsame Probleme, Konflikte und Anliegen zu reden. Der Austausch mit Gleichbetroffenen erm¨ oglicht es den Teilnehmenden, die eigene Situation besser zu verstehen und zu verbessern[HDH07]. Oft geht es dabei um Gesundheitsprobleme, schwere oder seltene Krankheiten oder um die Bew¨ altigung von Lebenskrisen. Selbsthilfegruppen dienen zur Information von Betroffenen und Angeh¨ origen und gegenseitiger Lebenshilfe. Ein wichtiges Element ist hierbei der Erfahrungsaustausch, der dem Einzelnen neue L¨ osungswege aufzeigen kann. Ferner vertreten sie Belange und Interessen ihrer Mitglieder gegen¨ uber Institutionen und Beh¨ orden, kl¨ aren die ¨ Offentlichkeit ¨ uber Probleme
und Selbsthilfem¨ oglichkeiten auf und geben Anregungen bzw. initiieren Forschungen. In Selbsthilfegruppen wird Selbstinitiative und Selbstverantwortung grossgeschrieben. Daher sind die Gruppen sehr individuell, wie ihre Mitglieder selbst und deren aktuelle Lebenssituation. Selbsthilfegruppen bilden sich nach Bed¨ urfnis, ver¨ andern sich, bleiben bestehen oder l¨ osen sich irgendwann wieder auf. Gerade diese Unabh¨ angigkeit und Vielfalt sowie der nicht-professionelle Charakter zeichnen den Selbsthilfegedanken aus[10, 48].
6
3.1.3. Internet
Durch die vielz¨ ahligen Kommunikationsm¨ oglichkeiten, die das Internet bietet, wird es in zunehmenden Masse auch von Patienten zur Kommunikation ¨ uber gesundheitliche
Themen genutzt. Durch die grosse Menge an Internetbenutzern kann das Internet als eine Art Erweiterung des Bekanntenkreises angesehen werden, in dem zu jedem Problem Ansprechpartner gefunden werden k¨ onnen. Dabei werden meistens die M¨ oglichkeiten genutzt, die im folgenden beschrieben werden.
Die einfachste und meistverwendete Art der Kommunikation im Internet sind E-Mails. Mittels E-Mails k¨ onnen Patienten untereinander kommunizieren und die Vorteile der zeitlichen und geografischen Unabh¨ angigkeit der Kommunikation im Internet nutzen. Der Nachteil von E-Mails ist es, dass damit meistens nur mit bereits bekannten Personen kommuniziert wird, denn es ist schwierig im Internet eine E-Mail-Adresse von einer vertrauensw¨ urdigen Person zu finden, die f¨ ur eine bestimmte Krankheit als Ansprechperson kontaktiert werden kann.
Private Homepages
Menschen, die direkt oder in ihrem Umfeld von gesundheitlichen Problemen betroffen sind oder sich aus anderen Gr¨ unden f¨ ur medizinische Themen interessieren, k¨ onnen im Internet auf einfache Weise ihr Wissen zu diesen Themen in einer eigenen Homepage publizieren. Dies geschieht oftmals aus dem Wunsch, anderen Menschen mit denselben Fragen zu helfen und sie zu unterst¨ utzen. Hierzu gibt es unz¨ ahlige Beispiele. Zwei Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum seien hier erw¨ ahnt.
• http://www.krebs-point.de[21] - Informationsseite zum Thema Krebs von einer privaten Person die selbst von der Krankheit betroffen ist
• http://www.cocolady-morbushodgkin.de.vu[9] - Seite ¨ uber Lymphknotenkrebs von einer selbst betroffenen Person
Beim Betrachten dieser Homepages wird aber der Nachteil ersichtlich, dass statische Webseiten nicht zur Kommunikation geeignet sind. Daher werden diese Homepages h¨ aufig durch G¨ asteb¨ ucher, Mailinglisten und Diskussionsforen erg¨ anzt, um eine M¨ oglichkeit zur Kommunikation mit den Besuchern anzubieten.
Mailinglisten
Mailinglisten sind eine sehr einfache M¨ oglichkeit der Kommunikation zwischen mehreren Usern im Internet. Es wird eine Liste von E-Mail-Adressen erstellt, und dieser Liste eine eigene E-Mail-Adresse zugewiesen. ¨ Uber diese Adresse k¨ onnen User alle in der Liste
eingetragenen User erreichen. Durch die sehr einfache Verwendung mittels E-Mail sind Mailinglisten wohl die einfachste Art zur Kommunikation innerhalb einer Gruppe im Internet.
7
•
http://de.groups.yahoo.com/group/krebs-point[23] - Mailingliste zum Austausch
uber das Thema Krebs ¨
Mailinglisten werden h¨ aufig als Erg¨ anzung einer Homepage verwendet, da dadurch eingeschriebene Benutzer ¨ uber Neuigkeiten informiert werden k¨ onnen. Sie k¨ onnen aber auch ohne Homepage verwendet werden. Die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe k¨ onnen zum Beispiel eine Mailingliste verwenden, um innerhalb der Gruppe ¨ uber das Internet zu kommunizieren.
Foren
Das Forum, h¨ aufig auch als Messageboard oder Newsgroup bezeichnet, geh¨ ort zu den beliebtesten Treffpunkten im Internet. Wie in Mailinglisten ist die Kommunikation auch bei Foren asynchron. Die kommunizierenden User m¨ ussen sich nicht zur gleichen Zeit am selben Ort befinden und Diskussionen k¨ onnen ¨ uber l¨ angere Zeit gef¨ uhrt werden.
