Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Begriffsklärung 5
2.1 Sozialraum 5
2.2 Jugendliche. 7
3. Aneignung von Räumen 8
3.1 Aneignungskonzepte. 8
3.2 Arten öffentlicher Räume 11
4. Nutzung von Räumen. 14
4.1 Freizeitverhalten 14
4.2 Raumnutzungskonflikte. 18
5. Der öffentliche Jugendraum - Ausgrenzung oder Lösung eines Konflikts? 19
6. Schlussbetrachtung 21
7. Literaturverzeichnis 23
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1. Einführung
Jugendliche Gruppen in Einkaufspassagen, an zentralen Stadtplätzen, auf Spielplätzen und an Hauseingängen - ein gewohntes, wenngleich wenig beliebtes Bild. Oft schwer zu verstehen ist das stundenlange „rumhängen“ ohne, für den erwachsenen Menschen, sinnvollen Bezug. Zudem ergibt sich aus ihrer Anwesenheit häufig ein hoher Lärmpegel, Belästigungen in Form von Pöbeleien oder Schmiererein. Dieses - durchaus stilisierte - Bild von Jugendlichen ist im alltagstheoretischen Kontext sehr verbreitet. Nicht immer ist dieses Bild falsch, dennoch werden hier viele Besonderheiten der Jugendphase oftmals nicht berücksichtigt. So beispielsweise die spezifisch hohe Freizeitverfügung, das jugendliche Probierverhalten unter Beachtung unvollständiger Rolleneinbindung innerhalb der Gesellschaft und die damit verbundene unvollständige Aneignung sozialer (und gesellschaftlich akzeptierter) Kompetenzen und Normen. Unter Einbeziehung der aneignungstheoretischen Konzepte, stellt die Aneignung von Räumen, und m. E. insbesondere auch von öffentlichen Räumen, einen wichtigen Faktor für die Individualentwicklung von Jugendlichen dar. Unter Berücksichtigung dieser These wird im Folgenden in dieser Arbeit die Frage geklärt, welche öffentlichen Räume in Städten von Jugendlichen vorzugsweise angeeignet werden und warum sie diese Orte präferieren.
Dem Hauptteil, welcher im Folgenden genannte konkrete Punkte beinhaltet, ist ein Kapitel der Begriffsklärung vorangestellt. Um der Behandlung des Themas Sozialraum ausreichend gerecht zu werden, soll zunächst eine kurze Auseinandersetzung mit dem Begriff erfolgen. Anschließend wird im Kapitel 2.2 die Bezeichnung Jugend näher spezifiziert, um im weiteren Verlauf genannte Entwicklungen oder statistische Auswertungen im Hinblick auf diesen Begriff werten zu können.
Die oben genannte Fragestellung implementiert eine Reihe von Faktoren. So versteht es sich von selbst zu betrachten, was der Begriff der Aneignung konkret beinhaltet und welche Besonderheiten sich aus der Aneignung innerhalb der Jugendphase ergeben. Zudem müssen Arten von Räumen der Öffentlichkeit unterschieden und deren Bedeutung für Jugendliche festgestellt werden. Hinter dem Bedeutungsaspekt steht vor allem die Kategorie des Freizeit- und Gruppenverhaltens innerhalb dieser öffentlichen Räume, welches im Kapitel 4.1 detaillierter betrachtet
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wird. Die oben genannte Negativ-Assoziation von Jugendlichen ist in vielen Fällen auf Konflikte in der Raumnutzung zurückzuführen. Im Kapitel 4.2 wird daher der grundlegende Konflikt und seine Ursachen unter Einbeziehung der Erkenntnisse der vorangegangenen Kapitel herausgearbeitet.
Abschließend erfolgt in Konsequenz der Vorangegangenen Feststellungen eine Diskussion darüber, inwiefern spezielle Räume für Jugendliche (Jugendclubs/räume) Konflikte in der Raumnutzung (beispielsweise in Einkaufspassagen) beheben bzw. abschwächen könnten.
Diese Arbeit bezieht sich auf Sozialräume von Jugendlichen in Städten. Begründet ist dies dadurch, dass ländliche und städtische Gebiete unterschiedliche Strukturen aufweisen. Während Städte und ihre Randgebiete stark durch Konsum geprägt sind, weisen ländliche Regionen eher eine Erholungsstruktur auf. Jugendliche die in ländlichen Regionen leben, haben meist einen hohen Bezug zu den nahe liegenden größeren Städten. Nicht nur, dass sie meist städtische Schulen besuchen, auch ihre Freizeitaktivitäten (u.a. Diskobesuche) verlagern sie wegen des besseren Angebots häufig in die Städte. Hier weichen die Jugendlichen insbesondere bezüglich ihrer Mobilität von Jugendlichen aus Städten ab bzw. gehören in gewissem Maße auch zu Jugendlichen, die ihre Sozialräume in Städten haben. Sie sollen hier demnach nicht als gesonderte Gruppe betrachtet werden (Vgl. Thiele/ Preis 2002, S. 30-33). Jugendzentren werden nicht als gesonderte Kategorie betrachtet, weil sie, trotz ihrer spezifischen Ausrichtung, ebenso angeeignet werden müssen (Akzeptanz durch Sozialarbeiter/ andere Jugendliche).
Ausgeschlossen aus den Betrachtungen werden zudem virtuelle Räume. Auch wenn diese durch die relativ allgemeine Zugänglichkeit als öffentlich zu bezeichnen sind, unterscheiden sie sich doch stark in Struktur und Charakteristik zu anderen öffentlichen Räumen.
Wie bereits im Titel genannt, bezieht sich diese Arbeit nur auf öffentliche Räume, auch wenn, wie im Kapitel Freizeit betrachtet wird, sich die Freizeitgestaltung zunehmend auch auf Grund der Nutzung der virtuellen Öffentlichkeit z.T. in den privaten Sozialraum (elterliche/eigene Wohnung). Die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit werden jedoch gerade im Zuge neuer medialer bzw. kommunikativer Entwicklungen fließender.
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2. Begriffsklärung
2.1 Sozialraum
Das Verständnis von Raum ist in vielerlei Hinsicht auf eine rein physikalische Sicht beschränkt. „In Anlehnung an Newtons Theorie des ‘absoluten Raumes’ wird das Weltbild der klassischen Physik reproduziert, in dem der Raum und seine körperlichen Aspekte entkoppelt werden“ (Schubert 2000, S.11). Albert Einstein spitzte diese Ansicht zu, in dem er die Vorstellung von einem Raum als Container vertrat, welcher scheinbar a priori vorhanden ist um Inhalte gesellschaftlicher und sozialer Natur aufzunehmen (Vgl. Schubert 2000, S.11). „Das physikalische Raumbild blendet den funktionalen Kontext der gesellschaftlichsozialen Inhalte des Raumes vollständig aus, als ob beispielsweise der öffentliche Raum unabhängig von den Menschen, die ihn organisieren und darin leben, eine eigenständige Kategorie sei“ (Schubert 2000, S.11). Die Naturwissenschaften verabschiedeten sich vom klassischen Raumverständnis der Physik, insbesondere durch die Theorie Einsteins der „Lagerungs-Qualität der Körperwelt“, nach der Objekte und Raum einen unauflösbaren Zusammenhang bilden, „weil Orte innerhalb des Raumes jeweils nur durch die relationale Lage der Objekte bestimmt werden“ (Schubert 2000, S.12). Allerdings zog diese Auffassung laut Schubert in den Bereich der Planungswissenschaften nicht ein: „Stattdessen herrscht ein Dualismus des Raumbegriffs vor. Der Raum wird in zwei verschiedene Typen gespalten: in den physikalischen Raum und in die soziale Raumnutzung“ (Schubert 2000, S.12).
Nach Thomas Coelen gibt es in den Sozialwissenschaften eine ähnliche Tendenz. „Die Kategorie des Raumes ist in den Sozialwissenschaften lange Zeit vernachlässigt oder ignoriert worden. Der Raum wurde als tot fixiert oder als undialektisches, unlebendiges, ‘geheimnisvolles Element’ angesehen“ (Coelen 2003, S. 64).
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Die Ablehnung des Raumbegriffs insbesondere im deutsprachigen Raum ist nach Coelen durch die politischen Raumbezüge im Nationalsozialismus stark historisch geprägt. Hinzu kommt die moderne Auffassung, dass sich der soziale Raum im Zuge der Modernisierung quasi auflöst, als eine Kategorie, die im Zeitalter der Globalisierung für die Identitätsbildung kaum noch eine Rolle spielen kann. Insbesondere die Entstehung des virtuellen Raumes (Internet), ist, m. E. jedenfalls oberflächlich betrachtet, unabhängig vom realen Raum (Vgl. Coelen 2003, S.65/66). Doch die Affinität der Sozialwissenschaften zum physikalischen Raum ist nicht die einzige Strömung innerhalb dieses Wissenschaftsbereiches. Vielmehr gibt es nach Michael Schumann, je nach theoretischem Begründungszusammenhang, ganz verschiedene Auffassungen von Sozialraum, so beispielsweise als Lernraum (Pädagogik) oder als Raum unterschiedlicher Lebenslagen (Soziologie) (Vgl. Schumann o.J., S. 1).
„Wenn auch der Fokus von sozialräumlichen Untersuchungen je nach wissenschaftlicher, zeitlicher und theoretischer Perspektive jeweils ein anderer ist, so stellt in der deutschsprachigen wissenschaftlichen Diskussion die von Martha Muchow in den 30er-Jahren in Hamburg durchgeführte Studie über den ‘Lebensraum des Großstadtkindes’ den Ausgangspunkt vieler solcher Schriften dar. Die neuartige Perspektive in Muchows Untersuchung bestand darin, ‘den Menschen und die Umwelt als unauflösliche dialektische Einheit zu fassen, als zwei Seiten ein und derselben Welt’.“ (Reutlinger 2003, S. 30).
So erfasst es Coelen in ähnlicher Weise, wenn er der Auffassung ist, „dass ein Sozialraum immer zugleich ‘Behälter’ und ‘Inhalt’ ist und durch diese Doppelheit seine identitäre Bedeutung erhält“ (Coelen 2003, S.68). Häufig wird auch der Begriff des Aktionsraums synonym zum Begriff des Sozialraumes verwendet. Allerdings kann ein Aktionsraum, hier verstanden als die Menge aller von einer Person in einem bestimmten Zeitraum aufgesuchten Orte in einem Gebiet, erst dann zum Sozialraum werden, wenn „Dauerhaftigkeit und Regelmäßigkeit, Alltäglichkeit, Wahrnehmungsintensität, Identifikation und vor allem kommunikative und materielle Gestaltung in Verbindung mit anderen Menschen“ (Ebd. S.71) in ihm erfolgt. Der Aktionsraum kann demzufolge eher als eine geographische Komponente verstanden werden. Die Aktionsräume von Menschen unterscheiden sich in verschiedenen Lebensabschnitten und in den verschiedenen Lebensbereichen voneinander. Kinder
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Arbeit zitieren:
M.A. Janin Zippel, 2006, Jugend in der Stadt: Aneignung und Nutzung öffentlicher Sozialräume von Jugendlichen in Städten, München, GRIN Verlag GmbH
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