Foren sind gut dazu geeignet, um Fragen zu stellen und zu beantworten und geben der Gemeinschaft ein Bewusstsein von Zusammengeh¨ origkeit, da sie eine Art gemeinsame Vergangenheit darstellen. Im Internet besteht eine grosse Anzahl an Diskussionsforen zu gesundheitsbezogenen Themen.
• http://www.patient-zu-patient.de/forum[49] - Eine Sammlung von Foren zu verschiedenen gesundheitsbezogenen Themen
• http://www.patientenfragen.net[36] - Anderes deutschsprachiges Forum mit Fragen von Patienten
Chats
Chats erlauben es den Internetbenutzern in Echtzeit miteinander zu kommunizieren. Diese synchrone Kommunikation vermittelt den Usern ein Gef¨ uhl von Unmittelbarkeit und Pr¨ asenz. Es entspricht viel mehr dem Ansatz von direkter Kommunikation als zum Beispiel ein Forum. Bei dringenden Fragen erlaubt ein Chat sofortige Antwort von anderen Usern. Es existieren verschiedene Chats die von Patienten eingesetzt werden. Es kann aber unter Umst¨ anden schwierig sein, einen Chat zu einem gewissen Thema zu finden, da viele Chats nur unregelm¨ assig durchgef¨ uhrt werden.
• http://psycho-chat.mainchat.de[3] - Selbsthilfe-Chat f¨ ur Betroffene von Angst-und Panikst¨ orungen
• http://www.multiplesklerosechat.de[12] - Chat zum Thema Multiple Sklerose
Blogs
Blogs sind Artikel, die von einem User verfasst werden und dann von anderen Usern kommentiert werden. Somit sind Blogs eine spezielle Form von Diskussionsforen, bei der aber der Artikel im Zentrum steht. Meistens hat der Ersteller eines Blogs viele M¨ oglichkeiten
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um seine Artikel zu gestalten und kann Medien wie Bilder und Videos mit dem Artikel verkn¨ upfen. Blogs werden von Patienten h¨ aufig zum Erstellen von Tageb¨ uchern oder Erfahrungsberichten eingesetzt.
• http://de.wordpress.com/tag/krebs[45] - Blogs zum Thema Krebs
• http://www.abnehmwette.de[20] - Blogs zum Thema Abnehmen
Wikis
Wikis, wie zum Beispiel Wikipedia, sind Webseiten, wo die Benutzer selbst Inhalte schreiben, erg¨ anzen und ver¨ andern k¨ onnen. Gerade bei gesundheitsbezogenen Themen kann dies ein grosser Vorteil sein, denn verschiedene Meinungen und verschiedenes Wissen zu einem Thema kann so zusammengetragen und verwaltet werden.
• http://health.wikia.com[44] - Englischsprachiges Wiki zu verschiedenen Gesundheitsthemen
Ratings
Oftmals sind Patienten daran interessiert f¨ ur sie relevante Angebote und Dienstleistungen, wie zum Beispiel ¨ Arzte oder Spit¨ aler, zu vergleichen. Daf¨ ur werden im Internet Ratings angeboten, die den Usern erm¨ oglichen ihre Erfahrungen anderen Usern mitzuteilen und zu vergleichen.
• http://www.arzt-preisvergleich.de[4] - Preisvergleich f¨ ur ¨ Arzte und Dienstleistungen
• http://www.okdoc.ch[35] - ¨ Arztebewertung in der Schweiz (existiert seit Mai 2008)
Newsfeeds
Eine neuere Methode um sich ¨ Newsfeeds. ¨ Ahnlich wie bei einem Newsletter werden den registrierten Interessenten Neuigkeiten mitgeteilt. Der Anbieter einer Webseite zu Gesundheitsinformationen oder der Autor eines Blogs kann damit auf einfache Weise neue Inhalte zu einem Thema publizieren und die Interessenten werden automatisch ¨ uber die Neuigkeiten informiert.
Social Network Sites
Social Network Sites kombinieren einige oder alle der obengenannten M¨ oglichkeiten zur Kommunikation und verkn¨ upfen die Patienten miteinander. Durch die Vernetzung der Patienten anhand ihrer Profilinformationen k¨ onnen andere Patienten nach verschiedenen Kriterien gesucht werden, was zur Bildung von Netzwerken f¨ uhrt, wo die Patienten uber gesundheitsbezogene Themen diskutieren k¨ onnen. Im folgenden einige Beispiele ¨
von Webseiten, die dieses Konzept bereits umsetzen und sich mit patientenbezogenen
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Arbeit zitieren:
Bastian Kälin, 2008, Einsatz von Social Network Sites für die Kommunikation zwischen Patienten im Web 2.0, München, GRIN Verlag GmbH
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Lukas Kohli folgt nun Einsatz von Social Network Sites für die Kommunikation zwischen Patienten im Web 2.0
Bastian Kälin's Text Einsatz von Social Network Sites für die Kommunikation zwischen Patienten im Web 2.0 ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Bastian Kälin hat den Text Einsatz von Social Network Sites für die Kommunikation zwischen Patienten im Web 2.0 veröffentlicht
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Zizi A. Papacharissi
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